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Veröffentlicht am 04.11.2017

Krimi, der auch mal das Thema "Autismus" behandelt!

Schneewittchen muss sterben (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 4)
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Dieser Krimi hat mich schnell gepackt und in seinen Sog gezogen.
Die Ermittler Bodenstein und Kirchhoff habe ich mit diesem Band kennengelernt und finde ihre Ermittlungen sehr abwechslungsreich. Denn ehe ...

Dieser Krimi hat mich schnell gepackt und in seinen Sog gezogen.
Die Ermittler Bodenstein und Kirchhoff habe ich mit diesem Band kennengelernt und finde ihre Ermittlungen sehr abwechslungsreich. Denn ehe sie den neuen Fall aufklären können, müssen sie erst den Mörder von Schneewittchen finden. So hinterfragen sie den damaligen Indizienprozess, der Tobias hinter Gittern brachte und untersuchen in dem Dickicht der Dorfbevölkerung den alten Fall und finden neue Hinweise auf den wahren Mörder von Schneewittchen.

Mir hat der Schreibstil gut gefallen, die Figuren sind sehr authentisch und charakterlich deutlich gezeichnet und man bekommt einige Verdächtige präsentiert, aus denen man den Täter raten kann.
Allerdings ist bald das halbe Dorf verdächtig, ihre Lügen und Drohungen und ihre Stimmungsmache gegen Tobias sind gut dargestellt. Man kann sich gut in die Situation hineinversetzen.

Lediglich am Ende erscheinen mir die überraschenden Wendungen dann doch etwas übertrieben und auch die Anzahl der Personen hätte man etwas eingrenzen können.

Ein interessanter, authentisch wirkender Krimi, der das Thema Stimmungsmache und Ausgrenzung sehr deutlich macht.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Das Grauen auf dem Lande

Tannöd
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Im streng gläubigen, erzkatholischen Tannöd wurde eine gesamte Familie in einer Nacht ausgelöscht. Die Bauernfamilie Danner lebte von der Waldarbeit, war arbeitsam und gottesfürchtig, aber auch verschlagen ...

Im streng gläubigen, erzkatholischen Tannöd wurde eine gesamte Familie in einer Nacht ausgelöscht. Die Bauernfamilie Danner lebte von der Waldarbeit, war arbeitsam und gottesfürchtig, aber auch verschlagen und habsüchtig und deswegen eher unbeliebt.
Nun haben die Dorfbewohner Angst vor dem unbekannten Mörder, der sogar vor dem Mord an kleinen Kindern nicht zurückzuschrecken scheint.
Wer könnte so einen Hass auf die Familie und ihr Personal haben, um sie mit einer Spitzhacke komplett auszulöschen? Bei diesem Buch kommt man Stück für Stück durch Befragungen hinter die Gemeimnisse dieser Familie und schaut dem Mörder bei seinen Taten förmlich zu.

Andrea Maria Schenkel verarbeitet in ihrem Buch eine wahre Begebenheit, die sich am realen Mordfall Hinterkaifeck orientiert, der offiziell nie aufgeklärt wurde.
Als Erzählform wählt die Autorin den ausgefallenen Stil einer journalistischen Befragung, indem sie sich als Interviewerin nach Tannöd begibt und dort die Anwohner zu den Vorgängen auf dem Mordhof befragt. Die Stellungnahmen von Nachbarn, Bekannten, Pfarrer, Briefträger und Bürgermeister bringen eine Menge Meinungen, Vermutungen und auch viel Geschwätz mit sich. Niemand kannte die Familie wirklich sehr eng. So entsteht ein sich langsam aufbauendes Bild der Hintergründe zu dieser grausamen Tat. Es offenbahren sich schreckliche Familiengeheimnisse, man fragt sich hier: Wer war Täter und wer Opfer?

Mir hat die besondere Form des Romans imponiert. Die Befragungen, nur unterbrochen von Fürbitten aus der Liturgie, bilden die Grundlage für ein Erahnen der Zustände auf diesem Hof. Ein wahres Verstehen ergibt sich erst im Laufe der Zeit, wenn man die Wissensbrocken zusammensetzt und das Ausmaß der schrecklichen Vorkommnisse auf dem Hof begreift.
Der Klatsch und die auffällige Religiösität lassen solche schlimmen Grausamkeiten kaum erahnen, doch hier kommen ungeahnte Zustände ans Licht.

Die Sprache der Befragten ist eher einfach und knapp und sehr schlicht, hier in der Provinz gibt es keine großen Redner. Es werden Gebete zitiert und der Pfarrer mutmaßt, dass der Mörder nicht unter seinen Schäflein zu finden sein kann.

So hat jeder im Dorf seine eigenen Mutmaßungen und man verfolgt gefesselt die Stimmung im Dorf. Allmählich bildet sich das Tatmotiv heraus und man versteht die grausame Wahrheit dahinter.

Dieser Roman ist spannend wie ein Krimi, grausam wie ein Thriller und durch seine Anlehnung an einen wahren Fall faszinierend gut umgesetzt.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Unterhaltsam und berührend erzählte Geschichte, die auf eine wahre Figur zurückschaut.

Désirée
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Désirée Clary ist die Tochter eines Seidenhändlers aus Marseille und wurde weltbekannt, denn sie war die erste Verlobte Napoléons und heiratete später den französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte. ...

Désirée Clary ist die Tochter eines Seidenhändlers aus Marseille und wurde weltbekannt, denn sie war die erste Verlobte Napoléons und heiratete später den französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte. Mit ihm verließ sie Frankreich, als er den schwedischen Thron bestieg.


Der Roman "Désirée" ist einer der erfolgreichsten Unterhaltungsromane im deutschsprachigen Raum. Annemarie Selinko hat hier eine Liebesgeschichte geschrieben, die in der Zeit Französischen Revolution spielt. Die junge Désirée stammt aus gutem Hause und verliebt sich in einen jungen General, nämlich Napoléon Bonaparte und sie verloben sich. Doch der entscheidet sich auch aus Machtgründen für Joséphine de Beauharnais, die einen umstrittenen Ruf hatte.
Die Autorin geht mit großem Erzählvermögen auf die historisch belegte Figur der bürgerlichen Désirée ein und schildert ihr Leben in der reichen Seidenhändlerfamilie sehr anschaulich.

Es war die Zeit der großen politischen und sozialen Umwälzungen in Frankreich und ganz Europa. Frankreich gewinnt unter Napoléons Herrschaft Weltbekanntheit, denn er führt gnadenlose Kriege, um sein Territorium auszudehnen.

Man ist schnell gefangen genommen von der Protagonistin, erlebt mit ihr ihre erste große Liebe und sieht ihr dabei zu, wie sie trotz der gelösten Verlobung mit Napoléon durch die Heirat mit Bernadotte später die schwedische Königin wird.


Annemarie Selinko bringt durch ihren einfühlsamen und flüssigen Schreibstil die Umstände der damaligen Zeit gut zum Ausdruck.

Auch ihre Charaktere umschreibt sie sehr klar, man erlebt die Persönlichkeitsveränderung Napoléons und sieht seine Machtgier. Aber auch die Darstellung der Mode der Zeit kommt nicht zu kurz. Besonders in Joséphines Lebenswandel gibt es viele Eindrücke der gängigen Kleider, Stoffe und Schmuckstücke zu bestaunen.

Insgesamt ist der Roman mit seinen über 800 Seiten gut zu lesen, die politischen Situationen sind grob umrissen und im Vordergrund steht die Geschichte der späteren Schwedischen Königin.
Es gibt einige Stellen, die sich mit Nebensächlichkeiten befassen und die vielleicht den Roman inhaltlich etwas unnötig aufblähen.
Von diesen Schilderungen lebt aber die Geschichte auch und man bekommt einen umfassenden Einblick der damaligen Zeit geboten.


Dieser Roman besticht durch seinen historischen Hintergrund und eine sympathisch gezeigte Désirée. Ob diese Person in Wahrheit ebenso war, sei dahingestellt. Man wird wunderbar unterhalten und mit diesem Roman legte die Autorin einen wichtigen Meilenstein in der deutschen Literatur.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Moderne Umsetzung von grünen Klassikern! Grün ist gesund!

Pflücksalat & Blattspinat
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Hier werden über 77 abwechslungsreiche Kreationen vorgestellt, dazu gehören neben Suppen und Salaten, die Beilagen und Hauptspeisen und auch Desserts mit den Zutaten aus dem Gemüsegarten. Dem Ideenreichtum ...

Hier werden über 77 abwechslungsreiche Kreationen vorgestellt, dazu gehören neben Suppen und Salaten, die Beilagen und Hauptspeisen und auch Desserts mit den Zutaten aus dem Gemüsegarten. Dem Ideenreichtum der Köchin scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.

Das Buch ist groß, aber recht handlich und auch optisch ein Hingucker. Die Fotos vorn Herbert Lehmann sind teilweise in Großaufnahme und dadurch sehr schön und im Detail gut zu erkennen, hier kommt der Appetit schon vom Ansehen der hübsch angerichteten Gerichte.

Zu Beginn macht die Autorin in ihrem Vorwort deutlich, wie gesund und inhaltsstoffreich Blattgemüse und auch Salate sind. Besonders interessant: Auch das meiste Blattwerk kann man essen.

In sechs Kapiteln stellt Yvonne Schwarzinger mit altbekannten Gemüsen und Salaten neue Kreationen vor, die auch Kochanfänger nicht überfordern. Jedes Rezept zu einem Gericht nimmt mit einem großformatigen Foto eine Doppelseite ein, das macht die Sache sehr übersichtlich. Die Zutatenauflistung und die Zubereitungsschritte sind sehr gut erklärt und um spezielle Tipps mit alternativen Zutaten ergänzt. Die meisten Gemüse sind alle relativ gut im Supermarkt oder auch auf dem Wochenmarkt zu beschaffen, natürlich unterliegen sie dem jahreszeitlich bedingten Angebot, wie z. B. beim Rhabarber, Grünkohl und Pfifferlingen.

Der Aufbau der Kapitel entspricht wie bei einem Menü die Speisenfolge. Den Beginn machen die grünen Smoothies und die Salate. Mir gefällt davon besonders der grüne Vitalsmoothie mit Mango, Spinat, O-Saft, Limette und Leinöl, ein gesunder Energiespender, der lange sättigt. So kann man den Tag gut beginnen.

Bei den Salaten ist Omas Endivien-Kartoffel-Salat mein Hit, allerdings in der milderen Variante mit Chinakohl statt Endivien.

Weiter geht es mit drei verschiedenen Pestos auf Kräuterbasis, wenn es wieder frischen Bärlauch gibt, werde ich das als Pesto ausprobieren.

Es folgen 5 Cremesuppen, alle klingen lecker und sind, passend zum Buchthema, sehr grün. Mein Favorit ist die Mangoldsuppe mit Ziegenfrischkäse, die ich mir besonders im Sommer sehr gut vorstellen kann.

Bei den Vorspeisen und Snacks sticht für mich das Sandwich mit Blutampfer, Mozzarella und Paprika heraus. Blutampfer kenne ich nur im Salat und ich muss auch noch eine Anbieterquelle dafür finden.

Im Abschnitt über Beilagen und Hauptgerichte findet sich der altbekannte Cremespinat, natürlich mit Muskatnuss. Das Rezept zum gefüllten Chicoree kann man auch mit Schinken anbieten.
Überrascht hat mich das Omelett mit Salat, dort ist Salat enthalten, nicht daneben angerichtet!
Die Crespelle mit Grünkohl sind auch mal eine Idee, leider gibt es den Grünkohl erst wieder im Winter, aber ich werde mir das Rezept vormerken.
Spinatquiche mit Feta: das ist mein absoluter Favorit und sieht auch noch toll aus. Tagliatelle mit Spinat und Ricotta gibt es bei mir häufig, ich werde dieses Rezept mal ausprobieren.
Mit Süßem schliesst man das Menü ab, auch hier wird Blattgrün eingesetzt. Die süße Spinattorte mit Himbeeren, Mascarpone-Quark und einem Boden aus Spinat-Biscuit setzt hier neue Maßstäbe und farbliche Akzente.

Zu guter Letzt werden 12 verschiedene Vinaigrettes und Dipps vorgestellt. Da ist garantiert für jeden etwas dabei.
Mit einem übersichtlichen Register schliesst das Buch perfekt ab.

Rucola, Blattspinat, Grünkohl und Mangold gehören zu den grünen Superfoods, in ihnen steckt mehr als nur Blattgrün. Das wird in diesem Buch sehr deutlich gemacht. Wer gesund leben möchte, sollte die grünen Blattgemüse in seine Ernährung einbauen.
Meiner Meinung nach gibt es in "Pflücksalat & Blattspinat" viele neuartige Ideen zu entdecken, die kochtechnisch leicht umzusetzen sind, lecker schmecken und den Körper mit gesunden Vital- und Nährstoffen versorgen. Einige Zutaten werden vielleicht nicht zu jeder Jahrezeit zur Hand sein oder wie der fertige Strudelteig eher nur in Österreich im Supermarkt erhältlich. Aber man kann die Rezepte auch mal umwandeln. Wichtig ist, überhaupt viel Blattgemüse in der Ernährungsplan einzubauen. Das sollte mit diesem Buch angeregt werden und ich finde, die Umsetzung ist mit den Rezepten auch bestens gelungen.
Mit "Pflücksalat & Blattspinat" hat Yvonne Schwarzinger ein alltagstaugliches Kochbuch geschrieben, das vielseitige, vegetarische Rezepte bereithält. Hier wird gezeigt, dass man Grünzeug auch mal in neuer Art und Weise auf den Teller zaubern kann.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Bunter Mix aus Bretagne-Reiseführer, Krimi und guter Unterhaltung

Bretonisches Leuchten
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Es sind Sommerferien und George Dupin reist mit seiner Freundin Claire nach Trégastel an die berühmte Rosa Granitküste. Zwei Wochen ausspannen, die Seele baumeln lassen, beide haben Urlaub dringend nötig. ...

Es sind Sommerferien und George Dupin reist mit seiner Freundin Claire nach Trégastel an die berühmte Rosa Granitküste. Zwei Wochen ausspannen, die Seele baumeln lassen, beide haben Urlaub dringend nötig. Es ist dort wunderschön, das Wetter ist herrlich warm und dennoch kann Dupin nicht den ganzen Tag am Strand liegen. Als eine Frau vermisst wird und kurz darauf auch noch eine Tote entdeckt wird, bekommt Dupin wieder gute Laune, denn damit ergeben sich jede Menge Möglichkeiten für aufregende Ermittlungen.


"Der "Weiße Strand" galt als einer der schönsten Strände der Bretagne. An beiden Seiten des Zipfels flaches, klares, helles Meer in karibischen Farbabstufungen: kristallines Hellblau zunächst, dann Smaragdgrün, später Türkis, allmählich Grünblau und dann ...Tiefblau. Zitat Seite 163


Genau für diese Beschreibungen liebe ich dieses Buch. Aber auch die logisch aufgebaute Krimihandlung muss sich nicht verstecken. Es geht zwar recht ruhig zu, aber es ist ja auch Hochsommer und Urlaub und da kommt man auch mit Ruhe ans Ziel. Dupins Ermittlungen machen Spaß, überall hat er seine geheimen Quellen, die ihn auf den neuesten Stand der offiziellen Ermittlungen bringen. Selbst der Gastwirt und der Frisör mischen mit.

George Dupin macht Urlaub und soll nur faul am Strand liegen, nein, das Nichtstun liegt ihm einfach nicht. Er braucht Abwechslung und da kommen die beiden Fälle, die mit dem Steinbruch zusammen hängen, ja genau im richtigen Moment, um dem Urlaub doch noch ein wenig Abenteuer zu verleihen. Ein neues Clairefontaine muss her, für seine Notizen aus den Befragungen. Der ansässige Kommissar und Nolwenn ahnen seine Aktivität und versuchen Dupin an den Ermittlungen zu hindern.


Was mir besonders ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte, sind die Versuche von George und Claire, ihre geheime Arbeit in den Ferien voreinander geheim zu halten. Es ist sehr amüsant, wie sie jede erdenkliche Möglichkeit für berufliche Dinge nutzen und die Arbeit scheinbar brauchen.

Nebenbei liegen sie zusammen am Strand, bestaunen die Felsformationen, unternehmen Spaziergänge am Meer und geniessen ihr gemeinsames Abendessen: stets gibt es ein mehrgängiges Menue aus der bretonischen Küche mit dem passendem Wein. Da kommt man schon mal ins Träumen und auch die wunderschönen, etwas ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen gehören zwar nicht in einen Spannungsroman, hier in diesem Ferien-Krimi jedoch passen sie ganz wunderbar. Sie bringen regelrecht Urlaubsgefühle mit und runden die Geschichte stimmig ab.



Bannalec hat mir mit diesem Krimi schöne, unterhaltsam fesselnde Lesestunden geschenkt und ich habe von der Bretagne geträumt. Mehr geht nicht, daher gibt es von mir 5 Sterne.