Caroline Seibt zeigt, wie ein genialer Thriller geht!
Annas 23jährige Schwester Juli ist verschwunden. Schnell wird der Vater verdächtigt, sie ermordet zu haben. Familie Brunner beginnt zu zerbrechen und Anna versucht verzweifelt, für alle, besonders den ...
Annas 23jährige Schwester Juli ist verschwunden. Schnell wird der Vater verdächtigt, sie ermordet zu haben. Familie Brunner beginnt zu zerbrechen und Anna versucht verzweifelt, für alle, besonders den kleinen Bruder Leon, stark zu sein. Doch sogar die Familie, für die sie babysittet, wendet sich von ihr ab. Für Anna ist das jedoch aus anderen Gründen nicht akzeptabel.
Die Story wird aus den beiden Perspektiven von Anna und der Ermittlerin Katharina Engels in Ichform erzählt. Das mag ich gern und gibt unterschiedliche Informationen. Man lernt Anna kennen, die ihren inhaftierten Vater vermisst und sich um die depressive Mutter, den kleinen Bruder und sich selbst kümmern muss. Das allein macht schon fassungslos.
Kurt Hofer, ein verurteilter Mörder, bringt die Ermittler auf eine Spur, die den Cold Case wieder aktiviert. Katharina Engels wird von ihren Kollegen Kowalski und Faber nicht als Chefermittlerin anerkannt. Nur Miran ist auf ihrer Seite. Dieses Thema wird sehr stark ausgearbeitet. An sich gut, nur für mich schon wieder arg klischeehaft und zu dick aufgetragen.
Mich beeindruckt, wie Caroline Seibt es geschafft hat, die Story in der Mitte, also ab Teil zwei, regelrecht kippen zu lassen und damit alle bis dahin als sicher geglaubten Fakten lässig vom Tisch zu wischen. Doch damit nicht genug, es gibt eine Wendung nach der anderen. Es gibt immer wieder Spannungsspitzen, Längen dagegen erfreulicher Weise nicht. Mich haben die Wendungen fast schwindelig gemacht. Alles, was bisher logisch schien, war plötzlich völlig anders. Und das in sich stimmig, also auch wieder logisch. Atemberaubend!
Der Showdown ist krass! Motiv, Täter und Zusammenhänge sind absolut überraschend, aber komplett logisch aufgebaut. So seltsam es klingen mag, mir geht es ans Herz und an die Nieren, es macht mich wütend und traurig zugleich. Welche Gefühlsachterbahn! Hier ist Carolin Seibt etwas ganz Besonderes gelungen. Erfrischend anders, erfreulich neuartig, da gebe ich die vollen fünf Sterne. Rebecca Veil und Elke Appelt haben daran ebenfalls ihren Anteil. Sie haben den Text exzellent eingesprochen!