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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2025

In Gedanken

Der Lärm des Lebens
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Der Autor Jörg Hartmann, wahrscheinlich vielen bekannt als Kommissar Faber aus Dortmund, legt hier sein erstes schriftstellerisches Werk vor. Mit emotionalen Worten erzählt er von seiner Familie. Beginnend ...

Der Autor Jörg Hartmann, wahrscheinlich vielen bekannt als Kommissar Faber aus Dortmund, legt hier sein erstes schriftstellerisches Werk vor. Mit emotionalen Worten erzählt er von seiner Familie. Beginnend mit seinen ersten Schritten zur Karriere als Schauspieler nimmt er die Leser oder Hörer mit durch die Jahre. Dabei geht er auch zurück zu den Großeltern, die in der Nazi-Zeit als Gehörlose immer mit Repressalien rechnen mussten, deren Kinder keine Beeinträchtigungen hatten und die vor Schlimmeren bewahrt werden konnten. Und auch seinen Eltern verleiht er eine Stimme, insbesondere seinem Vater, der an Demenz erkrankte und den er nach einigen Dingen nicht mehr fragen konnte.

Diese berührende Familiengeschichte erzählt der Autor selbst in dem Hörbuch mit den jeweiligen Situationen angepasster Intonation, wodurch man die besondere Wärme der Handlung spürt. Mal geht es dabei humorvoll, komisch zu. Das Mettbrötchen mit Brigitte Bardot will sich gerne in die eigene Vorstellung bringen. Manchmal wird es allerdings auch traurig, eben wenn es heißt vom Vater Abschied zu nehmen. Dazu ist man nie bereit, auch wenn man sich der Unausweichlichkeit bewusst ist. Bei Sorgen, die man sich um die Kinder macht, wird wohl jeder mitfühlen können. Und anrührend ist die Begegnung mit einem Tumorpatienten, der länger durchhält, auch wegen seinem Kumpel Faber.

Das Hörbuch ist völlig zurecht für den Deutschen Hörbuchpreis 2025 nominiert und man kann die Entscheidung der Jury sehr gut nachvollziehen. Mit viel Wärme erzählt der Autor von seiner Familie, von glücklichen und traurigen Momenten, so wie es in jeder Familie ist. Da kann man hin und wieder die Gedanken zur eigenen Familie wiedererkennen, wenn manchmal die Zeit zu schnell vergeht, wenn man etwas erfährt, das bisher nicht bekannt war. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme nimmt der Autor einen mit durch die Erlebnisse, die mehrere Generationen seiner Familie geprägt haben, wobei auch die aktuellen Krisen und ihre Auswirkungen nicht übergangen werden. So wie das Leben eben ist.

Das Bild auf dem Cover bildet das Vertrauen zwischen Kindern und Eltern sehr gut ab.

Veröffentlicht am 02.02.2025

Spaßige Zeiten

Fun
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Die Band nbl nbl kommt für drei Konzerte an Lianes Heimatort. Zum Glück mag ihre 20jährige Tochter Maila Rock nicht. Liane möchte nicht, dass Maila zu einem der Konzerte geht. Zwar ist Liane etwas besorgt, ...

Die Band nbl nbl kommt für drei Konzerte an Lianes Heimatort. Zum Glück mag ihre 20jährige Tochter Maila Rock nicht. Liane möchte nicht, dass Maila zu einem der Konzerte geht. Zwar ist Liane etwas besorgt, aber dennoch freut sie sich auf ein gemeinsames Wochenende mit ihren besten Freundinnen Selina und Frankie. Dagegen hat die Band ein paar unerwartete Probleme. Maler, der Sänger, hat mit einem unbedachten Interview einen Shitstorm hervorgerufen und einem der Drummer wird vorgeworfen, eine junge Frau auf einer Aftershowparty vergewaltigt zu haben. Das Management versucht alles, um die Wogen zu glätten. Die Show muss weitergehen.

Mit seinem zweiten Roman greift Bela B Felsenheimer ein Thema auf, von dem man am liebsten hätte, dass es nicht existiert. Was führt Liana für eine eigenartige Ehe mit Guido, der manchmal ein unangenehmes Verhalten an den Tag legt. Immerhin Maila ist Lianes ein und alles. Obwohl Liane sehr jung war als sie Mutter wurde, hat sie nach der Geburt nie bereut, dass sie ihr Kind bekommen hat. Maila ist ein tolles Mädchen. Die Mitglieder der Band scheinen vom Erfolg sehr abgehoben zu sein. Nur einer der Drummer hat sich ein richtiges Leben aufgebaut. Seit über zwanzig Jahren machen sie gemeinsam Musik und scheinbar haben sie mit dem großen Erfolg die Verbindung zur Realität verloren.

Wenn man von der Handlung des Romans liest, muss man natürlich an die Ereignisse der letzten Zeit denken, die eine andere deutsche Band betrafen und die ein weniger schönes Bild von der Musikszene zutage brachten. Mit seinen handelenden Personen geht der Autor etwas behutsamer um, was die Lektüre wahrscheinlich angenehmer macht. Trotzdem bekommt man sehr gut mit, wie in der Branche der Hase läuft. Das war vor Jahren nicht in Ordnung und es ist es heute auch nicht. Dennoch kommt hier keiner nur gut weg, wodurch die Geschichte sehr realistisch wirkt. Es ist nur eine Woche, über die der Autor erzählt. Und er erzählt auch nur. Man selbst reagiert auf den Text mit Widerwillen, Verständnis, Unverständnis, Bedauern oder auch Erleichterung, je nach dem, wo man gerade ist. Da die hauptsächliche Handlung eben in dieser Woche stattfindet, hört sie irgendwie auch mittendrin auf. Das mag einen nicht ganz zufrieden stellen. Davon abgesehen jedoch ist dieses Werk ausgesprochen fesselnd.

Veröffentlicht am 28.01.2025

Das Elixier

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch - Das Hörspiel
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Es ist der letzte Tag des Jahres und der Zauberer Beelzebub Irrwitzer laboriert mal wieder an einem Elixier herum. Da bekommt er Besuch von einem höllisch guten Gerichtsvollzieher, der ihn pfänden wird, ...

Es ist der letzte Tag des Jahres und der Zauberer Beelzebub Irrwitzer laboriert mal wieder an einem Elixier herum. Da bekommt er Besuch von einem höllisch guten Gerichtsvollzieher, der ihn pfänden wird, wenn er nicht bis Mitternacht sein Pensum an bösen Taten erfüllt. Den Besuch seiner Tante, der Hexe Tyranja Vamperl, kann er eigentlich nicht gebrauchen. In ihrer Not sehen die beiden keine andere Lösung, als einen besonderen Wunschpunsch zu brauen, der ihnen helfen soll, das Böse in die Welt zu bringen. Ihre Haustiere Kater Maurizio und der Rabe Jakob sind die einzigen, die noch etwas unternehmen können.

Ein Hörspiel, für Kinder ab zehn Jahre empfohlen, das sicherlich allen Hörern Freude bereiten kann. An Sylvester wollen die beiden Bösewichter ihren Wunschpunsch zusammenbrauen. So einfach ist das nicht, da Beelzebub und Tyrannja sich nicht besonders grün sind. Zusammenraufen müssen sie sich, denn jeder hat einen Teil des Rezeptes. Vielleicht ist das eine Chance für Jakob und Maurizio, die allerdings auch nicht die besten Freunde sind. Doch die Verhinderung von größerem Unheil kann durchaus ein Grund sein, die Animositäten hintenan zu stellen. Zwei ungleiche Helden, die ausziehen, die Welt zu retten.

Als bestes Hörspiel ist dieses Werk für den Deutschen Hörbuchpreis 2025 nominiert. Ein Grund hier mal zuzuhören, auch wenn man sich für das Genre eigentlich als zu alt empfindet. Und siehe da, man wird richtig gut unterhalten. Sicher, die Bücher von Michael Ende haben wohl jede Jugend begleitet. Und auch hier hat der Autor in seiner Geschichte einige sehr kluge Sätze formuliert. Daneben ist die Handlung kindgerecht und spannend. Unterstrichen wird das Ganze durch die liebenswerte Hörspielproduktion. Die Sprecher haben ihre Stimmen so phantasievoll eingesetzt, dass man beinahe meint Maurizio und Jakob, aber auch Beelzebub und Tyrannja vor sich zu sehen. Respekt auch vor der Fähigkeit den Namens des Wunschpunschs ohne Stocken auszusprechen. Da hält man sich selbst gepflegt zurück. Durch ein paar Musikpassagen wird die Stimmung noch unterstrichen und auch das Cover gibt eine gute Vorstellung davon, wie der Wunschpunsch aussehen könnte.

Veröffentlicht am 25.01.2025

Nicht aufgeben

Die Geschichten in uns
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Dieses Hörbuch wird von Benedict Wells auf eine Art vorgetragen, dass man manchmal meint, er könnte bei einem im Wohnzimmer sitzen. Hier erzählt er von seinem frühen Wunsch Schriftsteller zu sein. Dazu ...

Dieses Hörbuch wird von Benedict Wells auf eine Art vorgetragen, dass man manchmal meint, er könnte bei einem im Wohnzimmer sitzen. Hier erzählt er von seinem frühen Wunsch Schriftsteller zu sein. Dazu schildert er auch seine persönlichen Lebensumstände, die ihn zu dem gemacht haben, der er ist. Nicht immer war es einfach in seiner Kindheit und Jugend. Vielleicht hätte er das eher spießige Vater, Mutter, Kind, das man selbst in seiner langweiligen Normalität erlebt hat, in manchen Augenblicken gerne gehabt. Er erzählt auch, von den vielen Fehlversuchen, den Gedanken aufzugeben und dem Durchhalten. Letzteres hat bekanntlich zu einigen sehr lesenswerten Büchern geführt.

Vielleicht überlegen schon einige sich an einem Roman oder auch überhaupt am Schreiben. Doch nur wenige schaffen es. Was hebt diese von den anderen Vielen ab? Der Wunsch, aus dem Wille wird, sicherlich und auch das schon angesprochene Durchhalten. Ob ein Hörbuch als Schreibratgeber taugen kann, ist sicherlich ungewiss. Es fehlt die Möglichkeit des Blätterns und Markierens. Dennoch schildert der Autor seine Schreibprozesse auf anschauliche Weise und kommt dabei auch immer wieder darauf zurück, was ihn wohin geführt hat. Ein sehr schöner Moment ist, wie er zu seinem Verlag gekommen ist. Ein Traum, an dessen Erfüllung er kaum zu glauben wagte.

Nachdem man dieses Hörbuch abgeschlossen hat, könnte man dem Autor durchaus etwas näher gekommen sein. Auf sympathische Weise schildert er Momente aus seinem Leben und auch aus seinem Schreiben. Wenn er Beispiele nennt, wenn ihm ein anderer Schriftsteller persönlich oder durch seine Bücher weitergeholfen hat, ertappt man sich möglicherweise bei dem erfreuten Gedanken, dass sich die Lesegeschmäcker durchaus überschneiden. Da werden Erinnerungen geweckt. Auch wenn Benedict Wells an seinen eigenen Werken erklärt, wie er an das Schreiben herangeht, freut man sich über die Romane, die er dazu heranzieht. Schließlich hat man manche selbst gelesen und war teilweise hin- und auch mitgerissen. Und auch wenn der Autor seine Hörer anspricht, gibt einem das ein gutes Gefühl. Ein sehr schönes Hörbuch, das durch den Vortrag des Autors noch gewinnt.

Veröffentlicht am 24.01.2025

Von beiden Seiten

Apeirogon
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Es kann keinen Frieden geben. In Israel wird Ramis 14jährige Tochter Smadar bei einem Selbstmordanschlag getötet. Beinahe zehn Jahre später stirbt die 10jährige Abir, Tochter des Palästinensers Bassam. ...

Es kann keinen Frieden geben. In Israel wird Ramis 14jährige Tochter Smadar bei einem Selbstmordanschlag getötet. Beinahe zehn Jahre später stirbt die 10jährige Abir, Tochter des Palästinensers Bassam. Männer, die sich nie kennenlernen würden. Doch Rami lebt in einer Familie, die sich kritisch mit der Okkupation auseinandersetzt. Und er beginnt sich mit einer Gruppe von Eltern zu treffen, die ihre Kinder verloren haben. Bassam, der mit siebzehn als Terrorist verurteilt wurde, beginnt während der Haft, den Holocaust zu studieren. Auch er fängt an, die Treffen der Gruppe zu besuchen. Die beiden Männer wollen ihre Geschichte erzählen und darüber werden sie Freunde.

Der zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhende Roman erschien noch vor Beginn der Pandemie, eine Zeit, in der das Massaker vom siebten Oktober noch nicht stattgefunden hatte. Eltern, die ein Kind verloren hatten, wollten nicht verstummen. Ihre Kinder waren für immer tot, einem Krieg geschuldet, aus dem es keinen Weg zum Frieden zu geben scheint. Und doch erzählen sie ihre Geschichten, um die Erinnerung an ihre Kinder am Leben zu halten, und um der Welt zu zeigen, dass vielleicht doch noch ein Funke Hoffnung existiert. Bassam und Rami zeigen, dass eigentlich geborene Feinde, einen Weg zueinander finden. Können.

Leider sind der Elterngruppe sind dem siebten Oktober weitere Mitglieder beigetreten. Und doch setzen sie ein Zeichen der Hoffnung, weil sie sich gegen Krieg und Besatzung wenden. Insofern ist das Werk von Colum McCann möglicherweise noch wichtiger geworden. Und es ist noch viel mehr. Aus einer neutralen Position heraus, kann sich der Autor beiden Positionen nähern. Die Eltern fühlen man kann sagen das gleiche, das selbe Leid. Es ist nur eine kleine Hoffnung der Vernunft, die im Großen eher untergeht, je schlimmer die Lage wird. Aber immerhin, die Hoffnung ist da, dass es doch ein Miteinander geben kann. Um die Geschichte ihrer Töchter, die Rami und Bassam erzählen, gibt McCann eine Vielzahl von Informationen, Geschichten, Anekdoten. Auch die besondere Komposition der Erzählung fällt auf und wird im Nachwort auch erläutert. Wenn man zunächst möglicherweise dachte, das Thema sei nichts für einen, sollte man diese Meinung doch noch einmal genauestens überdenken. Dieser berührende fast Tatsachenroman ist ausgesprochen lesenswert.