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Veröffentlicht am 16.09.2021

Kindheitstraumata

Liebe / Liebe
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Die Autorin lässt die Ich-Erzählerin Sascha in Fragmenten aus ihrer Kindheit erzählen, die von Vernachlässigung sowie Wegschauen durch die Mutter und Missbrauch durch den Vater geprägt ist. Erst nach und ...

Die Autorin lässt die Ich-Erzählerin Sascha in Fragmenten aus ihrer Kindheit erzählen, die von Vernachlässigung sowie Wegschauen durch die Mutter und Missbrauch durch den Vater geprägt ist. Erst nach und nach lässt sich in Gänze ermessen, was das Mädchen tatsächlich durchlitten hat. Manches muss sich der Leser einfach hinzudenken. Erst als Sascha als Jugendliche zum Großvater gegeben wird, erfährt sie, was wirkliche familiäre Liebe und Geborgenheit bedeuten. Sie blüht auf, vor allem mit Hilfe eines treuen Hundes und einer Freundin fürs Leben, die allerdings selbst gezeichnet ist, und erhält die Möglichkeit der Genugtuung gegenüber ihren Eltern.
Die Geschichte besticht durch einen lebendigen Schreibstil. Was sie thematisch anspricht, ist einfach unfassbar und ein wichtiges aktuelles gesellschaftliches Thema. Schön wäre es, wenn dieses Buch dazu beiträgt, die schutzlosen Kinder mehr zu erhören als es bislang geschieht. Bleibt noch zu erwähnen, dass das Buch aus Rücksicht auf Menschen mit traumatischen Erfahrungen eine Triggerwarnung enthält.

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Veröffentlicht am 13.09.2021

Sehr spannender Roman mit Zügen eines Thrillers

Die andere Tochter
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Ausweislich des Buchcovers handelt es sich um einen Roman. Wer wie ich nicht so gerne Thriller liest, sollte sich, wie es mir ging, nicht von dieser Einordnung täuschen lassen. Denn die Geschichte weist ...


Ausweislich des Buchcovers handelt es sich um einen Roman. Wer wie ich nicht so gerne Thriller liest, sollte sich, wie es mir ging, nicht von dieser Einordnung täuschen lassen. Denn die Geschichte weist doch sehr starke Züge eines Thrillers auf, was vermutlich dadurch erklärbar ist, dass die Autorin bereits mehrere Dutzende Drehbücher für Fernsehkrimis geschrieben hat.
Schon der Einstieg in die Geschichte beginnt mit Andeutungen zu einem kürzlich geschehenen Mord. Abwechselnd wird dann von diesem Zeitpunkt und den vergangenen sechs Monaten erzählt, in denen die Protagonistin Antonia sich bei einem Arbeitsunfall die Augen verätzt und die Hornhaut einer verstorbenen Spenderin transplantiert erhält. Sie sucht den Kontakt zur Familie der Toten, in der mysteriöse Dinge passiert und quasi Leichen versteckt sind. In der Gegenwart spürt Antonia ihrer eigenen traumatischen Kindheit nach. Insgesamt entwickelt sich alles sehr spannend, wenngleich für meinen persönlichen Geschmack zu viel einfach nur haarsträubend bzw. hanebüchen ist. Antonia setzt akribisch Puzzle-Teil für Puzzle-Teil zusammen, weshalb das Buchcover sehr passend gewählt ist. Sehr interessant sind die Themen, die in die Geschichte einfließen – Transplantation mit ihren psychologischen Folgen auf den Empfänger, Beutekunst, Provenienzforschung.

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Veröffentlicht am 08.09.2021

Nichts Besonderes

Auszeit
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Mich hat das Buch nicht so recht fesseln können. Eine Frau um die dreißig hadert mit ihrem Leben – eine ewige Studentin, die mit ihrer Promotion nicht fertig wird, Schwangerschaftsabbruch nach einem One-night-stand. ...

Mich hat das Buch nicht so recht fesseln können. Eine Frau um die dreißig hadert mit ihrem Leben – eine ewige Studentin, die mit ihrer Promotion nicht fertig wird, Schwangerschaftsabbruch nach einem One-night-stand. Ihre beste Freundin aus Schultagen lädt sie zu einem gemeinsamen Aufenthalt in einer Waldhütte in Bayern ein, um Abstand zu bekommen und mit dem Schreiben fortzufahren. Irgendwann taucht der Freund der Freundin auf. Den Rest kann man sich wohl denken.
Die Romanfiguren waren keine Sympathiefiguren. Die eine kreist ganz egoistisch nur im ihr eigenes Leben, die andere wirkt mir zu lebensbejahend, optimistisch und kümmernd. Das merkwürdige Thema der Promotion rund um den Werwolf findet immer wieder Eingang in die Geschichte, warum ist mir unklar. Das Ende war mir zu trivial und vorhersehbar. Alles in allem eine Geschichte, die auf mich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Alt und Jung unter einem Dach

Wildtriebe
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Es gibt die Redensart „Alt und Jung unter einem Dach passen selten zusammen“. Um genau darum geht es im vorliegenden Roman. Auf den traditionsreichen, großen landwirtschaftlichen „Bethches Hof“, der ...


Es gibt die Redensart „Alt und Jung unter einem Dach passen selten zusammen“. Um genau darum geht es im vorliegenden Roman. Auf den traditionsreichen, großen landwirtschaftlichen „Bethches Hof“, der von Lisbeths Familie seit Generationen bewirtschaftet wird, heiratet Marlies in den 1970er Jahren ein. Sie will von Anfang an nicht nur Bäuerin sein. Und so schafft sie sich Freiräume, indem sie im Kaufhaus in der Stadt arbeiten geht, zur Jagd geht, Trecker fahren lernt und selbst bestimmt, wann und wie viele Kinder sie bekommt. Das führt zu Konflikten mit der Schwiegermutter.
Das Leben auf dem Dorf, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten war, wird authentisch dargestellt. Nicht nur ist wichtig, eine funktionierende Familie zu haben. Nein, genauso wichtig ist es, ein gutes Bild nach außen abzugeben und dem Urteil der Nachbarn und aller Dorfbewohner zu genügen. Auch der Niedergang der Landwirtschaft wird gut dargestellt. Am beeindruckendsten aber ist die Aufbereitung des Verhältnisses zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter. Das geschieht in der Weise, dass abwechselnd die Gedankenwelt beider nach Art eines inneren Monologs wiedergegeben wird und viele Vorkommnisse so aus der Perspektive beider Frauen beleuchtet werden. Dem Klischee, dass Landleute wortkarg sind, werden die Romanfiguren gerecht. Über persönliche Dinge reden sie einfach nicht miteinander mit der Folge, dass sich Vieles anstaut und es unweigerlich zum Ausbruch kommen muss. Die Sprache passt sehr gut dazu; sie ist schlicht gehalten und oftmals sind unvollständige Sätze vorzufinden.
Ein wirklich lesenswertes Buch.


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Veröffentlicht am 01.09.2021

Düstere Handlung, unsympathische Romanfiguren

Daheim
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Es ist das erste Buch der preisgekrönten zeitgenössischen Autorin, das ich gelesen habe. Und wurde wieder einmal von hoch gelobten Büchern namhafter Autoren enttäuscht. Dabei hat mich der Roman thematisch ...

Es ist das erste Buch der preisgekrönten zeitgenössischen Autorin, das ich gelesen habe. Und wurde wieder einmal von hoch gelobten Büchern namhafter Autoren enttäuscht. Dabei hat mich der Roman thematisch gereizt. Eine Frau Ende 40, also unwesentlich jünger als ich selbst, macht nach Trennung von ihrem Ehemann und Fortzug der erwachsenen Tochter einen Neuanfang an der Nordseeküste, wo sie in der Kneipe ihres Bruders zu arbeiten beginnt. Leider fand ich dann schon das Lesen als solches sehr beschwerlich, weil wörtliche Reden nicht kenntlich gemacht sind. Mit den Romanfiguren konnte ich nicht warm werden. Jede von ihnen hat spezielle Macken, z.B. rückt die Erzählerin immer wieder eine Begebenheit von vor dreißig Jahren in den Fokus ihres Denkens, ist ihr Ex-Mann ein Messie und ihr Bruder ein Nichtsnutz, der mit 60 Jahren einer mehrere Jahrzehnte jüngeren Frau verfällt, die nicht preisgegebene Geheimnisse birgt und am Ende einem Gewaltverbrechen zum Opfer fällt. An Handlung fehlt es. Da die Geschichte an der See angesiedelt ist, wird eine düstere Stimmung verbreitet. Es fehlt an Spannung und an der Beantwortung einiger offener Fragen.

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