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Veröffentlicht am 04.07.2018

Mehr Unterhaltungsroman als Krimi

Tannie Marias Rezepte für Liebe und Mord
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Tannie Maria lebt in Klein-Karoo, Südafrika. Sie Mitte 50, verwitwet, eine patente Köchin und gibt in ihrer Zeitungskolumne Ratschläge für diverse Lebensfragen. Als eine Leserin von häuslicher Gewalt ...

Tannie Maria lebt in Klein-Karoo, Südafrika. Sie Mitte 50, verwitwet, eine patente Köchin und gibt in ihrer Zeitungskolumne Ratschläge für diverse Lebensfragen. Als eine Leserin von häuslicher Gewalt berichtet und kurz darauf stirbt, ist Marias Interesse geweckt und sie macht sich mit ihrer Freundin Jessie auf die Suche nach dem Täter. Dem zuständigen Detective Kannemeyer ist das allerdings nicht so recht.


Tannie Marias Rezepte für Liebe und Mord ist der Auftakt einer besonderen Krimireihe, die in Klein-Karoo, Südafrika spielt.
Das Buch ist kein Krimi im herkömmlichen Sinne, es ist eher ein Cozy Crime, der neben einer Krimihandlung auch ein wunderschönes Stimmungsbild aus Südafrika zeichnet und mit vielen ausgefallenen Figuren besticht.
Man fühlt sich wohl bei der Lektüre, denn es gibt immer etwas zu essen und nebenbei kann man sich ganz gemütlich mit durch die landschaftliche Schönheit Klein-Karoos auf Mörderjagd begeben.

Tannie Maria kocht und backt gern und viel. In ihrer Briefkastentanten-Kolumne einer kleinen Zeitung beantwortet sie Fragen der Leser und fügt ihren Lebensweisheiten immer ein passendes Rezept hinzu. Es ist schon unterhaltsam, wie positiv sie die Launen der Leser mit ihrer Kochkunst und ihrer Lebenserfahrung anhebt und ihnen Lebenshilfe gibt. Die Menschen nehmen gern ihre Ratschläge und Rezepte an.
Dabei stellt Tannie Maria die südafrikanische Küche mit Lammgerichten, fettgebackenen Vetkoek mit Hackfleisch und diversen Keksen und Schokoladenkuchen vor. Mit Kalorien wird nicht gespart und Tannie Maria schmeckt es immer, es sei denn sie hat Liebeskummer. Für Kochwütige ist im Anhang eine Auflistung der wichtigsten Rezepte zu finden. So gern ich von Essen auch lese und gern koche, auf die Dauer wurde mir die ganze Kocherei dann doch zu viel.

Besonders gelungen sind die Beschreibungen der Tier- und Pflanzenwelt der südafrikanischen Gegend. Der Ausblick von Marias Terrasse ist atemberaubend schön und man kann als Leser die Vögel förmlich singen hören. Die erwähnten Arten kennt man jedoch namentlich hierzulande nicht.
Bokmakiries zum Beispiel sind Singvögel, genauer gesagt Buschwürger aus S.A.

Die Handlung ist gut durchdacht, etwas sehr ausführlich erklärt und man lässt sich Zeit für die Geschichte. Diese gemütliche Atmosphäre passt wunderbar und man kann sich so richtig fallen lassen und das Buch geniessen. Es sind allerdings einige Folgen sehr vorhersehbar und die Spannung leidet dadurch. Die Charaktere kommen mit Klischees daher, die Problematik mit häuslicher Gewalt und hoher Mordrate wird leider nicht tief genug aufgegriffen. Auch das Thema Fracking wird nur am Rande gestreift.

Beim Schreibstil von Sally Andrew stört mich die einfache Wortwahl und die Dialoge finde ich recht oberflächlich. Sie benutzt viele Wörter in Afrikaans, was dem Buch zwar einen regionalen Touch verleiht, man teilweise auch verstehen kann, aber was doch ein anderes Publikum anspricht.

Wer eine gemütliche Lektüre über Liebe und Mord sucht, gerne kocht und backt und einen Ausflug nach Südafrika machen möchte, der ist mit diesem Buch gut bedient. Es ist eine lockere Unterhaltung, die südafrikanisches Flair versprüht, spezielle Figuren vorstellt und zum Essen einlädt.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Tolle Idee, hier Mystik und Aberglauben einzustreuen, wirkt aber etwas konstruiert!

Der Tote vom Zentralfriedhof
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Sarah Pauli plant eine Kolumne über das mystische Wien für den "Wiener Boten". Fremdenführerin Erika Holzmann veranstaltet auch Führungen zu geheimnisvollen Orten der Stadt und verspricht Sarah zu einer ...

Sarah Pauli plant eine Kolumne über das mystische Wien für den "Wiener Boten". Fremdenführerin Erika Holzmann veranstaltet auch Führungen zu geheimnisvollen Orten der Stadt und verspricht Sarah zu einer neuen geheimnisvollen Entdeckung Informationen. Doch Erika verschwindet noch vor dem geplanten Treffen. Chefinspektor Martin Stein glaubt, dass Erika verreist sei, während Sarah von einer Entführung ausgeht. Kurz darauf wird vom Zentralfriedhof der Sarg eines Millionärs gestohlen, samt Leiche. Sarahs Neugier ist geweckt und sie mischt sich in die Ermittlungen ein, gegen Steins ausdrücklichen Wunsch natürlich.



"Nix ist passiert. Verstanden? Absolut nix. Belassen Sie’s dabei, und spielen Sie um Himmels willen nicht schon wieder Miss Marple. Das steht Ihnen nicht. Kümmern Sie sich lieber um ihre Hexen und Geister, da sind S‘ besser aufgehoben.“ (Zitat Seite 81 Stein an Pauli gerichtet)


Für ihre neue Kolumne "Das mystische Wien" befasst sich Sarah Pauli intensiv mit Aberglauben, Mystik, Symbolen und Geheimzeichen. Daher nennt man sie in ihrer Redaktion auch die "Hexe vom Dienst". Dazu passt natürlich prima ihre schwarze Katze. Doch Sarah ist jung und hübsch und alles andere als eine Hexe und abergläubisch ist sie auch nicht. Sie fragt gezielt nach und sieht mehr als andere Menschen und beschäftigt sich mit Inhalten zur Numerologie und Symbolik, die von alters her Menschen, Freimaurer und Geheimbünde geprägt haben. Für die altrömischen Götter und sogar Albrecht Dürer waren Zahlensymbolik und deren Deutung Zeichen für Schicksal.
Sarah befasst sich mit der Materie und wirft einige Begriffe auf wie auch das magische Jupiterquadrat. Das ist zwar interessant zu lesen, echten Einblick erhielt ich aber nicht, dafür ist mir das Ganze zu fremd und abstrakt.

Die Krimihandlung hat mir gut gefallen, das Konzept mit dem rumänischen Kriminellen, dem gestohlenen Sarg und den schaurigen Schauplätzen des Friedhofs und der Unterwelt Wiens sorgt für reizvolle Gruselstimmung. Die Personen sind auch ohne Kenntnis der Vorgängerbücher gut erkennbar und die privaten Verhältnisse werden deutlich gemacht. Schön sind die vielen ausschmückenden Details, die die Charaktere bildhaft darstellen, allen voran der böse Rumäne mit seiner Angst vor dem "bösen Blick".
Beate Maxian hat einen tollen Erzählstil, der sich flüssig und gut lesen lässt. Wie sie immer wieder Wiener Sprache einstreut, gibt dem Buch zu den vielen erwähnten Schauplätzen ein angenehmes Wiener Flair.

Mich haben aber die vielen eingearbeiteten Informationen über Symbole oder Kunstwerke von der eigentlichen Krimihandlung abgelenkt. Sicherlich müssen Erklärungen zur Thematik erfolgen, aber hier wurde vielleicht mit zu viel Liebe zum Detail gearbeitet. Denn immer wenn es spannend wurde, kamen recht zähe Erläuterungen, die den Spannungsbogen einschränkten.

Das Ende brachte einen rasanten Spannungsanstieg mit sich, aber auch hier wirkt der Kampf zwischen einer jungen Frau und einem Auftragskiller, der ausgebildeter Soldat war, nicht ganz glaubhaft. Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten und möchte gerne mal nach Wien auf den Zentralfriedhof.

Dieser Krimi punktet mit seinem unterhaltsam mystischem Touch und einem packenden Finale, zeigt interessante Einblicke ins Mausoleum und enthält eine Menge Lokalkolorit.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Ein wunderschöner Schreibstil nimmt gefangen und enthüllt eine tragische Vergangenheit!

Der Sommer der Schmetterlinge
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Die vielfach ausgezeichnete brasilianische Schriftstellerin "Adriana Lisboa" schrieb den Roman "Der Sommer der Schmetterlinge". Für ihr Debüt "Sinfonia em branco" erhielt sie den José Saramago-Preis. ...

Die vielfach ausgezeichnete brasilianische Schriftstellerin "Adriana Lisboa" schrieb den Roman "Der Sommer der Schmetterlinge". Für ihr Debüt "Sinfonia em branco" erhielt sie den José Saramago-Preis.


Die Schwestern Clarice und Maria Inês wachsen in den 50er Jahren auf einer Fazenda im Hinterland Rio de Janeiros auf. Ihre Kindheit inmitten ländlicher Idylle und üppiger Natur erscheint harmonisch und behütet. Doch in Wahrheit teilen die Mädchen ein dunkles Geheimnis miteinander, das sie für ihr späteres Leben prägt. Mehr als 20 Jahre nach den geheimnisvollen Vorfällen treffen sich die Schwestern auf der Fazenda und ein schreckliches Geheimnis wird enthüllt.


"Der Sommer der Schmetterlinge" ist ein wunderbar poetisch geschriebener Roman, der mit leisen Tönen fasziniert und schicksalsbezogene Emotionen freigibt.

Aus verschiedenen Perspektiven zeichnet die Autorin mit einer beeindruckenden Sprache eine tragische Geschichte, die im Leben der Protagonisten tiefe Spuren hinterlassen hat. Als Leser wird man unweigerlich in einen Sog gezogen, sieht die verhängnisvollen Folgen in der Familie und erkennt die Ursachen erst zum Ende vollständig, wenn sich alle Puzzlesteinchen zu einem ganzen Bild zusammengefüht haben. Vorher erkennt man nur die augenscheinlichen Entwicklungen der beiden Schwestern, die sich in Suizidversuchen und Drogenkonsum von Clarice und in gedankenlosen Seitensprüngen, Misstrauen und schockierendem Verhalten Maria Inês zeigt.

"An allem, was missfallen schockieren, erschrecken, Abscheu erregen konnte, fand Maria eine morbide Freude." Zitat S. 39

Dabei habe ich früh schon einen Verdacht geahnt, verdrängte ihn aber genau wie die Figuren im Buch inmitten des Zaubers der geschilderten Jugend und wunderschönen Naturschönheiten. Es ist fast so als wenn die Autorin den Leser ablenken möchte von den tragischen Geschehnissen. Sie baut Zeitsprünge ein, fügt Bilder und Musik hinzu und lässt über allem die Schmetterlinge flattern, die sich gerade am Steinbruch todesmutig in den Abgrund stürzen. Das gibt dem Roman einen leicht mystische Note und lässt alles in einem fröhlicheren Licht erscheinen, als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Gerade die Naturschilderungen haben eine geradezu faszinierende Wirkung. Man erlebt die Natur hautnah mit, wenn es heißt:

Die Sansevierien und Monsterae überwucherten den Hang hinter dem Haus, und im Obstgarten spendeten die Jabuticabas Schatten, während die schlanken Papayamäume von Früchten überquollen. Zitat Seite 116
Die Figuren erleben nicht geklärte Konflikte mit Auswirkungen auf ihre Seele, jede scheint die andere verletzen zu wollen. Erst mit einer Aussprache scheint ein annehmbares Weiterleben für beide Schwester möglich zu werden. Es kommt die Hoffnung auf, das Vergangene ruhen zu lassen.

Dieser Roman hat mich mit der stilvollen Sprache angenehm unterhalten, aber auch Fragen aufgeworfen, mich an die Charaktere herangeführt, sie mir aber nicht genug nahe gebracht. Die Schwestern erscheinen mir selbst nach der Lektüre wie flatterhafte Schmetterlinge. Denn ihre Geschichte zeigt nicht die innere Zerrissenheit, sondern nur die äußerlich gezeigten Reaktionen.

Die Naturbeschreibungen muss ich besonders lobend erwähnen, hier war man als Leser gefangen inmitten der unglaublichen Natur Brasiliens.

Ein tiefgründiger Roman, der ein schwieriges Thema aufgreift und die fürs Leben entstellenden Folgen beschreibt. Kein einfach zu lesender Roman, aber einer, der in einer poetischen Sprache Tragik enthüllt.

Veröffentlicht am 03.07.2018

Ein dramatischer Liebesroman vor den Wirren des 2. Weltkriegs

Das Leuchten des Meeres
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Im Goldmann Verlag erscheint der Roman "Das Leuchten des Meeres" von Liz Fenwick.

Cornwall 1943: Die Schwestern Amelia und Adele Seaton erleben die Zeit des 2. Weltkrieges mit und treten ihren Dienst ...

Im Goldmann Verlag erscheint der Roman "Das Leuchten des Meeres" von Liz Fenwick.

Cornwall 1943: Die Schwestern Amelia und Adele Seaton erleben die Zeit des 2. Weltkrieges mit und treten ihren Dienst als Telegraphistin und Fahrerin bei der Royal Navy an. Dadurch trennen sich ihre Wege, die eine geht nach Massachusetts, die andere bleibt in Cornwall. Doch sie bleiben in ständigem Briefkontakt, bis sie ein besonderes Ereignis voneinander entfernt.

Cape Cod 2015: Lara ist eine junge Starköchin und als ihr Urgroßvater verstirbt, macht sie sich auf nach Cornwall, in die Heimat ihrer Urgroßmutter Amelia. Dort stößt sie auf ein tragisches Geheimnis, das die Geschicke der Familie über Generationen geprägt hat.


Dieser Roman zeigt anhand einer fiktiven Liebesgeschichte die Hintergründe des tatsächlich stattgefundenen Militärmanövers Operation Tiger im April 1944 auf. Dort kam es während einer gemeinsamen Übung von Amerikanern und Engländern für die geplante Invasion Europas zu einem Angriff von deutschen Truppen, in deren Folge es viele Opfer auf beiden Seiten gab.

Durch die Zwillingsschwestern nimmt man hautnah an ihrem Alltag in dieser Kriegszeit teil. Sie treffen junge Soldaten beim Tanz, verlieben sich und hören gleichzeitig von Kriegsopfern. Unter diesen Umständen können sie nicht einfach heiraten und eine Familie gründen. Der Krieg fordert viele Opfer von der Bevölkerung: Angst vor dem Tod, Entbehrung von Nahrungsmitteln und eine Zeit ohne Glück und Freiheit.

Mit Adele und Amelia erscheinen in diesem Buch zwei Figuren, die sich als Zwillinge sehr eng und liebevoll verbunden fühlen. Als ihr Dienst bei den WRENS sie zu einer örtlichen Trennung zwingt, bleiben sie in ständigem Briefkontakt weiterhin miteinander verbunden. Beide Schwestern verlieben sich, doch beide gehen damit unterschiedlich um.
Der zweite Handlungsstrang zeigt Lara, die 2015 durch die Briefe ihrer Urgroßmutter Amelia in Cornwall auf deren Geheimnis stösst.


Diesem Roman liegt eine gründliche Recherche der Autorin der Zeit zugrunde, die sie durch Informationen von lebenden Zeitzeugen aus der eigenen Familie erhalten und zu einer Geschichte verwoben hat. Es geht um Kriegsopfer, Entbehrung und um die Liebe. Hier wird eine Generation gezeigt, die wenig Glück kannten und Stärke und Tapferkeit leben mussten.


Daneben erscheinen durch Laras aktuell gehaltenen Cornwall Besuch auch wunderschöne Küstenbeschreibungen und die Verarbeitung ihrer eigenen Krise. Sie ist diejenige, die den Bezug der Zwillingsschwestern herstellt und ihrem tragischen Geheimnis auf die Schliche kommt.

Mir gefällt der unterhaltsame Plauderton der Erzählung und die Schreibweise der etwas altmodischen Briefe, die dem damaligen Zeigeist der 40er Jahre entsprechen. Man erfährt neben dem Austausch von schwesterlicher Verbundenheit auch romantische Versprechungen von jung Verliebten, doch mehr noch bedrücken die Briefe über und von den Soldaten. Von Schwarzmarkt, Bombenhagel und Kriegseneinsätzen ist hier die Rede und machen den Krieg allgegenwärtig.

Die Autorin kann sehr gut schreiben, gar keine Frage. Doch die Ausführlichkeit, mit der sich hier dem Geheimnis der Familie genähert wird, ist sehr umfangreich und weitschweifig und darunter leidet die Spannung. Längst ahnt man die Zusammenhänge und ich musste mich sehr zusammenreißen, das Buch auch angemessen zu beenden.

Dieser Roman öffnet die Augen gegenüber einer Generation, deren Glück nicht so gelebt werden konnte, wie wir es heute kennen.


Dieser dramatische Liebesroman lebt von den bewegenden Zeitbeschreibungen in den letzten Kriegsjahren, der sich auf wahre Tatsachen stützt. Ein emotionsauslösendes Buch für Zeitinteressierte.

Veröffentlicht am 01.07.2018

Ein eindringlicher Blick in Persiens 1001 Nacht und Willkür im Iran

Als die Tage nach Zimt schmeckten
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Dieser Roman ist einfach großartig. Er ist wunderbar zu lesen, die Familiengeschichte bringt Einblicke in persische Kultur und Lebensgewohnheiten, zeigt aber auch die schwierige Entwicklung einer religiösen ...

Dieser Roman ist einfach großartig. Er ist wunderbar zu lesen, die Familiengeschichte bringt Einblicke in persische Kultur und Lebensgewohnheiten, zeigt aber auch die schwierige Entwicklung einer religiösen Machtübernahme im heutigen Iran auf.

So einen wundervollen und bildhaften Sprachstil habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Man taucht aber nicht nur sprachlich berührt ein, sondern auch die Geschichte breitet sich wie ein Mantel über den Lesenden aus und umhüllt ihn mit den Eindrücken von dieser besonderen Familie.

Die Charaktere erlebt man eindringlich mit, ihre Gefühle, Hoffnungen und Ängste sind so deutlich aufgezeigt, dass man als Leser sich ihnen so nahe fühlt wie eigenen Freunden.

Die Schicksale offenbahren sich allmählich und man erkennt die verschiedenen Lebensziele, Wünsche und Sorgen der Menschen. Denn über ihnen schwebt Willkür, Gewalt und eine rigorose Sittenpolizei. In Rückblenden in die Familiengeschichte erfahren wir, welches tragische Schicksal die Familie zerrissen hat.

In der Familie von Zod bekommt man die Küche Persiens mit russischen Einflüssen geboten. Man kann förmlich eine Geschmacksexplosion von Gewürzen und Zutaten erleben, so oft wird gekocht und die herrlichsten Speisen gezaubert. Hier schwelgt man inmitten der verschiedensten Gerichte: Grüne Bohnen mit Hackfleisch und Tomatensauce, Lammköfte mit Piment und Thymian, Juwelenreis und Maulbeer-Kompott. Schon die Namen sind wahre Kostbarkeiten.

Noor erlebt durch die Küche ihres Vaters die alten Eindrücke aus ihrer Kindheit wieder, die politischen Veränderungen nehmen sie sehr mit. Noch härter erlebt jedoch ihre Tochter Lily die Zustände von Geschlechtertrennung u.ä. wie einen Kulturschock. Sie fühlt sich hier völlig fremd.

"Teheran war wie eine leere Seite in einem Malbuch, grau ..." Zitat Seite 233
Grau erlebt Lily die Heimat ihrer Mutter und erst allmählich bekommt sie die Korruption, Willkürherrschaft und allgegenwärtiger Gewalt mit, die hier an der Tagesordnung ist.


Es geschehen einige Dinge, die für Dramatik und ein realistisch gezeichnetes Bild des Iran sorgen.
Man liest betroffen und hofft für die Familie auf einen guten Ausgang.


Dieser Roman ist berührend und einfach großartig. Ich kann es nur wiederholen. Donia Bijan zeigt am Beispiel von Exil-Iranern und ihrer persischen Familie die gesellschaftlichen Veränderungen und die heutige Version des Iran auf. Eindrücklicher kann man das nicht zeigen!