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Veröffentlicht am 16.08.2018

Der Botschafter

Vier Tage in Kabul
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Für ein Jahr ist die Kommissarin Amanda Lund in Kabul stationiert. Unter anderem unterstützt sie die schwedische Botschaft. Vom Botschafter wird sie kontaktiert, weil zwei Diplomaten verschwunden sind, ...

Für ein Jahr ist die Kommissarin Amanda Lund in Kabul stationiert. Unter anderem unterstützt sie die schwedische Botschaft. Vom Botschafter wird sie kontaktiert, weil zwei Diplomaten verschwunden sind, aus einem Fahrzeug entführt, in dem eigentlich der Botschafter sitzen sollte. Sofort lässt Amanda ihre Verbindungen spielen, um herauszufinden, was mit den beiden Botschaftsbediensteten geschehen sein könnte. Eigenartig nur, dass der Botschafter seltsam gehemmt wirkt, als halte er Informationen zurück. Bald muss er allerdings doch zugeben, dass er wegen eines kompromittierenden Fotos erpresst wurde. Etwa zur gleichen Zeit wird daheim in Schweden ein junger Mann tot aufgefunden.

Es ist schon eine fremde Welt, in der Amanda Lund tätig ist. Dennoch versucht sie sich in die Menschen hineinzudenken. Sie versucht alles, um an Informationen über die beiden Entführten heranzukommen. Doch immer scheint sie einen Moment zu spät zu kommen, obwohl sie eigentlich ganz gute Kontakte zu den afghanischen Polizeikräften hat. Zu denken gibt ihr, dass der Botschafter nicht tatkräftig bei den Ermittlungen hilft. Hat er wohlmöglich selbst etwas zu verbergen? In Schweden dagegen startet die Untersuchung des Todesfalls stümperhaft. Erst als Bill Ekman, der auch für Amandas Einsatz zuständig ist, mit dem Fall befasst wird, beginnen sich die Hinweise zusammenzufügen.

Mit großer Sachkunde beschreibt die Autorin, wie Arbeitsabläufe der aus Schweden entsandten Kommissarin. Die nicht einfache Zusammenarbeit mit den einheimischen Behörden und die ebenfalls nicht immer einfache Zusammenarbeit mit den Kollegen in der Heimat. Immer spielen auch diplomatische Beziehungen mit in die Abläufe hinein. Schließlich gilt es, sich nicht gegenseitig auf die diplomatischen Füße zu treten. Doch auch die Auslandsmitarbeiter eines Landes sind nicht immer unfehlbar. Amanda Lund hat die schwere Aufgabe, nach den entführten Diplomaten zu suchen, sie kann nicht ahnen, in welches Wespennest sie sticht. Spannend, wie die Handlungsstränge in Schweden und Afghanistan schließlich zusammengeführt werden. Wenn Politik und Polizeiermittlung zusammenkommen oder gegeneinander spielen, kann man nur staunen welche Wahrheit schließlich an die Öffentlichkeit kommt. Ein politisch geprägter Thriller, der ein wenig hinter die Kulissen der Arbeit von im Ausland tätigen europäischen Polizeikräften blicken lässt. Mal sehen, wohin es Amanda Lund in ihrem nächsten Fall verschlägt.

Veröffentlicht am 12.08.2018

Der Künstler

Die Gesichter
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In den 1960ern wohnt der Maler Bear Bavinsky mit seiner Frau Nathalie in Rom. Ein großer Mann, der seinen kleinen Sohn Bear sehr beeindruckt. Da kann seine Mutter, die zwar den Haushalt führt, im Herzen ...

In den 1960ern wohnt der Maler Bear Bavinsky mit seiner Frau Nathalie in Rom. Ein großer Mann, der seinen kleinen Sohn Bear sehr beeindruckt. Da kann seine Mutter, die zwar den Haushalt führt, im Herzen aber selbst eine Künstlerin ist, nicht mithalten. Zu seinem Vater schaut Pinch auf. Überrascht ist Pinch als seine große Schwester die Ferien in Italien verbringt. So nach und nach geht ihm auf, dass Nathalie nicht Bears erste große Liebe ist und schon garnicht die Einzige. Bald trennen sich die Eltern und Pinchs größter Wunsch ist es, zu seinem Vater nach Amerika zu reisen.

Ist Bear Bavinsky wirklich der grandiose Maler? Er hadert mit seinem Werk und vernichtet viele Bilder, die ihn nicht zufrieden stellen. Eine raumeinnehmende Persönlichkeit ist er aber ganz bestimmt. Mehrere Ehen, siebzehn Kinder, die Pinch, der eigentlich Charles heißt, nicht alle kennt. Wie kann Charles neben seinem Vater bestehen, der Wunsch selbst zu malen, erfüllt sich nicht. Die harsche Kritik des Vaters beendet erste zarte Versuche. Charles, der in vielen Bereichen sehr begabt ist, findet sich schließlich als Sprachlehrer in London wieder. Ein erfülltes Leben? Eher nicht. Bears Selbstbewusstsein ist geradezu unerschöpflich, sogar größer als seine Begabung scheint es zu sein.

Väter und Söhne, ein unerschöpfliches Thema. Bear und Charles Bavinsky, beide sind Persönlichkeiten und haben Persönlichkeit. Doch ihre Leben verlaufen sehr unterschiedlich. Der Vater, eine Künstlerpersönlichkeit wie sie im Buche steht, manchmal wirkt er wie ein Blender. Sein Sohn dagegen scheint so unsicher, dass er nicht einmal versucht, seine künstlerischen Ambitionen auszuleben. Für den Sohn bleibt ein lebenslanges Streben nach der Anerkennung des Vaters, dessen Entscheidungen er nicht immer gutheißt. Allerdings macht er sich nicht wirklich frei, man gewinnt den Eindruck, er verkauft sich unter Wert. Die raumgreifende Person des Vaters lässt kein eigenes Werden des Sohnes zu.

Eltern machen Fehler, wie sollte es anders sein. Schließlich sind auch sie nur Menschen. Sie geben ihr Bestes und scheitern doch häufig. Und die Kinder befrachtet mit den Vorstellungen der Eltern, was ein gutes Leben darstellen soll, sind häufig auch zum Scheitern verurteilt. Genial wie Charles seinem Vater schließlich doch ein Schnippchen schlägt. Und doch fühlt man sich mit diesem Roman eher melancholisch, ob der vertanen Chancen. Diese bittersüße Familiengeschichte ist etwas Besonderes. Zwar wünschte man Nathalie und Charles ein anderes Leben, doch gegen den dominanten von sich selbst überzeugten Bear kommen sie einfach nicht an. Insbesondere Charles allerdings macht noch das Beste draus und das ist eine sehr tröstliche Erkenntnis, dass man selbst etwas ändern kann, dass man auch mal schlauer sein kann als die anderen. Man schmunzelt dann doch in sich hinein und genießt die kurzweilige Lektüre.

Veröffentlicht am 11.08.2018

Wer bleibt?

Der Wille zum Bösen
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In Dustin Tillmans Kindheit hat sich eine außerordentliche Tragödie ereignet. Seine Eltern und der Bruder seines Vaters und dessen Frau wurden brutal ermordet. Verurteilt wurde damals der knapp 18jährige ...

In Dustin Tillmans Kindheit hat sich eine außerordentliche Tragödie ereignet. Seine Eltern und der Bruder seines Vaters und dessen Frau wurden brutal ermordet. Verurteilt wurde damals der knapp 18jährige Adoptivbruder von Dustin. Allerdings gab es nie einen richtigen Beweis, dass er der Täter ist und nun dreißig Jahre später wird wegen der besseren forensischen Auswertungsmöglichkeiten festgestellt, dass Russell wohl nicht der Täter war. Dustin ist besorgt, wenn Russell es nicht war, wer war es dann? Diese Gedanken treten schnell in den Hintergrund, denn Dustins Frau erkrankt schwer an Krebs. Ein wenig Halt findet Dustin in seiner Psychotherapiepraxis, jedenfalls solange bis der seltsame Patient Aqil auftaucht.

Mit seinem furiosen Start fesselt dieser Thriller zunächst, alles geschieht so plötzlich und schnell, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte, man befürchtet etwas zu verpassen, wenn man nicht gleich weiterliest. Allerdings verfliegt dieser Eindruck etwas, wenn man feststellt, dass die selben Ereignisse aus Sicht verschiedener Personen beleuchtet werden. Das ist zwar ein interessanter Ansatz, nimmt dem Verlauf der Handlung allerdings einiges an Tempo. Die Neugier herauszufinden, was damals wirklich geschah, bleibt aber immer erhalten. Man versetzt sich in Dustins Position und spürt seine Besorgnis und seine Unsicherheit. Zusammen mit der Erkrankung seiner Frau und auch dem eigenartigen Einfluss Aqils gerät Dustins Leben völlig aus den Fugen.

Etwas zwiegespalten fühlt man sich nach der Lektüre dieses Thrillers, etwas viel bleibt der eigenen Interpretation überlassen. Gefällt einem das, wird man hier sicher einen herausragenden Roman vorfinden. Bevorzugt man eher eine eindeutige Lösung, fehlt einem möglicherweise etwas. Dann beginnt man zu rätseln, ob man den entscheidenden Hinweis nicht verstanden hat. Trotz der Passagen, die vieldeutige Interpretationen zulassen, fesselt dieser Roman in den meisten Bereichen. Die verschiedenen Positionen, aus denen der Autor berichtet, machen dabei einen großen Teil des Reizes des Buches aus. Unglückliche Umstände führen zu einer Familientragödie, die irgendwie nie aufhört, da kann man sich noch so in Sicherheit wiegen.

Ein packender Thriller, der vor allem zu Beginn besticht, aber dennoch bis zum Schluss mit Überraschungen aufwartet.

Veröffentlicht am 05.08.2018

Ein Ärgernis

Arrowood - In den Gassen von London
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sind diese elenden Lobhudeleien über Sherlock Holmes für den Privatdetektiv William Arrowood. Er, Arrowood, steht dem weitaus bekannteren Holmes in Nichts nach, einige Fälle hätte er sogar besser oder ...

sind diese elenden Lobhudeleien über Sherlock Holmes für den Privatdetektiv William Arrowood. Er, Arrowood, steht dem weitaus bekannteren Holmes in Nichts nach, einige Fälle hätte er sogar besser oder schneller gelöst. Aber er fristet sein Dasein als Nebenfigur der Ära Holmes. Arrowood hat auch keinen Chronisten wie sein berühmtes Nichtvorbild, sondern nur seinen Gehilfen Barnett. Als nun eine junge Französin auftaucht, die ihren Bruder vermisst, ergreift Arrowood die Chance, obwohl er es wieder mit seinem alten Feind zu tun bekommt. Zunächst einmal ist es Barnett, den er an die Front schickt, nicht ohne zu äußerster Vorsicht zu mahnen.

Eine coole Idee, daran zu erinnern, dass es neben dem Meister Sherlock Holmes auch noch andere gegeben haben könnte. Andere, die unter weniger günstigen Umständen leben, die weniger Hilfe von der Polizei bekommen, die vielleicht ebenso gut kombinieren können, zu denen aber nicht die Mandanten finden, die sie in die Presse bringen würden. Und da ist er nun dieser Arrowood, im Privatleben etwas gebeutelt, das Angesicht von der Natur nicht begünstigt und charakterlich ist ihm der Neid nicht fremd. Und doch hat er auch liebenswerte Züge, wenn es um den Straßenjungen Neddy geht, den er ein wenig unter seine Fittiche genommen hat. Auch für Barnett gibt es Momente, in denen die Grenzen zwischen Arbeitsverhältnis und guter Bekanntschaft verschwimmen.

Manchmal möchte man Arrowood schon mal durchschütteln, wenn er gar zu egoistisch ist, wenn er lieber in die Kneipe geht anstatt in sich. Dann wünscht man, würde über seine eigenen Unzulänglichkeiten nachdenken als über andere herzuziehen. Doch wie er nach und nach den Fall durchdringt, wie er seine Mandantin ein ums andere Mal entlarvt, wenn die Geschichten, die sie erzählt zwar logisch klingen, aber doch nicht der Wahrheit entsprechen, das hat schon was. Bedenkt man auch, dass es sicher nicht leicht ist, von besseren Zeiten zu wissen und nun von der Ehefrau verlassen worden zu sein und doch klarkommen zu müssen. Dann gewinnt Arrowood doch Respekt und Sympathie. Klug setzt er die Mosaiksteine zusammen und es entwickelt sich ein Fall, der es in sich hat. Der Autor vermag es mit seinen Worten eine kluge Schilderung des Londons des späten 19. Jahrhunderts abzugeben und gleichzeitig einen spannenden Krimi zu kredenzen. Aus der Konkurrenz mit Sherlock Holmes, von der dieser gar nichts weiß, bezieht dieser Roman seinen besonderen Reiz.

Mit Arrowood, Barnett und Neddy möchte man gerne noch so manchen weiteren Fall lösen.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Marrakesch

Niemals
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Obwohl sich Jenny Aaron trotz ihrer Blindheit gut in ihrer Umgebung orientieren kann, hat sie sich mit ihrer Behinderung nicht abgefunden. Über eventuelle Behandlungsmöglichkeiten und über noch einige ...

Obwohl sich Jenny Aaron trotz ihrer Blindheit gut in ihrer Umgebung orientieren kann, hat sie sich mit ihrer Behinderung nicht abgefunden. Über eventuelle Behandlungsmöglichkeiten und über noch einige Themen will sich Jenny während eines Aufenthaltes in Schweden Klarheit verschaffen. Etwas überrascht ist sie von dem Angebot, zur Abteilung zurückzukehren. Zwar würde sich damit ihr sehnlichster Wunsch erfüllen, aber kann sie den Job überhaupt noch ausüben? Natürlich kann Jenny Aaron nicht ablehnen und gemeinsam mit ihren ehemaligen Partner Pavlik übernimmt sie einen Fall, der sie in große Gefahr bringt.

In ihrem zweiten Auftritt muss Jenny Aaron abwägen, inwieweit sie ihre Tätigkeit trotz ihrer Sehbehinderung ausüben kann. Gleichzeitig erweist sich der Fall als äußerst knifflig, immer mehr Bezüge zu ihrer Vergangenheit und alten Fällen tauchen auf. Hin und hergerissen zwischen der Sorge um ihre Gesundheit und ihrem Willen, die Ermittlung zum Abschluss zu bringen, schwebt Jenny Aaron häufig in Gefahr, sich zu viel zuzumuten.

In diesem intelligent komponierten Thriller wird sachkundig über das Leben mit einer Sehbehinderung geschrieben. Man bewundert Aaron wie sie es gelernt hat, das Sehen mit anderen Sinnen zu ersetzen. Fast wirkt sie wie eine Frau mit Superkräften. Gerade wenn sie als Polizistin sich gegen Verbrecher behaupten muss, erscheint es beinahe unglaublich, wie sie das alles schafft. Gleichzeitig fordert der Fall sie außerordentlich, um ihr hier folgen zu können, wird in die Vergangenheit zurückgeblendet. Mitunter ist man doch etwas erstaunt, welche Befugnisse die Abteilung hat. Heutzutage wundert man sich zwar manchmal über gar nichts mehr, aber man fragt sich schon, ob es nicht doch etwas zu weit geht. Durch die zwar interessante Beschäftigung mit dem Umgang mit der Blindheit und die erläuternden Rückblenden geht allerdings die Spannung ein wenig verloren. Und so kleinteilig der Verlauf der Untersuchung beschrieben wird, so plötzlich und schnell kommt die Auflösung.

Dieser kluge Kriminalroman erfordert aufmerksames Lesen und bietet informative Unterhaltung.