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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.09.2025

Abgerissener Abriss

Selfies
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59 / 100
Gleich vorneweg: Mir erschließt sich nicht, warum man ein 80-Seiten-Buch zu einem Thema schreibt, das durchaus vier- bis fünfmal so umfangreich sein könnte. Dementsprechend schnell stürzt der ...

59 / 100
Gleich vorneweg: Mir erschließt sich nicht, warum man ein 80-Seiten-Buch zu einem Thema schreibt, das durchaus vier- bis fünfmal so umfangreich sein könnte. Dementsprechend schnell stürzt der Autor durch die Hintergründe, Historien und Gründe, wie es zum Phänomen „Selfie“ kam. Dabei werden große Teile auf dem Zeitstrahl ausgelassen und es geht mehr um das „Was kann ich damit anstellen?“, etwa um Filter und Masken – der psychologische Aspekt wird viel zu schwach beleuchtet. Auch der Ansatz, dass Selfies fast ausschließlich angefertigt würden, um sie in den (a)sozialen Medien zu teilen, ist viel zu kurz gegriffen.

Für den Einstieg vielleicht nutzbar, aber für ausführlichere Untersuchungen muss man sich woanders umschauen.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Mach dir selbst eine BILD

Ich war BILD
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72 / 100
Ich mache keinen Hehl daraus und folge auch keinem unbedingten Dogma, jedoch empfinde ich die BLÖD mit ihren überdiemensionierten Lettern samt ihrer Konsorten als einen furchtbaren Einfluss auf ...

72 / 100
Ich mache keinen Hehl daraus und folge auch keinem unbedingten Dogma, jedoch empfinde ich die BLÖD mit ihren überdiemensionierten Lettern samt ihrer Konsorten als einen furchtbaren Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft. Mit dem vorliegenden Buch versucht der Ex-Chefredakteur Kai Diekmann mit gewohnter, aber doch milder Offensive ein einigermaßen differenziertes Bild (!) von sich, der Zeit und der Zeitung zu zeichnen. Dabei geht er auf ausgewählte Ereignisse in seiner Laufbahn genauer ein und lässt die Lesenden an weniger bis unbekannten Hintergründen teilhaben.

Es wird direkt deutlich, dass der Autor ein Händchen fürs Schreiben hat, denn die größten Teile des Buchs sind (selbst wenn man zeitlich keine Anknüpfungspunkte mit einzelnen Themen hat) sehr fesselnd und unterhaltsam. Er schreibt über Treffen mit Spitzenpolitikern (bisweilen auch Autokraten und Despoten), persönliche Affronts und der Eskalation, die er selbst wie Barbra Streisand ausgelöst hat sowie skandalöse Verquickungen wie etwa die Causa Wulff.

Bei aller Selbstkritik und Selbstironie darf man natürlich nicht übersehen, dass das Buch kaum Stories enthält, in denen eine kritische Auseinandersetzung von Diekmann mit sich selbst notwendig gewesen wäre oder er berechtigt Ärger abbekommen hat (da dürfte es in rund 15 Jahren an der Spitze durchaus einige Situationen gegeben haben; ich erinnere nur an Oslo, die Loveparade, Peter Lustig,...).

Wenn man sich damit arrangiert, hat das Buch einen vergleichsweise hohen Mehrwert. Im Kontext kann man sich anschauen, wer danach den Posten in der Chefredaktion übernommen hat und inwieweit ein Buch aus anderen Händen aussehen und sich lesen würde… vermutlich wäre es irgendwas mit einer Wiener, nach der niemand gefragt hat – nicht wahr, Jules, du alter Stecher?

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Er kam, ging und niemand starb

Schiller muss sterben!
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59 / 100
Es gibt Bücher, bei denen ich mich frage, was die schriftstellende Person dazu bewog, ihr Buch zu verfassen. Kurt Molzer kam rund 30 Jahre nach den geschilderten Erlebnissen auf die Idee, ebenjene ...

59 / 100
Es gibt Bücher, bei denen ich mich frage, was die schriftstellende Person dazu bewog, ihr Buch zu verfassen. Kurt Molzer kam rund 30 Jahre nach den geschilderten Erlebnissen auf die Idee, ebenjene zu Papier zu bringen. Dass eventuell das Kapital seit Anbeginn der Zeit auch für ihn der Hauptbeweggrund zu sein scheint, sei im Rahmen des boulevardesken Journalismus’ geschenkt. Auch dass es zu einem gewissen Teil Voraussetzung ist, persönlich eine Poöffnung zu sein, wenn man für die Regenbogenpresse… „arbeitet“ – ebenfalls geschenkt.

Nun weiß ich gar nicht so recht, was ich mir von diesem Buch erhofft habe. Eine retrospektiv kritische Auseinandersetzung mit dem Springer-Verlag? Dafür ist das Buch (abgesehen von seinem passend reißerischen Titel) allenfalls bedingt geeignet. Sicher, man erfährt nette Details aus der Wendezeit und dem Versuch, in einer ostdeutschen Stadt eine Redaktion einer westdeutschen Zeitung aufzubauen. Aber so schnell, wie die Ausführungen beginnen, so schnell enden sie auch wieder und der Ausflug ist doch relativ zeitnah beendet.

Nicht die Substanz, die ich mir gewünscht habe – schade, etwas mehr Selbstreflexion wäre schön und sinnhaft gewesen. Denn Geschichten aus der guten, alten, verrückten Zeit gibt es in der Form bereits im Überfluss.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Mach dein Leben schöner

StehaufMensch!
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66 / 100
Das dritte Buch von Samuel Koch, das er mutmaßlich für Menschen geschrieben hat, die in einer gewissen (wenngleich auch manchmal nur eingebildeten) Lebensunzufriedenheit feststecken. Das Wort ...

66 / 100
Das dritte Buch von Samuel Koch, das er mutmaßlich für Menschen geschrieben hat, die in einer gewissen (wenngleich auch manchmal nur eingebildeten) Lebensunzufriedenheit feststecken. Das Wort „Resilienz“, mittlerweile in aller Munde, findet seinen Eingang auch hier – wobei ich den Eindruck habe, hier fällt der Begriff auf fruchtbaren Boden, der noch nicht verseucht ist mit wiedergekäuten Lebensweisheiten und Begriffen wie „Mindset“ und dergleichen.

Der Autor nimmt die Menschen an die Hand, erklärt etwa, was ihm in manchen Situationen weitergeholfen hat (aber bei anderen nicht zwingend funktionieren muss), listet auf, wie man mehr Menschlichkeit an den Tag legen und das eigene genauso wie weitere Leben verschönern kann, und schildert, dass der omnipräsente Drang zur Selbstverbesserung nicht sonderlich statthaft ist, wenn er nicht aus eigenem Antrieb stattfindet.

Sein persönliches Schicksal findet in diesem Buch wesentlich geringfügiger statt, weswegen die Lektüre eher im Allgemeinen zu empfehlen ist – ein zwingendes Alleinstellungsmerkmal habe ich allerdings nicht so wirklich gefunden.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Das eine Leben, das wir haben

Ein wenig Leben
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73 / 100
Der Hype war (und ist?) groß um dieses Buch. Wie viele Stimmen habe ich dazu gehört und gesehen, wie schrecklich, wie traurig, wie niederschlagend die Story sei, jedoch gespickt mit erhebenden, ...

73 / 100
Der Hype war (und ist?) groß um dieses Buch. Wie viele Stimmen habe ich dazu gehört und gesehen, wie schrecklich, wie traurig, wie niederschlagend die Story sei, jedoch gespickt mit erhebenden, lebensbejahenden Momenten. Entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung und – nun ja, zum größten Teil wurde sie doch erfüllt.

Die Gesamtgeschichte ist einfühlsam erzählt, wobei ich immer wieder den Eindruck hatte, dass sich die Autorin in Details und der Ausformulierung von Kleinigkeiten versteigt, die die Story nicht voranbringen. Auch das Verschieben des Fokus’ vom Freundschaftsgeflecht hin zu einer einzelnen Figur ist etwas bedauerlich, obgleich dem Einzelschicksal durchaus viel Platz zukommen darf. Die sehr zersplitterte Erzählweise mit extrem vielen Zeit- und Perspektivsprüngen muss man mögen, das gilt auch für die genauen Hintergründe der Hauptfigur, die zwar schon früh erkennbar, jedoch über das gesamte Buch verteilt sind.

Was mich wirklich etwas stört, ist dieser nicht endende Fluss von Ungerechtigkeiten und üblen Dingen, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Musste ich doch anfangs und über die Mitte immer wieder schlucken und gelegentlich mit den Tränen kämpfen, wirkte es ab einem gewissen Punkt leider sehr künstlich und der inhaltliche Bruch zum letzten Fünftel hatte ehrlich gesagt den Charakter einer reinen Plakativität, nur um alles noch zu toppen. Auch dass die Figuren kaum eine der erzählten Zeit angemessene sprachliche Entwicklung durchleben und im Buch der Satz „Es tut mir leid“ so oft wie noch nirgendwo fällt, war etwas befremdlich.

Darüber hinaus ist es aber ein durchaus ergreifendes, lesenswertes Stück Geschichte, das alle möglichen Berge und Täler durchläuft und einen bleibenden Eindruck hinterlassen dürfte.

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