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Veröffentlicht am 20.02.2025

Unbedingt lesen!

Der große Riss
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Vom Panamakanal wusste ich bislang nur, dass es ihn gibt. Hier kann man miterleben, wie er gebaut wurde, es ist allerdings nicht die große Geschichte eines grandiosen Bauwerks, die man vielleicht erwartet. ...

Vom Panamakanal wusste ich bislang nur, dass es ihn gibt. Hier kann man miterleben, wie er gebaut wurde, es ist allerdings nicht die große Geschichte eines grandiosen Bauwerks, die man vielleicht erwartet. Wir bekommen hier zahlreiche kleine Geschichten, die anschaulich von einer Welt im Umbruch erzählen. Da trifft amerikanischer Fortschritt auf eine Pazifikwelt und das hat gravierende Auswirkungen.

Um das Jahr 1900 herum führen Amerikaner ein irrwitziges Projekt weiter, das Franzosen mal begonnen hatten. Sie graben eine Schneise durch Panama, um einen Seeweg zu erschließen, der sonst ein Landweg war. Dazu müssen ganze Städte weichen. In der Stadt Gatún versucht man mit einem Sitzstreik dagegen zu protestieren. Leider interessiert es keinen, aber die Party war schön.

Das Projekt ist in alle Munde und zieht die unterschiedlichsten Menschen an. Ada kam extra aus Barbados, weil es hieß, in Panama lässt sich leicht Geld verdienen. Und Omar zieht es auf die Baustelle, weil er nicht Fischer werden möchte wie sein Vater, allerdings hatte er sich den Job nicht so hart vorgestellt. Es ist ein Knochenjob unter Aufsehern, die bei Sklaventreibern gelernt haben. John und Marian wollten Tropenkrankheiten erforschen bis Marian krank wurde. Der ewige Regen macht Panama zu einer Schlammgrube und ist perfekter Nährboden für Malaria und Lungenkrankheiten. Die Arbeit in „La Boca“, dem „Riss“, ist lebensgefährlich aus vielerlei Gründen und die Überlebenschancen hängen auch davon ab ob man „Gold“ oder „Silber“ ist, schwarz oder weiß, Amerikaner oder Einheimischer.

Dieses Buch lässt einen in eine fremde Welt gucken, aus zahlreichen Perspektiven, mit Licht und Schatten und viel Einfühlungsvermögen. Es liest sich wie ein wunderbarer Schmöker mit reichlich Personal und liefert ganz nebenbei ein eindrucksvolles Stück Historie. Es zeigt wie Größenwahn und Skrupellosigkeit Berge versetzen können und was das für die Berge bedeutet, vielleicht sogar, was es für Grönland bedeuten würde, wenn es zu kaufen wäre.

Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Cinderella im Plattenbau

Achtzehnter Stock
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Zu Anfang hatte ich Schwierigkeiten, das Gehörte mit dem Klappentext in Zusammenhang zu bringen. Es geht sehr dramatisch zu. Eine Frau kämpft verzweifelt für ihr Kind, das krank ist und dessen Krankheit ...

Zu Anfang hatte ich Schwierigkeiten, das Gehörte mit dem Klappentext in Zusammenhang zu bringen. Es geht sehr dramatisch zu. Eine Frau kämpft verzweifelt für ihr Kind, das krank ist und dessen Krankheit die Ärzte nicht wahrzunehmen scheinen. Karlie hat halt Ohrenschmerzen ist die allgemeine Meinung. Außer Eileens Mutter scheint keiner den Ernst der Lage zu erkennen. Eileens Mutter ist die Expertin für alle Lebensfragen in der Platte, in der Wanda und Karlie eine Wohnung im achtzehnten Stock bewohnen. Stets verfügbarer kostenloser Babysitter ist sie auch, aber ein ernsthaft krankes Kind erfordert andere Betreuung.

Wanda hätte gerade die Chance, auf die sie lange gewartet hat. Sie könnte in einer Serie mitspielen, berühmt werden, echtes Geld verdienen, aber in der Welt des Films muss man funktionieren. Für die Probleme einer alleinerziehenden Mutter hat da niemand Verständnis.

Damit wechselt das anfängliche Solzialdrama dann doch das Genre. Die Glamourwelt des Films wird hier mit jedem gängigen Klischee ausgestaltet, vom knallharten Manager und abgehobenen Produzenten, über ständige Champagnerparties bis hin zum umwerfend attraktiven Hauptdarsteller, den alle anhimmeln, der aber nur Augen für Wanda hat, bis… (ACHTUNG SPOILER!!!) …er erfährt, dass sie ein Kind hat, dann ist der Spaß vorbei.

Im Grunde ist diese Geschichte ein Märchen, eine Cinderella-Story mit etwas Sozialkritik verbrämt. Das fällt anfangs nicht so auf, weil es wirklich toll erzählt wird. Der Stil ist sehr schön, plastisch, anspruchsvoll, mit Gefühl, Witz und sprechenden Bildern.

Das Leben „in der Platte“ ist dabei ein bisschen angeschmutzte Märchenkulisse. Da treffen Menschen aller Länder zusammen, teilen Armut, Kinder, Klamotten und Teigtaschen und treffen sich auf dem Hinterhof. Fast fragt man sich, warum Wanda da unbedingt weg möchte.

Im Grunde erzählt dieses Buch eine Liebesgeschichte in anspruchsvoller Verpackung, gehobene Unterhaltung mit einigem Drama und sozialkritischem Ansatz. Hinten raus entwickelt es sich allerdings reichlich märchenhaft. Man kann es wirklich gut lesen, sollte allerdings nicht zu viel Tiefgang erwarten.

Nina Reithmeier liest das Hörbuch sehr schön. Man glaubt ihr die attraktive junge Frau problemlos. Bei Bedarf berlinert sie sogar recht authentisch. Es dauert 6 Stunden und eine Minute.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Witzig, traurig und sehr besonders

Wir kommen zurecht
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Dies ist ein trauriges Buch. Es geht um die Reste einer Familie. Perfekt war ihr Familienleben noch nie aber inzwischen überleben sie nur noch, Philipp und sein Vater Lothar.

Philipp steht kurz vor dem ...

Dies ist ein trauriges Buch. Es geht um die Reste einer Familie. Perfekt war ihr Familienleben noch nie aber inzwischen überleben sie nur noch, Philipp und sein Vater Lothar.

Philipp steht kurz vor dem Abitur findet aber zunehmend Spaß am Kiffen auf dem Friedhof, statt zu Hause zu büffeln und Lothar vergräbt sich in seiner Arbeit. Für Fantasie, Spaß und Gefühle war Astrid zuständig in ihrer Familie, aber Astrid ist nicht mehr da. Astrid, mit all ihren verrückten Ideen, ist verrückt, nicht nur überspannt, richtig verrückt und das macht das Leben abwechslungsreich aber auch unberechenbar. Lothar kam damit nicht klar und Philipp ist zutiefst verunsichert schon seit frühester Kindheit.

Das alles wird hier ausgebreitet und feinfühlig präsentiert in diesem ganz speziellen Erzählstil, der mir schon in „Nordstadt“ so gefallen hat, originell, witzig, eigen und dabei doch voller Weisheit.

„…er dachte ununterbrochen an den Sex mit Mascha. Er war, wie ihr Pony versprach: Anders! Anders! Anders! Er konnte ihn mit nichts, das er zuvor erlebt hatte, vergleichen. Man verglich ja auch nicht Chopin mit Backofenpommes. Und beides war geil. Philipp freute sich über diese Einsicht.“

Die Atmosphäre ist dicht und tieftraurig, obwohl es humorvoll erzählt ist. Hier geht es um ein Drama ohne Handlung, eine vertrackte Situation ohne Ausweg, die unendlich belastend ist, die aber auch lichte Momente bekommt durch jede Menge originelle Sidekicks. Philipps Freund Lorenz hat für alles den richtigen Spruch, Oma Lotte ist speziell, aber verlässlich und Onno, ist wohl einfach Onno, der Einzige, der mit Astrid klarzukommen scheint.

Vielleicht hätte ich mir die Spur mehr Handlung jenseits von Philipps Schüleralltag gewünscht, der ist schon arg dominant, aber ein tolles Buch ist es trotzdem. Es ist ein intensives Erlebnis, ein Buch zum Lachen und Weinen, witzig, traurig und sehr besonders.

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Beste Unterhaltung mit Tiefgang und Sogwirkung

Only Margo
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Eigentlich wollte ich in dieses Buch nur mal kurz reinhören, aber dann konnte ich irgendwie nicht mehr aufhören. Dabei ist es gar keine riesen Geschichte. Margo ist 19 und schwanger von ihrem Prof. Das ...

Eigentlich wollte ich in dieses Buch nur mal kurz reinhören, aber dann konnte ich irgendwie nicht mehr aufhören. Dabei ist es gar keine riesen Geschichte. Margo ist 19 und schwanger von ihrem Prof. Das ist nicht neu und nicht besonders spannend, wird hier aber so hübsch erzählt, dass man gebannt lauscht.

Margo ist cool, witzig und unbedarft, als sie feststellen muss, dass junge Mütter ganz andere Menschen sind als junge Mädchen. Plötzlich lässt ihr Liebster sie sitzen, ihrer Chefin ist es egal, ob der Babysitter krank ist und ihren Mitbewohnerinnen ist das Baby zu laut. Ihr ganzes Leben steht Kopf, da braucht es kreative Lösungen.

Es macht großen Spaß, Margo zu begleiten. Ihre Familie ist originell, ihre Mutter eine alternde Schönheit mit Torschlusspanik, ihr Vater ein Ex-Wrestler mit Rücken- und Drogenproblemen. Margo hat weit mehr zu berücksichtigen als nur das Wohl ihres Kindes. Sie ist ein bisschen eine Lebenskünstlerin, die verletzlich und unsicher ist und sich trotzdem nicht unterkriegen lässt.

Hier werden sehr unterhaltsam die Probleme junger alleinerziehender Mütter beleuchtet. Es geht um Doppelmoral in vielerlei Hinsicht, um Behördenabsurditäten und um die Frage, was Mutterschaft bedeutet.

Das Hörbuch liest Chantal Busse sehr schön. Man ist nach kürzester Zeit davon überzeugt, hier würde Margo höchst persönlich sprechen, in der ersten oder dritten Person Singular, je nach dem, wie nahe ihr das Geschehen gerade geht. Es dauert 10 Stunden und 57 Minuten und ist wunderbare Unterhaltung mit Tiefgang und Sogwirkung.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Grausiges Spektakel in hübscher Sprache

Das Buch Anderswo
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Ich wusste nicht, was BRZRKR -Comics sind und habe das Stichwort in der Buchbeschreibung gar nicht beachtet. Aber wahrscheinlich ist das ein guter Anhaltspunkt, ob man für dieses Buch geeignet ist, meine ...

Ich wusste nicht, was BRZRKR -Comics sind und habe das Stichwort in der Buchbeschreibung gar nicht beachtet. Aber wahrscheinlich ist das ein guter Anhaltspunkt, ob man für dieses Buch geeignet ist, meine Welt ist es definitiv nicht.

Den Anfang habe ich drei Mal gehört und dann beschlossen, dass ich einfach weiterhöre, ohne zu verstehen, worum es geht. Man landet mitten im Gemetzel zwischen Trümmern und Körperteilen und da ist der Mann und der Andere, tot oder verletzt, oder war er tot und ist es nicht mehr? Es ist schrecklich in nahezu jeder Hinsicht. Der Erzählstil ist sehr geschliffen, alles andere ein Chaos.
So geht es dann weiter. Irgendwie geht es um Unute, der unsterblich ist, der schon Jahrtausende auf der Welt ist, gelegentlich in einen Berserkerrausch verfällt und alles niedermetzelt, was ihm begegnet. Eine obskure Organisation möchte ihn erforschen, vernichten, als Waffe benutzen oder ein wenig von allem. Und über die Jahrtausende hinweg verfolgt ihn ein unsterblicher Hirscheber, ein Schwein, mit dem man dann direkt noch Tierversuche anstellen kann, wenn man es erwischt. Das ist alles so absurd und blutig wie es klingt, wenn auch hübsch erzählt. In Rückblenden erfährt man ein wenig aus Unutes Vergangenheit, zum Gesamtverständnis trägt das aber wenig bei.

Dieses Hörbuch ist schön erzählt und wird von wechselnden Sprechern toll gelesen, leider habe ich so gut wie gar nichts verstanden. Für mich war es ein grausiges Spektakel mit viel Blut, undurchsichtiger Mystik, undurchsichtigen Machenschaften und einem Kampfschwein. Es dauert 14 Stunden und 12 Minuten.

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