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Veröffentlicht am 07.09.2024

Da ist Musik im Buch

Eifelfrauen: Der Ruf der Nachtigall
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Klara und Mia Fuchs sind im Jahr 1945 zu jungen Frauen herangewachsen. So unterschiedlich die zwei auch sind, sie scheinen unzertrennlich. Die stille Klara lebt nur auf, wenn sie singen kann. Das ist ihre ...

Klara und Mia Fuchs sind im Jahr 1945 zu jungen Frauen herangewachsen. So unterschiedlich die zwei auch sind, sie scheinen unzertrennlich. Die stille Klara lebt nur auf, wenn sie singen kann. Das ist ihre Welt und ihre Stimme verzaubert jeden. Mia ist lebhaft und bei allen Leuten beliebt. Sie sagt immer, was sie denkt. Als kurz vor Kriegsende der tschechische Zwangsarbeiter Pavel nach Altenburg kommt, verliebt Mia sich unsterblich in ihn. Doch Pavel hat nur Augen und Ohren für Klara. Er ist ausgebildeter Sänger und hat sofort bemerkt, daß in Klara ein riesiges Talent steckt. Er hilft ihr, ihre Stimme weiter zu entwickeln und nach dem Krieg verschafft er ihr die ersten Auftritte. Auch Klara ist in Pavel verliebt und Mia ist zum ersten Mal eifersüchtig auf ihre Schwester. Bald schon trennen sich die Wege von Klara und Mia. Wie lange wird es dauern, bis sich die zwei Frauen wieder von Herzen versöhnen können?

Die nächste Generation der "Eifelfrauen" muß ihr Leben in dem Roman "Der Ruf der Nachtigall" meistern. Brigitte Riebe fängt die Zeit nach Kriegsende sehr realistisch ein. Noch immer haben die Menschen Angst vor ihren ehemaligen Peinigern, das zum Teil mit Recht. Vielen von denen gelingt es, wieder nach oben zu kommen. Brigitte Riebe zeichnet ein Bild einer Dorfgemeinschaft, die zusammenhält. Im Laufe der Geschichte fühlt sich der Leser darin aufgenommen. Man möchte gerne dazugehören, auch wenn nicht immer alles rund läuft. Mit diesem Buch taucht man tief in die Welt der Musik ein. Das ist für einen Laien nicht immer einfach, aber trotzdem nicht uninteressant. Das Abendgebet aus Hänsel und Gretel hat bei mir schon immer eine Gänsehaut verursacht und das hat sogar im Buch geklappt. Dieses Buch ist so schön wie die Lieder, die darin erklingen.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Herrlich schräge Dialoge

Lady Hardcastle und der Todesflug
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Im August 1911 erschüttert ein schrecklicher Todesfall das Dorf Littleton Cotterell. Auf dem Gelände der Flugzeugfabrik ganz in der Nähe des Ortes hat es bei einem Fallschirmtest ein Unglück gegeben. Das ...

Im August 1911 erschüttert ein schrecklicher Todesfall das Dorf Littleton Cotterell. Auf dem Gelände der Flugzeugfabrik ganz in der Nähe des Ortes hat es bei einem Fallschirmtest ein Unglück gegeben. Das Innenministerium mit Lady Hardcastles Bruder Harry vermutet, daß es in der Firma einen Spion gibt. Der Verdacht bestätigt sich, als geheime Pläne aus dieser Firma bei einem Toten gefunden werden. Also beauftragt man Lady Hardcastle und ihre Zofe Florence Armstrong, den Spion zu entlarven. Das gefällt den technikbegeisterten Damen außerordentlich gut. Lady Hardcastle gibt sich als potentielle Käuferin für ein kleines, wendiges Flugzeug aus und so bekommt sie Zutritt zu den Produktionshallen und den Büroräumen. Sie decken einige Geheimnisse auf, nur der Spion macht es ihnen nicht leicht. Doch wer die Lady und ihre Zofe Flo überlisten will, muß erst noch geboren werden.

Der neue Fall aus der "Lady Hardcastle" Serie heißt "Lady Hardcastle und der Todesflug". Auch diesmal spart T E Kinsey nicht mit humorvollen Dialogen, die die guten britischen Krimis so einzigartig machen. Es ist immer wieder wohltuend, sich die Personen vorzustellen und über ihre Eigenarten zu Schmunzeln. Doch bei allem Humor ist im Hintergrund die Kriegsgefahr nicht zu vergessen. Deshalb kommt es in der Handlung zu spannenden Verwirrspielen, die erst nach und nach zur Lösung des Falles führen. Der Leser kann nach Herzenslust mitraten und seinen kriminalistischen Spürsinn testen. Das macht einen Riesenspaß, auch wenn die Lady und ihre Zofe immer einen Schritt voraus sind. Die zwei sind einfach die Besten!

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Anders als gedacht

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
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König Antoine und Königin Helene von Bellemontagne versuchen, ihreTochter Cerise mit einem Prinzen zu vermählen. Cerise empfängt dazu jeden Monat Prinzen, doch der richtige ist nie dabei. Bis plötzlich ...

König Antoine und Königin Helene von Bellemontagne versuchen, ihreTochter Cerise mit einem Prinzen zu vermählen. Cerise empfängt dazu jeden Monat Prinzen, doch der richtige ist nie dabei. Bis plötzlich Kronprinz Reginald von Corvinia vor ihr steht. Jetzt hat es die Prinzessin eilig, wimmelt es doch im Schloß vor lauter Drachen. Ungeziefer, das sich in jedem Mauerspalt eingenistet hat! Diese müssen bekämpft werden, denn was soll Reginald denken! König Antoine engagiert Drachenbekämpfer Robert und das Abenteuer beginnt!

Peter S. Beagle, bekannt als Autor von "Das letzte Einhorn", hat mit "Ich fürchte, ihr habt Drachen" eine neue außergewöhnliche Geschichte geschrieben, die so ganz anders als sein bekanntes Werk ist. In dieser Geschichte bekommt man es mit Hauptcharakteren zu tun, die eigentlich gern etwas anderes wären. Drachenbekämpfer Robert will die Drachen eigentlich gar nicht töten, sondern hält sogar welche als Haustiere, Cerise, die als Prinzessin den Erwartungen nicht entspricht und eigene Vorstellungen hat und Prinz Reginald möchte eigentlich auch nicht Prinz sein. Sogar die Drachen sind hier anders als erwartet. Es gibt zwar auch ein paar wenige große, furchteinflößende Exemplare, hauptsächlich sind die Drachen hier jedoch klein und werden als Haustiere ziemlich niedlich dargestellt. Sprachlich geht der Text sehr in den poetischen, leicht getragenen Bereich, was aber wunderbar zur Geschichte paßt. Dadurch ist das Buch allerdings auch etwas schwergängiger zu lesen und man muß sich erst daran gewöhnen. Wer bei der Inhaltsangabe auf ein lustiges Buch gehofft hat, muß seine Erwartungen etwas zurückschrauben. Man erhält hier keine krachende Komödie, bei der man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt, sondern bekommt es mit ganz feinem, getragenen Humor zu tun.

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Veröffentlicht am 04.09.2024

Eine bewegende Lebensgeschichte

Vielleicht können wir glücklich sein
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Nach dem Tod ihrer Großmutter Klara will Isabell ein Buch über ihr Leben schreiben. Dazu hört sie alle Tonbänder, denen Klara ihre Erinnerungen anvertraut hat, ab und liest die alten Tagebücher ihres Großvaters ...

Nach dem Tod ihrer Großmutter Klara will Isabell ein Buch über ihr Leben schreiben. Dazu hört sie alle Tonbänder, denen Klara ihre Erinnerungen anvertraut hat, ab und liest die alten Tagebücher ihres Großvaters aus seiner Zeit als Soldat im Krieg und in der Gefangenschaft. Was Isabell da hört und liest, zeichnet ein ganz neues Bild von ihrer strengen Großmutter. Wie sie versucht hat, für ihre vier kleinen Kinder in Kriegszeiten etwas Normalität und Geborgenheit aufrecht zu erhalten, während ihr Mann als Soldat in Schlesien kämpfen mußte. Eine ganz besondere Frage hat Klara ihr ganzes Leben bewegt: Was ist aus dem kleinen Judenmädchen Tolla geworden, welches sie zehn Jahre verzweifelt versucht hat, vor dem grausamen Lager zu schützen? Isabell fühlt sich verpflichtet, diese Frage für ihre Großmutter zu beantworten.

"Vielleicht können wir glücklich sein" ist der Abschluß einer Serie von Alexa Hennig von Lange. Was mit "Die karierten Mädchen" begann, wird jetzt sehr bewegend zu Ende erzählt. Wenn man zuerst das Gefühl hatte, Großmutter Klara wäre eine eiskalte Frau gewesen, so kann man sie jetzt sehr viel besser verstehen. Sie hat so einiges erleben müssen und diese Ereignisse haben sie zu der Frau gemacht, die ihre Enkelin gekannt hat. Die späte Annäherung an die Großmutter hat die Autorin sehr rührend beschrieben. Durch die Tonbandberichte ist der Leser Klara so nahe gekommen, daß man ihren Verlust deutlich spürt. Der Leser kennt Klara besser als die meisten Familienmitglieder. Dafür sorgt die Autorin mit ihrer klaren Erzählweise. Sie beschreibt alle Situationen ohne Haß zu schüren. "Vielleicht können wir glücklich sein" ist keine heitere Ferienlektüre. Ich habe dieses Buch trotzdem genossen.

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Veröffentlicht am 01.09.2024

Nicht so spannend wie gewohnt

Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?
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Patrick Dostert freut sich auf einen freien Tag, als noch vor dem Frühstück die Polizei bei ihm und seiner Frau Julia klingelt. Damit ändert sich sein Leben von Grund auf. Er soll drei Tage zuvor eine ...

Patrick Dostert freut sich auf einen freien Tag, als noch vor dem Frühstück die Polizei bei ihm und seiner Frau Julia klingelt. Damit ändert sich sein Leben von Grund auf. Er soll drei Tage zuvor eine Frau mißhandelt und entführt haben. Für die Tatnacht hat Patrick ein Alibi, doch der Zeuge ist spurlos verschwunden. Erschwerend kommt hinzu, daß die beste Freundin des Opfers ihn schwer belastet und ein Video auftaucht, in dem er in einer eindeutigen Situation zu sehen ist. Patrick kommt in Haft, denn einem Video kann man trauen - oder doch nicht?

Arno Strobel hat seinem Buch direkt zwei Titel gegeben. Eine Variante heißt "Fake", die andere "Fakt". Und dies weist schon darauf hin, wohin die Reise hier geht. Hier spielt er damit, wie leichtgläubig die Welt geworden ist und macht deutlich, wie gefährlich es ist, der Technik mehr zu vertrauen, als einem Menschen. Arno Strobel versteht es, den Leser immer wieder durch falsche Spuren in die Irre zu leiten und ihn glauben zu lassen, jetzt hätte er die Wahrheit herausgefunden. Bis man wieder merkt, daß alles Fake war. Dadurch wird Spannung erzeugt, die für mich leider immer wieder durch Einblendungen von Patrick, der im Gefängnis seine Geschichte aufschreibt, oder aus Sicht des Anwaltes geschrieben wurden, unterbrochen wird. Denn diese Kapitel haben mich leider gelangweilt. Die Charaktere Patrick und Julia wirken hier sehr blass, sie hätten mehr Eigenheiten haben können. Einen Bezug zu ihnen konnte ich leider nicht aufbauen. Der Schreibstil ist gewohnt locker und leicht, durch die kurzen Kapitel hat man das Buch auch sehr schnell gelesen. Ein gutes Buch von Arno Strobel, aber bei weitem nicht sein bestes!

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