Mordlust
How To Kill a Guy in Ten Ways„How To Kill a Guy in Ten Ways“ von Eve Kellman ist eine düstere Abrechnung mit der Männerwelt, in der die Hauptfigur gnadenlos ihre Mission durchzieht.
Die 29-jährige Millie Masters lebt scheinbar unauffällig ...
„How To Kill a Guy in Ten Ways“ von Eve Kellman ist eine düstere Abrechnung mit der Männerwelt, in der die Hauptfigur gnadenlos ihre Mission durchzieht.
Die 29-jährige Millie Masters lebt scheinbar unauffällig in ihrem kleinen Reihenhaus, hat einen langweiligen Job und trifft sich regelmäßig mit ihren Feindinnen im Pub. Doch in den Nächten betreibt Millie die Hilfe-Hotline Message M, an die sich jede Frau wenden kann, wenn sie von Männern belästigt wird, Angst bekommt oder anderweitig Hilfe braucht. Nachdem Millies Schwester vor einigen Monaten in der Silvesternacht vergewaltigt wurde und daran Stück für Stück zerbricht, will Millie andere vor diesem Schicksal bewahren. Aber bald reicht ihr dies nicht mehr aus, denn sie will unbedingt den Täter aufspüren und sich stellvertretend für Katie rächen. Und was harmlos beginnt, eskaliert schnell zu einem blutigen Rachefeldzug.
Ich gebe zu, dass ich aufgrund des Klappentextes und des Covers völlig andere Erwartungen an das Buch hatte. Alles sieht nach einer schwarzhumorigen Story aus, die sich nicht ganz ernst nimmt und eher witzig ist. Ich spoilere mal, das ist sie nicht. Das bedeutet keinesfalls, dass mir das Buch nicht gefallen hätte, aber es ist einfach sehr viel ernster, tragischer und düsterer, als erwartet.
Eve Kellman hat einen leichten und flüssigen Schreibstil und die gesamte Handlung wird aus Millies Perspektive erzählt. Bei ihr handelt es sich um eine typische englische Endzwanzigerin und das Setting und die Atmosphäre sind sehr authentisch. Aber Millie ist eben auch völlig anders, was sich erst nach und nach herauskristallisiert.
Millie ist definitiv eine streitbare Hauptfigur, deren Charaktere schon nicht mehr morally grey, sondern eher anthrazit aussieht. Ihre negative und oft bösartige Grundstimmung zieht einen manchmal beim Lesen runter, aber andererseits kann man ihre Beweggründe und ihre Einstellung hundertprozentig nachvollziehen, wenn man die grausamen Hintergründe erfährt. Ihr Blutrausch steigert sich immer weiter und man kann dabei zuschauen, wie auch die letzten moralischen Grenzen verschwinden. Das ist nicht immer schön, aber trotzdem fiebert man seltsamerweise mit Millie mit. Sie ist eine tragische Figur, die einerseits wenig Sympathien weckt und trotzdem an die Nieren geht. Die Twists und vor allem die Auflösung sind sehr gut gemacht, auch wenn ein wenig mehr Humor schön gewesen wäre. Wiederum ist an Millies eigener Geschichte überhaupt nichts witzig, so dass Humor hier vielleicht deplatziert wäre.
Mein Fazit:
Anders als erwartet, aber trotzdem gut. Von mit gibt es vier Sterne!