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Veröffentlicht am 09.10.2024

Dauert etwas bis die Spannung beginnt...

Der Tandler und der Tod
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Mein erster Krimi, bei dem ein Altwarenhändler ermittelt. Sebastian "Sebo" Tandler (Nomen ist hier Omen) hat eine kleine Entrümpelungsfirma in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz. Überraschend bekommt ...

Mein erster Krimi, bei dem ein Altwarenhändler ermittelt. Sebastian "Sebo" Tandler (Nomen ist hier Omen) hat eine kleine Entrümpelungsfirma in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz. Überraschend bekommt er den Auftrag ein Linzer Privatschloss auszuräumen. Für die kleine zwei-Personen-Firma ein Großauftrag. Neben Sebastian, der die Hausratsauflösungen übernimmt, arbeitet noch Johanna Ramböck mit, die ihm beim Sortieren und Verkaufen der Ware behilflich ist.
Der unsympathische Schlossinhaber Mariano Zamberk-Tachov hat bereits an eine Immobilienfirma verkauft, die Hotelanlagen bauen möchte. Isis Bruckner, die Gesellschafterin der ehemaligen Schlossherrin Adriana Zamberk und nun Angestellte des Schlossherrn, soll ihm zeigen, was er ausräumen und verkaufen soll. Die zwielichtigen Männer, die sich rund um die vielen Oldtimer des Hausherren scharren, lassen ein ungutes Gefühl in ihm aufsteigen. Als er mysteriöse Briefe, versteckt in einer Couch findet, die auf ein Verbrechen hinweisen, wird er noch misstrauischer. Der Tandler ist ein sehr neugierieger Artgenosse und deshalb lassen ihn diese Briefe und auch eigenartige Vorfälle nicht in Ruhe. Als bei ihm und im Schloss bei Isis eingebrochen wird, beginnt er nachzuforschen und als Adriana Zamberk ermordert wird, schrillen alle Alarmglocken....

Der Krimi braucht lange bis er endlich Fahrt aufnimmt. Das ist sehr schade, denn die erste Hälfte des Buches enthält viele Hinweise, die man nicht unbedingt braucht; wie Erläuterungen zu Wohnungsauflösungen, detaillierte Beschreibungen von Innenräumen und Farbschemen, wie Tandler und Ramböck die Ware aufteilen. Auch die vielen Namen sind zu Beginn sehr verwirrend. Tandler hat neben Johanna Ramböck auch Freunde aus Griechenland und Albanien, die ihm beim Entrümpeln helfen. Die für uns fremd klingenden Namen merkt man sich nicht wirklich schnell und auch in der Familie des Schlossherrn gibt es jede Menge längere Namen, die nicht sofort hängen bleiben. Hilfreich ist das Personenregister gleich zu Beginn des Krimis.

Die Handlung spielt in Linz und Umgebung. Sebo wohnt in einer der sogenannten „Hitlerbauten“. Diese schnell hochgezogenen Wohnburgen wurden während der NS-Zeit gebaut. Die Wohnung hat er von seiner Tante Brigitte geerbt, in der er alleine lebt. Sprachlich gibt es viele österreichische Begriffe, die man im Glossar hinten erklärt bekommt, wenn man sie nicht versteht.

Die Figuren sind sehr lebendig und etwas skurril gezeichnet. Man hat jeden einzelnen vor Augen und auch die vielen Nebenfiguren sind größtenteils gut charaktisiert. Den multi-kulti Freundeskreis fand ich super erfrischend. Den Tandler selbst fand ich sehr sympathisch, Isis blieb mir zu Beginn noch etwas fremd. Im Laufe des Krimis ändert sich das jedoch. Sie hat auf jeden Fall einen sehr interessanten Background, der Grund zu Spekulationen liefert.

Die zweite Hälfte ist aber wirklich gelungen und sehr spannend erzählt. Es überschlagen sich die Ereignisse und die Autorin überrascht mit neuen Wendungen. Ab diesen Zeitpunkt konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Einer Fortsetzung der Reihe bin ich nicht abgeneigt, denn wir sind nun ja schon richtig gut in das Leben vom Tandler eingeführt worden ;)

Fazit:
Der Krimi braucht leider etwas zu lange bis er Fahrt aufnimmt, aber dann wird es richtig spannend! Die Ideen der Autorin sind großartig und endlich etwas anderes, als viele der uns bekannten Regionalkrimis enthalten. Das fängt mit dem eigenwilligen Ermittler an, geht weiter mit seinem Job, seinen Freundeskreis und Isis Hintergrund....richtig gute Ideen!

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Wichtiges Thema, nicht überzeugend umgesetzt

Tage mit Milena
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Von Katrin Burseg habe ich bisher die beiden Romane "Unter dem Schnee" und "Adas Fest" gelesen. Beide Geschichten haben mir sehr gut gefallen, deshalb stand auch ihr neuer Roman auf meiner Wunschliste.
Beim ...

Von Katrin Burseg habe ich bisher die beiden Romane "Unter dem Schnee" und "Adas Fest" gelesen. Beide Geschichten haben mir sehr gut gefallen, deshalb stand auch ihr neuer Roman auf meiner Wunschliste.
Beim Reinlesen in die ersten Kapitel über vorablesen war ich auch noch immer begeistert. Leider wurde diese Begeisterung mit der Zeit etwas weniger und auch der Klappentext nimmt vieles vorweg, was erst in der zweiten Hälfte des Buches passiert.

Annika, Mitte fünfzig, lebt mit ihrem Mann Hendrik in Lübeck und besitzt ein Schreibwarengeschäft, wo sie auch ihre selbst illustrierten Karten verkauft. Als eines Tages ein junges Mädchen bei ihr Sekundenkleber kauft und diese kurze Zeit später auf der Straße klebt und für eine Straßensperre sorgt, weckt diese Aktion tief vergrabene Erinnerungen in ihr. Als Luzie in Bedrängnis gerät, handelt Annika spontan und setzt sich zu ihr auf die Straße. Es ist lange her, dass sie selbst demonstriert und ein Haus besetzt hat. Diese Zeit endete tragisch und deshalb versucht sie Luzie davon abzubringen, noch dramatischere Aktionen zu starten und folgt ihr ins Klimacamp nach Hamburg. Doch Luzie gehört zur "Letzten Generation" und lässt sich nicht aufhalten. Annika möchte sie daran hindern, indem sie ihr von Milena erzählt....erfolglos. Doch dann kommen beide in eine Situation, in der Annika Luzie überreden kann, nicht nach Lüzerath zu fahren und schon sitzen beide im Zug nach Venedig....

Das Thema ist natürlich brandaktuell! Klimakrise und Klimaaktivsten sind nicht nur Schlagwörter bei den diversen Wahlkämpfen, sondern zeigen immer wieder durch Hurricans, Tornados, Überschwemmungen, die immer verheerender werden, dass es nicht mehr 5 vor 12 ist, sondern bereits später. Dazu schreibt die Autorin nicht wirklich wertend oder mit erhobenen Zeigefinger, sondern lässt uns etwas tiefer in die Vorgehensweise der Klimaaktivisten blicken. Zurück in die Achziger Jahre zeigt sie aber ebenfalls auf, dass die Themen, die die jungen Menschen auf die Straße treibt, sehr ähnlich sind - egal zu welcher Zeit.

Der Versuch die Handlungen von Luzie und Annika zu vereinen, empfand ich jedoch nicht ganz geglückt. Die Ereignisse in der Gegenwart und Erinnerungen aus Annikas Vergangenheit vermischen sich und hemmen leider den Lesefluss. Der Blick zurück in eine Zeit, die für Annika prägend war und die sie verdrängt hat, ist interessant, aber blieb mir zu sehr an der Oberfläche. Details über den Alltag in der Hamburger Hausbesetzerszene werden nur gestreift. Auch hätte ich gerne noch etwas mehr über die starke Bindung zwischen Annika, Matti und Milena erfahren, die zwar erklärt wird und auch einige Beispiele enthält, mir aber zu wenig Tiefe hatte. So richtig nahe kam ich den Figuren nicht...

Viele Handlungen der beiden Protagonistinnen konnte ich nicht nachvollziehen. Annika und Luzie sind beide impulsive Menschen, die oftmals sehr spontan und impulsiv handeln und ihre Vorgehensweise nicht überdenken. Bei Luzie fand ich dies ihrer Jugend geschuldet und auch ihrer Motivation, doch für Annika trifft dies nicht zu. Ihr unüberlegtes Handeln konnte ich sehr oft überhaupt nicht nachvollziehen. Die Geduld ihres Ehemannes konnte ich ebenfalls nur schwer nachenpfinden. Einige Handlungen wirkten auf mich viel zu konstruiert. Man hat das Gefühl, dass oftmals versucht wird, einfach die Handlung am Laufen zu halten.

Einige Vorkommnisse waren ebenfalls leicht vorhersehbar. Die Nebencharaktere blieben mir ebenfalls zu blass. Hingegen hat mich der Schreibstil von Katrin Burseg wieder genauso überzeugen können, wie in ihren beiden Vorgängerromanen. Er ist sehr bildhaft und atmosphärisch. Ganz besonders mochte ich den Beginn im Schreibwarenladen und die vielschichtigen Beschreibungen des Papiers und des Geruchs des alten Ladens.....zauberhaft!

Fazit:
Der neue Roman von Katrin Burseg konnte mich leider nicht richtig überzeugen. Hauptprotagonistin Annika blieb mir fremd und einige Handlungen empfand ich als zu konstruiert. Der gewohnt bildhafte und eindringliche Schreibstil ist jedoch wieder zu betonen, genauso wie die aktuelle und informative Thematik des Romans.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Wunderschön

Man sieht sich
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Endlich wieder ein Buch, welches mit "Zwei an einem Tag" mithalten kann. Der Roman von David Nicholls gehört noch heute zu meinen allerliebsten Büchern, die einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal ...

Endlich wieder ein Buch, welches mit "Zwei an einem Tag" mithalten kann. Der Roman von David Nicholls gehört noch heute zu meinen allerliebsten Büchern, die einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal haben. Außerdem liebe ich Romane, bei denen es um Beziehungen und verpasste Chancen geht bzw. um Paare, die sich aus den Augen verlieren und doch nicht voneinander loskommen.

Mit "Man sieht sich" ist Julia Karnick eine wundervolle und authentische Geschichte gelungen, die mich von Beginn an in den Bann gezogen hat. Sie spannt sich über mehr als 30 Jahre und wird von der Autorin mit sehr viel Einfühlungsvermögen erzählt.
Der Roman beginnt in der Gegenwart. Friederike, genannt Frie, hat eine Einladung zum dreißigjährigen Abitreffen erhalten und ist sich bis zum Schluss unsicher, ob sie dort aufkreuzen soll. Ihre Gedanken und Überlegungen sind so authentisch beschrieben, dass ich bereits auf den ersten Seiten schmunzeln musste. Danach wechseln wir in die Vergangenheit.
Julia Karnick erzählt über das erste Zusammentreffen, als Robert seine neue Schule betritt und als erstes das "Entenmädchen" kennenlernt, wie er Frie heimlich wegen ihren watschelnden Gang und den großen Füßen, nennt. Diese Freundschaft wird zu etwas ganz Besonderen, obwohl beide aus einem sehr unterschiedlichen Elternhaus kommen, das sowohl Robert, als auch Frie prägt. Nach dem Abi trennen sich ihre Wege, denn Frie geht als Au Pair nach Australien und Robert zum Zivildienst. Für Frie ist Freiheit zu dieser Zeit am Wichtigsten und Robert sucht seinen Platz im Leben. Jahre später haben sich beider Leben umgekehrt. Während Robert als Musiker seine Freiheit genießt, kämpft Frie als alleinerziehende Mutter ums tägliche Überleben...

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Robert und Frie erzählt. So erfährt man immer, was gerade in ihrem Leben passiert, welches von Hochs und Tiefs geprägt ist. Es gibt dabei sehr intensive, aber auch unaufgeregte Erzählstränge.
Während all dieser Zeit verlieren sich Frie und Robert nie aus den Augen. Oftmals sind ihre Lebenswege zu unterschiedlich und der Zeitpunkt einfach nicht der richtige, dennoch spürt man im gesamten Roman, wie wichtig sie einander sind.
Die Stimmung der Achziger und Neunziger Jahre habe ich genossen und mich wieder jung gefühlt.

Julia Karnik beschreibt die Empfindungen ihrer Figuren einfühlsam und lebensnah. Dabei greift sie auch Themen auf, wie die Rolle der Frau über die Jahrzehnte oder die Prägung der Kindheit auf das weitere Leben. Besonders gefallen hat mir auch die Beziehung von Robert zu einem alten Mann, den er als Zivildiener kennenlernt und ihm zur Hand geht. Für Robert wird Herr Selk eine Art Vaterersatz, den er selbst nie kennengelernt hat.
Freunde und weitere Figuren rund um die Beiden blieben hingegen etwas schemenhaft, was mich allerdings nicht gestört hat, schließlich steht die Beziehung und Freundschaft von Robert und Frie im Mittelpunkt. Wie im echten Leben bleiben und gehen Freunde und sind in der Handlung mehr oder weniger vorhanden.

"Wer ›Zwei an einen Tag‹ von David Nicholls geliebt hat, wird dieses Buch auch nicht mehr aus der Hand legen. ― Der Hamburger Newsletter Published On: 2024-06-06"

Und dem kann ich nur zustimmen!

Wie immer bei Romanen, die mich sehr berührt haben und die ich mit Begeisterung gelesen habe, fällt es mir besonders schwer eine Rezension zu schreiben, weil ich immer denke, dass diese der Geschichte nicht gerecht wird.

Fazit:
Für mich ein würdiger Nachfolger zu "Zwei an einem Tag", wobei Julia Karnick ihre ganz eigene Geschichte daraus macht, die einfühlsam und sehr authentisch erzählt wird. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung! (ganz besonders für jene, die "Zwei an einem Tag" genauso geliebt haben wie ich und noch immer nicht über das Ende hinweg sind.)

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Veröffentlicht am 05.10.2024

Spannung auf höchstem Niveau

Tränengrab
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Im September war ich in Scheibbs bei der Lesung zu Roman Klementovic neuesten Thriller "Tränengrab". Mein Beitrag zur Lesung folgt in Kürze.

Was ich an den Büchern des Autors am allermeisten mag, ist ...

Im September war ich in Scheibbs bei der Lesung zu Roman Klementovic neuesten Thriller "Tränengrab". Mein Beitrag zur Lesung folgt in Kürze.

Was ich an den Büchern des Autors am allermeisten mag, ist diese allgegenwärtige düstere Atmosphäre. Auch in "Tränengrab" sind wir in einer kleinen Stadt, die seitdem der naheliegende See ausgetrocknet und der riesige Wasserpark vor sich hin rostet, vom Aussterben bedroht ist. Das geplante Wellness-Hotel steht noch immer in Rohbau und wird wohl nie fertig gestellt werden. Ein Ort, aus dem das Leben schwindet....

Und genau dort besucht Evelyn, Mitte sechzig und frisch verwitwet, ihre Tochter Manuela samt Familie. Sie wurde eingeladen, um auf andere Gedanken und zur Ruhe zu kommen, seitdem sie ihren geliebten Hans an den Krebs verloren hat. Doch Evelyn kommt nicht wirklich zum Verschnaufen, denn schon bei der Ankunft fallen ihr die Plakate mit einem Foto eines Mädchens und der Überschrift VERMISST ins Auge. Und kurze Zeit später steht der ganze Ort unter Schock, denn es wird die verstümmelte Leiche des Mädchen gefunden.
Evelyn ist außerdem vom seltsamen Verhalten ihres Schwiegersohnes Hendrik irritiert. In der Familie ist die Stimmung schlecht. Tochter Manuela ist völlig überarbeitet, während sich Enkelin Anja abschottet und jede Kommunkation abblockt. In einer schlaflosen Nacht beobachtet Evelyn beunruhigendes und versucht mehr herauszufinden...

Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Evelyn erzählt. Man ist direkt mit ihren Gedanken, Gefühlen, sowie ihren Zweifeln und Ängsten vertraut. Auch die zunehmende körperliche und psychische Erschöpfung ist glaubhaft dargestellt. Neben Evelyns Sicht gibt es noch zwei weitere, aber einmalige Perspektiven, sowie Auszüge aus Anjas Tagebuch. Die restlichen Charaktere bleiben allerdings etwas (gewollt?) blass.
Die Spannung ist extrem hoch und bleibt es durchgehend, was einem kaum das Buch aus der Hand legen lässt. Ich konnte dazwischen kaum Luft holen und muss sagen, dass ich mir ab und zu auch ein paar Seiten gewünscht hätte, die mich etwas "verschnaufen" hätten lassen. Man hat laufend das Gefühl, dass jetzt sofort etwas Schlimmes passieren wird.
Neben der anhaltenden düsteren Atmosphäre, spürt man auch die flirrende Hitze und Evelyns Angst. Außer der Hauptprotagonistin sind die Figuren nicht wirklich Sympathieträger. Mich stört das nicht wirklich, auch wenn ich Evelyn ab und zu schütteln hätte können. Man fragt sich ebenfalls: Ist Eveyln etwa eine unzuverlässige Erzählerin, mit der die Phantasie durchgeht?

Der Schreibstil ist fesselnd und mitreißend. Klementovic erzählt in Präsens und versteht es immer wieder falsche Fährten zu legen. Die Kapitel sind kurz gehalten. So möchte man immer wieder noch ein Kapitel lesen, bevor man das Buch weglegen muss. Wenn möglich sollte man "Tränengrab" aber lesen, wenn man sich Zeit für den kompletten Thriller nehmen kann, denn aus der Hand legen kann man das Buch kaum.

Die Enden sind bei Roman Klementovic immer für eine Überraschung gut! Er versteht es jedes Mal aufs Neue mich komplett zu überraschen. Dass ist ihm auch bei seinem neuesten Thriller wieder gelungen. Allerdings fand ich die Auflösung diesmal nicht ganz so überzeugend, wie bei seinen anderen Büchern. Das ist aber mein eigenes Empfinden und muss nicht mit anderen Leser:innen übereinstimmen.

Fazit:
Auch im neuesten Thriller von Roman Klementovic ist nichts, wie es scheint. Man erhält Spannung auf höchstem Niveau und die gewohnte düstere Atmosphäre. Ab und zu hätte ich mir eine kleine Verschnaufpause gewünscht, denn man kann das Buch nicht aus der Hand legen!

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Die Geschichte einer rumänischen Familie

Vaterländer
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Ich war sehr gespannt auf Sabin Tambreas Buch "Vaterländer". Ich mag den Schauspieler sehr gerne und habe nicht nur die Ku'damm Reihe und Babylon Berlin, sondern auch seinen letzten Kinofilm "Die Herrichkeit ...

Ich war sehr gespannt auf Sabin Tambreas Buch "Vaterländer". Ich mag den Schauspieler sehr gerne und habe nicht nur die Ku'damm Reihe und Babylon Berlin, sondern auch seinen letzten Kinofilm "Die Herrichkeit des Lebens" gesehen, wo er Franz Kafka spielt. Interessant fand ich auch, dass "Vaterländer" bereits sein zweiter Roman ist. Den Vorgänger muss ich mir noch genauer ansehen..

Sein neuer Roman ist in drei Handlungsstränge aufgeteilt und wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt.
Im ersten Teil begleiten wir den erst dreijährigen Sabin, wie er gemeinsam mit seiner Schwester Alina, genannt Ai und seiner Mutter Rodica im Zug von Rumänien nach Deutschland sitzt. Alle sind nervös, denn auf sie wartet ein neues Leben in Marl, wohin Sabins Vater Béla 1985 nach einer Konzertreise in Frankreich vor der Regierung Ceaușescus geflohen ist. Zwei lange Jahre musste der Rest der Familie warten, um zu ihm nach Deutschland ausreisen zu können. Es ist nicht einfach für die Familie im fremden Land Fuß zu fassen. Schließlich finden die Orchestermusiker in der Philharmonia Hungarica eine Stelle. Klein-Sabin bekommt neben seiner talentierten älteren Schwester ebenfalls Geigenunterricht. Mutter Rodica leidet trotzdem sehr an Heimweh. Trotz der Schwierigkeiten gelingt es den Tambreas mit den Großeltern in Verbindung zu bleiben. Nach dem Zerfall der Sowjetunionen und des Eisernen Vorhangs können sie die restliche Familie in den Sommerferien in der alten Heimat wieder besuchen.
Dieser Teil wird aus der Sicht des kleinen Sabin erzählt und hat mich sehr beeindruckt. Hineingeboren in eine Musikerfamilie fand er zur Violine keine wirkliche Liebe, sondern landete schließlich beim Theater.

Im zweiten Teil wird aus dem Tagebuch von Horea Sava, dem Großvater mütterlicherseits erzählt. Hier tauchen wir ein in die dunkle Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Gegend wurde umkämpft und nachdem sich die Rumänen der Sowjetunuion zuwandten, versuchte das kommunistische Regime ihre Gegener mundtot zu machen. Vorallem Künstler und Gelehrte wurden festgenommen und in Gefängnisse gesteckt. Dieses Schicksal teilte auch Großvater Horea. In seinen Memoiren erfahren wir mehr über die Zeit seiner Inhaftierung durch die Securitate, der rumänischen Geheimspolizei, von 1949 bis 1951. Sie erzählt von Leid und Entbehrungen und liest sich nicht einfach.

Im dritten Teil erfahren wir mehr über Béla, dem Vater von Sabin und erleben auch die Liebesgeschichte zwischen den Eltern, aber auch die Zeit der Ängste und Sorgen, sowie ihren Erwartungen, die durch das Regime immer wieder zerstört werden. Hier schließt sich der Kreis zum ersten Teil.

Sabin Tambrea erzählt in seinem Roman die Geschichte von drei Generationen aus seiner Familie, aber auch viel über seine Heimat Rumänien und dem politischen Wandel. Vorallem über Ceaușescu, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, keinen Schulabschluss hatte und zum Diktator aufstieg und sein Volk hungern ließ, nimmt eine große Rolle ein. Hier lässt uns der Autor hinter die Kulissen des Aufstieges Ceaușescus blicken.

Sprachlich ist "Vaterländer" trotz kleiner Längen ein Genuss. Die Erzählweise der drei Teile sind unterschiedlich und geben jedem Erzähler eine eigene Stimme, was ich wirklich erstaunlich fand. Allen drei Generationen wird dadurch mehr Raum gegeben.
Am Ende gibt es noch eine Namensliste der zahlreichen Personen.

Gerne hätte ich noch etwas mehr über Sabin Tambreas Erwachsen werden und mehr Einblicke betreffend seines künstlerischen Weges erfahren. Trotzdem ist dieser Roman ein bewegender Generationenroman, der mich zum Nachdenken gebracht hat und den ich gerne gelesen habe.

Fazit:
Ein bewegender Generationenroman über Flucht, Denunziation und einen Neuanfang. Man erfährt jede Menge über die Geschichte Rumäniens und übder die Familie Tambrea.

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