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Veröffentlicht am 28.05.2017

Schrullige Protagonistin mit sozialer Inkompetenz und eine Story mit überraschend viel Tiefgang

Ich, Eleanor Oliphant
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Zwischen urkomisch und tieftraurig schwankt „Ich, Eleanor Oliphant“ von Gail Honeyman. Man wird in die Welt der titelgebenden Protagonistin Eleanor Oliphant geworfen, die ein eintöniges, monotones Leben ...

Zwischen urkomisch und tieftraurig schwankt „Ich, Eleanor Oliphant“ von Gail Honeyman. Man wird in die Welt der titelgebenden Protagonistin Eleanor Oliphant geworfen, die ein eintöniges, monotones Leben mit einem Bürojob und ohne jede Zukunftsträume führt. Mit sozialen Kontakten hat Eleanoor es nicht so, sie ist lieber für sich. Nach und nach kommt dann noch ein dunkles Geheimnis an die Oberfläche, was vielleicht dafür verantwortlich ist, weshalb sie so ist, wie sie ist. Während ihre Mutter jeden Mittwoch pünktlich anruft, um mit ihrer Tochter zu plaudern, was nicht annähernd so nett ist, wie es klingt, kommt Eleanors Leben durch das Erscheinen eines neuen Kollegen und die Sichtung ihres Traummannes, einem Musiker, langsam ins Rollen. Sie beginnt, sich mit sozialen Konventionen auseinanderzusetzen bzw. diese zu begreifen oder zumindest anzuerkennen und kommt nach und nach aus ihrer Schale heraus. Sie beginnt, sich mit anderen Menschen außer sich selbst zu beschäftigen, versucht, ihren Traumkerl für sich zu gewinnen (auf andere Art, als man denken mag) und geht sogar auf eine Party, was für sie noch vor einer Weile undenkbar erschien. Doch wer denkt, dass „Ich, Eleanor Oliphant“ nur seichtes „hässliches Entlein – schöner Schwan“-Geplätscher ist, hat sich getäuscht: Eleanors Vergangenheit scheint sie immer wieder einzuholen, auch wenn diese sich dem Leser erst sehr viel später eröffnet. Regelmäßige Wodka-Gelage, um die Gedanken zu betäuben, gehören zu Eleanors Wochenplan. Bis sie aber durch Drängen von Raymond die Hilfe eines Psychologen in Anspruch nimmt, dauert es, und der Weg der Selbsterkenntnis ist lang und schwierig.

Mein Leben, so die nüchterne Erkenntnis, war von Grund auf verkorkst. Irgendetwas war gründlich schiefgegangen. Ich sollte so nicht leben. Niemand sollte so leben.

Ich muss sagen, nach dem Lesen des Klappentextes habe ich nicht viel erwartet. Ich dachte an eine Story in Richtung „Das Rosie-Projekt“ oder „How Opal Mehta Got Kissed, Got Wild, and Got a Life“, kurz: sozial inkompetente Person findet die Liebe und entgegen ihrem geplanten Tagesablauf lässt sie sich darauf ein. Doch „Ich, Eleanor Oliphant“ ist viel mehr als das. Anfangs ist man vielleicht noch der Meinung, dass Eleanor vielleicht unter dem Asperger-Syndrom leidet, weil sie soziale Konzepte nicht begreift und auch mit anderen Menschen nicht viel anfangen kann, dann aber wird einem klar, dass ihre Kindheit an allem Schuld trägt. Eine möglicherweise kriminelle Mutter, ein Feuer, Pflegefamilie nach Pflegefamilie, das sind nicht die besten Voraussetzungen für eine gesunde Kindheit. Und doch schafft es Eleanor im Laufe des Buches, sich ihren Problemen zu stellen, sich für andere Menschen zu öffnen, nicht nur nach innen, sondern auch nach außen: sie lässt Menschen an sich heran, macht sich über ihr Wohlergehen Sorgen, versucht Konventionen zu verstehen. Doch nicht alle Tage von Eleanor sind gute Tage: eingeteilt in „Gute Tage“ und „Schlechte Tage“, erwarten uns im Buch nicht nur die positiven Veränderungen an Eleanor, sondern auch die dunkle Vergangenheit, die sie am Ende doch noch einholt.

Die volltändige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Ein weiteres Kapitel im Leben Nothombs, wieder einmal fulminant erzählt!

Mit Staunen und Zittern
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Ein weiteres Amélie Nothomb Buch! Und was für eins! Amélie erzählt von ihrer Rückkehr nach Japan, wo sie nach dem Studium (gibt es über diese Zeit auch einen Roman?) ihren ersten Job bekommt – als Dolmetscherin ...

Ein weiteres Amélie Nothomb Buch! Und was für eins! Amélie erzählt von ihrer Rückkehr nach Japan, wo sie nach dem Studium (gibt es über diese Zeit auch einen Roman?) ihren ersten Job bekommt – als Dolmetscherin in einem riesigen Unternehmen. Doch was sie letztendlich für Arbeiten erledigen muss, grenzt an Quälerei – so nötigt sie einer Ihrer Vorgesetzten doch, immer wieder einen Stapel Papiere neu zu kopieren, weil diese nicht ordentlich zentriert seien. Sie verrückt die Kalendermarker im gesamten Büro, sorgt dafür, dass jeder seinen bevorzugten Kaffee zur bevorzugten Uhrzeit bekommt, und am Ende landet sie sogar beim Toilettenputzen. Doch so sei das nun mal in Japan, wie sie nicht müde wird zu erzählen. Alle werden von den Gepflogenheiten der japanischen Kultur dazu genötigt, sich klein zu machen, bloß nicht selbständig zu handeln, Ehre und Ordnung sind alles.

Die Tage verstrichen, und noch immer war ich zu nichts nütze. […] An meinem Schreibtisch sitzend, las und las ich immer von neuem die Schriftstücke, die Fubuki mir [am ersten Tag] zur Verfügung gestellt hatte. […] An und für sich hatten diese [Schriftstücke] nichts wirklich Faszinierendes. Aber für den Ausgehungerten wird schon eine Brotrinde zur Delikatesse: In dem Zustand untätiger Entkräftung, in dem mein Gehirn sich befand, schien mir diese Liste vor Spannung zu knistern wie ein Skandalmagazin.

Mit ihrem typischen Erzählstil berichtet Nothomb in „Mit Staunen und Zittern“, wie sie sich mit ihren jungen Jahren in ihre Heimat zurückgezogen hat und dort mit den Umgangsformen, Gebräuchlichkeiten und kulturellen Eigenheiten in ihrem Berufsumfeld klarkommen muss. Amélie, frech wie immer, versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen, indem sie sich immer neue Tätigkeiten auf der Arbeit sucht, damit niemandem auffällt, dass sie eigentlich fürs Nichtstun bezahlt wird. Da ihr, eingestellt als Dolmetscherin, verboten wurde, Japanisch zu reden, ja sogar zu verstehen, bleibt ihr nichts anderes übrig, als kleine Tätigkeiten zu machen, um sich aber doch noch als würdig zu erweisen.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Ein kleines Juwel unter den tausend Neuerscheinungen; Ein Genuss für Geist und Seele.

Ein ganzes Leben
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Ein kurzes, sehr schönes Buch! „Ein ganzes Leben“ erzählt vom Leben des Andreas Egger, der in einem Tal in den Bergen Anfang des 20. Jahrhunderts lebt und dort, immer als Handlanger und Helfer unterwegs, ...

Ein kurzes, sehr schönes Buch! „Ein ganzes Leben“ erzählt vom Leben des Andreas Egger, der in einem Tal in den Bergen Anfang des 20. Jahrhunderts lebt und dort, immer als Handlanger und Helfer unterwegs, zu einem Mann heranwächst. Er lernt seine große Liebe, Marie, kennen, schuftet sich wund, um ihr ein angenehmes Leben zu ermöglichen, und doch wird sie ihm eine Zeit später genommen. Egger meldet sich zum bis dahin bereits ausgebrochenen Krieg, verbringt Jahre in Russland, und als er wieder in sein Tal zurückkehrt, ist nichts mehr wie es war: Sein Dorf ist zu einem Touristen-Hotspot geworden und er mittlerweile zu alt, um mit all den Veränderungen mitzuhalten.

Egger nickte und der Prokurist seufzte. Und dann sagte er etwas, das Egger, obwohl er es in diesem Moment nicht verstand, sein Leben lang nicht mehr vergaß: „Man kann einem Mann seine Stunden abkaufen, man kann ihm seine Tage stehlen oder ihm sein ganzes Leben rauben. Aber niemand kann einem Mann auch nur einen einzigen Augenblick nehmen.“

Am Anfang hatte ich einige Schwierigkeiten, mich in der Welt von Andreas Egger zurecht zu finden, aber nach spätestens 50 Seiten ist man mittendrin. Robert Seethaler hat so eine wunderbare Sprache, die sich mir im Verlauf des Buches immer mehr offenbart hat. Egger ist ein genügsamer Mann, der nicht viel spricht und beim Arbeiten auch gern seine Ruhe hat, frei nach seinem Motto „Wer den Mund auf hat, dem gehen die Ohren zu“. Obwohl er in seinem Leben einige Steine in den Weg gelegt bekommt, schätzt er doch immer die kleinen Dinge. Da er so gut wie keine Schulbildung genossen hat, ist er auch nicht der Intelligenteste – dumm ist er aber auf keinen Fall! Egger hat durch seine lebenslange Arbeit und durch das Leben im Tal so viel an Weisheit gewonnen, dass man damit problemlos zwei Leben füllen könnte.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Spannende Idee, schlechte Ausführung – leider ein Flop vom Star des Literaturhimmels.

Das Herz kommt zuletzt
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Ohje. Wo fange ich an? Dieses Buch war für mich leider ein totaler Reinfall. Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, die Idee schien gut, aber die Ausführung… Aber zunächst mal zum Inhalt: Stan und ...

Ohje. Wo fange ich an? Dieses Buch war für mich leider ein totaler Reinfall. Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, die Idee schien gut, aber die Ausführung… Aber zunächst mal zum Inhalt: Stan und Charmaine leben in ihrem Auto, da es nach einer Wirtschaftskrise finanziell nicht sehr gut um die beiden steht. Als sie dann einen Werbespot für die Stadt Consilience im Fernsehen sehen, scheinen all ihre Probleme in gelöst: In Consilience verspricht man ihnen Arbeit und ein schönes Haus. Der einzige Nachteil, der aber auch zugleich keiner sein soll: Man verbringt abwechselnd einen Monat „daheim“ im schönen Haus bei seinem Job und einen im Gefängnis und geht dort einer Arbeit nach. Die Zeit im Gefängnis soll deshalb keinen Nachteil darstellen, weil man auch dort einem ansprechenden Job nachgeht sowie die Behandlung der Wärter und das Essen hervorragend sein sollen – schließlich sind diese den Monat darauf auch wieder hinter Gittern und möchten keine Racheakte auslösen. Was am Anfang noch perfekt für Charmaine und Stan scheint, wird nach und nach jedoch zum Alptraum, und der einzige Ausweg scheint die Flucht zu sein. Doch wer sich einmal in Consilience eingeschrieben hat, darf die Stadt nur noch im Sarg verlassen…

Es führt kein Weg aus Consilience heraus, zumindest nicht für diejenigen, die so unfassbar dämlich waren, in das Projekt einzusteigen. Sich ihm auszuliefern. ZEIT IN HAFT IST ZEIT FÜR DIE ZUKUNFT. Die haben euch total verarscht, sagt Conors Stimme in seinem Kopf.

Klingt spannend, oder? Doch leider ist dem nicht so. Nach dem ersten Twist, ca. 30 Seiten nach Beginn, ist man zugegebenermaßen noch ein wenig überrascht. Aber spätestens nach dem fünften oder sechsten (oder siebten?) Twist ist man nur noch gelangweilt und eine Überraschung ist das alles nicht mehr. Die Sprache und den Erzählstil Margaret Atwoods fand ich in „Die steinerne Matratze“ schon klasse, jedoch fehlt hier die gute Ausführung einer eigentlich recht spannenden Idee. Nachdem die beiden Protagonisten sich für Consilience eingeschrieben haben, müssen sie jeweils unterschiedliche Präsentationen über das Leben und die Funktionsweise der Stadt besuchen. Hier musste ich die Erklärung des Konzepts, wie die Stadt funktioniert und was der Nutzen der ganzen Sache ist, zwei mal nachlesen, habe es danach aber immer noch nicht verstanden. Also bin ich in das Buch gegangen, ohne zu wissen, wie und wieso das alles so läuft, wie es läuft. Kein guter Start. Nach gut der Hälfte des Buches passieren unerwartete Dinge, der Storystrang teilt sich und Stan sowie auch Charmaine geraten in Dinge, in die sie lieber nicht verwickelt wären und die zum Fluchtplan führen. Die Handlung nach der Flucht (ich denke, so viel kann ich guten Gewissens spoilern) und die Hinarbeitung auf den großen Knall ist aber einfach nur öde und ich habe mich dabei erwischt, wie ich die Seiten nur noch überflogen habe. Der „Knall“ selbst ist auch ziemlich unspektakulär. Dass Atwood noch einige Kapitel nach dieser Auflösung einfügt, finde ich überflüssig. Man bekommt hier noch einen Einblick auf das weitere Leben von Stan und Charmaine, der meiner Meinung nach auch in zwei Seiten abgefrühstückt hätte werden können.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Tolles Emotionskino, das nicht nach Gefühlen heischt, sondern durch Ehrlichkeit und Realität überzeugt.

Vielleicht ist es sogar schön
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Dieses Buch hat mich weinend und mit Herzklopfen zurück gelassen. Krebs ist in meiner Familie ein Thema, schon drei Familienmitglieder hat er sich genommen, vor fast einem Jahr erst meinen Vater. Trotzdem ...

Dieses Buch hat mich weinend und mit Herzklopfen zurück gelassen. Krebs ist in meiner Familie ein Thema, schon drei Familienmitglieder hat er sich genommen, vor fast einem Jahr erst meinen Vater. Trotzdem oder gerade deshalb lese ich ab und zu ein „Krebsbuch“. In diesem Buch geht es um den Brustkrebs von Jakob Heins Mutter, aber nicht allein um ihn, nein, er wird sogar erzählerisch ziemlich zurückgestellt. Es geht um den zweiten Weltkrieg, seinen jüdischen Großvater, Jakobs Versuch, sich selbst in eine jüdische Gruppe zu integrieren, und um die erlebten Momente mit seiner Mutter. In kleinen Episoden arbeitet Hein seine Vergangenheit auf. In der Gegenwart geben Alltäglichkeiten Anstoß zu Gedankengängen, die sogleich trivial als auch einleuchtend sind, weil man selbst über diese gewissen Dinge (bisher) nie besonders nachgedacht hat.

Teilweise beinhalten die Kapitel Fragmente aus der Gegenwart, die den Verlauf der Krankheit von Jakobs Mutter wiedergeben, manchmal werden aber auch Dinge aus der Vergangenheit erzählt, beispielsweise Jakobs Zeit in Amerika und die jüdischen Gemeinschaften dort. Ein starkes Thema ist auch der zweite Weltkrieg, Hein erzählt von seinen Großeltern und der Kindheit seiner Mutter. Ich fand die Sprache und die Erzählweise sehr angenehm, sodass ich das Buch direkt in einer Sitzung verschlungen habe. Hein erzählt, wie er mit den Gedanken daran klarkommt, dass seine Mutter erneut an Krebs erkrankt ist, was sehr inspirierend ist. Teilweise musste ich echt schlucken bei den Schilderungen, weil ich es leider genau so mitansehen musste. Am Ende schiebt Hein noch eine Kindheits-Erinnerung ein, die mich dann richtig zum Weinen gebracht hat.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com