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Veröffentlicht am 06.02.2025

Nichts Besonderes

Shanghai Story
1

Der Roman hat mich enttäuscht zurückgelassen. Auf dem Buchrücken wird er als außergewöhnlicher Debütroman angepriesen und lobend hervorgehoben, dass er einen ungewöhnlichen Kunstgriff wagt, nämlich eine ...

Der Roman hat mich enttäuscht zurückgelassen. Auf dem Buchrücken wird er als außergewöhnlicher Debütroman angepriesen und lobend hervorgehoben, dass er einen ungewöhnlichen Kunstgriff wagt, nämlich eine Geschichte rund um die Familie Yang rückwärts erzählt vom Shanghai des Jahres 2040 bis zum Jahr 2014. Deshalb habe ich erwartet, am Anfang der Geschichte von einem besonderen Ereignis zu lesen, das sich in den Vorjahren aufklärt. Tatsächlich aber war jedes Kapitel eine kurze Abhandlung über einzelne Familienmitglieder. Alle Kapitel zusammen genommen reihten sich lose aneinander, ohne dass sie von einem Band zusammengehalten wurden. Aufgrund des Buchtitels habe ich zudem erwartet, etwas über die Stadt Shanghai zu lesen, was auch nicht der Fall war. Als merkwürdig habe ich schließlich empfunden, Ereignisse aus dem Jahr 2040 zu lesen, ohne dass mir diese Zeit als futuristisch dargestellt wurde. Die Romanfiguren empfand ich als unsympathisch, vermisst habe ich, in folgenden Kapiteln Fortsetzungen über bereits eingeführte Randfiguren zu lesen.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Sehnsucht nach Wohlstand

Bis die Sonne scheint
0

Wie sich dem Nachwort entnehmen lässt, hat der Roman autobiografischen Inhalt. Der Autor gibt in Gestalt des Ich-Erzählers Daniel, einem Dreizehnjährigen, seine Familiengeschichte wieder. Für mich persönlich ...

Wie sich dem Nachwort entnehmen lässt, hat der Roman autobiografischen Inhalt. Der Autor gibt in Gestalt des Ich-Erzählers Daniel, einem Dreizehnjährigen, seine Familiengeschichte wieder. Für mich persönlich war diese besonders interessant, da die Familie in den 1970er/1980er Jahren genau wie ich im niedersächsischen Umland von Bremen lebte, so dass mir zum einen viele Örtlichkeiten aus eigener Anschauung bekannt waren und zum anderen viele zeittypische Dinge für mich einen schönen Wiedererkennungs- und Erinnerungswert hatten (z.B. die Automodelle, Fernsehfilme, Haushaltsgegenstände, Briefmarken, Luftpostbriefe u.v.a.m.). Der Werdegang der Familie ist vielleicht gar nicht so ungewöhnlich für eine Elterngeneration, die gleich nach dem Krieg geboren wurde von Eltern, die Flucht und Vertreibung mit den einhergehenden Entbehrungen erlebt hatten, und die sich etwas Wohlstand aufbauen wollte. Dass Daniels Eltern nicht mit Geld umgehen konnten und auch aufgrund äußerer schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen mit ihren Geschäftsideen scheiterten, ist so ungewöhnlich nicht. Fast schon humorvoll mutet es dann an, immer wieder zu lesen, wie der Schein nach außen hin gewahrt zu werden hatte und das letzte Kleingeld für weitere Luxusanschaffungen verwendet wurde.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es Lesern mit Interesse an Familiengeschichten.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Leichte Unterhaltung

Vielleicht hat das Leben Besseres vor
0

Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Anders war es dann schon bei ihrem Roman „Wir sind schließlich wer“, einem Vorgängerband zu dem ...

Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Anders war es dann schon bei ihrem Roman „Wir sind schließlich wer“, einem Vorgängerband zu dem hier besprochenen Buch. Er hat mich enttäuscht. Dennoch habe ich es jetzt noch einmal mit dem Fortsetzungsroman der Autorin versucht und muss sagen, dass das Buch auf einem seichten Niveau verharrt. Beide Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen. Auf den einen oder anderen Gesichtspunkt aus der Vergangenheit wird stichwortartig eingegangen. Die Geschichte ist erneut in der Heimat der Autorin am Niederrhein angesiedelt, so dass sie für dort Ansässige ein gewisses Interesse wecken könnte. Thematisch erscheint mir alles künstlich aufgesetzt genauso wie die Dialoge der Romanfiguren, die unnatürlich wirken. Die nicht dem Familienbild entsprechende Protagonistin Anna ist als Pastorin in ihrer Heimat tätig. Allerdings wundere ich mich immer wieder, dass sie eigentlich überwiegend Freizeit zu haben scheint. Im Wesentlichen ist die Geschichte eine Mischung aus etwas Krimi – bei dem sich durchaus gut miträtseln lässt - und Familiengeschichte. Zu viel dreht sich um den vermeintlichen Standesdünkel der Adligen, was ich als aus der Zeit gefallen empfinde. Viele durchaus ernsthafte Themen werden angerissen, aber letztendlich nicht vertieft behandelt, wie z.B. Diskriminierung und political correctness.
Als leichte Unterhaltung geeignet, anspruchsvolle Lektüre darf nicht erwartet werden.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Frauenbilder und -rollen

Halbe Leben
0

Dieser Roman zeichnet ein gelungenes Bild zweier unterschiedlicher Frauen. Da ist zum einen die Enddreißigerin Klara – Karrierefrau in einer Männerdomäne, verheiratet mit einem beruflich wenig ehrgeizigen, ...

Dieser Roman zeichnet ein gelungenes Bild zweier unterschiedlicher Frauen. Da ist zum einen die Enddreißigerin Klara – Karrierefrau in einer Männerdomäne, verheiratet mit einem beruflich wenig ehrgeizigen, verträumten Ehemann, Mutter einer 10jährigen Tochter, die ein besseres Verhältnis zur Großmutter als zur Mutter hat. Zum anderen ist da die gleichaltrige slowakische Krankenschwester Paulina, geschieden, allein erziehende Mutter zweier Söhne, die sie im Zwei-Wochen-Rhythmus ihrer Schwiegermutter überlässt, um aus finanziellen Gründen fern der Heimat als Pflegerin von Klaras Mutter zu arbeiten. Mehr und mehr vereinnahmt die Familie Paulina, auch für außerhalb der Pflege liegende Aufgaben, und erkennen sie rasch als wahre Perle, während diese zusehends unter Schuldgefühlen ihren eigenen Kindern gegenüber leidet und sich von ihren Arbeitgebern nicht mehr wahrgenommen fühlt. Irgendwann beginnt Paulina innerlich zu kochen und sich abweisend zu verhalten. Die Lage spitzt sich bei einer gemeinsamen Wanderung der beiden Frauen zu, als ein vermeintliches Unglück geschieht. Doch handelt es sich tatsächlich um eines? …
Die Situationen einer Familie, die plötzlich die Herausforderung der Pflege eines kranken Angehörigen stemmen muss, und einer aus Osteuropa stammenden 24-Stunden-Pflegerin werden realitätsgetreu geschildert. Ebenso realistisch ist das Bild, das von beiden Frauen gezeichnet wird – immer ist es an den Frauen, alles zu regeln, und dabei kommt an anderer Stelle etwas oder jemand zu kurz. Die ganze Atmosphäre passt gut dazu und es wird viel Spannung aufgebaut, die in der bereits oben aufgeworfenen Frage gipfelt, deren Beantwortung der Deutung des Lesers überlassen bleibt.
Ein unterhaltsamer, dennoch ernster Roman, der sehr lesenswert ist.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Autobiografische Lebensgeschichte

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis ...

Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis zur eigenen Mutter. Interessant zu lesen ist zum einen der jeweilige zeitgeschichtliche Hintergrund, vor dem die Frauen gelebt haben/leben. Das ist bei Urgroßmutter und Großmutter im Wesentlichen die Zeit des Nationalsozialismus. Beide Frauen hatten familiäre bzw. persönliche Berührungen zu Juden, so dass die diesbezüglichen Probleme eine Rolle spielen, außerdem auch Gewalt und Schweigen, wie sie typisch für die früheren Generationen sind. Zum anderen berührt es zu lesen, dass den Frauen ein ganz ähnliches Schicksal zu eigen ist. Sie gebaren ein schon im Babyalter verstorbenes erstes Kind und erst Jahre später ein zweites. Die biologische Vaterschaft wirft dabei Rätsel auf. Das gibt Anlass zu der Frage, ob Schicksal etwas Vorherbestimmtes ist. Die Mutter der Autorin jedenfalls widersetzt sich dem und führt ein unangepasstes Leben. Vor allem aber gibt sie ihrer Tochter lange Zeit keine Antworten auf Fragen zu der familiären Vergangenheit. Manche Themen werden in der Familie einfach nicht berührt, was tatsächlich gar nicht so untypisch ist. Das soll vor den Geistern der Vergangenheit schützen, womit die Verbindung zum Buchtitel hergestellt ist. So interessant die Familiengeschichte auch ist, muss doch gesagt werden, dass für den Leser Vieles offen bleibt und sie sich nicht leicht lesen lässt, da die Autorin immer wieder in Bildern spricht, z.B. auf Schwarze Löcher zu sprechen kommt und sie sich der Sprache in besonderer Form bedient.

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