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Veröffentlicht am 20.03.2025

Etwas für Filmliebhaber

Von Stufe zu Stufe
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Dieser Roman wird insbesondere Leser mit einem Faible für Filmgeschichte ansprechen. Denn mit viel Liebe zum Detail erzählt er von den Anfängen des österreichischen Spielfilms. Das Ehepaar Kolm, namhafte ...

Dieser Roman wird insbesondere Leser mit einem Faible für Filmgeschichte ansprechen. Denn mit viel Liebe zum Detail erzählt er von den Anfängen des österreichischen Spielfilms. Das Ehepaar Kolm, namhafte Fotografen aus Wien, hat in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts der Ehrgeiz gepackt, über die bis dahin bekannten Kurzfilme mit viel Klamauk einen anspruchsvollen Spielfilm zu drehen. Der steinige Weg zu diesem Ziel wird gut geschildert und immer wieder verknüpft mit den Emanzipierungsversuchen Frau Kolms in der von Männern beherrschten Filmindustrie. Doch das ist nur der eine Strang der Geschichte. Der zweite Strang betrifft einen jungen Wiener Filmwissenschaftler, der gern eine Karriere an der Universität machen würde, zu der ihm noch eine Publikation fehlt. Da spielt ihm der Zufall in die Hände und er gerät über die ukrainische Pflegerin seiner Großmutter auf die Spur der verschollenen ersten Filmrollen der Kolms, die ihn auf eine abenteuerliche Reise in die Ukraine kurz vor Beginn des aktuellen Krieges führt.
Ein interessanter Roman mit einem Einschlag zum Sachbuch und verständlicher Sprache. Amüsant immer wieder der alte Plural von Film – die Films.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Chick-Lit

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Ein Buch geschrieben von einer Frau für Frauen. Zuzurechnen ist es der Art leichter Frauenliteratur, die als sog. Chick-Lits bekannt sind. Ihre Charakteristika finden sich auch hier: Eine Protagonistin, ...

Ein Buch geschrieben von einer Frau für Frauen. Zuzurechnen ist es der Art leichter Frauenliteratur, die als sog. Chick-Lits bekannt sind. Ihre Charakteristika finden sich auch hier: Eine Protagonistin, fast 50, mit Beziehungsproblemen nach der Scheidung und einer sich anbahnenden Beziehung mit einem 20 Jahre alten jüngeren Mann, dauernd umgeben von einer besten, lesbischen Freundin, hier obendrein noch von einer Schwester mit Eheproblemen und einer durchgeknallten Mutter. Die Handlung kommt nicht so recht in Fahrt, es dreht sich zu viel um Sex. Das Ende ist Friede, Freude, Eierkuchen. Die Dialoge wirken oft gekünstelt. Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch zum Nachdenken anregt über die MeeToo-Thematik, die die Geschichte wie ein roter Faden durchläuft. Mir hat das frühere Buch der Autorin „Wir von der anderen Seite“ eindeutig besser gefallen. Zum entspannten Lesen aber allemal geeignet.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Die Auswirkungen medialer Berichterstattung

Der Einfluss der Fasane
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Nicht von Ungefähr wird in den Buchtitel dieses Romans der Hühnervogel Fasan aufgenommen und erscheint er wiederholt im Laufe der Geschichte, in der er auf dem Lande zwischen Berlin und Potsdam lebt, in ...

Nicht von Ungefähr wird in den Buchtitel dieses Romans der Hühnervogel Fasan aufgenommen und erscheint er wiederholt im Laufe der Geschichte, in der er auf dem Lande zwischen Berlin und Potsdam lebt, in Nachbarschaft zur Protagonistin Hella Karl. Dem Fasan wird die Bedeutung zugeschrieben, in allen Lebenssituationen mit Anmut und Stolz zu handeln. Entsprechend dieser Prämisse agiert Hella Karl. Sie ist Feuilletonjournalistin einer großen Berliner Zeitung, die sich nie verbiegt. Nunmehr hat sie einen niederschmetternden Artikel über einen bekannten Theaterintendanten geschrieben, in dem sie seine tyrannische Arbeit und sein sexistisches Verhalten weiblichen Theatermitarbeitern gegenüber an den Pranger stellt. Bald darauf begeht er Selbstmord und Hella sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, ihn in den Tod geschrieben zu haben. Es beginnt eine Hetzjagd gegen sie. Doch trägt Hella wirklich individuelle Schuld? Sie macht sich daran, zu recherchieren und sich zu rehabilitieren. Und tatsächlich könnte die Angelegenheit in einem völlig anderen Licht erscheinen …
Der Roman ist faszinierend und gibt ein lebensnahes Bild von der medialen Berichterstattung wieder. Dass keine der Romanfiguren sympathisch wirkt, ist vermutlich gewollt. Verzichtbar wäre es m.E. gewesen, Einzelheiten aus dem sexuellen Privatleben Hellas preiszugeben.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Eine Kindheit als Mädchen

Schwimmen im Glas
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Aus ihrer Perspektive erzählt die während der Geschichte zumeist 10jährige Lore aus ihrer behüteten Kindheit in einem österreichischen Dorf in den neunziger Jahren. Dabei blendet sie immer wieder kurz ...

Aus ihrer Perspektive erzählt die während der Geschichte zumeist 10jährige Lore aus ihrer behüteten Kindheit in einem österreichischen Dorf in den neunziger Jahren. Dabei blendet sie immer wieder kurz auf ihre spätere Jugend und ihr Erwachsenenleben als Mittvierzigerin. Mit kindlicher Betrachtungsweise geht sie ein auf die Geschlechterrollen, die in ihrer Familie mit dem dieser vorstehenden patriarchalischen Großvater traditionell und nur zaghaft aufgebrochen werden. Die vielen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bzw. Männern und Frauen begnügt sie sich zu beschreiben, ohne gegen die Ungleichheiten zu rebellieren. Anders als ihre Tante, die sich für ein emanzipiertes Leben in der Stadt entschieden hat und deshalb als schwarzes Schaf der Familie gilt. Schließlich lebt auch Lore emanzipiert.
Der Roman liest sich aufgrund der gewählten Perspektive recht erfrischend. Bei Lesern, die der Generation Lores angehören, werden sicherlich Erinnerungen an die eigene Kindheit geweckt. Bezeichnend ist vor allem zu lesen, wie sehr sich die Geschlechterrollen seither gewandelt haben. Bei allen Beobachtungen, die Lore hierzu in ihrem Alltag und Umfeld macht, lässt sich nur sagen, dass sie Recht hat. Sprachlich gelungen ist, dass so viele Sätze des Großvaters nicht beendet werden, sondern mit einem Gedankenstrich enden. So wird gut die Sprachlosigkeit dieser Generation dargestellt, die nicht über die noch nicht allzu weit zurückliegenden Zeiten des Zweiten Weltkriegs erzählen wollte. Etwas irreführend erscheint mir das Ende der Kurzbeschreibung auf dem rückwärtigen Buchrücken, das ein vermeintliches Geheimnis o.ä. in Lores Vergangenheit erwarten lässt, sich dann aber als banal darstellt.
Diesen Roman kann ich sehr empfehlen, vor allem für Leser mit Interesse an Familien-/Gesellschaftsromanen.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Das Leben auf dem Dorf

Hier draußen
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Wer jemals in einem Dorf gelebt hat oder gar dort groß geworden ist, weiß, welch große Bedeutung dort den Dorffesten zugeschrieben wird. Exakt an ihnen hangelt sich die Geschichte entlang. Fünf Stück sind ...

Wer jemals in einem Dorf gelebt hat oder gar dort groß geworden ist, weiß, welch große Bedeutung dort den Dorffesten zugeschrieben wird. Exakt an ihnen hangelt sich die Geschichte entlang. Fünf Stück sind es im fiktiven schleswig-holsteinischen Dorf Fehrdorf, verteilt über ein Jahr, benannt im Inhaltsverzeichnis am Ende des Buches, jeweils untergliedert in mehrere kürzere Kapitel. Von den Dorfbewohnern lernen wir die unterschiedlichsten Typen kennen, die sehr detailreich und lebensnah beschrieben werden. Sie könnten in jedem Dorf in Deutschland wohnen: die Nutztierhalter, Altenteiler, Bürgermeister, Zugezogene aus den Nachbardörfern und der Großstadt. Eine Gemeinsamkeit besteht zwischen ihnen – alle hadern irgendwie mit ihrem Leben und dem Zusammenleben mit den anderen auf dem Dorf. Lange Passagen sind der Gedankenwelt der Romanfiguren gewidmet. Etwas verwundert schüttelt man den Kopf über das traditionelle Rollenbild von der Frau. Das Landleben romantisieren tut der Roman keineswegs. Gerade weil er so lebensecht geschrieben ist, habe ich ihn gerne gelesen.

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