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Veröffentlicht am 13.04.2018

Mystisch gefärbter, sich dramatisch steigernder Krimi

Lügengrab
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Bei diesem Krimi gelingt es dem Autor, seine Leser in die spezielle Atmosphäre einer Hallig eintauchen zu lassen. Die Schönheit und Weite der Landschaft, die Ruhe, die nur vom Wind, von Gänsen und Möwen ...

Bei diesem Krimi gelingt es dem Autor, seine Leser in die spezielle Atmosphäre einer Hallig eintauchen zu lassen. Die Schönheit und Weite der Landschaft, die Ruhe, die nur vom Wind, von Gänsen und Möwen durchbrochen wird und das Watt bei Ebbe werden so anschaulich beschrieben, dass man als Nordseeliebhaber sich sofort dorthin sehnt. Es ist schon eine ganz besondere Situation, als Krumme seinen Urlaub auf Hooge verbringt.

Die Krimihandlung und das Wetter zeigen sich anfangs noch recht ruhig und beschaulich. Genau wie der Urlaub des Kommissars steigert sich die Sache aber und es kommt zu einem fesselnden Finale, das mit gefährlichen Szenen aufwartet und durch eine Sturmflut noch seinen dramatischen Gipfel findet.

Mich hat dieser Krimi fesselnd gepackt und das Leben auf der Hallig Hooge sehr interessiert. Auch wenn ich darüber einiges wusste, so hat dieser Krimi mir doch gezeigt, wie wetterabhängig und schwierig das Leben dort sein muss.

Zu dieser Gegend gehört natürlich auch etwas Mystik und Aberglaube, der die Menschen dort über Jahrhunderte begleitet hat. Wer noch nichts über Klabautermänner gehört hat, sollte sich diesen Krimi zulegen. Hier wird man ihm begegnen, diesem lärmenden Schiffskobold, der Gefahren anzeigt.

Auch der Protagonist lernt die Nordsee kennen und lieben. Er geniesst die Ausblicke auf die endlose See mit Vogelgeschrei, er erlebt eine Wattwanderung mit ihren Gefahren bei Seenebel, die herzliche Geselligkeit der Bewohner mit Tee und Apfelkuchen, aber auch die unbarmherzige Situation, wenn bei einer Springflut nur noch die Warften Schutz bieten und alles Landunter ist.

Hier taucht der Leser in die Gegend ein und erlebt die eindringliche Atmosphäre, anschaulicher kann kein Regionalkrimi geschrieben werden.

Dieser Krimi basiert auf einem interessanten Aufbau, denn der betreffende Fall spielte in der Vergangenheit und entwickelt sich aus den vorhandenen Eckpunkten heraus allmählich weiter. Die Suche nach dem wahren Grund für das Verschwinden des Verlobten gestaltet sich schwierig und man verdächtigt einige Inselbewohner, doch die Aufklärung zeigt dann eine logische Erklärung.

Der Schreibstil ist flüssig, lebendig und abwechslungsreich und die Dialoge unterhalten gut und wirken authentisch.

Bei der Charakterdarstellung hat Hendrik Berg gerade dem Täter eine eigene Rolle eingebaut. Aus seiner Sicht bekommt man die Möglichkeit, eine kranke Psyche vorgestellt zu bekommen. Dieser Blickwinkel wirkt bedrohlich und gefährlich, ein weiterer Spannungsfaktor des Krimis.

Die anderen Figuren sind vielfältig gezeichnet: der sympathische Kommissar, ein kauziger Tierpräparator, eine sich anbiedernde Zimmerwirtin, ein Tourist auf Weiberfang; hier lernt man viele und auch sonderbare Personen kennen und sie bringen volle Lebendigkeit in die Geschichte.


"Lügengrab" bekommt meine absolute Krimiempfehlung, denn der spannende Fall vor der tollen Hallig-Kulisse hat mich mitgerissen und die gruselige Darstellung von Sturmflut und Mördersuche haben sich interessant gestaltet. Dazu noch die faszinierende Beschreibung des Hallig-Lebens haben den Krimi fantastisch abgerundet.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Einfühlsame Schilderung des Coming-of-Age eines Jungen 1972 in Finnland!

Von Männern und Menschen
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Es gelingt dem Autor, mich mit diesem Roman in das Jahr 1972 hinein zu versetzen, das Jahr der Olympischen Spiele von München. Allerdings spielt der Roman in Finnland, in einer abgelegenen Provinz, wo ...

Es gelingt dem Autor, mich mit diesem Roman in das Jahr 1972 hinein zu versetzen, das Jahr der Olympischen Spiele von München. Allerdings spielt der Roman in Finnland, in einer abgelegenen Provinz, wo die Menschen nicht gerade im größten Wohlstand leben, die Männer im Winter arbeitslos sind und die Frauen mit Putztätigkeiten ihre Familien über Wasser halten. Wo die Jugend ihre Freizeit mit ihren Weltempfängern und beim Krebsefangen verbringt.

Das Coming-of-Age:
Zu dieser Zeit wird der namenlose Protagonist in die Pflicht genommen. Er übernimmt die Verantwortung für seine Eltern und arbeitet hart bei einer Regenrohrfirma mit dem klangvollen Namen "Volles Rohr". Dort erlebt er die Abläufe handwerklicher Arbeit mit und merkt, dass die Aufträge nicht immer professionell und gut ausgeführt werden. Auch der Leser wird von technischen Details nicht verschont, es ist eine Männerdomäne, die hier beschrieben wird.

Die Erfahrungen, die er in diesem Sommer macht, sind vielfältig. Es ist sein Coming-of-Age, das in einfühlsamer Weise geschildert wird. Einerseits erlebt er die praktische Arbeitswelt, lernt die groben Charaktere seiner Kollegen kennen, die hauptsächlich Saufen und Weiber im Kopf haben. Doch er kommt gut mit ihnen aus, denn er ist ein umsichtiger, zurückhaltender junger Mann, der zuhören kann und nicht vorschnell argumentiert. Zum Mann wird er jedoch, indem er die Mädchen jetzt als Frauen wahrnimmt.
Außerdem übernimmt er verantwortungsvoll die Mittlerrolle bei Rekku, einem geistig zurückgebliebenen, möglicherweise autistischen Kumpel ähnlichen Alters. Dieser muss wie Lennie in "Von Mäusen und Menschen" den Spott der Mitmenschen über sich ergehen lassen.
Wir erleben das Innerste dieses Helden mit und verschmelzen mit ihm. Das ist wirklich besonders an diesem hautnahen Miterleben!

Die Charaktere:
Es sind die besonderen, etwas schrulligen Charaktere und die Schilderungen der eigentlich alltäglichen Dinge, die in diesem Roman gut unterhalten. So wird der Besuch einer Sauna für den Protagonisten aufgrund seiner körperlichen Reifung zu einer ganz speziellen Männermutprobe. Mit seinem Freund Jukka baut er einen Piratensender auf, manipuliert andere Sendungen und wird so zu einem Helden seiner Zeit.

Die politische Situation Finnlands 1972 war mir nicht bewusst, hier bekommt man es anschaulich erklärt. Es sind Zeiten mit Korruption und wie die eigenmächtige Amtsverlängerung von Präsident Kekkonen im Land aufgenommen wird, auch die spezielle Beziehung zu Russland kommt zur Sprache. Der Autor bringt uns Finnland hier politisch näher.

Eindruck des Romans:
Olli Jalonen schreibt mit viel menschlichem Empfinden, er zeigt komische und tragische Erlebnisse, die berühren und nachdenklich machen über diese spezielle Zeit und den herrschenden Zeitgeist in Politik und Alltagsleben. Aber er zeigt auch, wie wichtig die persönliche Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen ist und den Menschen überhaupt erst zu einem reifen Mitbewohner werden lässt.



Dieser Roman wirkt so offensichtlich und leicht, ist aber tiefgründig und baut aus vielen leichten Teilen ein komplexes Ganzes, das einen Wälzer ergibt, der sich leicht erlesen lässt, aber viel kluge Hintergründe eingebaut hat.

Wer sich für Skandinavien interessiert, für die politische Zeit 1972 in Finnland oder aber Coming-og-Age liebt, der findet hier das geeignete Buch.

Im Anhang hat der Übersetzer Stefan Moster einen kleinen Aufsatz über die Politik Finnlands im Sommer 1972 geschrieben.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Familiendrama mit Argentinischer Geschichte vermischt

Drei Minuten mit der Wirklichkeit
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Dieser Roman ist eigentlich ein Familiendrama, doch der Autor begibt sich auch ins politische Fach, neben der Militärdiktatur Argentiniens wird auch die DDR-Vergangenheit zur Sprache gebracht. Was mich ...

Dieser Roman ist eigentlich ein Familiendrama, doch der Autor begibt sich auch ins politische Fach, neben der Militärdiktatur Argentiniens wird auch die DDR-Vergangenheit zur Sprache gebracht. Was mich gut unterhalten hat, sind die Erklärungen zum Tango, seine Wirkung, sein Ausdruck und wie man ihn in Argentinien allnächtlich zelebriert, hat mich sehr interessiert.
Dabei sind die Beschreibungen des Tango recht speziell und schon eher für echte Tangotänzer relevant.
Tango wird häufig als erotisch beschrieben, die Partner kommen sich sehr nah, dabei handelt der Tanz eigentlich nur von der Sehnsucht nach Liebe und von Hoffnungslosigkeit. Musik und Tanz bilden dabei eine Einheit.


In Buenos Aires trifft Giulietta auch wieder auf ihren Vater, der sich ihr als ein völlig Anderer präsentiert und die Geschichte bekommt melodramatische Züge. Auf einmal verbindet sich auch die deutsche Geschichte mit der argentinischen, die befreundeten Diktaturen waren sich damals sehr nahe.
Was mir zu viel übertrieben erschien, sind die Charaktere, sie sind zu stark betont, sie sind immer schön, heißblütig, hochbegabt, aussergewöhlich und intelligent. Hier hatte ich mehrfach die Vorstellung, Figuren aus einem Groschenroman vor mir zu haben.

Eine schöne Geschichte, mit dem spannendem Einblick in das Tänzerleben und die Geschichte Argentiniens hätte mir vollends gereicht. Leider entwickelt sich die Story dann jedoch zum Polit-Thriller und auch das Ende hat mir nicht gefallen.

Dieses Buch liess mich durch die vielen Informationen und die merkwürdig in die Handlung gebauten Figuren recht verwirrt zurück! Wer sich für Zeitgeschichte und Kultur Argentiniens interessiert, der Welt des Tango näher kommen möchte, der findet hier eine anschauliche Lektüre.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Wieder ein gelungener Wohlfühlkrimi vom Land mit Backideen!

Blutroter Flieder
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Auf diese Fortsetzung der Reihe habe ich mich schon gefreut und die Lektüre hat mir super gefallen. Ich war sofort wieder in die heimelige Stimmung vom ruhigen Burgheide eingetaucht und mich mit den Schwestern ...

Auf diese Fortsetzung der Reihe habe ich mich schon gefreut und die Lektüre hat mir super gefallen. Ich war sofort wieder in die heimelige Stimmung vom ruhigen Burgheide eingetaucht und mich mit den Schwestern auf Mörderjagd begeben.

Tessa fühlt sich inzwischen in Burgheide auch recht wohl, sie liebt ihre Hühner, nur mit Janas Tee kann sie nicht viel anfangen, ihr fehlt ein richtiger Kaffee. Deshalb bestellt sie per Expresslieferung einen Kaffeevollautomaten, aber das gestaltet sich problematischer als gedacht.

Dabei gibt es zur Zeit ein ganz anderes Problem, dass die Dorfbewohner erschüttert: der Tod einer Profireiterin stellt sich als Mord heraus. Deswegen zieht es auch den unfähigen Kommissar Kettel wieder nach Burgheide, der leider eher mit Martins wunderbaren Backwaren etwas anfangen kann als mit logischer Ermittlungsarbeit. Also gehen Tessa und Jana wieder auf Schnüffeltour und kommen dem Mordfall auf die Schliche.

Was eher nach romantischem Hofcafé aussieht, ist eigentlich das Polizeirevier, wo Martin, der Dorfpolizist wieder seine gelungenen Backkreationen herstellt. Scones, Butterkuchen mit Mandeln und ein ganz besonderer Baileys-Schokokuchen mit Schuß sorgen mit den beigefügten Rezepten für köstliche Unterhaltung und die Rezepte verlocken zum Nachbacken.


Mich hat der flotte, ungezwungene und amüsante Schreibstil der Autorin wieder durch die Handlung fliegen lassen und neben den ländlichen Schauplätzen haben auch die speziellen Charaktere für gute Unterhaltung gesorgt. Dabei ist die Krimihandlung gut durchdacht und die Tätersuche gar nicht so offensichtlich wie zuerst gedacht. Hier bringt Mareike Marlow wieder ordentlich Spannung in die Dorfidylle und man kann auch schön mitraten.

Dieser Wohlfühlkrimi zeigt niedersächsisches Landleben mit liebenswerten Protagonisten und ihrem trockenen Humor. Er macht gute Laune und weckt außerdem die Backlust, wenn man die leckeren Rezepte liest. Lesen, mitraten und geniessen!

Veröffentlicht am 13.04.2018

Unterhaltsamer SPO - Krimi über Tierschützer versus Pelzhandel

Friesen Fetisch
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Dieser Regionalkrimi hat mir gut gefallen, die vielen Einbindungen der Gegend habe ich mit eigenen Erlebnisse in St. Peter-Ording gut vor Augen gehabt. So ein Revival des Urlaubs gefällt mir und auch wenn ...

Dieser Regionalkrimi hat mir gut gefallen, die vielen Einbindungen der Gegend habe ich mit eigenen Erlebnisse in St. Peter-Ording gut vor Augen gehabt. So ein Revival des Urlaubs gefällt mir und auch wenn dieses Buch nicht mit Landschaftsbeschreibungen aufwartet, sind doch einige Adressen des Ortes erwähnt.

Der Titel zeigt schon die Thematik an: es geht um zweierlei Arten von Friesennerzen. Als althergebrachte Regenkleidung einerseits und dann der Nerz, also Pelz als Fetisch für besondere Wünsche.

Friesen Fetisch ist eine leichte, humorvolle Urlaubslektüre mit einem Hauch von Erotik, die aber nicht ordinär breitgetreten wird, sondern immer kultiviert und unterschwellig angedeutet wird.
Dabei wird eher Augenmerk gelegt auf die genante Art des häufig peinlich errötenden Nils Hansen und auf spezielle Vorlieben anderer Figuren. Man amüsiert sich auf Kosten dieser in bestimmte Situationen kommenden Personen und wie sie dort halbwegs normal wieder herauskommen.


Die Handlung ist logisch aufgebaut und recht spannend gemacht, es gibt einige Personen, die in den Kreis der Verdächtigen passen und als Leser rätselt man munter mit.

Dabei unterhalten die teilweise recht schrägen Charaktere mit ihren Besonderheiten recht gut. Mutter Hansens "Leichenschmaus" muss ich an dieser Stelle unbedingt als lustige Szene erwähnen.
Aber auch bei der Zusammenarbeit der Ermittler entwickelt sich eine heitere komische Nummer heraus. Die Kommissarin bringt ihren jungen Kollegen gern in Situationen, die ihn in seiner Unerfahrenheit ziemlich dumm dastehen lassen.
So hält er sich sogar als Polizist im Einsatz an die StVO. So kann man natürlich keine Gauner fangen!

Interessant gestaltet sich auch die Einbindung der umstrittenen Thematik von Tierhaltung, die sich angesichts der vielen Veganer immer mehr in den Vordergrund gesellschaftlichen Interesses schiebt. Die Nerzhaltung wird hier ansatzweise erklärt und auch auf die Problematik des Aussetzens "befreiter" Tiere wird hier eingegangen. Solche Inhalte bereichern selbst Regionalkrimis immer enorm und geben der Sache etwas mehr Tiefe.

Dieser Krimi sorgt für gute Unterhaltung, humorvolle Situationskomik und zeigt die nordfriesische Gegend mal von einer anderen Seite, im Friesennerz.