Relative Armut für alle oder relativer Wohlstand für die Mehrheit am Beispiel von Polen und Vietnam
Dieses Buch ist unter dem Titel "Der Aufstieg des Drachen und des weißen Adlers: Wie Nationen der Armut entkommen" bereits 2023 erschienen. Der Autor gibt an, mit dem damaligen Titel einen Fehler gemacht ...
Dieses Buch ist unter dem Titel "Der Aufstieg des Drachen und des weißen Adlers: Wie Nationen der Armut entkommen" bereits 2023 erschienen. Der Autor gibt an, mit dem damaligen Titel einen Fehler gemacht zu haben, weil kaum jemand etwas mit Drachen und Adler anfangen konnte. Das mag sein, doch auch der neue Titel ist nicht ohne Manko, denn man könnte dahinter einen ganz anderen Inhalt vermuten. In Wirklichkeit zeigt Zitelmann in seinem Buch wie Polen und Vietnam sich zu relativ reichen Nationen entwickelt haben, indem sie die inneren Kräfte des Kapitalismus zur Entfaltung kommen ließen. Diese neue Ausgabe des Buches enthält ein anderes Vorwort und ein zusätzliches Kapitel über Adam Smith, das an den Anfang gestellt wurde, um der Grundaussage des Textes noch mehr Geltung zu verschaffen.
Relative Armut für alle oder relativer Wohlstand für die Mehrheit - darauf läuft es hinaus, wenn man sich fragt, welche Gesellschaftsordnung die bessere ist: Sozialismus oder Kapitalismus? Sicher ist das ein wenig plakativ, doch am Ende stimmt die Antwort. Diejenigen, die einen realen Sozialismus nie erlebt haben, zum Beispiel viele Westdeutsche, neigen dazu ihn zu verklären und als eine Art Paradies für Gerechtigkeit und Gleichheit zu empfinden.
Doch Sozialismus hat noch nie praktisch funktioniert. Und das hat objektive Gründe und liegt keinesfalls daran, dass man ihn etwa nur falsch organisiert hätte. Sozialisten verstehen menschliches Verhalten einfach nicht. Da das kapitalistische System spontan entstand, also im Gegensatz zum Sozialismus keine Kopfgeburt ist, muss es menschlichem Verhalten entsprechen. Und weil der Mensch sich im Sozialismus nicht so verhält, wie es Sozialisten in ihrer Einfalt erwarten, endet jeder Versuch, ein solches System zu installieren im Totalitären. Man will den "neuen Menschen" erschaffen, weil einem der "alte" nicht passt. Und die angepriesene Gleichheit vollzieht sich als Herrschaft einer Funktionärselite, die ein wenig gleicher ist als die anderen.
Und ökonomisch läuft man stets in den Zusammenbruch, weil diese naive "Elite" glaubt, sie könne ein hochkomplexes System "steuern". Alles wird von oben bestimmt und gerät damit ins Absurde. Das betrifft insbesondere Preise, die in einem selbstorganisierten ökonomischen System der wichtigste Indikator sind. Fällt er weg oder werden Preise festgelegt, gerät das ganze System in Schieflage, weil falsche Anreize geschaffen werden.
Rainer Zitelmann untersucht in diesem Buch am Beispiel Polens und Vietnams, was das Freisetzen einer Marktwirtschaft für erstaunliche Wirkungen in kurzer Zeit bringt. Dabei zeigt er zunächst, wohin Sozialismus beide Länder brachte. Mit dem globalen Scheitern des sogenannten sozialistischen Lagers konnten sowohl Polen als auch Vietnam marktwirtschaftliche Strukturen aufbauen. In Vietnam geschah das zunächst nicht, weil die kommunistische Partei immer noch am überall gescheiterten System der sozialistischen Planwirtschaft festhielt und damit alle selbstgesteckten Ziele verfehlte und eine Hungersnot erzeugte. Immerhin erkannte die Parteiführung das dann aber und änderte ihre Politik, was sehr schnell zu enormen Verbesserungen führte.
Ähnliches geschah in Polen, wenngleich man hier auch den nicht unerheblichen Förderprozess der EU ins Spiel bringen muss, was Zitelmann jedoch nicht tut. Und bei diesem Thema sollte man nicht unerwähnt lassen, dass es das reine kapitalistische System nirgendwo gibt. Besonders in Europa wird es zunehmend von einer planwirtschaftlichen Komponente beschädigt. Oder von Eingriffen des Staates, etwa bei der sogenannten Bankenrettung, die Fehlentwicklungen nicht behob, sondern eher noch verstärkte. Aber der "moderne" Sozialstaat braucht die Großbanken, um sich Kredite zu besorgen. Das sind jedoch keine Themen dieses Buches.
Vielmehr geht es Zitelmann darum, zu zeigen, dass Entwicklungshilfe, wie sie bis heute durchgeführt wird, keinesfalls zu Wohlstand führt, sondern reine Verschwendung von enormen Mitteln ist. Darüber gibt es genügend Bücher von wirklichen Experten, die dieses ernüchternde Fazit untermauern. Darin findet man übrigens auch genügend Belege wie Entwicklungshilfe lokale Marktwirtschaften beschädigt, statt sie aufzubauen oder zu unterstützen.
Ziemlich ernüchternd sind im Übrigen auch Zitelmanns Statistiken am Ende seiner zwei Kapitel. Sie zeigen insbesondere welche sozialistischen Verblendungen in deutschen Köpfen herumirren.