Profilbild von thrillereule

thrillereule

Lesejury-Mitglied
offline

thrillereule ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit thrillereule über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.07.2025

Atmosphärisch

Atmosphere
0


Ich hab dieses Buch geschenkt bekommen und hätte es mir wohl niemals selber gekauft, was ausschließlich auf die Thematik zurückzuführen ist. Allerdings hat mich „Atmosphere" von Beginn an gefesselt. Die ...


Ich hab dieses Buch geschenkt bekommen und hätte es mir wohl niemals selber gekauft, was ausschließlich auf die Thematik zurückzuführen ist. Allerdings hat mich „Atmosphere" von Beginn an gefesselt. Die Tatsache, dass man sofort weiß, dass es auf eine Katastrophe hinausläuft, schafft eine ganz eigene Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Ich liebe es, wenn mich eine Geschichte sofort mitten ins Geschehen wirft, genau das ist hier gelungen.
Die Erzählweise auf zwei Zeitebenen war für mich ein zweischneidiges Schwert. Während mich der eine Handlungsstrang vollkommen in seinen Bann gezogen hat, empfand ich den anderen zeitweise als etwas zäh. Ich habe mich öfter dabei ertappt, dass ich auf den nächsten Wechsel hingefiebert habe. Dennoch bringt diese Struktur eine gewisse Dynamik in die Erzählung, auch wenn sie mich emotional nicht immer gleichermaßen erreicht hat.
Joan Goodwin als Hauptfigur hat mich beeindruckt. Ihre Leidenschaft für die Raumfahrt, ihr Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie – besonders ihrer Nichte Frances – und ihre emotionale Entwicklung machen sie zu einer komplexen und authentischen Protagonistin. Ich mochte ihre Mischung aus Stärke, Verletzlichkeit und Hingabe sehr. Die Liebesgeschichte, die sich im Laufe des Romans entwickelt, hat mich berührt, vor allem da dies Liebe geheim gehalten werden muss, um die Karriere nicht zu gefährden. Dies zeigt, wie präsent strukturelle Ungleichheiten selbst in vermeintlich „fortschrittlichen“ Umfeldern wie der Raumfahrt noch immer sind.
Die wissenschaftlichen und technischen Aspekte waren spannend, aber manchmal auch herausfordernd. Ich musste mich an manchen Stellen ein wenig durchbeißen – aber das war es wert. Besonders stark fand ich, wie Reid es schafft, diese eher trockenen Themen mit persönlichen Schicksalen und emotionaler Tiefe zu verweben.
Der Schluss war für mich ein echtes Highlight – emotional, bewegend und dennoch nicht zu kitschig. Ein schöner Abschluss, der zum Nachdenken anregt und einige Fragen bewusst offenlässt.

Alles in allem ist „Atmosphere" ein kluger, berührender Roman mit Tiefgang und hat sich trotz der Thematik für mich absolut gelohnt! Lesenswert, tiefgründig und atmosphärisch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2025

Hummer, Herz und Heimat

Die Hummerfrauen
0

5 von 5 Sternen – Ein Roman wie eine salzige Meeresbrise für die Seele

Selten hat mich ein Buch so unmittelbar gepackt wie „Die Hummerfrauen“. Schon das wunderschön gestaltete Cover mit seinem kräftigen ...

5 von 5 Sternen – Ein Roman wie eine salzige Meeresbrise für die Seele

Selten hat mich ein Buch so unmittelbar gepackt wie „Die Hummerfrauen“. Schon das wunderschön gestaltete Cover mit seinem kräftigen Rot, der stilisierte Hummer – und als kleine Überraschung darunter: ein blauer Hummer auf dem Buchdeckel. Ich vermute doch mal stark, dass wir es hier mit Mr. Darcy zu tun haben – ein echter Hummer mit Persönlichkeit – der hat mein Leserherz sofort erobert.

Neben dem Cover hat mich auch der Inhalt völlig überzeugt. Drei Frauen, drei Generationen, drei Schicksale – verwoben durch das raue Meer von Maine, eine starke Gemeinschaft und die leise, aber machtvolle Sprache des Lebens. Mina (28), Ann (72) und Julie (54) – sie alle haben Rückschläge erlebt, Verluste erlitten und dennoch ihren Weg gesucht. Auf Eagle Island begegnen sie einander und sich selbst – in einer Geschichte, die zwischen den Zeiten springt und dabei eine große emotionale Tiefe entfaltet.
Beatrix Gerstberger gelingt es meisterhaft, ihre Protagonistinnen so lebendig, vielschichtig und kantig darzustellen, dass ich sie sofort ins Herz geschlossen habe. Besonders Julie mit ihrer schnoddrigen, burschikosen Art – nicht immer angenehm, aber ehrlich, kraftvoll, unverstellt. Und Ann, die alte Hummerfischerin, mit so viel Weisheit und stiller Traurigkeit, dass ich oft schlucken musste. Mina schließlich ist die Suchende, die ihren Anker verloren hat – und auf der Insel ein neues Zuhause findet. Alle drei zeigen auf ihre Weise: Das Leben ist kein glatter Kurs, sondern ein Auf und Ab mit vielen Gezeiten – aber auch mit überraschender Schönheit.
Sprachlich ist das Buch ein Genuss. Gerstberger schreibt leichtfüßig und doch tiefgründig, humorvoll und mit einer guten Prise Ironie. Manche Sätze haben sich mir regelrecht eingebrannt. Oft musste ich innehalten, nachdenken, lächeln – und manchmal auch weinen. Besonders gelungen fand ich den Wechsel zwischen den Zeitebenen (1982 und 2000/2001), der nie verwirrte, sondern der Geschichte zusätzliche Spannung und emotionale Dichte verlieh.

Ein großes Plus ist auch das Setting: Die Beschreibungen des Fischerlebens, der Hummerfallen, des salzigen Windes und des Zusammenlebens auf einer kleinen Insel sind so atmosphärisch, dass ich das Meeresrauschen beinahe hören und den Fischgeruch riechen konnte. Ich fühlte mich wie eine Beobachterin mitten in Stone Harbor – beim Dorfklatsch, beim Hummerfang, bei traurigen Abschieden und leisen Neubeginnen.

Am Ende fiel mir der Abschied von den Hummerfrauen schwer. Es ist eines dieser Bücher, das noch lange nachklingt – mit Wehmut, Hoffnung, Humor und einer großen Portion Herz. Ja, nicht alle Fragen wurden beantwortet, aber das ist genau richtig so. Denn das Leben beantwortet eben auch nicht alles. Es fließt, wie das Meer – und wir dürfen lernen, darin zu schwimmen.

Ein leiser, starker Roman über Frauen, die lieben, leiden, lachen und wieder aufstehen. Ein Buch voller Lebensklugheit, salziger Luft, starker Freundschaft und leiser Selbstfindung – mit Tiefgang, Herz und ganz viel Hummer. Für mich: Ein Herzensbuch und absolutes Lesehighlight!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2025

Wo Trauer lebt, wacht Wut

Der Trailer
0

Als Vielleserin mit einer großen Leidenschaft für Thriller – und als jemand, der bereits Werke von Linus Geschke kennt und schätzt – hat mich „Trailer“ vom ersten Moment an abgeholt. Dieses Buch ist nicht ...

Als Vielleserin mit einer großen Leidenschaft für Thriller – und als jemand, der bereits Werke von Linus Geschke kennt und schätzt – hat mich „Trailer“ vom ersten Moment an abgeholt. Dieses Buch ist nicht nur der packende Auftakt einer Trilogie, sondern auch ein echtes Leseerlebnis, das lange nachhallt.
Gleich zu Beginn wird deutlich, dass die Geschichte komplex, durchdacht und exzellent konstruiert ist. Die Spannung baut sich Stück für Stück auf. Ich hatte während der Lektüre immer wieder neue Theorien, ständig war jemand anderes verdächtig. Linus Geschke versteht es, Leser:innen auf falsche Fährten zu führen. Die Auflösung? Überraschend, klug, und vor allem völlig anders, als ich es erwartet hatte. Genau so muss ein Thriller sein!
Was „Trailer“ für mich aber wirklich besonders macht, sind die Figuren. Im Zentrum steht die Kommissarin Frieda – eine starke, vielschichtige Frau, die man sofort ernst nimmt. Parallel dazu lernen wir ein eigenartiges Dreiergespann kennen. Was mich an diesen Figuren beeindruckt hat, ist die emotionale Ambivalenz - einige von ihnen sind auf eine Art kriminell oder moralisch fragwürdig, dass man es kaum glauben mag – und trotzdem hat Linus Geschke es geschafft, dass sie mir direkt ans Herz gewachsen sind. Ich mochte sie, gerade wegen ihrer Ecken und Kanten.

Ein echtes Highlight war für mich das Nachwort. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Es ist nicht nur wunderschön geschrieben, sondern vermittelt auch eine gesellschaftlich wichtige Botschaft. Es verleiht dem Buch eine zusätzliche Tiefe, die „Trailer“ weit über einen „gewöhnlichen“ Thriller hinaushebt. Ich liebe und feiere Linus Geschke für diese Zeilen, denn sie haben das Gelesene für mich noch einmal in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Für mich war „Trailer“ ein echter Page-Turner – eines jener Bücher, die man kaum aus der Hand legen kann. Ich hatte beim Lesen sogar ein paar schlaflose Nächte, weil mich die Spannung bis in den Schlaf hinein begleitet hat – im besten Sinne.
Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten beiden Bände. Denn was Linus Geschke hier begonnen hat, verspricht eine Trilogie, die nicht nur unterhält, sondern auch berührt, erschüttert und zum Nachdenken anregt. „Trailer“ trifft einfach ins Schwarze – auf ganzer Linie.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2024

Blütenzauber im Islandwind

Die Wildblütentochter (Die Blumentöchter 2)
0

Fünf Sterne für eine faszinierende Reise zwischen Cornwall und Island

Tessa Collins schafft es mit dem zweiten Band der Blumentöchter-Reihe erneut, mich völlig in den Bann zu ziehen. Nachdem mich schon ...

Fünf Sterne für eine faszinierende Reise zwischen Cornwall und Island

Tessa Collins schafft es mit dem zweiten Band der Blumentöchter-Reihe erneut, mich völlig in den Bann zu ziehen. Nachdem mich schon der erste Teil begeistert hat, konnte ich es kaum erwarten, „Die Wildblütentochter“ zu lesen – und wurde nicht enttäuscht.

Diesmal führt uns die Geschichte nach Island, einem Land, das ich schon lange auf meiner Reise-Wunschliste habe. Collins beschreibt die isländische Landschaft so eindrucksvoll und lebendig, dass man sich fast schon selbst auf der Insel wähnt. Die raue Schönheit der Natur, die Sagen um Trolle und die herzliche Kultur der Menschen werden mit so viel Liebe zum Detail eingebunden, dass man direkt Sehnsucht bekommt.

Im Mittelpunkt steht Soley, eine erfolgreiche Sängerin, die sich ausgebrannt fühlt und nach Cornwall zu ihrer Familie zurückkehrt. Diese Ruhepause entwickelt sich für sie zu einer Reise der Selbstfindung, die sie schließlich nach Island führt. Die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie – ausgelöst durch ein mysteriöses Bild – ist spannend erzählt und mit einer Prise Romantik gewürzt. Besonders berührend fand ich die Lebensgeschichte ihres Urgroßvaters, die sich nach und nach entfaltet.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, wobei die Gegenwart dominiert. Tessa Collins’ Schreibstil ist mitreißend, flüssig und wunderbar bildhaft. Ihre Charaktere sind authentisch und liebevoll ausgearbeitet. Ich habe Soley schnell ins Herz geschlossen und konnte mich gut in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen.

Das Cover ist ein weiteres Highlight: Es vereint die Themen Blumen und Island perfekt und greift die Verbindung zur Protagonistin Soley auf. Der Stammbaum im Buch erleichtert den Überblick über die Familienverhältnisse und ist ein toller Zusatz.

„Die Wildblütentochter“ ist eine wunderbare Mischung aus Familiengeschichte, Romantik und der Magie Islands. Man fliegt durch die Seiten und genießt jede Zeile. Ich freue mich schon jetzt auf den dritten Band der Reihe!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2024

Ein Countdown, der nicht zündet

Okaye Tage
0

Okaye Tage von Jenny Mustard begleitet die beiden Protagonisten Sam und Luc in einem Countdown, der durch das Buch führt. Die Idee, dass Tage heruntergezählt werden und die Lesenden sich fragen, was am ...

Okaye Tage von Jenny Mustard begleitet die beiden Protagonisten Sam und Luc in einem Countdown, der durch das Buch führt. Die Idee, dass Tage heruntergezählt werden und die Lesenden sich fragen, was am Ende dieser Zeit passiert, verspricht zunächst Spannung. Doch leider konnte mich die Umsetzung dieser Idee nicht ganz überzeugen.

Während der erste Teil des Buches noch ein gewisses Maß an Spannung aufbaut, bleiben die erwarteten Wendungen oft flach und wenig emotional. Der erste größere Plottwist hat zwar Potenzial, hätte jedoch mehr Tiefe und Detailreichtum vertragen können, um wirklich fesselnd zu wirken. Insgesamt fehlte mir die packende Spannung, die ein solcher Countdown hätte bieten können.

Ein weiterer Aspekt, der mich enttäuscht hat, war die Beziehung zwischen Sam und Luke. Obwohl es sich bei Okaye Tage um einen Roman für junge Erwachsene handelt, konnte ich mich nicht mit den Charakteren identifizieren. Ihre Liebesgeschichte wirkte auf mich eher oberflächlich und es fehlte das gewisse Etwas, das mich in ihren Bann gezogen hätte. Im Vergleich zu anderen Young Adult Romanen, die ich gelesen habe, blieb diese Liebesgeschichte blass und wenig eindringlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich persönlich aus dem Genre herausgewachsen bin, doch selbst für eine jüngere Zielgruppe hätte ich mir mehr Tiefgang und emotionales Engagement gewünscht.

Der Schreibstil von Jenny Mustard war zwar angenehm und leicht lesbar, doch auch hier hätte ich mir mehr Farbigkeit und Tiefgründigkeit gewünscht. Die Sprache bleibt oft an der Oberfläche, ohne die Charaktere oder Situationen wirklich lebendig wirken zu lassen.

Insgesamt bleibt Okaye Tage für mich ein Buch, das einige interessante Ansätze bietet, diese jedoch nicht vollständig ausnutzt. Die fehlende emotionale Tiefe und die eher flache Handlung sorgten dafür, dass es mich nicht vollends fesseln konnte. Deshalb vergebe ich 3 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere