Berührend
„Leuchtfeuer“ von Dani Shapiro wollte ich schon seit einer ganzen Weile lesen und habe es zunächst mit dem Hörbuch versucht.Das hat für mich leider überhaupt nicht funktioniert. Ich kam nicht rein, war ...
„Leuchtfeuer“ von Dani Shapiro wollte ich schon seit einer ganzen Weile lesen und habe es zunächst mit dem Hörbuch versucht.Das hat für mich leider überhaupt nicht funktioniert. Ich kam nicht rein, war verwirrt, weil die Autorin wirklich sehr wild durch die Zeiten springt und mich auf ihrem Weg irgendwo verloren hat.
Jetzt wollte ich es nochmal wissen und habe mir das Buch besorgt. Das war eine gute Idee. Beim eigenen Lesen hatte ich mit dem Wechseln der Personen und der verschiedenen Zeitebenen überhaupt keine Probleme mehr. Im Gegenteil, ich fand die Sprünge richtig toll.
Zum Inhalt:
Das Buch beginnt mit einem tragischen Autounfall im Jahr 1985. Sarah und ihr 15jöhriger Bruder Theo machen gemeinsam mit Sarah‘s Klassenkameradin Misty eine Spritztour mit dem Auto ihrer Eltern. Da Sarah getrunken hat, fährt Theo verbotenerweise und verliert die Kontrolle über das Fahrzeug. Bei dem Unfall verstirbt Misty. Vielleicht war sie direkt tot, vielleicht hat aber auch das Eingreifen von Theo‘s Vater Ben den Tod verursacht. Als Arzt hätte er wissen müssen, dass man bei Verdacht auf Genickbruch, das Unfallopfer auf keinen Fall leichtfertig bewegen sollte.
Theo‘s Unfallfahrt wird vertuscht, es gibt keine strafrechtlichen Folgen und die Familie beschließt, dass über den Vorfall nie wieder geredet wird.
Die seelischen Folgen bestimmen natürlich trotzdem den weiteren Lebensweg aller Beteiligten. Verwoben wird die Geschichte dieser Familie Wilf mit einer Nachbarfamilie und deren Sohn Waldo. Der hochbegabte Junge hat einen schweren Stand bei seinem Vater und kann dessen Erwartungen überhaupt nicht erfüllen. Keiner versteht ihn, bis auf Dr. Ben Wilf von gegenüber, dem er sich öffnen kann und der ihm wirklich zuhört.
Die Geschichte hat mich sehr berührt. Besonders mochte ich Waldo und Ben, die alle beide große Sympathieträger des Romans sind.
Die Autorin beschreibt die Gefühlslagen ihrer Charaktere so gut, dass man sich in jeden Einzelnen sehr gut hineindenken kann. Man erfährt hier sehr gut, wie belastend ein Familiengeheimnis sein kann. In den knapp 300 Seiten werden allerdings noch eine Menge weiterer Themen behandelt.
Es gab so 1-2 esoterische Stellen, die hätte ich nicht gebraucht, man kann aber auch gut darüber weglesen.
Insgesamt empfehle ich das Buch gerne weiter. Ich mochte es wirklich sehr.