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Veröffentlicht am 02.01.2018

Es gibt keinen Gott.

Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
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„Hangman. Das Spiel des Mörders“ ist der zweite Band der New-Scotland-Yard-Thrillers „Ragdoll. Dein letzter Tag“. Wer Band 1 nicht gelesen hat, für den könnte es etwas schwierig werden. Denn es wird immer ...


„Hangman. Das Spiel des Mörders“ ist der zweite Band der New-Scotland-Yard-Thrillers „Ragdoll. Dein letzter Tag“. Wer Band 1 nicht gelesen hat, für den könnte es etwas schwierig werden. Denn es wird immer wieder Bezug genommen auf Personen und Ereignisse des Vorgängers. Doch worum geht es?
Zitat: Achtzehn Monate sind seit dem dramatischen Ende der Ragdoll-Morde vergangen. Wir begegnen Detective Chief Inspector Emily Baxter in einem klaustrophobischen Vernehmungsraum, angeschlagen, blutend und gebrochen, hat sie den brutalsten Fall ihres Lebens nur mit knapper Not überlebt.
Fünf Wochen zuvor wurde Baxter nach New York beordert, um Special Agent Elliot Curtis vom FBI und Special Agent Damien Rouche von der CIA bei der Aufklärung einer Mordserie zu unterstützen. Die Parallelen zum Londoner Ragdoll-Fall sind offensichtlich. Täter und Opfer sterben jeweils im Doppelpack. Einer hat das Wort „Puppe“, der andere das Wort „Köder“ in die Brust geritzt. Wer zieht im Hintergrund die Fäden und wo liegt das Motiv?
Daniel Cole hat seinen neuen Thriller wieder packend in Szene gesetzt. Die Morde sind grausam und brutal, der modus operandi ist echt abgedreht. Die Geschichte ist dieses Mal größer und dunkler, aber auch witziger. Der Autor nimmt sich sogar selbst auf die Schippe. Es geht um „Kevin allein zu Haus“.
Zitat: Der erste Film war insgeheim einer ihrer absoluten Lieblingsfilme, den zweiten hielt sie für eine uninspirierte Kopie. Man hatte den uralten Fehler gemacht zu glauben, die Fortsetzung würde erfolgreicher und besser, wenn man dieselbe Geschichte einfach nach New York City verlagerte.
Also genauso wie hier? Diverse Handlungsstränge gilt es zu verfolgen, viele Perspektivwechsel sorgen für Dynamik. Zwischendurch sind auch immer wieder Aufzeichnungen von Therapie-Sitzungen eingestreut. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen.
Über das Wiedersehen mit Baxter und Alex Edmunds, ihren Freund und ehemaligen Kollegen, habe ich mich sehr gefreut. Curtis und Rouche sind mir sofort ans Herz gewachsen. Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, wird zwar namentlich genannt, hat diesmal jedoch nur einen Cameo-Auftritt.
Hangman ist ein rasanter und actionreicher Thriller, voller unerwarteter Wendungen, perfekte und spannende Unterhaltung. Nach einem fulminanten Showdown gelingt Daniel Cole ein Cliffhanger der neugierig macht, wie der Autor diese geniale Reihe fortsetzen wird.

Fazit: Atemberaubende Fortsetzung von Ragdoll. Härter, abgründiger, abgedrehter!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Die Eishexe
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„Die Eishexe“ ist bereits der zehnte Band aus der Erica Falck und Patrik Hedström-Reihe, die in Fjällbacka, an der schwedischen Westküste verortet ist. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in ...


„Die Eishexe“ ist bereits der zehnte Band aus der Erica Falck und Patrik Hedström-Reihe, die in Fjällbacka, an der schwedischen Westküste verortet ist. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Vor dreißig Jahren verschwand die kleine Stella. Damals wurden zwei 13-jährige Teenager verdächtigt, das Mädchen entführt und getötet zu haben. Sie wurden zwar verurteilt, mussten die Haftstrafe aber nicht antreten. Später gab es Zweifel an ihrer Schuld. Helen lebt heute zurückgezogen im Ort. Marie ist inzwischen eine gefeierte Schauspielerin und gerade zu Dreharbeiten in ihre alte Heimat zurückgekehrt.
Eines Tages verschwindet wieder ein kleines Mädchen, die vierjährige Linnea. Fjällbacka ist in Aufruhr: Hat der Täter von damals wieder zugeschlagen? Oder wirkt der gut dreihundert Jahre alte Fluch einer Hexe bis heute? Patrik ermittelt. Währenddessen recherchiert seine Frau Erica für ihr neues Buch in dem alten, nie geklärten Fall.
Camilla Läckberg hat ihren neuen Kriminalroman gekonnt und mit viel Atmosphäre in Szene gesetzt. Auch das Privatleben nimmt wieder einen recht ordentlichen Teil des Romans ein. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Geschickt und wohl dosiert werden in einem weiteren Erzählstrang Passagen aus dem Leben von Elin aus dem 17. Jahrhundert eingestreut.
Gut geschrieben, ohne Frage. Zweihundert Seiten weniger, und der Roman hätte vermutlich gewonnen. Insbesondere den historischen Teil, der mit dem Krimiplot nichts zu tun hat, fand ich langweilig und langatmig. Zudem thematisiert die Autorin Flüchtlinge und Fremdenfeindlichkeit - und Mobbing. Damit ist „Die Eishexe“ meines Erachtens überfrachtet.

Fazit: Gut, für mich aber nicht das beste Buch der Reihe.

Veröffentlicht am 24.12.2017

Schuld und Sühne, Rache und Gerechtigkeit

Die Vergessenen
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Ellen Sandberg ist ein Pseudonym der Autorin Inge Löhnig. Ihre Kriminalromane um den Münchener Kult-Kommissar Konstantin Dühnfort hatte ich mit Begeisterung verschlungen.
„Die Vergessenen“ ist ein spannender ...


Ellen Sandberg ist ein Pseudonym der Autorin Inge Löhnig. Ihre Kriminalromane um den Münchener Kult-Kommissar Konstantin Dühnfort hatte ich mit Begeisterung verschlungen.
„Die Vergessenen“ ist ein spannender Familienroman. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Diverse Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Worum geht es?
München 2013: Manolis Lefteris ist ein Problemlöser - und Auftragskiller. Er soll geheimnisvolle Akten aufspüren, die sich im Besitz der 89-jährigen Kathrin Engesser befinden. Vera Mändler, Kathrins Nichte, ist Journalistin und ebenfalls an den Akten interessiert. Denn ihre Tante war im Dritten Reich als Krankenschwester in einer Heil- und Pflegeanstalt tätig.
Geschickt und wohl dosiert werden Kathrins Erinnerungen an den Sommer 1944 eingestreut. Es geht um ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Auch Manolis kämpft mit den Dämonen der Vergangenheit. Die Figurenzeichnung ist ausgezeichnet gelungen. Vera und Manolis sind mir sofort ans Herz gewachsen. Sogar Kommissar Dühnfort kommt namentlich vor.
Ellen Sandberg alias Inge Löhnig gelingt es eindrucksvoll, die Schicksale der vergessenen Opfer der NS-Euthanasie lebendig werden zu lassen. Der Plot gewinnt durch die Verknüpfung lange zurückliegender Ereignisse mit der Gegenwart eine Intensität, der man sich schwer entziehen kann.

Fazit: Ein absolut intensives Leseerlebnis mit Spannung auf hohem Niveau. Ein Highlight!

Veröffentlicht am 23.12.2017

Sesam, öffne dich!

Verborgen
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Um es gleich vorwegzunehmen, ich bin ein großer Fan von Dieter Aurass und habe alle seine Krimis und Thriller gelesen. Und so war ich schon gespannt auf „Verborgen“. Die Inhaltsangabe ließ auf einen packenden ...

Um es gleich vorwegzunehmen, ich bin ein großer Fan von Dieter Aurass und habe alle seine Krimis und Thriller gelesen. Und so war ich schon gespannt auf „Verborgen“. Die Inhaltsangabe ließ auf einen packenden Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Kalle, Katrin und Benjamin brechen unabhängig voneinander nachts in eine Villa ein. Jeder hat seine Gründe. Schnell ist klar, nur wenn sie sich zusammenraufen, haben sie eine Chance, den Zauberspruch zu finden, mit dessen Hilfe ein verborgener Raum geöffnet werden kann.
„Verborgen“ ist ein echter Slow Burner, vom Krimi zum packenden Thriller. „Verborgen“ kommt langsam, aber gewaltig. Man muss es lesen, um es zu begreifen.
Wie Dieter Aurass zeigt, ist es möglich, auch völlig unblutige und dennoch spannende Thriller zu schreiben. Mehr der individuelle Hintergrund der Protagonisten ist wichtig. Kalle hat mir am besten gefallen, weil er wandlungsfähig und schlau ist. Benjamin ist der typische „Besserwessi“ und Katrin ist nett, aber ein bisschen naiv. Am Ende bekommt sogar der bisher ungestraft gebliebene Finsterling sein Fett weg. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, z.B. wenn Kalles innere Stimme zu ihm spricht.

Fazit: Ein unblutiger Thriller ohne Leichen, hochspannend und mit überraschenden Wendungen.

Veröffentlicht am 26.11.2017

Jenseits von Afrika

Spinnenbiss
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Hans W. Cramer geht gleich in medias res: Ein 10-jähriges Mädchen stirbt nach einem Zoobesuch im Sommer 2009. Die genaue Todesursache bleibt ungeklärt.
Hier und jetzt: Eine Serie von Spinnen hält Deutschland ...


Hans W. Cramer geht gleich in medias res: Ein 10-jähriges Mädchen stirbt nach einem Zoobesuch im Sommer 2009. Die genaue Todesursache bleibt ungeklärt.
Hier und jetzt: Eine Serie von Spinnen hält Deutschland in Atem. Denn nicht alle sind aus Plastik, einige sind echt - und tödlich. Die Spur führt nach Dortmund.
Das bereits aus „Wer Sünde sät“ bekannte Personal ermittelt: Notärztin Sabine, Philosophiedozent Friendrich, genannt Philo, und Computer-Nerd Hans aka Raster.
Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Wechselnde Perspektiven, auch aus Sicht des Täters, des Dompteurs, sorgen für Dynamik. Wo liegt das Motiv?
Gekonnt spielt Hans W. Cramer mit unseren Urängsten. Exotische Schauplätze, illegale Tierverkäufe, Großwildjagd, Menschenhandel - und Mord, das sind die Zutaten für „Spinnenbiss“.
Dass der Autor im Finale nochmal richtig Gas gibt, steigert das Lesevergnügen. Denn eine Überraschung gegen Ende des Thrillers hält Hans W. Cramer noch bereit. Für einen Thriller hat mir jedoch ein bisschen der Thrill gefehlt.
Der Leser merkt sofort, dass dem Autor die Psychologie und der individuelle Hintergrund seiner Figuren wichtig sind. Sabine, Philo und Raster, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Exotisch, skurril und kurzweilig.