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Veröffentlicht am 25.06.2024

Turbulente Zeiten für die Auswanderer

Eine grenzenlose Welt – Schicksal
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Durch einen dummen Fehler hat Maggie nicht nur ihre tiefe Freundschaft zu Rosie zerstört, auch Nando ist aus ihrem Leben verschwunden. Deshalb hat Maggie New York verlassen und lebt mit ihrem Sohn Nicky ...

Durch einen dummen Fehler hat Maggie nicht nur ihre tiefe Freundschaft zu Rosie zerstört, auch Nando ist aus ihrem Leben verschwunden. Deshalb hat Maggie New York verlassen und lebt mit ihrem Sohn Nicky in San Francisco. Da erreicht sie ein verzweifelter Hilferuf von Rosie. Ihr Mann Simon ist bei einem Überfall schwer verletzt worden. Simons Zeitung, der Morning Herald, steht nun vor dem Aus und nur Maggie kann sie retten. Für Maggie steht sofort fest, daß sie helfen muß. Das bedeutet aber auch, daß die beiden Frauen sich wieder annähern müssen. Nach einiger Zeit trifft sie auch Nando wieder und obwohl Nando verlobt ist, merken beide, daß ihre Liebe die Zeit der Trennung überdauert hat. Nando will zu Maggie und seinem Sohn zurückkehren, aber das Schicksal meint es nicht gut mit den vier jungen Auswanderern.

In dem zweiten Teil ihrer Auswanderer-Saga "Eine grenzenlose Welt" hat Sonja Roos eine ereignisreiche Zeit für die vier jungen Auswanderer beschrieben. Der Titel "Schicksal" passt deshalb perfekt. Diese Geschichte geht wirklich unter die Haut. Man kann sich diese Zeit um 1900 dank der realistischen Beschreibung von Sonja Roos sehr gut vorstellen und erlebt mit den Charakteren alle Turbulenzen hautnah mit. Dieses Streben nach Macht und Geld, das zügellose Leben und der unermessliche Reichtum einiger Leute, dagegen der Kampf der vielen anderen um ein menschenwürdiges Leben, wird dem Leser deutlich vor Augen geführt. Man kommt dabei schnell zu der Erkenntnis, daß auch in Amerika die Bäume nicht bis in den Himmel wachsen. Diese Auswanderer-Saga hat sehr viel zu bieten: Von Spannung wie in einem Krimi bis herzergreifende Liebe ist alles dabei. Wer den ersten Teil gelesen hat, sollte sich Teil zwei nicht entgehen lassen!

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Veröffentlicht am 23.06.2024

Sehr bewegend

Maurice und Maralyn
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Maurice und Maralyn Bailey beschließen, ihren Traum wahr werden zu lassen und mit einem Segelboot von Südengland nach Neuseeland zu reisen. Sie geben alles auf, verkaufen ihr Haus, um ihr Segelboot bauen ...

Maurice und Maralyn Bailey beschließen, ihren Traum wahr werden zu lassen und mit einem Segelboot von Südengland nach Neuseeland zu reisen. Sie geben alles auf, verkaufen ihr Haus, um ihr Segelboot bauen zu können. Doch der Traum endet in einer Katastrophe. Auf dem Weg zu den Galapagosinseln rammt ein Wal das Boot. Das Boot schlägt Leck und geht unter.

Sophie Elmhirst schreibt in ihrem Buch "Maurice und Maralyn" die bewegende Geschichte von Maurice und Maralyn Bailey nieder, die 118 Tage mit einem Schlauchboot und der daran festgezurrten Rettungsinsel auf dem Pazifik verbracht haben. Daß diese Geschichte der Wahrheit entspricht, ist fast unglaublich. Vier Monate allein auf dem Ozean, umgeben nur von Wasser, gequält von Hunger, Durst, Hitze und Verzweiflung, bedroht durch Krankheiten und Stürme - man mag sich das gar nicht vorstellen. Und doch haben die Baileys ihren Glauben an Rettung nie verloren, auch wenn einige Schiffe sie nicht gesehen haben und die Rettungsfackeln einfach nicht brennen wollten. Die Autorin beschreibt den Kampf um Nahrung und Wasser sehr eindringlich. Man spürt die anfängliche Überwindung beim töten von Meeresschildkröten, Vögeln und Haien und dem Verzehr von deren rohem Fleisch. Sophie Elmhirst bringt dem Leser die Baileys zu Beginn näher, indem sie ihre Vorgeschichte beschreibt. Dadurch bekommt man das Gefühl, beide gut zu kennen und liest nicht als unbeteiligter Dritter. Auch läßt sie das Buch nicht mit der Rettung enden, sondern beschreibt das weitere Leben bis zum Tod von Maralyn und letztlich auch Maurice. Dieses Buch hat mich sehr bewegt und mitgenommen - ich kann es nur empfehlen!

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Veröffentlicht am 21.06.2024

Das besondere Buch

Der Untergang der "Wager"
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Im Januar 1742 strandet ein Segelboot mit 30 Mann Besatzung an der Küste Brasiliens. Die Seeleute sind die einzig Überlebenden des Eroberungsschiffes "The Wager", das in einem Sturm zerschellt ist Drei ...

Im Januar 1742 strandet ein Segelboot mit 30 Mann Besatzung an der Küste Brasiliens. Die Seeleute sind die einzig Überlebenden des Eroberungsschiffes "The Wager", das in einem Sturm zerschellt ist Drei Schiffbrüchige werden sechs Monate später in Chile an Land gespült und sagen aus, daß die 30 Seeleute Meuterer wären, die skrupellos gemordet hätten. Ein britisches Kriegsgericht soll die Wahrheit ans Licht bringen.

David Grann hat mit "Der Untergang der Wager - Eine wahre Geschichte um Schiffbruch, Mord und Meuterei" ein ganz besonderes Buch geschaffen. Aus Archivmaterial dieses historischen Kriminalfalles hat er einen spannenden Roman geschrieben. Wobei man dieses Buch zwar als Roman lesen kann, man aber in Wirklichkeit ein Sachbuch vor sich hat. Atmosphärisch dicht wird hier der Frage nachgegangen, wer die Schuld am Untergang der Wager trägt. Doch heute wie damals wird dies nicht geklärt. Selbst die Zuhilfenahme der Aussagen von Zeitzeugen bringt hier kein Licht ins Dunkel. Denn man kann hier nicht einfach in schwarz und weiß, gut oder böse einteilen. Die Situationen waren für die Beteiligten hart und extrem, jeder kämpfte um sein Überleben und sie mußten dafür alles geben und auch ihre Prinzipien aufgeben. Man erlebt hier das Leben an Bord jenseits der romantischen Verfilmungen in all seiner Härte. Stürme, Gefechte und Krankheiten bedrohen die Besatzung und fordern viele Todesopfer. David Grann beschreibt dies alles so eindringlich, daß man mit jedem Opfer leidet. Der Autor arbeitet hier auch Geschichte auf. Politisches Geplänkel zwischen England und Spanien wird hier verständlich gemacht und man lernt, wie brutal der Kampf um die Seeherrschaft war. Dieses Buch ist extrem spannend und trotz der speziellen Thematik leicht verständlich zu lesen. Im Mittelteil befindet sich ein Bildteil voller wunderbarer Farbbilder, die das Buch zusätzlich aufwerten. Ich kann dieses Buch jedem sehr ans Herz legen!

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Veröffentlicht am 17.06.2024

Regionalität plus Spannung

Merano fatale
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Ispettore Emmenegger bekommt es diesmal mit einem kuriosen Fall zu tun. Im Café Unterweger sitzt ein Mann tot auf der Terrasse. Emmenegger und seine Kollegin und Verlobte Eva Marthaler stehen vor der Frage, ...

Ispettore Emmenegger bekommt es diesmal mit einem kuriosen Fall zu tun. Im Café Unterweger sitzt ein Mann tot auf der Terrasse. Emmenegger und seine Kollegin und Verlobte Eva Marthaler stehen vor der Frage, ob es sich um Selbstmord oder Mord handelt. Ausgerechnet Evas Mutter erscheint im Kommissariat und behauptet, den Mann vergiftet zu haben. Nun ist Emmenegger gefragt!

"Merano Fatale" ist der zweite Fall für Emmenegger. Dieser ist wirklich kompliziert, immer wieder stößt er auf neue Personen, die einen Bezug zum Mordopfer haben. Dazu noch das Geständnis von Evas Mutter - da möchte man nicht mit ihm tauschen, steht man doch selbst vor dem Fall und findet einfach keinen eindeutig Verdächtigen. Emmenegger hat auch hier nichts von seiner "speziellen" Art verloren. Er geht halt auch mal Wege, die von der Norm abweichen. Und genau das mag ich so an ihm. Er hat seinen eigenen Kopf und duckt sich nicht. Er hat bei mir alle Sympthiepunkte, während ich Eva mit ihrer Art etwas zwiespältig sehe. Privat müßte sie sich für mein Empfinden etwas ändern. Elisabeth Florin hat einen äußerst angenehmen Schreibstil. Man liest hier sehr flüssig, kann über einige humorvolle Szenen lachen und fühlt sich schon durch die Kapitel, die eine angenehme Länge aufweisen, sehr wohl. Dazu beschreibt sie die Landschaft so intensiv, daß man sich vor Ort fühlt und richtig in Urlaubsstimmung kommt. Dabei schafft sie es, daß Humor, Regionalität und Kriminalfall in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen und nichts überhand nimmt und anderes in den Schatten stellt. Dieser Krimi ist wieder sehr gelungen und ich würde mich über weitere Emmenegger- Fälle sehr freuen!

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Veröffentlicht am 16.06.2024

Gemütlicher Krimi

Toskanische Schatten
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Francesco Scotti kehrt in seine alte Heimat Montecatini zurück. Als Eliteagent in Neapel ist er bei einer Razzia gegen die Mafia aufgeflogen und muß nun als Provinzermittler untertauchen. Scotti kann sich ...

Francesco Scotti kehrt in seine alte Heimat Montecatini zurück. Als Eliteagent in Neapel ist er bei einer Razzia gegen die Mafia aufgeflogen und muß nun als Provinzermittler untertauchen. Scotti kann sich nur schlecht damit abfinden, will es sich aber nun gemütlich machen. Doch daraus wird nichts, wird doch die Leiche des 80jährigen Orlando Palmieri gefunden. Zunächst sieht der tödliche Sturz von der Felsmauer aus wie ein Unfall, doch Scotti sieht sich schnell mit einem Mordkomplott konfrontiert, das ihm sein ganzes kriminalistisches Können abverlangt.

"Toskanische Schatten" ist der erste Fall für Kommissar Scotti. Antonello Rossi hat mit Francesco Scotti einen Kommissar geschaffen, der das typisch italienische in sich vereint. Gemütlich, ohne Hektik, das Essen und guten Wein liebend. Da stört es auch nicht, wenn er zu einem Termin zu spät kommt. Aber wenn er etwas will, dann will er es und so gibt er nicht eher auf, bis der Fall gelöst ist. Auch seine Schwierigkeiten bei seiner Ankunft und der nicht herzliche Empfang stören ihn nicht, er macht das Beste daraus und findet schließlich Freunde, auf die er sich verlassen kann. Dabei ist es schon manchmal witzig, wie er mit seiner noblen Kleidung aus dem Rahmen fällt. Antonello Scotti beschreibt die Toskana und die Gemütlichkeit der Bewohner sehr bildhaft und manchmal schon fast zu ausführlich. Dadurch springt diese Gemütlichkeit fast aus dem Buch heraus und auch der Kriminalfall selbst wirkt eher ruhig und beschaulich. Man bekommt hier ein unaufgeregtes, aber wunderbares Buch!

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