Profilbild von thenerdybookbird

thenerdybookbird

Lesejury Star
offline

thenerdybookbird ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit thenerdybookbird über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2023

Lieben oder geliebt haben, das ist genug. Es gibt keine andere Perle in den dunklen Falten des Lebens.

Drachenperle
0

Mittlerweile leben General Elusyan und die Wirtschaftsstudentin Sveja zusammen, denn nur Sveja besitzt die Fähigkeit, die sieben magischen Fragmente zu finden, um damit die verschollene Prinzessin Tarinija ...

Mittlerweile leben General Elusyan und die Wirtschaftsstudentin Sveja zusammen, denn nur Sveja besitzt die Fähigkeit, die sieben magischen Fragmente zu finden, um damit die verschollene Prinzessin Tarinija von Latura zurückzubringen. Doch während sich Sveja ihrer Aufgabe stellt, merkt sie, dass sie immer stärkere Gefühle für Elusyan entwickelt und nicht möchte, dass ihre gemeinsame Zeit irgendwann endet. Auch Elusyan merkt, dass Sveja Gefühle in ihm weckt, die er noch nie zuvor gefühlt hat, allerdings versucht er sie so gut es geht zu unterdrücken, denn eine Beziehung zwischen Menschen und Vasky ist nicht erlaubt.

Nachdem sich Sveja und Elusyan in Band 1 erst noch aneinander gewöhnen mussten und viel gestritten haben, war es mal eine schöne Abwechslung nun im zweiten Band zu sehen, dass Elusyan auch charmant sein kann und die beiden eigentlich ein gutes Team abgeben. Dies sieht man nicht nur an ihrem gemeinsamen Alltag, sondern auch daran, dass sie zusammen eine Weltreise planen, um die sieben magischen Fragmente zu finden.

Doch, wenn man viel Zeit miteinander verbringt, kann es auch schnell passieren, dass man Gefühle füreinander entwickelt. So passiert es auch Elusyan und Sveja, obwohl ihre Liebe nicht sein darf, da sie aus unterschiedlichen Welten stammen und diese Welten nicht miteinander vereinigt werden dürfen. Allerdings hilft dieses Verbot wenig, wenn man das Objekt seiner Begierde immer direkt vor seiner Nase hat. Dadurch wird die Suche nach den magischen Fragmenten zusätzlich erschwert, denn beide sind nie ganz bei der Sache und kämpfen eher mit ihren inneren Dämonen.

Ich konnte das Verhalten von Sveja sehr gut nachvollziehen, wobei sie eine lockere Art hat, mit den Dingen umzugehen. Sie weiß, dass sie Elusyan verlieren wird, wenn sie alle Fragmente gefunden hat und dennoch macht sie weiter, selbst als Elusyan sie letztendlich fallen lässt. Dagegen wusste ich nicht so genau, was ich von Elusyan halten soll. Er tut viele Dinge im Verborgenen, die sich erst im Nachhinein erschließen und auch wenn er Gefühle für Sveja hat, so lässt er sie ziemlich oft im Stich, statt sie zu beruhigen und ihr zu sagen, dass er nach einem Weg sucht, dass sie doch zusammen sein können. Dadurch wirkt er sehr eigensinnig und bockig, obwohl er scheinbar so nicht ist.

Neben dem Drama um Sveja und Elusyan erfährt man auch, wie es mit Yljasi weitergeht. Sie muss sich gegen ihren Vater und ihren Bruder durchsetzen, denn sie wollen Yljasi so schnell es geht verheiraten, obwohl ihr Herz Pasjeran gehört. Doch dieser wurde vom König von Latura verbannt und muss erst einen Weg finden, wieder in die Gesellschaft aufgenommen zu werden. Mir tat Yljasi sehr leid, denn wenn Pasjeran an ihrer Seite wäre, müsste sie nicht das durchmachen, was sie durchmachen muss. An diesem Teil der Geschichte sieht man auch wieder, wie schnell Familienbande vergessen ist, wenn es um die Erhaltung von Macht geht. Letztendlich muss Yljasi für ihr Glück kämpfen und sich nicht davon unterkriegen lassen, was die Männer in ihrer Familie für sie bestimmen.

Alles in allem hat mir auch dieser zweite Band sehr gut gefallen, auch wenn der Cliffhanger am Ende des Buchs mehr als fies ist. Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der wissen möchte, ob Sveja es schafft, die sieben magischen Fragmente zu finden, um damit die Prinzessin von Latura zu befreien.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2023

Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man spart.

3000 Yen fürs Glück
0

Obwohl die Frauen der Familie Mikuriya unterschiedlicher nicht sein könnten und sich in verschiedenen Lebensabschnitten befinden, eint sie doch eine Sache: Das Geld oder besser gesagt, wie man am besten ...

Obwohl die Frauen der Familie Mikuriya unterschiedlicher nicht sein könnten und sich in verschiedenen Lebensabschnitten befinden, eint sie doch eine Sache: Das Geld oder besser gesagt, wie man am besten Geld sparen kann. Während die Matriarchin der Familie Mikuriya sich Gedanken darüber macht, wie sie genug Geld bekommt, um ihren Lebensabend zu gestalten und ihren Kindern später nicht zur Last zu fallen, befindet sich Miho erst am Anfang ihrer beruflichen Karriere und merkt schnell, dass sie sich eigentlich nie Gedanken über Geld gemacht hat, da für sie immer genug da war.

Als ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe, war ich schon sehr neugierig darauf zu erfahren, was es mit diesem „Kakeibo“ auf sich hat. Geld sparen ist gerade in der heutigen Zeit ziemlich wichtig, sodass ich gerne einen Blick in eine andere Kultur geworfen habe, um zu schauen, wie die Menschen dort das Geld sparen handhaben. Im Endeffekt unterscheidet sich die Methode des Kakeibo nicht sonderlich von dem, was in der Hauswirtschaft „das Haushaltsbuch“ ist, allerdings entfaltet sich im Laufe des Buchs eine interessante Geschichte rund um das Geld sparen.

Denn obwohl es um die vier verschiedene Lebensgeschichten der Frauen der Familie Mikuriya geht, die nacheinander erzählt werden, gibt es ein Element, das in allen Geschichten auftaucht, und zwar die Geschichte von Miho, die direkt nach dem Studium von zuhause ausgezogen ist, um ihr Glück in Tokyo zu finden. Von allen Frauen der Familie Mikuriya ist sie diejenige, die am sorglosesten mit dem Geld-Thema umgeht. Sie hat noch nie wirklich Geld gespart und immer nur das eingekauft, auf was sie gerade Lust hatte. Im Gegensatz dazu ist ihre Schwester Maho komplett durchorganisiert und rechnet jeden Einkauf schon im Vorfeld aus. Als sie allerdings eines Tages an einem Stand des Tierheims vorbeigeht und einen Hund entdeckt, der ihr gefällt, beginnt sie zu grübeln, ob sie etwas in ihrem Leben ändern sollte.

Ich fand diese Art der Erzählung interessant, denn im Laufe der Handlung trifft Miho auf alle drei Frauen, sodass ihr Leben im direkten Vergleich zu den anderen Frauen betrachtet werden kann. Dabei nimmt sie bestimmte Handlungsweisen aus den Leben der anderen mit und versucht es in ihrem eigenen Alltag umzusetzen, z.B. versucht sie wie ihre Schwester mehr darauf zu achten, was sie einkauft und ob sie ihr Mittagessen nicht selbst kocht, statt immer Essen zu gehen. Dies führt auch dazu, dass sie einen Blog über das Geld sparen schreibt und ihre Leserschaft auf dieses Selbst-Experiment mitnimmt.

Neben diesen „Hauptgeschichten“ gibt es auch noch viele kleine Anekdoten, die zum Nachdenken anregen, wie z.B. die Aussage direkt am Anfang „wie du 3000 Yen verwendest, kann über dein ganzes Leben entscheiden“. Dabei musste ich mich unweigerlich fragen, was ich mit 3000 Yen anfangen würde, und was sagt es über mich als Mensch aus, wenn ich z.B. sage „ein Buch und mein Lieblingsgericht, das ich selbst koche“? Ich denke genau deswegen, ist das Buch etwas Besonderes und hilft sein Konsumverhalten in gewisser Weise zu hinterfragen. On top bietet das Buch auch Kakeibo-Vorlagen zum Selbstausdrucken, wenn man nach dem Lesen des Buchs auf den Geschmack gekommen ist, nun selbst ein solches Ausgaben-Buch zu führen.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der sein eigenes Konsumverhalten hinterfragen möchte und sich von den Geschichten rund ums Geld sparen inspirieren lassen möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2023

Achte immer darauf, was du dir wünschst!

Equilon
0

Jenna kann es kaum fassen, als sie die Nachricht erhält, dass sie den Score für die „1 Milliarde“ geknackt hat, denn sie hat einiges dafür auf sich nehmen müssen. Sie lebte unter ständiger Beobachtung ...

Jenna kann es kaum fassen, als sie die Nachricht erhält, dass sie den Score für die „1 Milliarde“ geknackt hat, denn sie hat einiges dafür auf sich nehmen müssen. Sie lebte unter ständiger Beobachtung bei ihren Großeltern in Old B und strengte sich jeden Tag an, um ihren Score nach oben zu treiben. Diese Tage liegen nun hinter ihr und sie wird nach New Valley gebracht, der Ort, an dem der Algorithmus EQUILON über die Menschheit wacht und auswählt, wer zur 1 Milliarden gehören soll. Jenna meint zunächst, dass ein lang gehegter Traum endlich Wirklichkeit wird, doch nach und nach bröckelt die schöne Fassade von New Valley..

Nachdem ich in letzter Zeit häufiger historische Romane gelesen habe, hatte ich wieder mal richtig Lust, in eine dystopische Welt einzutauchen. EQUILON kam mir da wie gerufen, denn der Klappentext las sich schonmal ziemlich gut: Ein Algorithmus, der darüber entscheidet, wer zu Elite gehört, während der Rest der Welt ums Überleben kämpft. Was sich wie ein denkbares futuristisches Szenario unserer Welt anhört, ist der Auftakt in ein spannendes Abenteuer.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptcharaktere Jenna und Dorian erzählt, die sich anfangs noch nicht kennen und mit unterschiedlichen Voraussetzungen in ihr jeweiliges Abenteuer starten. Während Jenna unter den besten Voraussetzungen die Stadt New Valley erkunden kann, ist Dorian eher der Loser-Typ, der niemals einen hohen Score erreichen wird, um sich ein besseres Leben zu leisten. Obwohl sie sehr unterschiedlich sind, bemerkt man schon einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden und ich war schon sehr gespannt darauf zu erfahren, wann sie sich endlich in der Geschichte begegnen werden.

Zwar musste ich eine Zeit lang darauf warten, allerdings ist mir das nicht schwergefallen, denn ich fand gerade die Geschichte von Jenna sehr spannend erzählt. Das Einzige, was mir an ihrer Geschichte etwas sauer aufgestoßen ist, war ihre grenzenlose Naivität. Man merkt Jenna ihr Alter leider etwas an, denn viele Dinge, die ihr begegnen, will sie nicht verstehen und lebt in ihrer eigenen Welt. Auf der einen Seite konnte ich ihr Verhalten schon verstehen, denn wenn man sich so bemüht, zu einer Gruppe dazuzugehören, blendet man eben alles Negative zunächst aus. Als sie aber immer noch an dieses Lügenkonstrukt von New Valley glaubt, obwohl sie einige unschöne Dinge darüber erfahren hat, war meine Geduld mit Jenna fast schon am Ende.

Generell habe ich über dem Lesen gemerkt, dass das Buch eher für eine jüngere Zielgruppe adressiert ist, denn die Charaktere bemühen sich in jedem Gespräch um eine besonders „coole Sprache“. In EQUILON trinkt man keinen „Kaffee“, sondern man geht sich einen „Coffee“ holen oder bei einer Besprechung im „War Room“ begrüßt die Chefin ihre Mitarbeiter mit „Hi, beautiful people“. Dieses Denglisch ist nicht wirklich schlimm, da die derzeitige Jugendsprache sehr viel davon einsetzt, aber mir ist es doch sehr stark aufgefallen und so für mich selbst festgestellt, dass es dann vielleicht einfach kein Buch für mich ist.

Alles in allem hat mir die Geschichte aber doch gut gefallen, wenn eben der sprachliche Ausdruck nichts für mich war. Dennoch kann ich es jedem empfehlen, der einen spannenden Roman in einer dystopischen Welt lesen möchte, in der das Schicksal jedes Einzelnen von einem Algorithmus abhängig ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2023

Üble Nachrede verlöscht das Licht des Herzens und erstickt das Leben der Seele.

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
0

Zeus, der ein zügelloses Leben führt, um mit zahlreichen Frauen viele Götterkinder zu erschaffen, hat nach einem Stelldichein mit einer Frau besonders Angst. Metis prophezeit ihm, dass sie eine Tochter ...

Zeus, der ein zügelloses Leben führt, um mit zahlreichen Frauen viele Götterkinder zu erschaffen, hat nach einem Stelldichein mit einer Frau besonders Angst. Metis prophezeit ihm, dass sie eine Tochter gebären wird, die alle außer ihrem Vater an Weisheit übertreffen wird und nach ihr einen Sohn, der König über die Götter und Sterblichen sein wird. Zeus versucht daraufhin alles in seiner Macht Stehende zu tun, um diesem Schicksal zu entgehen und entledigt sich Metis. Doch sie hat vorgesorgt und Medusa zu ihren Gorgonen Schwestern Euryale und Stheno gebracht, die sich nun der Aufgabe annehmen, einen menschlichen Säugling großzuziehen.

Im Laufe meines Lebens sind mir die griechischen Götter schon oftmals begegnet. Ob in Büchern, Filmen oder Spielen immer wieder tauchten sie als Referenz auf. Und obwohl ich kein spezifisches Detailwissen darüber habe, welche Geschichten über welchen Gott kursieren, so sind die Götter mir ein Begriff und ich kann grob ein kategorisieren, warum sie gerade erwähnt werden. Auch über Medusa habe ich schon einige Geschichte gehört, wenn sie auch immer als die „Böse“ darin dargestellt wurde. Im Fall von „Stone Blind“ hat mich deshalb der Klappentext sofort angesprochen, in dem es heißt „sie werden ein Monster aus dir machen“. Dadurch musste ich mich unweigerlich fragen, ob die bisherige Darstellung von Medusa ihrer eigentlichen Figur Unrecht getan hat und sie vielleicht nicht die „Böse“ ist.

In „Stone Blind“ begleitet man am Anfang Medusa, die von ihren Schwestern Euryale und Stheno aufgezogen wird und nicht ganz verstehen kann, warum sie nicht wie ihre Schwestern aussieht. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wer sie eigentlich ist und muss sich als Laune der Natur verstehen, denn sie ist weder ein richtiger Mensch noch eine Gorgone. Sie wird im Laufe der Zeit auch immer hübscher, was vor den Göttern nicht unbemerkt bleibt. Poseidon nähert sich ihr und will sich ihrer habhaft werden, doch sie weist ihn zurück und tritt damit in der Folge einige nicht besonders schöne Ereignisse los. Dabei bleibt es zu jeder Zeit spannend, da man nicht absehen kann, was wohl als Nächstes passieren wird.

Denn das Verhalten der Götter ist oftmals unvorhersehbar und sehr grausam. Sowieso werden die Götter in diesem Buch in keinem guten Licht dargestellt. Sie sind rachsüchtig, brutal, egoistisch und zügellos. Vor allem Zeus scheint nur damit beschäftigt zu sein, Frauen zu vergewaltigen, um viele Götterkinder zu zeugen. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Hera, die aber auch ihrerseits Intrigen spinnt und versucht, die Entgleisungen ihres Ehemanns wieder abzumildern.

So wundert es nicht, dass auch das Schicksal von Medusa unter keinem guten Stern steht und sie aus Eifersucht von Athene in ein Monster verwandelt wird, das in der Folge von einem Helden gejagt wird. Ich hatte unweigerlich Mitleid mit Medusa, denn eigentlich kann sie doch zu keiner Zeit etwas dafür, wie sie in diese Welt geboren wurde. Immer bestimmen andere über ihr Schicksal und sie kann nie entscheiden, was sie eigentlich vom Leben möchte. Allerdings gehört wohl die Tragik zur griechischen Mythologie dazu.
Darüber hinaus fand ich es auch spannend, dass die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt und in 5 Akten unterteilt wurde, ähnlich dem 5-Akt Schema eines Dramas.

Alles in allem hat mir das Buch in seiner gänzlichen Darstellung sehr gut gefallen und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der die Geschichte von Medusa aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2023

Malen ist ein anderes Wort für fühlen

Herz in Acryl
0

Es könnte alles so schön sein: Trotz einiger Probleme in der Vergangenheit zieht Anne mit ihrem Ehemann Sebastian in ein neues Leben nach Hamburg. Sie kann sich weiter ihrer Leidenschaft der Malerei widmen ...

Es könnte alles so schön sein: Trotz einiger Probleme in der Vergangenheit zieht Anne mit ihrem Ehemann Sebastian in ein neues Leben nach Hamburg. Sie kann sich weiter ihrer Leidenschaft der Malerei widmen und Sebastian hat einen gut bezahlten Job gefunden, der ihn mir als ausfüllt. Doch Sebastian kann die Vergangenheit nicht vergessen. Immer wieder wirft er Anne vor, dass sie schuld ist, dass er sich so abschuften muss. Als Anne eines Tages auch noch den Wunsch äußert, dass sie gerne ein Kind möchte, bringt dies bei Sebastian das Fass zum Überlaufen und er wird immer gemeiner zu ihr. Der einzige Lichtblick dieser toxischen Beziehung ist Annes neuer Schüler Leo.
Spätestens seit „der Vorleser“ üben Geschichten, in denen Frauen einen deutlich jüngeren Liebhaber haben, eine gewisse Art der Faszination auf uns auf. Wo die einen „Tabubruch“ schreien, finden andere wiederum die Vorstellung interessant, sich in ein solches Abenteuer zu begeben. Generell kann man sagen, dass wir schon lange solchen veralteten Denkweisen entwachsen sind, die eine solche Liebesbeziehung als schlimm empfinden. Vor allem in dem Fall wie „Herz aus Acryl“ ihn aufwirft.
Zwar geht es auch um aufkeimende Gefühle zwischen einer erwachsenen Frau und einem Teenager, allerdings steht dahinter noch so viel mehr. Es geht um Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben, gerade im Fall von Anne. Sie befindet sich in einer toxischen Beziehung zu einem Mann und hat schon vor langer Zeit damit aufgehört, sich zu fragen, was sie eigentlich möchte. Erst als Leo in ihrem Leben auftaucht, erkennt sie, wie leicht das Leben sein kann. Manchmal braucht man einfach einen Perspektivwechsel, um zu sehen, in welcher Situation man sich selbst befindet.
Von diesem Standpunkt aus fand ich die Geschichte sehr schön erzählt und wollte unbedingt wissen, ob Anne es schafft, zu ihren Träumen zu stehen, unabhängig davon, ob sie damit auch ihr Liebesglück findet. Denn alles ist besser als ihr Ehemann Sebastian. Er ist einfach nur ein richtiges Ekel, der nur an sich denkt. Zwar hat sich Anne in manchen Situationen für meinen Geschmack zu devot verhalten, aber Sebastian weiß auch genau, was er sagen muss, um sie klein zu halten.
Alles in allem hat mir die Geschichte sehr gut gefallen und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine Geschichte über eine Frau lesen möchte, die durch einen kurzen Perspektivwechsel endlich anfängt zu leben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere