Slow Burn trifft auf düstere Fantasy
Anathema konnte mich besonders ab der zweiten Hälfte mit seinen zahlreichen Wendungen und Enthüllungen überzeugen. Die düstere Welt hebt sich deutlich von klassischen Fantasyromanen ab und hat einen ganz ...
Anathema konnte mich besonders ab der zweiten Hälfte mit seinen zahlreichen Wendungen und Enthüllungen überzeugen. Die düstere Welt hebt sich deutlich von klassischen Fantasyromanen ab und hat einen ganz eigenen Charakter. Nach einem eher langsamen Einstieg hat mich die Geschichte nicht mehr losgelassen und wurde zu einem Pageturner.
Nun aber ausführlicher
Maevyth wird als Baby vor den Toren ihres Dorfes am geächteten Wald der Eating Woods gefunden und von den Dorfbewohnern stets als Außenseiterin behandelt und gemieden.
Gemeinsam mit ihrer Stiefschwester flieht sie schließlich in den gefährlichen Wald. Als Maevyth durch ein Portal in eine magische Welt gelangt, werden die beiden getrennt und sie findet sich plötzlich mitten in einer Reihe neuer Gefahren und Geheimnisse wieder. Wird sie ihre Schwester jemals wiedersehen? Und welche Absichten verfolgt der geheimnisvolle Zevander, der sie zunächst rettet und später gefangen hält?
Besonders gut gefallen haben mir die Charaktere. Zevander wirkt zunächst ruhig, verschlossen und mürrisch, zeigt aber immer wieder, dass hinter seiner harten Fassade deutlich mehr steckt.
Maevyth hingegen besitzt eine scharfe Zunge und lässt sich nicht so leicht einschüchtern.
Auch die Nebenfiguren sind individuell gestaltet und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe.
Das Setting ist für mich eine der größten Stärken des Romans. Keri Lake erschafft eine düstere und bedrückende Welt voller Geheimnisse und Gefahren. Die Gothic-Fantasy-Elemente kommen dabei richtig gut zur Geltung und sorgen für eine einzigartige geheimnisvolle Stimmung.
Die Welt ist allerdings sehr komplex, weshalb die Handlung zunächst eher langsam voranschreitet. Die Autorin nimmt sich Zeit für den Aufbau ihrer Welt und ihrer Figuren. Wer durchhält, wird jedoch belohnt. Die Geschichte gewinnt an Tempo, bis sich gegen Ende die Ereignisse und Wendungen regelrecht überschlagen.
Auch die Beziehung zwischen Zevander und Maevyth entwickelt sich sehr langsam und entspricht damit einem echten Slow Burn. Die Autorin schafft es jedoch, die Spannung zwischen den beiden über den gesamten Roman hinweg aufrechtzuerhalten, sodass ihre Dynamik nie langweilig wird.
Anathema ist kein leichter Fantasyroman. Die Geschichte ist düster, komplex und fordert die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser. Trotz einiger Längen zu Beginn konnte mich der Roman letztlich überzeugen. Besonders die zweite Hälfte und das spannende Finale machen Lust auf mehr.
Und ich freue mich bereits sehr auf den zweiten Band.