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Veröffentlicht am 28.09.2020

„Ich glaube, jeder macht vor seinem eigenen Happy End einige Dinge in seinem Leben durch. Umso schöner ist der Teil, der danach kommt.“

When We Fall
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Vorgeschichte: Es fällt mir unglaublich schwer, meine Gedanken zu Wort zu bringen, da ich unglaublich viele verschiedene Gefühle auf einmal habe, aber es für diese Gefühle keine Worte gibt und mir das ...

Vorgeschichte: Es fällt mir unglaublich schwer, meine Gedanken zu Wort zu bringen, da ich unglaublich viele verschiedene Gefühle auf einmal habe, aber es für diese Gefühle keine Worte gibt und mir das einfach so unglaublich schwer fällt. Nach „When We Dream“ habe ich dem 28. August so lange hingefiebert. Es kam mir vor wie 148 Jahre bis der 2. Band endlich erschienen ist und dann war es endlich so weit. Ich hielt das Buch in meinen Händen, dieses wunderschöne pastellpink-lilafarbene Cover, gefüllt mit 446 wunderbaren, ungelesenen Seiten die nur auf mich gewartet haben. Wörter und Sätze, die noch nicht in meinen Kopf gewandert sind und noch völlig unberührt auf den Seiten geschlafen haben. Meine Vorahnung und Vorfreude auf den 2. Band waren größer als die 7 Weltmeere zusammen. Stellt euch das bitte einmal bildlich vor, danach könnt ihr weiterlesen.

Darum geht’s: Nach dem fiesesten Cliffhanger setzt die Geschichte im 2. Band genau da an, wo sie aufgehört hat. Das Foto, das von Jae-yong und Ella im Internet aufgetaucht ist, müssen die beiden einsehen, so stark ihre Gefühle zueinander auch sind, dass sie nicht zusammen sein können. Jae-yong bleibt ein bekannter Weltstar und Ella eine einfache Studentin aus Chicago. Jae-yongs Management untersagt es ihm eine Beziehung zu führen. Die beiden wissen, dass es das Richtige ist, doch die Gefühle waren echt und es ist nicht leicht das Geschehen zu ignorieren geschweige denn zu vergessen…

Was mir am meisten Sorgen bereitet hat, war wie Ella sich nach dem Ende des 2. Bandes verhalten würde und das ihr Verhalten eher unrealistisch sein würde. Dennoch hat Anne Pätzold hier großartige Arbeit geleistet. Der Anfang des Buches war absolut genial, realitätsnah und logisch aufgebaut. Es wurde in den ersten Kapiteln sehr schön dargestellt, wie Ella trotz allem wieder versucht in ihr normales Leben zurückzufinden. Sie kehrt zurück zu ihrer Arbeit, versucht sich auf ihr Studium zu konzentrieren und Frieden mit ihren Schwestern zu stiften. So verfolgen wir als Leser als Ella’s Leben weiter und auch im 2. Band ist das Buch nur aus ihrer Seite geschrieben (Hint: das letzte Kapitel des Buches eventuell nicht…). Doch selbst als es ihr gelingt wieder Normalität in das Chaos reinzubringen, so gibt es sogenannte „internet-trollt“, auch bekannt als Hater, die ihren Instagram Account gefunden haben und sie mit Nachrichten bombardieren. Leider kaum positive. Ella hat sehr mit diesen Kommentaren und Hass-Nachrichten zu kämpfen, dass sie irgendwann beschließt ihre Kanäle zu deaktivieren. Eigentlich ein Grund zum Aufatmen und nach Vorne schauen. Aber man merkt einfach, am Schreibstil und von Ella’s Gefühlen her, dass etwas fehlt. Ein gewisser Jemand fehlt. Und dieser Jemand ist nicht da, ist nicht mehr Teil ihres Lebens, darf keinen Kontakt zu ihr haben. Egal wie sehr sich Ella’s Herz nach dem von Jae-yongs sehnt, die beiden müssen einsehen, dass sie nicht zusammen sein können. Aber wie hat Selena Gomez einst gesungen: „The heart wants, what it wants.“ Und dieser Spruch beschreibt dieses Buch haargenau.

Meine Meinung: Ich habe für diese Rezension äußerst lang gebraucht, da ich einfach nicht die richtigen Worte gefunden habe. Dieses Buch hat mir so viel mehr gegeben, als ich eigentlich gedacht habe. Es hat mich mit seiner Einfachheit, mit seinem Schmerz und der Schönheit von Emotionen komplett verzaubert. Ich habe die Welt um mich herum vergessen, habe es innerhalb von 24h ausgelesen. Selbst Tobi fiel es auf, wie ich versunken auf der Couch saß, meine Nase im Buch; „Hast du das Buch nicht erst heute Morgen angefangen und du bist jetzt schon bei der Hälfte? Dir muss das Buch echt gut gefallen.“ Leicht schmunzeln dachte ich mir nur: „Gefallen? Du hast ja keine Ahnung.“ Ich habe mir dennoch die Zeit bewusst genommen, um diese Geschichte auf mich wirken zu lassen. In all ihrer Schönheit, in all ihrer Gesamtheit. Und ich habe mich in ihr verloren. Auch wenn es in diesem Buch keine großartigen dramatischen Szenen oder leidenschaftliche, verruchte, Intimszenen gibt, so hat mir diese Geschichte mehr gegeben, als so mancher aufregende Fantasybestseller.

Anne Pätzold hat mir mit diesem Buch eine wunderschöne, nachdenklich, gefühlvolle Geschichte geschenkt, die ich nie wieder vergessen werde. Anne verleiht ihren Charakteren einen wichtigen Faktor: man fühlt mit ihnen. Man kann in ihre Gedankenwelt eintauchen und lernt sie zu verstehen. Ich sorge mich um Ella und Jae-yong, ich lache mit ihnen, ich fühle den Schmerz und die Sehnsucht. Und wenn Anne beschreibt, wie Jae-yong Ella’s Wange streichelt – dann fühle ich es an meiner Wange. Und das, meine lieben Freunde, ist die unglaubliche Macht, die diese wundervolle Autorin mit ihren Worten besitzt. Das ist die Macht der Worte, die nur viele so ausüben können wie Anne es tut. Sie beweist mit „When We Fall“ was für eine grandiose Autorin sie ist und zeigt gleichzeitig, dass es manchmal nicht viel Drama braucht, um einen guten, herzzerreißenden Roman zu schreiben. Am Ende ist es die Autorin, die die Gefühle mit ihren Worten auslöst und bei mir braucht es einiges, damit ich eine Handbewegung in einem Buch im echten Leben nachfühlen kann. Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Autoren mir solch ein Gefühl schon mal gegeben haben. Anne gehört dazu.

Mein Fazit: „When We Fall“ gehört zu den Top 3 meiner Jahreshighlights. Einfach aus dem Grund, weil ich es innerhalb eines Tages ausgelesen habe. Einfach aus dem Grund, weil ich mich in dieser Geschichte komplett verloren habe. Weil mir Anne Pätzold gezeigt hat, wie wunderschön ein New Adult Roman sein kann. Weil Anne Pätzold mir gezeigt hat, was die Liebe mit uns anstellt, welche Grenzen wir für die Liebe überschreiten und es sich lohnt, für manche Menschen Berge zu versetzen. Aber das Buch hat mir auch gezeigt, wie wichtig Ehrlichkeit und Vertrauen sind – besonders innerhalb der Familie. Ich fand es grandios, wie Anne entschieden hat, dass Ella offen und ehrlich mit ihren Geschwistern über ihre Gefühle gesprochen hat. Den Mut aufzubringen die Wahrheit zu sagen, auch wenn man weiß, dass es Konsequenzen mit sich trägt und es nicht das Richtige ist, aber Vertrauen größer als Angst ist – das ist wunderschön. Und genau für solche Bücher leben wir. Bücher, die uns Mut machen, Bücher, die uns zeigen wie wichtig eine offene und ehrliche Beziehung zueinander ist. Wahrscheinlich werde ich nie über diese Bücher hinwegkommen, da sie mir mein Herz zerbrochen aber auch wieder zusammengepuzzlet hat. Doch trotz allem schaue ich hoffnungsvoll in die Zukunft und breite bereits jetzt schon meine Arme aus, um „When We Hope“ im Dezember in meinem Leben willkommen heißen zu dürfen. Vom Leben, Lieben und Verlust – Anne Pätzold ist eine der fabelhaftesten Autorinnen unserer Zeit und beweist mit Einfachheit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, dass ein guter Liebesroman manchmal auch nur ganz simpel sein kann und trotzdem die Herzen ihrer Leser brechen kann.

Dieses Buch verdient all die Sterne, die es im Himmel zu finden gibt. Anne? Ich schenke Sie dir alle. Für mich bist du eine Person, für die es sich lohnt, Berge zu versetzen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere