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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2024

Wunderschön

Man sieht sich
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Im Sommer 1988 kommt Robert neu an die Schule. Sofort fällt ihm Friederika, genannt Frie, auf und er verliebt sich. Friederika wird ebenfalls auf ihn aufmerksam, die beiden freunden sich an und verbringen ...

Im Sommer 1988 kommt Robert neu an die Schule. Sofort fällt ihm Friederika, genannt Frie, auf und er verliebt sich. Friederika wird ebenfalls auf ihn aufmerksam, die beiden freunden sich an und verbringen immer mehr und immer intensivere Zeiten zusammen - doch zu amouröser Annäherung kommt es nicht. Robert ist in Frie verliebt, die sehnt sich jedoch nach Freiheit und Unabhängigkeit.
Julia Karnick schildert in "Man sieht sich" die beiden Leben von Frie und Robert von 1988 bis 2023. Während der Jahrzehnte kreuzen sich die Wege der beiden immer wieder, doch zu einer Beziehung kommt es nicht. Als Friederika, mittlerweile 50 Jahre alt, im Jahr 2022 zum Abitreffen fährt, trifft sie erneut auf Robert. Ist nun, nach all den Jahren, endlich ein Zeitpunkt für ein gemeinsames Leben gekommen?

Sowohl das Cover als auch der Klappentext klangen für mich nach einer Geschichte, die mich in jedem Fall interessiert und voller Emotionen und Gefühle steckt. Dass Julia Karnick mich so sehr fesselt und berührt, habe ich jedoch nicht erwartet. Die Figurenausarbeitung ist so detailliert, nahbar und echt, dass ich direkt einen Draht zu Frie und Robert knüpfen können. Ich habe es genossen, ihnen beim Erwachsenwerden in den Neunzigern und den ersten Schritten im erwachsenen Leben, hin zur Unabhängigkeit und ersten ernsten Beziehungen zu begleiten. Zwischen den leichten und unbefangenen Momenten sorgen Roberts kranke Mutter und Fries strenger Vater auch für ernste Momente.
Der Schreibstil ist flüssig, konnte mich von Beginn an fesseln und die Figurenentwicklung ist für mich absolut nachvollziehbar und sehr gut gelungen.
Eine absolute Empfehlung für alle, die gern Coming-of-Age-Geschichten oder Geschichten über das Erwachsenwerden, die Selbstfindung und die Entwicklung und Veränderung der Beziehung zwischen Protagonist*innen mögen!

Veröffentlicht am 08.09.2024

Aufwachsen in den 90ern

Geile Zeit
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Niclas Seydack ist 1990 geboren und hat somit seine Kindheit in den 90ern und seine Jugend in den 00ern verbracht. In "Geile Zeit" referiert er nicht nur auf den Song von Juli, den wir wohl alle, die um ...

Niclas Seydack ist 1990 geboren und hat somit seine Kindheit in den 90ern und seine Jugend in den 00ern verbracht. In "Geile Zeit" referiert er nicht nur auf den Song von Juli, den wir wohl alle, die um 1990 geboren sind, kennen, sondern blickt auf das Aufwachsen in den 90ern/00ern zurück.
Seydack erzählt in der Kindheit von den bunten Tüten, dem Abhängen mit Freundinnen draußen, analogen Spielen und einer gewissen Unbedarftheit - die mit 9/11 plötzlich endete, gefolgt von den ersten Amokläufen in Deutschland und der ersten Schwere, die in unseren Köpfen einsetzte. Weiter erzählt er von den ersten Schritten im Internet, Chats auf ICQ und die vermeintliche Möglichkeiten, die wir hatten - allerdings mit der Vorgabe, auf gar keinen Fall eine Lücke im Lebenslauf zu haben.

Gerade in der ersten Hälfte habe ich, geboren 1994, sehr viele Aspekte aus meiner Kindheit und Jugend wiedererkannt. Niclas Seydack hat so viele - in erster Linie positive - Erinnerungen bei mir hochgeholt, hat mich selbst meine Kindheit und Jugend Revue passieren lassen und hat mich mit seinem humorvollen und präzisen Erzählstil absolut abgeholt.
Die zweite Hälfte des Buches schließt unbezahlte Praktika, Corona und die Suche nach Sicherheit sowie die Startschwierigkeiten im Berufsleben ein, was mir einen eher melancholischen Vibe gegeben hat.

"Geile Zeit" ist eine gelungene Autobiographie einer Generation, in der sich die Leser
innen aus Seydacks Generation sicherlich wiederfinden, und alle anderen einen guten Einblick und Verständnis bekommen. Durch den Autor sind die Einblicke und Perspektiven cis-männlich geprägt, weshalb ich mich an einigen Stellen anders erinnere bzw. meine Lebensrealität eine andere war. Im Großen und Ganzen kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen.

Veröffentlicht am 08.09.2024

Zeitschleifendilemma

Death. Life. Repeat.
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In "Death. Life. Repeat" ist der jugendliche Spencer in einer Zeitschleife gefangen. Am Todestag seiner Mutter, die einen tödlichen Unfall hatte, wird er morgens in seinem Auto auf dem Schulparkplatz wach, ...

In "Death. Life. Repeat" ist der jugendliche Spencer in einer Zeitschleife gefangen. Am Todestag seiner Mutter, die einen tödlichen Unfall hatte, wird er morgens in seinem Auto auf dem Schulparkplatz wach, da seine Mitschülerin Clara Hart den Wage touchiert hat. Obwohl er eigentlich keine richtige Lust hat, geht Spencer abends zur Party zu seinem besten Freund Anthony. Dort sieht er, wie Clara bedrängt und missbraucht wird, anschließend benommen aus dem Haus stürzt, von einem Auto überfahren wird und stirbt. Während alle Schülerinnen mehr oder weniger geschockt von dem Unfall sind, wacht Spencer am nächsten Tag wieder auf dem Schulparkplatz auf und stellt schnell fest, dass er diesen Tag wieder und wieder durchlebt. Seine Mission wird klar: Er muss Clara Hart retten.

Da Spencer den Tag immer wieder erlebt und sich die Figuren entwickeln bzw. andere Handlungen geschehen und Spencer mit jedem weiteren Tag anders reagiert, lernen wir sowohl ihn als auch seine Freunde und Mitschüler
innen immer besser kennen. Louise Finch schreibt locker, einfach und sehr derb - gerade die Dialoge unter den Jungs sind sehr vulgär, abwertend und misogyn. Für die Zielgruppe und als Widerspiegelung von Spencers Umfeld und den Dynamiken innerhalb der Gruppe scheint dies authentisch, ich musste mich jedoch daran gewöhnen.
Thematisiert werden toxische Männlichkeit, geschlechtsspezifische Gewalt und kollektives Schweigen sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch und Mobbing.
Gerade für ein Jugendbuch und da die Geschehnisse nicht leider nicht unüblich sind und mit Sicherheit auf jeder Party geschehen, finde ich es wichtig, darauf ein Augenmerk zu legen und diverse Umgangsweisen damit aufzuzeigen. Ich kann das Jugendbuch also auf jeden Fall empfehlen!

Veröffentlicht am 08.09.2024

Essays zur Selbstakzeptanz mit Yoga

Es ist ein Fulltime-Job, sich selbst zu lieben
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Jessamyn Stanley kenne ich von Social Media, aus Werbekampagnen und vor allem durch ihr erstes Buch. Daher war ich sehr gespannt auf dieses noch persönlichere Buch und mehr Einblicke in Stanleys Weg hin ...

Jessamyn Stanley kenne ich von Social Media, aus Werbekampagnen und vor allem durch ihr erstes Buch. Daher war ich sehr gespannt auf dieses noch persönlichere Buch und mehr Einblicke in Stanleys Weg hin zum Yoga - vor allem in Bezug auf die Selbstakzeptanz und Selbstliebe.

"Es ist ein Fulltime-Job, sich selbst zu lieben" besteht aus 13 Essays, in denen Jessamyn Stanley über die Yoga-Praktiken in den USA schreibt und von ihrem Weg hin zum Yoga schreibt. Als queere, fette, Schwarze Femme aus den Südstaaten der USA hatte sie es nicht leicht in den Yoga-Studios und mit den Yoga-Coaches. Die Essays sind autobiographisch und daher sehr persönlich und in meinen Augen auch emotional aufgeladen - häufig durch Wut, oftmals in Form von Sarkasmus und Zynismus. Jessamyn Stanley schreibt über Segregation, Kapitalismus, Rassismus und die weißen Schönheitsideale im Yoga. Sie erzählt davon, wie sie ihren Körper wahrgenommen hat, wie sich diese Wahrnehmung durch Yoga verändert hat, welche Grenzen es für sie gab und welche sie überschreiten/ausweiten konnte. Dieser Weg führte für sie nicht nur zu einem bewussten Körpergefühl und Beweglichkeit, sondern auch zu Selbstakzeptanz und einem Bewusstsein für Körperbilder und Schönheitsideale sowie dessen Reflexion und Einordnung.

"Es ist ein Fulltime-Job, sich selbst zu lieben" ist ein sehr persönliches Buch und rechnet mit den westlichen, weißen Yoga-Praktiken ab. Unter dem Gesichtspunkt, Einblicke in und Kritik an die segregativen, kapitalistischen und kulturell angeeigneten Aspekte des Yogas zu lesen, in Kombination mit persönlichen Geschichten und der Perspektive einer Schwarzen, queeren, fetten Femme hat das Buch vieles zu bieten und hatte für mich Mehrwert.

Veröffentlicht am 02.09.2024

Seichte Lovestory

Wilde Herzen in Kalifornien
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Wenn es nach Salenas Eltern geht, würde Salena bis zu ihrer Hochzeit bei ihnen im Haus leben. Doch Salena hat andere Pläne: Sie arbeitet als Restaurantmanagerin bei den D'Angelos im Restaurant und möchte ...

Wenn es nach Salenas Eltern geht, würde Salena bis zu ihrer Hochzeit bei ihnen im Haus leben. Doch Salena hat andere Pläne: Sie arbeitet als Restaurantmanagerin bei den D'Angelos im Restaurant und möchte unabhängig sein. Das bedeutet, sie möchte weder von ihren Eltern kontrolliert werden, noch sich an einen Mann binden. Also zieht sie kurzerhand aus und muss sich fortan selbst finanzieren. Auf einer Hochzeit lernt sie Ryan Rutledge kennen, dessen Familie wegen ihrer Weindynastie sehr wohlhabend ist. Ryan hingegen möchte mit dem Familienunternehmen nichts zu tun haben und hält sich raus. Wegen dieser Einstellung sowie seiner Tattoos und seines Motorrads ist er das schwarze Schaf der Familie. Als er Salena kennenlernt, möchte er sie am liebsten für immer an seiner Seite haben. Doch die finanziert sich ihren Lebensunterhalt zusätzlich mit Pole-Dance und filmt sich dabei, ohne dass ihre Familie und Ryan davon wissen. Ob dieses Geheimnis ihre Beziehung zu Ryan gefährden wird?

Catherine Bybee hat mit "Wilde Herzen in Kalifornien" den vierten Band um die Familie D'Angelo geschrieben, der jedoch unabhängig lesbar ist. Ich kenne die vorherigen Bücher nicht und brauchte daher eine Weile, um die Figuren sortieren und zuordnen zu können.
Der Schreibstil ist flüssig und die Atmosphäre sommerlich-leicht. Dennoch konnte ich weder zu Ryan noch zu Salena eine Verbindung aufbauen. Ich habe beide bis zum Schluss als eher oberflächlich wahrgenommen und konnte den Aufbau ihrer Beziehung größtenteils nachvollziehen, fand jedoch einige Dialoge etwas zu plump und konnte die Nähe zwischen den beiden nicht spüren.

Eine sommerliche Liebesgeschichte, die mich wegen der distanzierten Figuren nicht catchen konnte, sich jedoch flott lesen ließ.