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Veröffentlicht am 12.12.2018

Schilderung des Alltags in einer Nachbarschaft, in der sich nach und nach die wohl gehüteten Probleme der einzelnen Familien offenbaren.

Vorstadtgeflüster
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Eine Nachbarschaft in Los Angeles. Hier Wohnt Frances Bloom, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Sie ist die "gute Seele" des Viertels, die sich insbesondere um die Kinder ihrer Nachbarn kümmert, die ...

Eine Nachbarschaft in Los Angeles. Hier Wohnt Frances Bloom, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Sie ist die "gute Seele" des Viertels, die sich insbesondere um die Kinder ihrer Nachbarn kümmert, die sie Tag für Tag zu Schule und Kindergarten fährt. Ihre Routine wird unterbrochen, als sie Anne beim Seitensprung mit einem jungen Mann erwischt, der zur Trennung von ihrem Ehemann Charlie führt. Das ist der Auslöser dafür, dass sich auch die anderen Paare über den Zustand ihrer Ehen Gedanken machen. Frances und Michael fragen sich, ob sie nur noch Partner sind, die durch die drei Kinder verbunden sind, da die Leidenschaft in ihrer Ehe abhanden gekommen ist. Iris fürchtet eine Konfrontation mit Sara, wenn sie ihr von ihrem erneuten Kinderwunsch erzählt.
Während der tief verletzte Charlie in der gesamten Nachbarschaft gegen seine Frau wettert, wäre Bill dagegen früh, wenn er mit seiner Frau Julie so geringfügige Probleme wie einen Seitensprung hätte.

Der Roman beschreibt den Alltag in einer gewöhnlichen Nachbarschaft, in der ein Ereignis die Fassaden bröckeln lässt und erkennbar wird, dass nicht alle vordergründigen Vorzeigeehen tatsächlich so harmonisch und unkompliziert sind, wie gedacht. Auch wenn der Seitensprung eine rein private Angelegenheit von Anne, Liebhaber Richard und Ehemann Charlie ist, unter dem vor allem die beiden Kinder leiden, ist die außereheliche Affäre Thema Nr. 1 der Nachbarschaft, die allen anderen zu denken gibt.

Der Schreibstil von Abbi Waxman, deren Debüt "Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen" ich als Wohlfühlroman gern gelesen habe, ist auch bei diesem Roman wieder erfrischend und humorvoll, allerdings eine Spur derber. Stellenweise ging mir der Humor etwas zu sehr unter die Gürtellinie und auch in Bezug auf Sex hätte ich mir manchmal weniger klare Worte gewünscht.

Als Leser erhält man Einblick in vier Familien mit Kindern, so dass man sich mit vielen verschiedenen Charakteren konfrontiert sieht, die jedoch so gut - auch mittels einer kleinen Karte zu Beginn des Romans - eingeführt werden, dass man den Überblick nicht verliert. Aufgrund der Vielzahl der Personen lernt man sie, bis auf Frances, die im Fokus des Romans steht, nur oberflächlich kennen.

Unweigerlich fühlte ich mich beim Lesen an die Wisteria Lane der Serie Desperate Housewives erinnert. Allerdings konnte mich der Roman nicht so wirklich packen. Dafür war mir der "Skandal" um Anne in einer Zeit, in der sich so viele Paare trennen und scheiden lassen, nicht außergewöhnlich genug, um einen Einfluss auf die anderen Paare zu begründen und einen ganzen Roman mit der Affäre und ihren Auswirkungen auf Anne, Charlie und ihre Nachbarn zu füllen. Darüber hinaus störte mich die zumal vulgäre Ausdrucksweise.

Veröffentlicht am 10.12.2018

Roman über einen Neuanfang nach einem tragischen, unerwarteten Verlust an einem sehr schönen Handlungsort

Dein Bild für immer
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Sophie ist 28 Jahre alt und muss einen schweren Verlust verarbeiten. Vor sechs Monaten ist ihr Verlobter Maximilian, mit dem sie inzwischen verheiratet sein sollte, bei einem Verkehrsunfall gestorben. ...

Sophie ist 28 Jahre alt und muss einen schweren Verlust verarbeiten. Vor sechs Monaten ist ihr Verlobter Maximilian, mit dem sie inzwischen verheiratet sein sollte, bei einem Verkehrsunfall gestorben.
Überraschend erhält sie Flugtickets für eine Reise nach Bali, die Maximilian als Flitterwochen für sie gebucht hatte. Zunächst zögert Sophie, doch dann beschließt sie, die Reise allein anzutreten. Auf dem Flug begegnet sie Niklas, einem Fotografen, der beruflich nach Bali fliegt und den Platz von Niklas als Upgrade erhalten hat. Nichtsahnend begegnet er Sophie mit lockeren Sprüchen, mit denen sie in dem Moment wenig anfangen kann. Doch auch auf Bali kreuzen sich ihre Wege. Niklas wird neugierig auf die elfengleiche, traurige junge Frau, die auf ihn so schutzbedürftig und hilflos wirkt.

Sophie ist mit der Situation auf Bali, der Honeymoon-Suite und dem Verlust Maximilians, der während der Flitterwochen allein wieder so gegenwärtig ist, überfordert. Sie hält es in dem Luxushotel nicht aus und schließt sich Niklas auf seiner Tour durch Bali an.

Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive von Sophie bzw. Niklas geschrieben, so dass man als Leser in beide Gefühlswelten eintauchen kann und stets weiß, was die/ der eine über den/ die andere denkt. Die Wechsel erfolgen so schnell, dass die Übergänge kaum merkbar sind, keine Brüche entstehen und der Roman dynamisch wirkt.

Während Sophies Trauer allgegenwärtig ist, ist zunächst nicht klar, was Niklas aus der Vergangenheit belastet, dass er sich so ungern an eine Frau bindet und sein freies, ungebundenes Leben als Fotograf, der sich von einem Auftrag zum nächsten hangelt, genießt.

Sophie kommt aus einer ganz anderen Welt, wollte stets den Ansprüchen ihrer gut betuchten Eltern genügen und hat wegen Maximilian, mit dem sie zwölf Jahre zusammen war, Jura studiert und mit ihm in der Kanzlei seiner Eltern gearbeitet.
So ist es interessant zu lesen, wie sich Sophie und Niklas auf ihrem gemeinsamen Weg langsam annähern und wie Sophie mit sich ringt, Gefühle für Niklas zuzulassen, schließlich ist Maximilian gerade sechs Monate tot.

Die Beschreibungen Balis sind so anschaulich, dass ich mich direkt an die Handlungsorte versetzt gefühlt habe und Bilder im Kopf hatte.
Auch wenn der Ausgangspunkt der Handlung ein Trauerfall ist, ist der Roman nicht schwermütig. Hier geht es weniger um Trauerverarbeitung, sondern um den Mut, neu anzufangen und in die Zukunft statt in die Vergangenheit zu blicken. So spielte Maximilian als Person keine Rolle und man gewann im Verlauf des Romans den Eindruck, dass Sophie und er gar nicht so gut zusammen gepasst haben bzw. dass Sophie sich für Maximilian verändert hat. Dadurch ist (leider) schnell vorhersehbar, was sich nach der ersten Begegnung im Flugzeug zwischen Sophie und Niklas entwickeln wird. Die Phase der Annäherung und die Reibereien, die es dabei immer wieder gibt, sind jedoch sehr unterhaltsam zu lesen, so dass der Roman trotz allem nicht langweilig wird.

"Dein Bild für immer" ist ein flüssig zu lesender Liebesroman, der den inneren Konflikt Sophies herausarbeitet und ihr Gefühlschaos und weniger die Trauer um den kürzlich erlittenen Verlust in den Vordergrund rückt. Sophie entwickelt durch ihren Aufenthalt auf Bali ein neues Selbstbewusstsein und ist bereit für einen Neuanfang.

Für mein Empfinden geriet Maximilian - Sophies erste und bisher einzige Liebe - zu schnell emotional in Vergessenheit. Auch fand ich es nicht so ganz nachvollziehbar, dass Sophie während der sechs Monate ihr ganzes bisheriges Leben in Frage stellt und letztlich umkrempelt.

Veröffentlicht am 08.12.2018

Kriminalroman mit Thrillerelementen, der spannend geschrieben und unterhaltsam zu lesen ist. Interessanter Fall und glaubwürdige Charaktere.

Fünf
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Auf einer Kuhweide wird eine Frauenleiche gefunden, auf deren Fußsohlen Koordinaten eintätowiert sind. Diese führen die beiden Salzburger Kommissare Beatrice Kaspary und Florian Wenninger zu einer Plastikbox ...

Auf einer Kuhweide wird eine Frauenleiche gefunden, auf deren Fußsohlen Koordinaten eintätowiert sind. Diese führen die beiden Salzburger Kommissare Beatrice Kaspary und Florian Wenninger zu einer Plastikbox mit einer abgetrennten Hand und einer weiteren Botschaft des Täters, die von der toten Frau geschrieben wurde. Es beginnt ein Hase-und-Igel-Spiel, bei dem der Täter auf das Geocaching, eine GPS-gestützte Schnitzeljagd, zurückgreift und Kaspary und Wenninger zu weiteren Leichenteilen führt. Die Opfer und durch Botschaften potentiell gefährdete Personen scheinen in keinem Zusammenhang zu stehen, weshalb sich die Ermittler schwertun, ein Motiv zu erkennen, mit dem er Täter überführt werden könnte.

Wie die Ermittler selbst steht man auch als Leser lange vor einem Rätsel, was der Hintergrund für die Morde sein könnte, da es keine Schilderungen aus Sicht des Täters gibt. Schrittweise sammeln sich die Spuren und werden Puzzleteile zusammengeführt, so dass der Spannungsbogen um die Tätersuche bis zum Schluss aufrecht erhalten werden kann.

Darüber hinaus ist das Ermittlerduo ein sympathisches Team, so dass man sie gerne bei der Arbeit begleitet und auch an ihrem Privatleben teilnimmt, wobei dieses nur eine untergeordnete Rolle spielt und insbesondere den Konflikt einer alleinerziehenden Mutter beschreibt, die Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hunt bringen sowie die noch frische Trennung von ihrem Ehemann endgültig vollziehen muss. Zusätzlicher Nervenkitzel entsteht durch das besondere Engagement und den Ehrgeiz von Kaspary, mit dem sie sich dem Täter auf einer persönlichen Ebene nähert und damit selbst in Gefahr bringt.

"Fünf" ist der erste Teil der vierbändigen Reihe um die beiden Salzburger Kommissare und ist ein solider Kriminalroman mit Thrillerelementen, der spannend geschrieben und unterhaltsam zu lesen ist. Sowohl die gut durchdachte Kriminalhandlung, die kniffligen Ermittlungen und Rätsel, die sich auftun und die Aufklärung des perfiden Falls erschweren, als auch die glaubwürdigen Charaktere sind überzeugend dargestellt und machen neugierig auf weitere Teile der Krimireihe aus Salzburg.

Veröffentlicht am 07.12.2018

Kurzweilige Unterhaltung zur Weihnachtszeit abseits der typisch romantischen Wintergeschichten - leider etwas klamaukartig

Hauptsache, der Baum brennt
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Sarah Christkind ist von Beruf Psychotherapeutin, Mutter von zwei Kindern und gerade frisch getrennt von ihrem Ehemann Oliver. Am 2. Dezember staunt sie nicht schlecht, als ein Mann vor ihrer Tür in München ...

Sarah Christkind ist von Beruf Psychotherapeutin, Mutter von zwei Kindern und gerade frisch getrennt von ihrem Ehemann Oliver. Am 2. Dezember staunt sie nicht schlecht, als ein Mann vor ihrer Tür in München steht und steif und fest behauptet, der Weihnachtsmann zu sein. Er sucht Ersatz für das Christkind, das er versehentlich mit seinem Rentierschlitten überfahren hat und meint, in Sarah fündig geworden zu sein. Diese schwankt zwischen Mitgefühl und Genervtsein und geht von einer psychischen Störung des Mannes aus. Sie kümmert sich notgedrungen um ihren Patienten, der hartnäckig bleibt und einfach nicht von ihrer Seite weichen will.

Für Sarah, die noch verletzt von der Trennung ihres Mannes ist, der sich eine jüngere Freundin zugelegt hat, und als Mutter zweier pubertierender Kinder ohnehin gestresst ist, beginnt damit eine turbulente Adventszeit, in welcher sie von dem - zugegebenermaßen äußerst attraktiven - Weihnachtsmann in eine absurde und peinliche Situation zur nächsten gerät.

"Hauptsache, der Baum brennt" ist, wie der Titel bereits erahnen lässt, ein amüsanter Weihnachtsroman. Der Humor ist allerdings eher flach, die Witze nach meinem Geschmack etwas lahm bis frivol. So öffnet sich der Weihnachtsmann ohne Hose auf dem Weihnachtsmarkt auf die Frage einer Passantin nach seinem Sack den Mantel oder spricht von Penissen am Würstchenstand.
Bei Sarah in der Wohnung stellt sich der Weihnachtsmann wenig geschickt an, macht ein Feuer in der Badewanne oder wäscht das Geschirr in der Waschmaschine.
Auch wenn ich keinen tiefgängigen Roman erwartet hatte und man über den ein oder anderen Logikfehler hinweg sehen kann (warum trägt der Weihnachtsmann im Dezember sein Sommeroutfit? Warum sucht er nicht zunächst nach dem echten Christkind?), hätte ich mir ein paar weniger Albernheiten gewünscht.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Sarah geschrieben, so dass man sich in ihre stressige Situation gut hineinfühlen kann. Sie spricht vom Weihnachtsmann nur als ihr "Problem", sieht ihn dann als Patienten, verguckt sich aber auch in sein gutes Aussehen. Gleichzeitig weint sie ihrem Ehemann hinterher und spielt mit dem Weihnachtsmann, um Oliver eifersüchtig zu machen.

Durch die detaillierten Beschreibungen fühlt man sich unmittelbar in die von Situationskomik gespickten Szenen in die bayerische Hauptstadt zur Vorweihnachtszeit versetzt. Der Roman liest sich stellenweise wie ein touristischer Streifzug durch München.
Trotz der stimmungsvollen Schilderungen wollte bei mir jedoch keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Dafür war die Einstellung Sarahs zu negativ. Darüber hinaus empfand ich die Figur des Weihnachtsmann als zwiespältig. Einerseits agierte er völlig weltfremd, andererseits war dann aber auch wieder zu sehr Mensch, insbesondere in Bezug auf die Annäherung zu Sarah.

Im letzten Drittel des Romans ändert sich die Stimmung und ist nicht mehr so betont lustig. Vielmehr steht nun eine Botschaft von Liebe und Vergebung und der Wert der Familie im Vordergrund, was wiederum passend zu Weihnachten ist, aber nur in aller Kürze ausgeführt wird.

"Hauptsache, der Baum brennt" bietet kurzweilige Unterhaltung zur Vorweihnachtszeit und ist vor allem für diejenigen zu empfehlen, die nach einem Weihnachtsbuch abseits der typischen romantischen Wintergeschichten suchen und die stellenweise klamaukartige Geschichte mit einem Augenzwinkern lesen können.

Veröffentlicht am 05.12.2018

Zähe, eintönige Überfahrt mit einem blassen Hauptcharakter statt einer spannenden historischen Kriminalgeschichte

Das Versprechen der Freiheit
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Lily Shepherd fährt von England mit dem Überseedampfer Orontes nach Australien. Sie wird dort eine Stelle als Dienstmädchen antreten, die dort händeringend gesucht werden. An Bord der Touristenklasse kommt ...

Lily Shepherd fährt von England mit dem Überseedampfer Orontes nach Australien. Sie wird dort eine Stelle als Dienstmädchen antreten, die dort händeringend gesucht werden. An Bord der Touristenklasse kommt sie mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt, mit denen sie sich Tisch und Kabine teilt. Sie lernt sogar ein Paar der ersten Klasse kennen, das dort aufgrund von Gerüchten nicht beliebt ist und sich ihrer annimmt. Freundschaft schließt sie mit einer Jüdin aus Österreich, die sich kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs Sorgen um die Verbliebenen in ihrer Heimat macht.
Die Stimmung an Bord ist zunächst ausgelassen, es wird gefeiert und Ausflüge auf ihren einzelnen Stationen in Italien und Ägypten unternommen.

Je länger die sich bisher fremden Menschen notgedrungen Zeit miteinander verbringen und die Temperaturen unerträglich steigen, desto angespannter wird die Stimmung. Lily spürt, das nicht nur sie Dinge zu verbergen hat, die sie mit der Überfahrt hinter sich lassen wollte, sondern dass auch das erste-Klasse-Pärchen Eliza und Max, die Geschwister Helena und Edward sowie ihr unangenehmer Tischnachbar George dunkle Geheimnisse verbergen.

Anhand der Beschreibung hatte ich mir einen spannenden, historischen Roman, eine Art historische Kriminalgeschichte versprochen. Der Roman liest sich allerdings äußerst zäh und eine erste an Bord vermisste Person gibt es erst nach knapp 400 Seiten.

Der Roman ist aus der Perspektive der jungen Lily geschrieben, zu der ich keinen richtigen Zugang finden konnte. Im Gegensatz zu den Nebencharakteren blieb sie vergleichsweise blass. Ob die Überfahrt für sie aufgrund ihrer Erlebnisse in der Heimat eine Flucht ist, warum sie aber dennoch nur plant, zwei Jahre zu bleiben, blieb für mich rätselhaft.
Ihr "Geheimnis" sowie die "Geheimnisse" der anderen Passagiere blieben zu lange verborgen, so dass sich die Geschichte, die kaum mehr als eine eintönige, fünfeinhalb Wochen dauernde, Überfahrt beschreibt, unheimlich in die Länge zieht. Mehr als die unerträgliche Hitze, die in epischer Breite beschrieben wird, konnte ich nicht empfinden.