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Veröffentlicht am 25.01.2019

Zwei Paare, deren Geschichten parallel erzählt werden - ich hatte mir einen anderen Verlauf der Handlung erwartet

Die Wege, die wir kreuzen
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Der Roman beginnt im Jahr 1977 und schildert darin bis 2006 die Leben zweier Paare.

Stella hatte mit 22 Jahren noch Ambitionen, wollte wie John eine Karriere als Akademikerin machen, wurde dann jedoch ...

Der Roman beginnt im Jahr 1977 und schildert darin bis 2006 die Leben zweier Paare.

Stella hatte mit 22 Jahren noch Ambitionen, wollte wie John eine Karriere als Akademikerin machen, wurde dann jedoch schwanger. Frisch verliebt heiraten die beiden und Stella fügt sich bereitwillig in die Rolle als Hausfrau und Mutter ein, da sie für Töchterchen Hope nur das Beste möchte. Sehnsüchtig blickt sie dennoch immer wieder auf John, der als Forscher für Quantenphysik erfolgreich ist und sich wenig Zeit für die Familie nimmt. Als er eine seltene Viruserkrankung erleidet, gerät das Leben der kleinen Familie ins Wanken.

Beth wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind, aber nach einer Fehlgeburt dauer es lange, bis sie wieder schwanger wird. Zu dem Zeitpunkt hat die Ehe mit Charlie schon sehr unter dem psychischen Druck der Kinderlosigkeit gelitten und Beth hat sich von Charlie, der sie betrogen und ein massives Alkoholproblem hat, getrennt. Dieser gelobt jedoch Besserung und mit der Geburt von Effie kann er dem Alkohol entsagen, so dass sich Beth und Charlie als Paar wieder zusammenraufen.

Die beiden Paare begegnen sich wenige Male in London ohne miteinander in direkten Kontakt zu treten. Es handelt sich vielmehr um flüchtige Augenblicke bis sich erst in den 2000er-Jahren über die beiden erwachsenen Töchter die Wege der Paare kreuzen.

Aufgrund des Buchtitels (im Original "Entanglement" - "Verstrickung") hatte ich mir unter der Geschichte etwas anderes vorgestellt. Ich bin davon ausgegangen, dass sich die Paare in jungen Jahren kennenlernen und dass sie durch äußere Umstände immer wieder zusammengeführt werden. So erweckte der Roman auf mich jedoch den Eindruck, dass zwei unterschiedliche Geschichten parallel nebeneinander erzählt werden, ohne dass es tatsächlich eine Gemeinsamkeit gibt. Die flüchtigen Begegnungen hatten meiner Meinung nach keinen Einfluss auf ihr Weiterleben. Ich bin deshalb etwas irritiert und konnte offenbar die Intention der Autorin nicht erfassen, die die Theorie der Quantenphysik, dass zwei verschränkte Teilchen den Quantenzustand des anderen beeinflussen können, auch wenn sie weit voneinander entfernt sind, als Grundlage für den Roman gewählt hat. Mir war diese Vorstellung und die Übertragung auf das Leben der beiden Paare zu abstrakt.

Gleichwohl fand ich die episodenartig geschilderten Leben von Stella und John sowie Beth und Charlie mit all ihren Höhen und Tiefen interessant und sie hatten für mich so viel Entwicklungspotenzial, dass man auch zwei Romane daraus hätte machen können. So waren die vier Charaktere mit ihren jeweiligen Paarproblemen und Ehekrisen für mich etwas künstlich in einen Roman gequetscht.

Trotz des nüchternen Bezugs auf die Theorie der Quantenphysik ist der Roman über Liebe, Vergebung und Hoffnung emotional geschildert und überzeugt vor allem durch die starken Rollen der beiden Frauen Stella und Beth.

Veröffentlicht am 23.01.2019

Roman über Freundschaft und Liebe, der erfrischend unterhaltsam geschrieben ist

Romy und das Glück
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Romy wohnt in Köln und hat sich nach jahrelanger Tätigkeit bei einer Versicherung gerade als Personal Coach selbstständig gemacht. Schon im privaten Bereich hatte sie Freunde und Bekannte unterstützen ...

Romy wohnt in Köln und hat sich nach jahrelanger Tätigkeit bei einer Versicherung gerade als Personal Coach selbstständig gemacht. Schon im privaten Bereich hatte sie Freunde und Bekannte unterstützen und auf den richtigen Weg verhelfen können, so dass sie ihr Talent nun auch beruflich nutzen möchte.

Romy hat einen großen Freundeskreis, mit dem sie sich jeden Sonntag im "Schröder's" trifft. Aus einigen Freunden sind inzwischen Paare geworden, wofür Romy als Glücksfee verantwortlich gemacht wird. Chris und Lennard, Mona und Sergej sowie ihre besten Freundin Thea und Lars planen bereits ihre Hochzeiten, während Romy bisher weniger Glück in der Liebe hatte.

Da begegnet sie David und ist zum ersten Mal seit Langem selbst verliebt. Als sich ihre Beziehung mit David weiterentwickelt, machen ihr dann überraschend die Beziehungen ihrer Freunde Sorgen, die nacheinander zu kriseln beginnen. Ist es nur die Panik vor den anstehenden Hochzeiten oder liegt auf Romy tatsächlich ein Fluch, dass entweder nur ihr oder ihren Freunden das Liebesglück zuteil kommen kann, wie es angeblich schon bei ihrer Urgroßmutter Anita der Fall war?

"Romy und das Glück" ist ein Roman über Freundschaft und Liebe, der erfrischend unterhaltsam geschrieben ist. Trotz der Vielzahl der Charaktere und Paarkonstellationen verliert man nicht den Überblick. Es sind alles Figuren mit Ecken und Kanten, wobei schade ist, dass man bis auf Romy selbst keiner Person nahe kommt und eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Charakter stattfinden kann.
Es geht darum, Risiken einzugehen, einerseits im Hinblick auf Romys berufliche Weiterentwicklung und die Anfangsschwierigkeiten der Selbstständigkeit, andererseits aber auch um ihr Privatleben, wofür sie die Liebe erst zulassen muss.
Ob es den Fluch nun gibt oder nicht, bleibt letztlich offen oder der Fantasie des Lesers überlassen. So behält die Geschichte einen gewissen Zauber ohne den Bezug zur Realität zu verlieren.

Es ist ein Wohlfühlbuch, das sehr schnell zu lesen ist, ein reiner Unterhaltungsroman für gemütliche Lesestunden. Große Emotionen oder eine komplexe Handlung mit Tiefgang darf man sich trotz Romys magischer Gabe nicht erwarten.
Punkten konnte Romy jedoch noch mit ihren intelligenten Postkartensprüchen, die kleine Weisheiten fürs Leben sind, wie "Alles, was deinen inneren Frieden kostet, ist zu teuer."

Veröffentlicht am 21.01.2019

Herzerwärmender Roman über Freundschaft, Nächstenliebe, gegenseitige Anteilnahme und gegen das Wegschauen, bleibt aber nur an der Oberfläche

Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende
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Nach dem ihr Ehemann sie zum wiederholten Mal betrogen hat, packt Julia ihre Koffer, findet aber so schnell keine eigene Wohnung. In ihrer Verzweiflung nimmt sie ein eher dubioses Angebot an: Gegen Housekeeping ...

Nach dem ihr Ehemann sie zum wiederholten Mal betrogen hat, packt Julia ihre Koffer, findet aber so schnell keine eigene Wohnung. In ihrer Verzweiflung nimmt sie ein eher dubioses Angebot an: Gegen Housekeeping und die Pflege einer im Koma liegenden älteren Dame, darf sie mietfrei in einer Villa wohnen. Der reiche Neffe wartet eigentlich nur auf das Ableben seiner Tante, möchte sich aber nicht selbst um sie kümmern. Was er und auch Julia nicht ahnen, ist, dass die Besitzerin der Villa, Frau Smit, sich einiger Menschen angenommen hat und den Außenseitern bei sich eine Zuflucht gegeben hat.
Fortan hat Julia weniger mit der Pflege der komatösen Patienten, sondern vielmehr mit den Sorgen und Problemen um den anderen Besuchern zu tun. Insbesondere das siebenjährige Mädchen Veronique zu tun.

"Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende" ist ein herzerwärmender Roman, der innerhalb kürzester Zeit zu lesen ist. Im Vordergrund steht die Künstlerin Julia, die es endlich schafft, sich von ihrem untreuen Ehemann zu trennen und durch ihren Umzug unfreiwillig die Verantwortung für Menschen übernimmt, die in der Villa von Frau Smit Zuflucht gefunden haben. Frau Smit hat bis sie ins Koma gefallen ist, ehrenamtlich in einem Hospiz gearbeitet und sich selbstlos um andere arme Seelen gekümmert.
Leider erfährt man sonst wenig über Frau Smit und auch die anderen Charaktere bleiben bis auf Julia und die kleine Veronique unscheinbar im Hintergrund.

Die Geschichte ist vor allem aufgrund ihrer Botschaft um Freundschaft und Nächstenliebe, gegenseitige Anteilnahme und gegen das Wegschauen schön zu lesen. Verschiedenste gesellschaftliche Probleme werden angesprochen, aber letztlich - wie die Mehrzahl der Protagonisten - nur oberflächlich behandelt. Hier hat der Roman an Potenzial verschenkt und wäre vor allem im Hinblick auf die geringe Seitenzahl ausbaufähiger gewesen, um konkrete Lösungen für die Probleme der Gäste des Hauses zu finden und der Geschichte mehr Tiefgang zu verleihen.

Veröffentlicht am 19.01.2019

Guter Auftakt einer Krimireihe - aus der Perspektive einer Gefängnisärztin mal etwas anderes

Verborgen
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Eva Korell ist Allgemeinmedizinerin und gerade von Berlin nach München gezogen. Statt in einer Klinik arbeitet sie nun in der JVA Wiesheim als Gefängnisärztin. Schon während ihrer ersten Arbeitswoche trifft ...

Eva Korell ist Allgemeinmedizinerin und gerade von Berlin nach München gezogen. Statt in einer Klinik arbeitet sie nun in der JVA Wiesheim als Gefängnisärztin. Schon während ihrer ersten Arbeitswoche trifft sie zufällig auf eine verstörte Frau, der sie Erste Hilfe leistet und die sich später als die Ehefrau eines Insassen der JVA herausstellt. Die Frau, Nicole Arendt, wendet sich hilfesuchend an Eva, die sie jedoch zurückweist, um Privates nicht mit Beruflichem zu vermischen. Ihr Mann, Robert Arendt, hat seine Haftstrafe fast verbüßt und steht kurz vor der Entlassung. Er ist als gewalttätig bekannt und hat seine Frau in der Vergangenheit regelmäßig geschlagen. Als diese nach einem Wohnungsbrand verschwunden ist, ist unklar, ob sie aus Angst vor der Entlassung ihres Mannes untergetaucht ist, obwohl dieser sich einsichtig gezeigt hat un nun voller Sorge um seine Frau ist und ob sie durch die Brandstiftung versuchen wollte, etwas zu vertuschen.
Der Fall lässt Eva nicht los. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie die verzweifelte Frau nicht angehört hat. Durch ihre Einmischungen und Parteinahme für die Inhaftierten macht sie sich in ihrem neuen Kollegenkreis dagegen zunehmend unbeliebter. Dabei entwickelt sie ein Interesse für den leitenden Ermittler Lars Brüggemann, hat jedoch mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen.

"Verborgen" ist der erste Band einer neunen Reihe um die junge Gefängnisärztin Eva Korell. Eva ist eine etwas undurchsichtige, aber nicht unsympathische Protagonistin, deren Vergangenheit wie ein Schatten auf ihr liegt. Die Beziehung zu ihrem letzten Freund in Berlin ist zerbrochen, was sie allerdings nicht sonderlich mitgenommen hat. Sie hat offensichtlich Bindungsängste, auch wenn sie äußerlich einen toughen, selbstbewussten Eindruck auf andere macht.

Das Buch ist aus der Perspektive sowohl von Eva als auch von Nicole geschrieben, wobei der Schwerpunkt auf Evas Sichtweise liegt. Ich fand es interessant, einen Kriminalroman aus Sicht einer Gefängnisärztin zu lesen, das für mich im Vergleich zu den üblichen Romanen um oft problembehaftete Kriminalkommissare erfrischend anders war. Eva hat mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Auf der einen Seite steht die Gesundheit und die Heilung ihrer Patienten für sie im Vordergrund, auf der anderen Seite handelt es sich um (Schwer-)verbrecher, die das Vertauen der noch unerfahrenen Gefängnisärztin ausnutzen könnten.

Der Kriminalfall entwickelt sich gemächlich, bleibt aber durch Wendungen und die unterschwelligen, subtilen Drohungen, die Eva erreichen, bis zum Ende spannend. Zu keinem Zeitpunkt übertrieben, wirkt der Fall authentisch und macht neugierig auf weitere Bände um die Gefängnisärztin, von denen ich mir mehr Einblicke in den Gefängnisalltag wünsche.

Veröffentlicht am 18.01.2019

Roman über Vertrauen, Freundschaft und die Überwindung von Ängsten - vor allem für Romantikerinnen zu empfehlen

Die Farben meines Herzens
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Filomena ist Künstlerin und lebt zurückgezogen neben einer Kapelle am Rande des Jakobswegs in den Alpen bei Meran. Kontakte hat sie nur zu einer benachbarten Familie, insbesondere zu den Kindern Dana und ...

Filomena ist Künstlerin und lebt zurückgezogen neben einer Kapelle am Rande des Jakobswegs in den Alpen bei Meran. Kontakte hat sie nur zu einer benachbarten Familie, insbesondere zu den Kindern Dana und Nico und zu deren Großmutter Margarita sowie zu einem Mönch, Bruder Ruben.
Als nach Windbruch Forstarbeiten auf ihrem Grundstück zu erledigen sind, erscheint nicht der ihr bereits bekannte Handwerker, sondern dessen befreundeter Kollege. Mika ist irritiert von dern jungen Frau, die ein so einsames Leben führt, offensichtlich unter Angstzuständen leidet und ihn nicht einmal zum Händewaschen in ihre eigenen Vier Wände bitten kann. Gleichzeitig wird sein Beschützerinstinkt geweckt, er fühlt sich von ihr angezogen und ist neugierig darauf, was sich hintern ihrem sonderbaren Verhalten verbergen mag. Behutsam versucht er sich ihr anzunähern.

"Die Farben meines Herzens" ist ein Roman, der bildhaft und sehr empathisch geschrieben ist. Die Ängste Filomenas vor anderen Menschen und ihr Wunsch, sich geschützt in die Einsamkeit der Berge zurückzuziehen, sind eindringlich und sehr ausführlich dargestellt. Ich fand allerdings, dass der Leser zu lange im Umklaren darüber gelassen wird, was Filomena in der Vergangenheit erlebt haben muss, das sie derart traumatisiert hat und ihr Leben so stark beeinträchtigt. Bis sie mit Mika darüber spricht, verliert man sich unweigerlich in Spekulationen, während die Handlung des Romans auf der Stelle tritt. Hier hätte ich mir - gerade durch ihre Albträume - mehr Andeutungen oder Flashbacks gewünscht, um schon während der beschriebenen Panikattacken mehr über Filomenas Vergangenheit zu erfahren.

Nach Filomenas Offenbarung wird aber auch der Roman lebendiger. Mit Mikas Hilfe versucht sie aktiv, gegen ihre Ängste anzugehen. Zehn Jahre hatte sich Filomena auf den Berg zurückgezogen und genauso langsam sind ihre Fortschritte. Auch wenn psychische Erkrankungen individuell verschieden sind und jeder Mensch anders auf bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen reagiert, empfand ich Filomenas Angstattacken als Reaktion auf ihre negativen Erlebnisse mit ihren Mitmenschen überzogen und für mich nicht ganz schlüssig.

Interessant fand ich wiederum, dass parallel dazu Margarita in den Fokus der Handlung gerückt wird. Sie setzt sich ihrerseits mit der Vergangenheit auseinander und sodann wird klar, weshalb sie sich all die Jahre um Filomena gekümmert hat und sie ihr zu einem Leben ohne Ängste und Sozialphobien verhelfen wollte.
Gerade diese Verknüpfung ihrer beider Leben und die Vielschichtigkeit der Charaktere haben mir gut gefallen.

Die Liebesgeschichte und dass sich Filomena durch den Kontakt mit Mika aus ihrem Schneckenhaus wagen wird, damit ihr Leben wieder bunter wird, ist vorhersehbar. Mehr gestört hat mich allerdings, dass es wie so häufig die Liebe bzw. ein starker Mann ist, der die arme verängstigte Frau zurück ins Leben führt.

"Die Farben meines Herzens" empfehle ich deshalb besonders Romantikerinnen.
Dennoch ist der Roman, der am Anfang etwas zäh ist, ab der zweiten Hälfte tiefgründiger als gedacht und aufschlussreich konstruiert. Es ist ein Roman über Vertrauen und Freundschaft, über die Überwindung von Ängsten und die Hoffnung auf einen innerlich befreiteren Neuanfang.