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Veröffentlicht am 15.09.2016

Töfte, einfach töfte!

Cool im Pool
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Nachdem Diana Loretta von Okkos nicht ganz so wie geplant verlaufenem Antrag und ihren Hochzeitsplänen erzählt hat, ein wunderschönes Brautkleid gekauft und auch sonst schon so ziemlich alles geplant ist, ...

Nachdem Diana Loretta von Okkos nicht ganz so wie geplant verlaufenem Antrag und ihren Hochzeitsplänen erzählt hat, ein wunderschönes Brautkleid gekauft und auch sonst schon so ziemlich alles geplant ist, freuen sich alle auch die Feier an der Nordseeküste. Alles scheint perfekt – bis Diana im zerfetzten und verdreckten Brautkleid verweint vor Lorettas Wohnungstür steht, da sie es sich nämlich doch anders überlegt hat.
Schon bald werden die Anrufe vom verzweifelten Okko zur Belastungsprobe für Loretta. Als sich dann irgendwie doch noch alles klärt, kann – zwar anders als geplant, aber dennoch schön – die Hochzeit stattfinden. Nicht mehr am Meer, sondern in der Schrebergartenkolonie im Ruhrgebiet wird nun geheiratet. Auch Dianas Vater, sein Lebensgefährte Dirk und dessen Schwester Jenny werden eingeladen. Doch aus dem “schönsten Tag ihres Lebens” wird eine Katastrophe, als Diana nachts zusammen mit ihrem Vater dessen Partner entdeckt: Nackt, im Hotelpool, tot.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass Kommissarin Küpper alles andere als begeistert davon ist, dass die Truppe um Loretta wieder irgendwie in den Fall verwickelt zu sein scheint. Ein Grund mehr für Hornbrillen-Girl und Freunde, um bei den Ermittlungen vorsichtig zu sein…

Auch das sechste Buch der Reihe ist wieder grandios! Von der ersten Seite an wird man als Leser direkt ins Geschehen gezogen und gewinnt das Gefühl, bei alten Freunden zu sein. Die Charaktere, welche alle so wunderbar beschrieben werden, sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. Die Seiten flogen nur so dahin, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, was die töften Freunde ausm Pott als nächstes anstellen würden, um dem Täter auf die Schliche zu kommen – und natürlich wer den Mord begangen hat. Außerdem werden immer wieder falsche Fährten gelegt, Zweifel und Mistrauen gesäht, um dann immer wieder alles umzuwerfen, ohne dabei ins Unglaubwürdige abzudriften.
Wieder einmal konnte mich der Schreibstil auch voll und ganz überzeugen: Flotte Sprüche oder Kommentare, Wortwitz, Situationskomik, Franks Sprechweise und natürlich der schwarze Humor machen es einem nicht leicht, dass Buch mal aus der Hand zu legen.
Was mich auch sehr anspricht ist, dass obwohl dies schon der sechste Teil der Reihe ist, noch alles ganz natürlich und nicht gekünstelt erscheint. Oft ist es ja so, dass man beim Lesen von Reihen den Eindruck erhält, dass mittlerweile alle Ideen aufgebraucht sind. Das ist hier definitiv nicht der Fall, bitte mehr davon!!

Mir hat dieser Fall ausgesprochen gut gefallen und ich bin ganz gespannt auf den nächsten Band – ich hoffe er erscheint bald, sodass ich nicht allzu lange warten muss

Veröffentlicht am 15.09.2016

Töfte Ermittler ausm Pott machen Urlaub anner Nordsee!

An der Mordseeküste
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Die im Ruhrgebiet lebende Loretta Luchs arbeitet als Telefonistin in einem Callcenter. Doch obwohl ihr Chef sie bittet, noch ein Weilchen auf den Urlaub zu warten, da ohne sie der Umsatz drastisch sinken ...

Die im Ruhrgebiet lebende Loretta Luchs arbeitet als Telefonistin in einem Callcenter. Doch obwohl ihr Chef sie bittet, noch ein Weilchen auf den Urlaub zu warten, da ohne sie der Umsatz drastisch sinken wird, macht Loretta sich auf den Weg: Auf zur Nordsee- und das sogar mit ihren besten Freunden. Alle freuen sich auf einen erholsamen Aufenthalt am Strand- mit Sonne, Meer und Wattwanderungen- und einer Foto-Vernissage der berühmten Künstlerin Maria Gonzalez, mit der die Ruhrpottler sehr gut befreundet sind. Sie sind als Ehrengäste geladen, da Fotos von ihnen bei dieser Vernissage als Kustwerke an den Wänden hängen. Eine vollkommen neue Erfahrung für die Freunde, schließlich können die anderen berühmten Gäste die Fotos erwerben.. Und dann hängen sie in fremden Esszimmern..
Doch wird die Veranstaltung nicht vollkommen friedlich bleiben.. Denn der Sponsor der Vernissage, Julius Mühling, beschimpft die Truppe heftig, nachdem er von Diana abgeblitzt wurde.. Doch lässt Frank diese Beleidigungen nicht auf den Damen sitzen und schlägt Julius Mühling. Ein folgenschwerer Fehler, wie er am nächsten Tag feststellen wird.
Schließlich wacht er mit einem Filmriss neben Mühlings Leiche auf und es sieht nicht gut aus für ihn..
Können seine Freunde ihn entlasten und den wahren Täter finden? Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, denn mit Erwin haben sie einen Ex-Polizisten und mit Loretta eine erfahrene Hobbyermittlerin an Bord. Und von ihnen ist keiner auf den Mund gefallen, so viel ist klar.

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, da es sehr flüssig geschrieben ist und der wunderbare Humor das ganze Buch über anhält. Außerdem ist die Krimödie spannend, in sich schlüssig und kann mit genialen Charakteren überzeugen. Egal ob Hornbrillen-Girl Loretta, Minipli-Man Erwin, oder El Schrillo Frank. Auch das immer wieder verwendete Ruhrpott Deutsch ist an vielen Stellen einfach herrlich und zum wegkichern!
Was mir auch ausgesprochen gut gefällt ist, dass das Buch ein Rezept für einen „Ostfriesischen Teekuchen“ beinhaltet. Ich finde so etwas immer total toll- und der Kuchen schmeckt köstlich!

Bei „An der Mordeeküste“ handelt es sich nach „Radieschen von unten“ und “ Einer gibt den Löffel ab“ um Lotte Mincks drittes Buch um die schrillen Ruhrpott-Hobby-Ermittler um Loretta Luchs.
Dieses war mein erstes Buch der Reihe, was beim Lesen aber nicht stört: Man hat nicht das Gefühl, dass einem wichtiges Wissen über die Freunde fehlt, was mir ausgesprochen gut gefällt. Und ich werde die anderen Bücher um Loretta Luchs sicherlich auch bald lesen, da mich dieses liebevoll geschriebene Buch so sehr überzeugen konnte!

Alles in allem kann ich dieses grandiose Buch also wirklich jedem weiterempfehlen: Es ist nicht blutrünstig, trotzdem sehr spannend, unglaublich humorvoll und man gewinnt die Charaktere richtig lieb!
So soll das sein:
Ein richtich töftes Buch!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Dying is fine, but Death – wenn sich die Angst ihren Weg in einen unbeschwerten Sommer bahnt.

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen
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Ben ist anders als alle Menschen, denen Hanna je begegnet ist. Er sprüht Graffitis – an das Rathaus, an das Haus seiner Familie oder als Geburtstagsgeschenk für Hanna an die Schule – sein Einfallsreichtum ...

Ben ist anders als alle Menschen, denen Hanna je begegnet ist. Er sprüht Graffitis – an das Rathaus, an das Haus seiner Familie oder als Geburtstagsgeschenk für Hanna an die Schule – sein Einfallsreichtum was Lebensweisheiten, die er kinderlicht aus der Luft zu fischen scheint, wirkt unermesslich; er zeichnet – ohne aufblicken zu müssen, weil die Motive in ihm schlummern, lässt er den Bleistift über Papier huschen, er ist der beste Märchenerzähler, den Hanna kennt. Außerdem ist er ihr bester Freund, und das obwohl sie so unterschiedlich sind…

So viele Erinnerungen teilt sie mit Ben: Wie er bei einem Gewitter einen Baum hinaufklettert, mit den Worten, Blitze schlügen in Bäume, nicht in Kinder, ein. Und plötzlich ist er fort. Erst nach einem Monat, in dem Hanna merkt, wie sehr sie ihren besten Freund braucht, kehrt er wieder zurück und ist verändert. Auf Hannas Fragen reagiert er ausweichend, sodass Hanna Angst bekommt, ihn zu verlieren.
Dann, das Abi in der Tasche, bekommt sie die Möglichkeit, sich gänzlich gegen ihn zu entscheiden, oder mit ihm ein Abenteuer zu wagen. Angst hatte sie schon genug in ihrem Leben, wie Ben ihr oft genug gezeigt hat, und so wagt sie sich auf eine Reise, deren Ziel sie nicht kennt. Ben hat bereits alles vorbereitet, sodass sie sich, als sie das Meer erreichen, so frei und unbeschwert wie nie fühlen. Sie überwinden Ängste und verstehen, was ihnen im Leben wichtig ist, was sie erreichen möchten.
Diese traumhafte Zeit bekommt jedoch erste Risse, als Chloé, ein blondes Mädchen in Ben und Hannas Alter, an dem von den beiden Freunden eroberten Strandabschnitt auftaucht und ihnen eine düstere Geschichte erzählt. So traurig und unrealistisch sie auch ist – Chloé beharrt darauf, dass sie die Wahrheit erzählt. Sollen die beiden Unbeschwerten die Warnung ernst nehmen? Sich den Spaß, die Freiheit nehmen lassen? Sofort? Oder erst wenn Dinge, Wahrnungen gleich, auftauchen und Unwahrscheinliches passiert?
Oder in dem Moment, in dem einer der beiden in einer stürmischen Nacht alles zu verlieren droht? Einfach aufzugeben und die Angst gewinnen zu lassen könnte nach diesem Sommer doch eigentlich nicht mehr in Frage kommen… Oder?

„Zu meinem Geburtstag schenkte Ben mir eine Sachbeschädigung. Natürlich hätte Ben nie daran gedacht, mir ein normales Geschenk zu machen, aber damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.“ Von der ersten Seite an, packte mich das Buch. Sehr schnell ging der Schreibstil von ironiebeladenen Beschreibungen zu unglaublich bildhaften, poetischen und sehr klanghaften Beschreibungen über, wobei die zahlreichen Ausdrücke keine schon x-mal in unzähligen Büchern oder Gedichten verwendete Flosken von dem Charme der wie Sterne funkelnden Augen darstellen, sondern neue Ideen und Kreationen sind. So konnte ich mich in dem Buch verlieren, denn aus einer so zauberhaft erzählten Geschichte aufzutauchen fällt sehr schwer. Die sprachliche Leistung, die Ulla Scheler, gerade als sehr junge Debüt-Autorin, erbringt, ist wirklich bemerkenswert! Das Meer scheint stets greifbar nah zu sein, still schwingt es immerzu mit und taucht so in der Wortwahl häufiger auf.
Dabei versteht es die Autorin mit ihrer ruhigen, aber energiegeladenen Schreibweise den Figuren nicht nur Form zu geben, sondern ihnen auch schon auf den ersten Seiten Leben einzuhauchen. Dadurch, dass Hanna, aus deren das Buch geschrieben ist, häufiger an die Vergangenheit erinnert wird oder beschreibt, was einzelne Personen in ihren Augen ausmacht, lernt man die Charaktere auf eine ganz besondere Art kennen. Sehr schnell konnte ich mir vorstellen, wie sich Ben und Hanna, am Strand sitzend, Gedichte oder Geschichten vorlesen und wie Hanna in die Bücher kritzelt, was Ben eigentlich nicht ausstehen kann, bei ihr aber gut findet, weil sie ihm so vertraut ist und nur so echt ist.
Wie sich die beiden anstacheln und sich ihre Freundschaft ändert, ist in meinen Augen zwar klischeehaft – dass sie sich näher kommen ist ja wohl recht absehbar – aber auf so einfühlsame Weise geschildert, dass es einen nicht annervt. Nur zwischendurch vielleicht mal.
Sehr habe ich auch die Gespräche genossen, da sie oftmals ein Hin- und Herwerfen sarkastischer Bemerkungen sind, welches durchscheinen lässt, wie sehr sich die Charaktere letztendlich – trotz möglicher Differenzen – mögen.
Die Handlung an sich ist meines Erachten leider sehr vorhersehbar, was für mich ein weiterer Kritikpunkt ist. Allerdings ist die Idee als solche gelungen… An dieser Stelle lässt mich das Buch zwiegespalten zurück, die Legende – ob wahr oder nicht – gewissermaßen auf ein Ereignis zurückzuführen ist. Und eben dieses erscheint mir arg unrealistisch… Zweifelt man dieses jedoch an, fällt die halbe Handlung wie das berühmte Kartenhäuschen/ das on einer Gebäude-Sprengung betroffene Hochhaus zusammen.

Letztendlich bin ich mit dem Buch aber mehr als zufrieden, das Ende ist rund und vielversprechend und der Schreibstil verdient ein „phantastisch“. Mir hat es sehr gefallen, Ben und Hanna zu begleiten und zu beobachten, wie sie Stück für Stück erwachsener werden. Besonders schön waren für mich auch die Passagen, in welchen beispielsweise aus Gedichten von E.E. Cummings zitiert wird und diese Zeilen einfach perfekt zum Erzählten passen. Gerade wegen des Schreibstiles sehe ich auch über meine Kritikpunkte hinweg und vergebe – nach längerem Kampf – dennoch 4,5 euphorisch ihr Funkeln auf das Meer zaubernde Sterne. Wenn man ein Buch hauptsächlich aufgrund der Erzählweise lesen kann und mag, wird einem „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ zusagen können.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Gin, Tee, schwarzer Humor und ein kniffliger Fall!

Mord in der Mangle Street
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Nachdem ihr Vater gestorben ist, macht sich die junge March Middleton im Jahre 1882 auf den Weg nach London, um dort bei ihrem Patenonkel unterzukommen. Da es um ihre finanziellen Mittel nicht ganz so ...

Nachdem ihr Vater gestorben ist, macht sich die junge March Middleton im Jahre 1882 auf den Weg nach London, um dort bei ihrem Patenonkel unterzukommen. Da es um ihre finanziellen Mittel nicht ganz so rosig bestellt ist, bleibt ihr auch keine andere Wahl, als sich in die Obhut des ihr bisher gänzlich unbekannten Mannes zu begeben. Sie weiß lediglich aus einem Brief, den sie vor kurzem erhielt, dass Sidney Grice, ihr Vormund, so eine alte Schuld begleichen möchte.
Wie sie im Gespräch mit Harriet, einer Dame von March’s Alter, mit welcher sie sich ein Zugabteil teilt, erfährt, ist Sidney Grice keineswegs irgendein Mann in England. Tatsächlich ist der Persönliche Ermittler, wie er die Bezeichnung „Privatdetektiv“ stets zu verbessern pflegt, aufgrund seiner unglaublichen Kombinationsgabe und seinem Geschick im Umgang mit den haarsträubensten und kniffligsten Fällen zu großer Berühmheit gelangt.
So wundert es nicht, dass March, sobald sie das Haus Nummer 125 in der Gower Street erreicht hat, mit ihrem ersten Kriminalfall konfrontiert wird. Ein Mann soll seine Ehefrau umgebracht haben und nun dafür gehängt werden; seine Schwiegermutter ist jedoch felsenfest von seiner Unschuld überzeugt, da dieser herzensgute Mensch niemals eine derart brutale Tat verübt haben könnte. Da für Mr. Grice primär Geld über das Annehmen oder Ablehnen eines Auftrags entscheidet, zeigt er für das Angebot der eher ärmlichen Dame kein Interesse. March aber, von der Geschichte zutiefst gerührt, verspricht, für alle Kosten aufzukommen, sofern sie den Ermittler bei seinen Recherchen begleiten darf.
Und so lässt sich der von sich so überzeugte Sidney Grice dazu herab, seine wertvolle Zeit mit dem Lösen des Falles zu vergeuden. Denn eines steht fest: Mr. Grice glaubt längst in dem Ehemann seinen Täter gefunden zu haben – March jedoch spürt, dass er es nicht gewesen ist.
Deswegen lässt die durchaus unkonventionelle March erst recht nicht locker und verblüfft so nicht nur ihren Patenonkel…

Sehr schnell konnte ich in das Buch abtauchen, da es einen dank der atmosphärischen Erzählweise gekonnt nach London im Jahre 1882 entführt, wo auf der Straße jeder eine Bedrohung darstellen kann, man besser mit einem parfümierten Taschentuch ausgestattet sein sollte, um ekelerregenden Gerüchen Herr zu werden oder Menschen von der Bildfläche verschwinden, ohne dass es jemand merken oder irgendwen kümmern würde. Sehr humorvoll sind dabei die Beschreibungen von March, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist. So verspürt sie beispielsweise bei dem Gedanken daran, dass sich in Mr. Grice’s Haus ein Badezimmer mit Toilette befindet, größten Ekel – kein Wunder, dass London so verseucht ist, wenn von Hygiene derart wenig gehalten wird.
Auch ist sie der Zeit kaum angepasst: Sie genehmigt sich gerne einen Gin, sagt zu einer Zigarette nicht nein, kann dem Anblick verwester und angefressener Leichen ohne Ohnmachtsanfälle standhalten und weiß sich durch zynische Bemerkungen in der Männerwelt durchaus zu behaupten. Ihre Wortgefechte mit zahlreichen anderen Charakteren brachten mich immer wieder zum Schmunzeln oder Auflachen, da sie mit ihrem Scharfsinn zielsicher ins Schwarze trifft.
Aber auch Sidney Grice ist eine sehr interessante Figur, die bei mir Seite um Seite gewann. Denn auch wenn er zunächst als absoluter Unsympath auftritt, der sich um seine Mitmenschen keineswegs, für Geld dafür umsomehr, sorgt, bröckelt diese Fassade doch zeitweise. Darüber hinaus konnte ich mir ausgesprochen gut vorstellen, wie er zwischendurch ein Lächeln zu unterdrücken versucht, sich dann mit der Hand vor das Auge fasst, um das nicht ganz passende Glasauge, welches nur zu gerne aus seiner Höle springt, auffangen zu können. Auch zaubert einem seine eher weniger positive Einstellung gegenüber Menschen in zahlreichen Situationen ein Lächeln ins Gesicht – an anderen Stellen möchte man ihm am liebsten gehörig die Meinung sagen. Zum Glück nimmt einem dies March punktgenau ab.
Aber auch die übrigen Charaktere sind sehr schön gezeichnet, sodass man sich ein lebensnahes Bild von ihnen machen kann und sich das Kopfkino nie ausstellt.
Der Fall ist äußerst spannend und hält viele Wendungen bereit, sodass es viel Spaß macht, Mr. Grice und March bei den Ermittlungen zu begleiten.
Darüber hinaus lässt sich das Buch der packenden Schreibweise und des schwarzen Humors wegen, sehr angenehm lesen.

Dieser Band hat wirklich meine Neugierde geweckt, sodass ich hoffe, möglichst bald einen weiteren bis zur letzten Seite spannenden sowie humorvollen Fall, der bravourös von dem so gegensätzlichen Ermittler-Duo gelöst wird, lesen und so auch noch mehr über die Charaktere erfahren zu können.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wenigstens hatte es nicht viele Seiten…

Cooper
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Ein weißes Haus – hell, warm und übersichtlich – wartet, an einer Landstraße gelegen und von Obstbäumen umzingelt, auf seine neuen Bewohner. Diese zelten nachts im Garten, da das Haus noch so leer ist.
Schon ...

Ein weißes Haus – hell, warm und übersichtlich – wartet, an einer Landstraße gelegen und von Obstbäumen umzingelt, auf seine neuen Bewohner. Diese zelten nachts im Garten, da das Haus noch so leer ist.
Schon bald haben die Kinder das Land in Besitz genommen, wie sie sich ausdrücken, und bereits erste Verstecke hinter Farn ausfindig gemacht.
Am nächsten Morgen beschließen Jakob und die Kinder, zum nahe gelegenen See zu gehen, Linda jedoch besteht darauf, beim Haus zu bleiben, um in den leeren Zimmern aufzuräumen… Während sich Carlotta und Nora darüber unterhalten, wer von beiden nun Recht hat, ob ihre Mutter letzte Nacht geweint hat, ist Linda gerade mit dem Putzen der Fenster fertig geworden. Was dann folgt breitet Dunkelheit über den zuvor so sommerlich-freundlichen Tag aus: Brutal wird sie ermordet, auf blutrünstige Art und Weise. Sie vermutet, dass der Täter muskulös und groß sein muss, kann jedoch keinen Blick mehr auf ihn erhaschen. Aber irgendwie auch nicht, denn als ihre Familie, einem unguten Gefühl folgend, zum Haus, welches nun tot wirkt, zurückkehrt, liegt Lisa tränenüberströmt am Boden und wimmert. Etwas Schlimmes muss passiert sein, meint Jakob, Lisa ist allerdings noch am Leben.
Aber anstatt das Haus, welches sie unter Inkaufnahme hoher Schulden erworben haben, zu verkaufen, kommt für die Familie trotz der Ereignisse nicht infrage, sodass sie bald beginnen, es wohnlich einzurichten.
„Der Wille ist eine Notlüge des Lebens , weil wir das Unrechte zu tun in der Lage sind, aber die Vorstellung vom alleserschaffenden Willen wird dem Leben nicht gerecht.“ (S. 125) Wenn wir alle dann, als Handwerker beschrieben, Gestirnen gleich unsere Bahnen ziehen, während die Gegenwart den Wendepunkt darstellt, breitet sich bei mir die ohnehin schon herrschende Verwirrung endgültig aus. Mit den vielen Parabeln (?) konnte ich ebenso wenig anfangen: „Schau dir die Bauern an, wenn sie auf ihren Maschinen über die Felder fahren, ohne Sinn für das reiche Leben in der Erde unter ihnen. Sie sitzen wie Könige auf ihren Kolossen und sehen stur geradeaus, dorthin, wo der Feind steht, die Zeit, deren Übermacht sie fürchten.“ – und so weiter… Auch „der liebe Gott“ (S.137) wird über viele Seiten behandelt, denn Lisa redet auf ihn ein und erhält erneut bahnbrechende Erkenntnisse, die ich nicht nachvollziehen kann…

Die ganze Zeit über habe ich das Buch als sehr verwirrend wahrgenommen und hatte das Gefühl, jeder Charakter lebe in einer vollkommen anderen Welt. Zu Beginn habe ich mich noch gefragt, was denn nun wirklich vorgefallen ist, wenn beispielsweise ein Junge mit einer Wassermelone nach Jakob wirft, als wäre es ein Basketball, obwohl sonst niemand den Jungen hat sehen können… Oder wenn eine einäugige Katze an einem Ort auftaucht, an dem sie sich keinesfalls aufhalten kann, da sie nicht so viel Weg wie nötig wäre in so kurzer Zeit hinter sich bringen könnte – sie müsste schneller als ein Auto sein… Doch irgendwann war es mir dann einfach zu viel, denn Menschen die ermordet werden oder tödliche Unfälle haben und kurz darauf mit Kühlschränken im Garten reden, sind mir schlicht weg suspekt…
Darüber hinaus empfand ich den Schreibstil als sehr anstrengend und ermüdend, denn, auch wenn überaus viel wörtliche Rede verwendet wird, ist diese nie als solche gekennzeichnet. Bei langen Dialogen erfährt man als Leser deswegen nur in den seltensten Fällen, wer gerade welche Äußerung macht oder ob etwas gedacht oder gesagt worden ist.
Außerdem ist das Gesagte auch nicht wirklich mein Fall, da die Unterhaltungen der Kinder bei mir erneut Verwunderung auslösen. Ich bin mir noch immer nicht sicher, wie alt sie sein sollen. Zwar gehen sie zur Schule, allerdings sind ihre Aussagen meines Erachtens nicht stimmig: Mal wirken sie wie Kleinkinder, dann als seien sie bereits sehr alt und erfahren.
Aufgrund der schwierigen Erzählweise, mit ellenlangen Sätzen, die jedoch nichts ausdrücken, habe ich am Anfang des Buches auch nicht so wirklich verstehen können, von wem die Geschichte nun handelt. Personen werden ja nicht genannt – weder bei Unterhaltungen noch sonstigen Beschreibungen. Da war es schon ein kleines Erfolgserlebnis, als ich die Namen der Protagonisten entdecken konnte. Wer Cooper jetzt so genau ist, habe ich allerdings nicht verstanden… Eine Erscheinung? Der Nachbar? Der Vorbesitzer des Hauses?
Mir bleiben nach der Lektüre des Buches noch immer zu viele Fragen offen, wobei ich mich nicht wirklich mit ihnen auseinandersetzen mag. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob Eberhard Rathgeb sie selber beantworten könnte… Ich habe mich wirklich durch das Buch gequält und bin froh, dass es lediglich 139 Seiten umfasst… Für mich ein sehr unbefriedigendes Leseerlebnis, das einen merkwürdigen Eindruck hinterlässt…

Und so vergebe ich einen einsamen Stern