Wer ist die Moorleiche?
Fin Macleod kehrt nach dem Tod des Sohnes und einer gescheiterten Ehe von Edinburgh auf die schottischen Hebriden, die Insel Lewis, zurück. Er möchte sein Elternhaus renovieren und bewohnbar machen, derzeit ...
Fin Macleod kehrt nach dem Tod des Sohnes und einer gescheiterten Ehe von Edinburgh auf die schottischen Hebriden, die Insel Lewis, zurück. Er möchte sein Elternhaus renovieren und bewohnbar machen, derzeit zeltet er auf dem Grunstück. Gerade wurde im Hochmoor eine Leiche gefunden und der Polizeibeamte George Gunn ist mit der Identifizierung beschäftigt. Damals war die Leiche ca. 20 Jahre alt, 41 kg schwer, 1,73 m groß, am Kopf eine OP-Narbe, weil eine Metallplatte implantiert worden war und hatte ein Tattoo von Elvis sowie dem Schriftzug Heartbreak Hotel. Aufgrund von Abdrücken wurde festgestellt, daß er am Ende für Stunden in Decken gehüllt war. Todesursache waren anscheinend Stiche in die Brust und außerdem wurde ihm die Kehle durchgetrennt. Doch wer ist dieser Mann? Wegen der Elvis-Tattoos kann er erst nach 1956 gestorben sein und aus dieser Zeit liegt keine Vermißtenmeldung vor.
In einem Parallelstrang lernt der Leser den dementen Tormod Macdonald mit seinen Erinnerungen/Gedanken kennen und ist damit den Ermittlern voraus. Eine DNA-Test ergibt, daß er mit der Leiche verwandt sein muß. Von ihm sind allerdings keine brauchbaren Informationen zu erwarten und auch seine Tochter Marsaili kann nichts Erhellendes zur Familiengeschichte beisteuern.
Es ist der zweite Band um Fin Macleod, allerdings handelt es sich bei diesem Band um keine Neuerscheinung. Das vorliegende Buch ist bereits 2016 unter einem anderen Titel erschienen.
Der Krimi startet langsam und ich dachte mir ziemlich schnell, die Verbindung gefunden zu haben – aber weit gefehlt. Die Klärung der Identität einer alten Moorleiche hatte bei der Polizei keinen hohe Priorität. Als dann allerdings der Einsatz eines Beamten aus der Stadt für die nächste Woche avisiert wurde, bekam die Angelegenheit einen zeitlichen Druck, weil George und Fin die Angelegenheit selbst aufklären wollten. Sie mußten mühevoll Puzzlestück für Puzzlestück zusammentragen. Fin und Marsaili, seine erste große Liebe und Tochter von Tormod, geraten dabei allerdings selbst in große Gefahr. Sehr berührend fand ich den Part mit den Erinnerungsfetzen des Dementen über seine schwere Kindheit, sein jetziges Leben mit all den vielen Menschen, die er nicht mehr zuordnen kann, und deshalb verbunden mit einer Verzweiflung, die er nicht mehr kommunizieren kann. Die Auflösung dieses komplexen Falles war nicht vorhersehbar, ist aber schlüssig. Der Autor hat die Atmosphäre der Hebriden, das Wetter, die Wichtigkeit der Religion und die Menschen sehr gut und authentisch beschrieben. Man spürte förmlich die Einsamkeit und die Verschlossenheit der Gesellschaft, sowie die karge Landschaft. Nach den letzten Sätzen schließt man das Buch mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Ich hatte spannende Lesestunden und empfehle den Krimi gerne weiter.