Zarte Liebesgeschichte und lebensbejahender Roman mit berührenden Schicksalen - sehr empathischer Schreibstil
Der Tanz unseres LebensAls Florence in einem Dorf in der Romandie beim Tanzen auf dem See ins Eis bricht, ist es der deutsche Kardiologe Martin, der sie rettet. Er hat sich in das Bergdorf zurückgezogen, um dort ohne den Druck ...
Als Florence in einem Dorf in der Romandie beim Tanzen auf dem See ins Eis bricht, ist es der deutsche Kardiologe Martin, der sie rettet. Er hat sich in das Bergdorf zurückgezogen, um dort ohne den Druck eines Klinikalltags als Kinderarzt zu praktizieren.
Florence ist Musicaldarstellerin, die ihrerseits aufgrund eines traumatischen Ereignisses, das nicht nur ihre Karriere, sondern ihr ganzes Leben beeinflusst, in das Dorf geflüchtet.
Sie möchte bleiben und nimmt das Angebot der alleinerziehenden Claire, deren Aupair sie im Stich gelassen hat an, um sich um ihre jüngste Tochter Zoé zu kümmern. Als Florence sich heimisch fühlt, beginnt sie Touristen und Einheimischen Tanzstunden zu geben.
Martin ist fasziniert von der mädchenhaft wirkenden, geheimnisvollen Tänzerin und wundert sich, was sie verbirgt, das ihn auf Abstand hält.
"Der Tanz unseres Lebens" verknüpft die Schicksale dreier Erwachsener, die zufällig in einem kleinen Bergdorf in der französischen Schweiz aufeinandertreffen und sich schon bald gegenseitig Halt und Unterstützung geben. Nach und nach bauen sie Vertrauen zueinander auf, beginnen sich zu öffnen und ihre Sorgen und Traumas der Vergangenheit zu offenbaren.
Der Roman ist vielmehr als nur eine Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau, die sich unter schwierigen Umständen kennenlernen und so manche Hürde überwinden müssen, um zueinander zu finden. Es ist eine sehr emotionale Geschichte über seelisch und körperlich gebrochene Herzen, die eine Chance auf Heilung suchen.
Es treffen Personen zusammen, die mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen haben oder hatten, so dass es für einen Roman ein wenig überladen wirkt - gerade weil die Protagonisten so übertrieben selbstlos und gutherzig dargestellt sind.
Es werden ernste Themen wie Krankheit, Behinderung und Mutterschaft behandelt, die zu Herzen gehen. Der Schreibstil der Autorin ist dabei sehr besonders, bildhaft und poetisch.
Florences Nervosität und Bewegungsdrang werden in Tanzen umgewandelt, durch das sie ihre Emotionen ausdrückt. Die kleine Zoé drückt such durch Zitate aus Büchern und Filmen aus und wirkt trotz ihrer Behinderung weiser und verständiger als gleichaltrige Kinder.
Der lebensbejahende Roman ist empathisch, fast schon pathetisch geschrieben, aber durch Wendungen im Leben der handelnden Personen abwechslungsreich und nicht zu vorhersehbar zu lesen. Die Schicksale berühren, auch wenn mir die Einzelgeschichten phasenweise zu dramatisch waren und der metaphorische Schreibstil die interessante Handlung überlagerte.
Der winterliche Roman vermittelt eine positive Botschaft, nie aufzuhören zu träumen und die Hoffnung nicht aufzugeben, da sich auch unerwartet ein Rettungsanker auftun kann. Niemand ist auf sich allein gestellt, kann seinen Frieden im Glauben oder der Gemeinschaft finden.