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Veröffentlicht am 06.10.2022

Glaube an das, was sich für dich richtig anfühlt!

Scarlett & Browne - Die Berüchtigten
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Seit ihrem letzten Abenteuer sind Scarlett und Albert nun endlich in ihrem Leben als Outlaws angekommen. Sie plündern als eingespieltes Duo Banken und Glaubenshäuser aus und verscherbeln die Beute an Joe, ...

Seit ihrem letzten Abenteuer sind Scarlett und Albert nun endlich in ihrem Leben als Outlaws angekommen. Sie plündern als eingespieltes Duo Banken und Glaubenshäuser aus und verscherbeln die Beute an Joe, der ihnen ein faires Sümmchen dafür gibt. Sie behalten allerdings immer nur einen Teil des Profits und teilen den Rest mit den Armen des Landes. Ihr Leben scheint endlich perfekt zu sein, denn sie leben in Freiheit. Doch als eines Tages Joe und Ettie von der Bruderschaft der Hand entführt werden, müssen Albert und Scarlett wieder dem Befehl eines Mannes gehorchen, der noch eine Rechnung mit Scarlett offen hat.

Ich war schon sehr gespannt darauf zu erfahren, wie es Scarlett und Albert nach den Abenteuern aus dem ersten Band ergangen ist. Auf den ersten Blick scheint sich nicht viel verändert zu haben, Scarlett ist immer noch verschlossen und macht ihr Ding und Albert genießt sein neues Leben, in dem für ihn ständig etwas Neues, Aufregendes passiert. Auch wenn Scarlett es niemals zugeben würde, ist sie froh, jemanden an ihrer Seite zu haben, dem sie vertrauen kann. Ich fand es sehr schön, dass sie es endlich geschafft haben, ein richtiges Team zu werden.

Dennoch blieben für mich nach dem ersten Band noch einige Fragen offen, z.B. warum Scarlett niemanden an sich näher herankommen lässt und immer abblockt, wenn es um ihre Vergangenheit geht. Deswegen war ich sehr froh, als ich gemerkt habe, dass nun endlich das Geheimnis um Scarletts Vergangenheit in diesem zweiten Band gelüftet wird. In Rückblenden erfahren wir am Anfang jedes Kapitels, was damals vor so langer Zeit passiert ist, und ich muss sagen, dass ich beim Lesen von Scarletts Schicksal ehrlich betroffen war. Obwohl sie noch ein Kind war, wurden ihr Dinge angetan, die einfach unaussprechlich sind.

Dabei spielen in Scarletts Vergangenheit die Glaubenshäuser und die Bruderschaft der Hand eine große Rolle. Wo Erstere, sie am schlimmsten Punkt ihres Lebens im Stich gelassen haben, haben die Zweitgenannten sie aufgefangen und ihr einen Platz in der Welt gegeben. Ich war über diese Entwicklung ehrlich erstaunt, denn die Bruderschaft der Hand wurde bisher nur als eiskalte Verbrecherorganisation dargestellt. Sie als Helfer in der Not zu sehen, spricht gegen dieses Bild der eiskalten Verbrecherorganisation. Man erhält dadurch noch mal einen völlig anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse.

Allerdings tut die Bruderschaft der Hand auch nichts ohne Hintergedanken und so unterscheiden sie sich doch nur marginal von den Glaubenshäuser. Wobei ich diese „Glaubens-Organisation“ in diesem Band viel schlimmer empfand als die Bruderschaft der Hand, denn die Bruderschaft der Hand steht wenigstens zu dem, was sie ist. Die Glaubenshäuser verstecken sich hinter einem Glauben, der ihre unrechten Taten gutheißt und sie in einem besseren Licht darstellt, als sie letztendlich sind. Sie wollen „Abweichler“ und „Beschädigte“ vernichten, da sie nicht in die Gesellschaft passen und nach ihrer Ansicht nur Probleme bereiten. Mich haben die Reden von diesen angeblichen Glaubensmänner einfach wütend gemacht und ich habe sehr gehofft, dass Scarlett und Albert einen Weg finden, wie sie den Glaubenshäusern eine gerechte Strafe zukommen lassen.

Darüber hinaus wird auch Alberts Vergangenheit in Stonemoor angerissen und er trifft auf jemanden, der so ist wie er. Dadurch beginnt er endlich gegen die Große Angst in sich zu kämpfen und sie auch für etwas Gutes einzusetzen. Ich hoffe sehr, dass wir in einem dritten Band endlich nach Stonemoor reisen können, um noch mehr Details aus Alberts Vergangenheit zu erfahren.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der von den Outlaws Scarlett und Albert einfach noch nicht genug bekommen kann.

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Veröffentlicht am 04.10.2022

Jede Katastrophe kann in eine Chance verwandelt werden!

Chicago in Flammen
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Louisa wird von ihrem tyrannischen Vater als eines der berüchtigten Hurdy-Gurdy-Girls in die USA verkauft und muss sich fortan in den Saloons der Goldgräberstädte verdingen. Seit diesem Tag hat sie nie ...

Louisa wird von ihrem tyrannischen Vater als eines der berüchtigten Hurdy-Gurdy-Girls in die USA verkauft und muss sich fortan in den Saloons der Goldgräberstädte verdingen. Seit diesem Tag hat sie nie wieder etwas von ihrer Familie gehört, doch als ihr Vater stirbt, können endlich ihre Mutter und ihre kleine Schwester Cora sie in Chicago besuchen kommen. Zwar ist viel Zeit vergangen und die Schwestern sind sich fast fremd, doch Louisa gibt nicht auf ihrer Familie ein neues, schönes Leben in Amerika zu bieten. Doch eine umgestoßene Petroleumlampe in einem Kuhstall soll ihr neues Familieleben gehörig auf die Probe stellen...

Ich fand es von Anfang an spannend, ein Buch über „das große Feuer von Chicago“, das sich 1871 zugetragen hat, zu lesen. Denn außer dass ich aus einem Geschichtsbuch von dessen Existenz wusste, habe ich noch nichts darüber gelesen. So konnte ich mich vollkommen auf die Handlung einlassen und war am Ende des Buchs positiv überrascht, wie viele Geschichten, die sich damals wirklich so zugetragen haben, im Buch Platz finden. Im Nachwort erklärt die Autorin dieses oder jenes Ereignis und geht auf die Detailgenauigkeit zu den realen Vorkommnissen ein und bietet sogar eine Liste mit weiterführender Literatur, wenn man sich noch intensiver mit dem „the Great Fire“ beschäftigen möchte. Eine solche Liebe zum Detail finde ich einfach großartig, denn so merkt man auch, wie viel Herzblut in das Projekt eingeflossen ist.

Darüber hinaus ist mir auch positiv aufgefallen, wie sehr sich dieses Buch von anderen historischen Romanen abhebt. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern aus diesem Genre ist dieses Buch durchgängig actionreich. Louisa bleibt nach dem Ausbruch des Feuers keine Minute Zeit, großartig über ihre Handlungen nachzudenken, sondern muss ständig um das Leben ihrer Liebsten kämpfen. Dadurch tut sie viele Dinge, die auf den ersten Blick unsinnig erscheinen wie z.B. in ein Gefängnis einzubrechen, um ihren Freund Wilhelm zu befreien, doch in einer Ausnahmesituation gelten eben andere Regeln. Sie tut es meistens aus einem bestimmten Antrieb und für den kurzen Moment, in dem sie Zeit hat, Entscheidungen zu treffen, sind ihre Überlegungen durchaus nachvollziehbar.

Sie bekommt im Laufe der Handlung auch Unterstützung von dem Richter Marc, der sie eigentlich lieber hinter Gittern sehen würde, da sie die Brosche seiner Mutter entwendet hat, aber selbst er kann in einer solchen Ausnahmesituation nicht unmenschlich bleiben. So überdehnt er oftmals den rechtlichen Rahmen, um die Einwohner von Chicago vor den Flammen zu retten. Ich fand gerade das Zusammenspiel zwischen ihm und Louisa sehr schön, denn obwohl sie aus zwei verschiedenen Welten kommen, halten sie in dieser schwierigen Situation zusammen und halten sich nicht an Standesunterschieden auf.

Im Gegensatz dazu bietet Mrs Hubart einen guten Kontrast zu den beiden. Sie denkt in erster Linie nur an sich. Obwohl über all schon das Feuer wütet und Menschen um ihre Existenzen kämpfen, checkt Mrs Hubart erstmal gemütlich aus ihrem Hotel aus und sichert sich eine Kutsche, um sich und ihr geliebtes Klavier in Sicherheit zu bringen. Es wirkt in manchen Situationen schon fast komisch, mit welcher Hingabe sie sich um ihr Klavier bemüht und alles um sich herum ausblendet. Sogar das Schicksal ihres Mannes ist ihr eigentlich egal. Mrs Hubart konnte mich wirklich gut amüsieren und irgendwie habe ich auch ein wenig mit ihr mitgefiebert, ob sie und ihr Klavier den Höllentrip durch Chicago überleben werden. Manchmal braucht eine Geschichte einfach diese verrückten Charaktere.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der einen actionreichen historischen Roman über eine der schlimmsten Katastrophen des 19. Jahrhunderts lesen möchte.

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Veröffentlicht am 30.09.2022

Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gibt ihm Macht.

Die Krone aus Schatten - Königssturz Band 2
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Nach dem erfolgreichen Einbruch am Ende des ersten Bands ist Tamiel nun damit beschäftigt, das erbeutete Diebesgut ihrer Auftraggeberin zu bringen. Allerdings ist dies schwieriger als gedacht, denn immer ...

Nach dem erfolgreichen Einbruch am Ende des ersten Bands ist Tamiel nun damit beschäftigt, das erbeutete Diebesgut ihrer Auftraggeberin zu bringen. Allerdings ist dies schwieriger als gedacht, denn immer noch plagen sie Gewissensbisse, dass sie nicht verhindert hat, dass Kaetan gefangen wurde. Sie beschließt nach der Übergabe des gestohlenen Buchs ihm wieder seine Freiheit zurückzugeben, doch die Auftraggeberin verrät ihr ein Geheimnis, dass die ganze Sache mit Kaetan noch komplizierter macht, als sie eigentlich schon die ganze Zeit vorher war: Die verschollene Prinzessin und damit Thronerbin des Reichs ist zurückgekehrt.

Ich war schon sehr gespannt darauf zu erfahren, wie es mit dem Kindskönig nach dem Ende des ersten Bands weitergehen wird. Aber auch das Schicksal von Kelsei, Lorak und Tamiel zu erfahren war für mich von Interesse. Anders als noch im ersten Band kämpfen die unterschiedlichen Charaktere nun nicht mehr Seite an Seite, sondern befinden sich auf unterschiedlichen Seiten, während Tamiel immer noch treu zu Kaetan hält, haben Kelsei und Lorak sich von ihm abgewendet und wollen mit dem Einbruch nichts mehr zu tun haben.

Kelsei ist immer noch auf der Suche nach einem Heilmittel für ihre Liebste und lässt dafür nichts unversucht, selbst wenn sie dafür ihre Treue gegenüber dem Kindskönig brechen muss. Lorak hingegen hat sich ein gutes Leben mit einer Frau aufgebaut, die dem jetzigen König die Treue schwören, damit sie noch lange mit seinem Wohlwollen in der Stadt leben können. Beide reagieren sehr ungehalten, als Tamiel sie um ihre Unterstützung bittet. Auf der einen Seite fand ich es zwar schade, dass die zusammengewürfelte Truppe aus dem ersten Band nun getrennte Wege geht, aber auf der anderen Seite, sobald man mehr von Kaetan liest, versteht man sehr wohl, warum man sich besser von so einer Person abwendet.

Ich fand Kaetan zuweilen einfach unerträglich. Er will unbedingt auf den Thron, da er es als sein gottgegebenes Recht ansieht und lässt dadurch auch nichts unversucht, das zu bekommen, was er will. Dafür bleiben zwischenmenschliche Gefühle aber absolut auf der Strecke und er verprellt sogar Personen, die vorher gerne an seiner Seite waren. Man merkt zwar, dass er Gefühle für Tamiel entwickelt hat, aber er lässt sie nicht zu. Mehr noch, er hat eine solche Angst, die einzige Person, die noch zu ihm steht zu verlieren, sodass er sie mit einem Zauber magisch an sich bindet. Dadurch ist es ihr nicht mehr möglich, sich seinem Willen zu entziehen und muss seine Befehle ausführen, selbst wenn sie dadurch lieb gewonnene Menschen umbringen muss. Über dem Lesen hat sich eine regelrechte Wut auf Kaetan bei mir angestaut, sodass ich das Ende des Buchs für ihn eigentlich nicht schlecht fand.

Generell ist das Buch brutaler als sein Vorgänger und nicht alle Charaktere, die man im Laufe der Handlung kennenlernt, überleben auch das Ende. Es hat sich für mich wie eine Folge „Game of Thrones“ angefühlt, in der man sich nie sicher sein kann, wer als Nächstes vielleicht stirbt. Ich fand das manchmal wirklich schade, denn einige Charaktere haben für mich ein viel zu unspektakuläres Ende bekommen. Zudem hat das Buch auch ein offenes Ende, womit man auch erst mal klarkommen muss.

Alles in allem kann ich aber jedem dieses Buch empfehlen, der wissen möchte, wie es mit dem Kindskönig aus Band 1 weitergehen wird und kein Problem mit brutalen Büchern hat.

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Veröffentlicht am 30.09.2022

Das Schicksal mischt die Karten, aber du spielst das Spiel!

Ludentes
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Die Generalin Saoirse Rox trainiert jeden Tag in einer Simulationskammer der Ludere Gaming Company, um für die diesjährigen Meisterschaftsspiele optimal vorbereitet zu sein. Die Niederlage im letzten Jahr ...

Die Generalin Saoirse Rox trainiert jeden Tag in einer Simulationskammer der Ludere Gaming Company, um für die diesjährigen Meisterschaftsspiele optimal vorbereitet zu sein. Die Niederlage im letzten Jahr steckt ihr immer noch tief in den Knochen und treibt sie zu Höchstleistungen an. Doch kaum beginnen die Meisterschaftsspiele kommt es zu einigen merkwürdigen Vorkommnissen: Soldaten verschwinden plötzlich vom Schlachtfeld und auch die Spielmodi ändern sich oftmals kurz vor der Schlacht grundlegend. Was zunächst nach neuen Features der Ludere Gaming Company aussieht, entpuppt sich bald als Ernst zunehmende Schlacht um die letzten verbliebenen Ressourcen der Menschheit.

Bevor ich das Buch gelesen habe, hatte ich im Zuge einer Blogtour auf Instagram schon die Gelegenheit, Saoirse Rox kennenzulernen und ein Interview mit ihr zu führen. Leider hatten wir kein so guten Start und so empfand ich Saoirse von Anfang an als unsympathisch und von sich eingenommen. Daraufhin machte ich mir schon meine Gedanken, ob mir dann überhaupt auch eine Geschichten gefallen wird, in der Saoirse Rox die Hauptrolle einnimmt. Nun, nach einigen actionreichen Kapiteln, kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, mich doch auf die Geschichte eingelassen zu haben, denn Saoirse Rox wurde mit jedem Kapitel sympathischer.

Dies hat zu einen damit zu tun, dass sie für ihre Überzeugungen einsteht. Im Laufe der Handlung wird Saoirse mit einigen Geheimnissen konfrontiert, die nichts Geringeres als das Schicksal der Menschheit betreffen. Statt nur in ihrer Militärwelt zu bleiben und Befehle von ihren Vorgesetzten entgegenzunehmen, begibt sie sich auf eine gefährliche Mission, in der sie ihre wahre Absichten verschleiern und trotzdem allen Parteien die perfekte Generalin vorspielen muss, die ihre Befehle befolgt. Diesen Drahtseilakt mitzuverfolgen, fand ich ziemlich spannend, denn oftmals sah es so aus, dass Saoirse nun endgültig aufgeflogen ist und sie aus der Situation nicht mehr entkommen kann.

Zum anderen merkt man, dass sich unter der harten Schale von Saoirse ein weicher Kern versteckt und ihr das Schicksal ihrer Soldaten schon Nahe geht. Spätestens als Saoirse wieder Kontakt zu ihrer Familie aufnimmt, sieht man, wie viele Gefühle sich in der sonst so toughen Generalin über die Jahre angestaut haben. Dadurch wird Saoirse nahbarer und man versteht immer besser, warum Saoirse so geworden ist, wie sie heute ist. Im Rückblick hat sich Saoirse dadurch zu meinem Lieblingscharakter in diesem Buch gemausert.

Darüber hinaus war ich generell von der Welt von Ludentes fasziniert: Simulierte Heeresschlachten, Konzerne, die um die Vorherrschaft kämpfen, Ressourcenknappheit. Mir hat das Setting einfach richtig gut gefallen, da ich sonst generell nur wenig Bücher aus dem Genre „Cyperpunk“ in den Neuerscheinungen sehe, war es einfach erfrischend, endlich wieder ein solches Buch lesen zu können.

Zudem hat mir der „Genre-Mix“ auch sehr zugesagt. Zwar ist das Buch ein „Science-Fiction/Cyperpunk-Roman“, allerdings entpuppt sich das Buch auch zeitweilig als „Thriller“ oder „Krimi“, in der meine Nerven zum Zerreißen gespannt waren, da ich wissen wollte, was sich hinter dieser oder jener Verschwörung verbirgt.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der endlich wieder einen guten Cyperpunk-Roman lesen möchte!

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Veröffentlicht am 27.09.2022

Was sich liebt, das neckt sich!

Zehn Jahre du und ich
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Schon seit Jahren versuchen Becca und Charlie sich aus dem Weg zu gehen, doch ein unschönes Ereignis zwingt sie dazu, sich im gleichen Raum aufzuhalten: die Beerdigung ihrer besten Freundin Ally. Nach ...

Schon seit Jahren versuchen Becca und Charlie sich aus dem Weg zu gehen, doch ein unschönes Ereignis zwingt sie dazu, sich im gleichen Raum aufzuhalten: die Beerdigung ihrer besten Freundin Ally. Nach der Zeremonie dauert es auch nicht lange, bis Becca und Charlie sich wieder streiten, wobei sie dieses Mal der Ansicht sind, nie wieder Zeit miteinander verbringen zu müssen. Allerdings haben sie dabei die Rechnung ohne ihre Freundin Ally gemacht, die ihnen die Aufgabe gibt, ihre unvollendete Bucket List gemeinsam abzuarbeiten.

Am Anfang hatte ich so meine Bedenken, das Buch zu lesen, da ich sehr sensibel auf Geschichten reagiere, in denen ein Mensch den Kampf gegen Krebs verliert. Diese Geschichten machen mich einfach sehr traurig, da ich schon genug Menschen an diese scheußliche Krankheit verloren habe. Dennoch habe ich mich der Geschichte gestellt und muss sagen, dass ich froh bin, weitergelesen zu haben, denn das Buch ist ein heißer Anwärter für mein Jahreshighlight 2022.

Obwohl das Buch sehr traurig beginnt und man in den darauffolgenden Kapiteln zwei Menschen dabei begleitet, wie sie nach und nach versuchen, ihre Trauer zu bewältigen, bietet das Buch auch viele Stellen, in denen man einfach nur befreit auflachen kann. Das Buch schafft es, den schmalen Grat zwischen ernsten und traurigen Themen und demgegenüber lustigen und herzerfrischenden Themen perfekt auszubalancieren, sodass man am Ende mit einem warmen Lachen sagen kann „ja, genau so ist das Leben“.

Dazu bei tragen die vielen lustigen Streitgespräche zwischen Becca und Charlie. Sie können sich wahrlich nicht leiden und halten nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg, wenn sie etwas an dem anderen stört. Dabei fand ich vor allem Becca einfach fabelhaft. Sie ist einer dieser tragischen Charaktere, die ständig alles geben, um ihre Ziele zu erreichen, doch irgendwie immer auf der Strecke bleiben. Becca möchte unbedingt eine berühmte Schauspielerin werden, allerdings bekommt sie von ihrer Managerin nur zweifelhafte Rollen, in denen sie in Ganzkörperkostüme schlüpfen und an Low-Budget Produktionen mitwirken muss. Dies ist zwar schon auf Dauer frustrierend, aber mehr noch bedeutet es auch, dass Becca immer Geldsorgen hat und auf die Almosen ihrer Umwelt angewiesen ist. Zudem wird sie auch bald 30 und ihr Erfolg will sich immer noch nicht einstellen. Dennoch gibt sie nicht auf und spricht sogar für Rollen vor, die vielleicht nicht unbedingt ihrem Wesen entsprechen. Ich musste einfach mit Becca mitfiebern, ob sie es doch noch schafft, berühmt zu werden.

Ganz anders habe ich hingegen Charlie wahrgenommen. Er hat es mir mitunter sehr schwer gemacht, mich für ihn zu erwärmen. Charlie ist einfach stets unentschlossen und überlässt gerne anderen für ihn zu entscheiden. So stürzt er sich schon kurz nach dem Tod seiner Verlobten in eine andere Beziehung, nur weil diese Frau ihm sagt, dass sie mit ihm zusammen sein will. Er redet sich ein, dass er auf Frauen steht, die genau wissen, was sie wollen, aber eigentlich wirkt er von außen ziemlich unglücklich damit. Deswegen konnte ich auch sehr gut nachvollziehen, warum Becca immer so wütend auf Charlie ist. Er geht einfach immer den Weg des geringsten Widerstandes.

Darüber hinaus fand ich die Idee von Ally und ihrer Bucket List ziemlich genial. So müssen Becca und Charlie ganz schön aus ihrer Komfortzone heraus, um ihrer Freundin ihre letzten Wünsche zu erfüllen.

Alles in allem hat mir das Buch richtig gut gefallen und ich werde wohl noch lange an Becca und Charlie denken. Deswegen kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der sich einfach mal einem wunderschönen Gefühlsrausch hingeben und zwischen Weinen und Lachen merken möchte, dass das Leben die besten Geschichten schreibt.

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