Profilbild von HarleyQ

HarleyQ

Lesejury Profi
offline

HarleyQ ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit HarleyQ über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2024

Wenn der Gamemaster mal Pause macht

Bücher und Barbaren
0

Was passiert eigentlich wenn die Held:innen der D&D-Kampagne so verletzt sind, dass sie mal eine längere Pause als nur eine "lange Rast" machen müssen? Klar, sie werden von ihrer Gruppe in einer Kleinstadt ...

Was passiert eigentlich wenn die Held:innen der D&D-Kampagne so verletzt sind, dass sie mal eine längere Pause als nur eine "lange Rast" machen müssen? Klar, sie werden von ihrer Gruppe in einer Kleinstadt alleine zurückgelassen, bis das Bein wieder gut ist. Der Orkin Viv gefällt das gar nicht, aber sie hat eben keine andere Möglichkeit. So streift sie durch Murk und stolpert eines Tages in das nicht gerade erfolgreiche Buchgeschäft von Fern. Doch es bleibt nicht so ruhig, wie Viv es erwartet hatte.
Travis Baldree präsentiert mit "Bücher und Barbaren" die Vorgeschichte zu seinem sehr erfolgreichen Vorgänger "Magie und Milchschaum" - und auch, wenn es eigentlich davor erschienen ist, muss man es nicht kennen, um "Bücher und Barbaren" zu genießen. Genießen ist hier das richtige Wort. Baldree meint selbst, er wollte ein Cozy Crime schreiben und das hat er geschafft.
Der Roman wirkt als wäre man in eine D&D-Kampagne gestolpert, bei der die/der Gamemaster:in mal eben kurz die Spieler:innen allein gelassen hat, um zu tun, was sie wollen - außer einen Kampf zu beginnen! Trotzdem wird es nicht langweilig. Viv versucht Fern zu helfen, ihr Buchgeschäft in die Gänge zu bringen und Fern versucht, aus Viv eine Leserin zu machen - was wollen bücherliebende Pen&Paper-Nerds mehr? Genau, nichts!
Bei mir folgt auf jeden Fall Band 2 und ich habe nichts gegen Band 3, 4 und 5.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2024

Macht wütend, aber auf gute Art

Und alle so still
0

Mareike Fallwickl schreibt in ihrem Roman "Und alle so still" von Frauen, die von einen Tag auf den anderen entscheiden, dass sie ihre Arbeit, die Hausarbeit und die Carearbeit nicht mehr machen. Aus Protest ...

Mareike Fallwickl schreibt in ihrem Roman "Und alle so still" von Frauen, die von einen Tag auf den anderen entscheiden, dass sie ihre Arbeit, die Hausarbeit und die Carearbeit nicht mehr machen. Aus Protest legen sie sich auf die Straße.
Fallwickl erzählt ihren Roman aus verschiedenen Perspektiven, darunter sind auch etwas ungewöhnlichere wie eine Pistole, die Gebärmutter und die Berichterstattung. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man kommt jedoch schnell rein und am Ende ist klar, dass es ein genialer Kunstgriff war, der den Mehrwert des Buches nur steigert. Aufrüttelnd erzählt die Autorin von den Orten in unserer Gesellschafft, wo Frauen unverzichtbar sind, teilweise weil Männer diese Arbeit einfach nicht machen wollen, da das doch "Frauensache" ist. Die Männer merken jedoch schnell, dass diese Aufgaben gar nicht so einfach wie gedacht sind und dass es eben nicht ohne die Frauen geht.
Als Frau hat man beim Lesen dieses Buches eigentlich keine andere Möglichkeit, als wütend zu werden. Wütend darauf, dass unsere Gesellschaft genau so funktioniert und dass es sich vermutlich nicht ändern wird. Am liebsten möchte man sich mit den Frauen im Roman auf die Straße legen, möchte aufzeigen, was eigentlich allen klar sein sollte - denn wenn der Roman eines nicht unbedingt gebracht hat, dann sind es bahnbrechende neue Erkenntnisse. Nein, er spricht nur das an, woran niemand denken möchte, was jeder ignoriert und irgendwo in eine dunkle Ecke des Gehirns sperrt. Fallwickl gräbt genau das hervor, spricht es an und zeigt: So sollte es nicht weitergehen, aber haben wir tatsächlich eine Alternative?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2024

Ganz viel Stil, sonst nichts

A Tempest of Tea
0

Vielleicht war bei diesem Buch mein Hauptgrund, es in die Hand zu nehmen, der Titel und das Cover und vielleicht ist das manchmal einfach nicht genug. Es war für mich schon mal sehr schwierig ins Buch ...

Vielleicht war bei diesem Buch mein Hauptgrund, es in die Hand zu nehmen, der Titel und das Cover und vielleicht ist das manchmal einfach nicht genug. Es war für mich schon mal sehr schwierig ins Buch reinzukommen, da die Autorin eine sehr künstlerische Sprache verwendet, bei der ich manchmal das Gefühl hatte, dass sie mir nur beweisen möchte, dass ihr Wortschatz deutlich größer als meiner ist. Das war der erste Moment, an dem ich überlegt habe, das Buch abzubrechen. Zwar muss ein Buch nicht auf einfachstem Niveau geschrieben sein, aber ich sollte nicht ein Wörterbuch benötigen, um es zu lesen. Als ich mich endlich halbwegs mit dem blumigen Stil arrangieren konnte, fand ich Gefallen an dem Setting und der Protagonistin - nicht oft finden man "Teesnobs", die immer ganz genau auf die Brühzeit schauen und behaupten, wer Grüntee nicht mag, hat nur Fehler in der Herstellung gemacht. Doch nach fast der Hälfte habe ich bemerkt, dass mir der Schreibstil wohl doch zu sehr zusetzt. Ich wusste immer noch nicht worum es ging, was eigentlich los ist, wer wer ist - aber wenigstens hat es immer gut geklungen...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2024

Interessante & schnelle Lektüre

Wir werden jung sein
0

"Wir werden jung sein" von Maxim Leo wirft durch seine Handlung große ethische Fragen auf. Was, wenn wir biologisch nicht mehr altern müssten, ewiges Leben erreichen könnten? Wer hätte überhaupt diese ...

"Wir werden jung sein" von Maxim Leo wirft durch seine Handlung große ethische Fragen auf. Was, wenn wir biologisch nicht mehr altern müssten, ewiges Leben erreichen könnten? Wer hätte überhaupt diese Möglichkeit - nur die Reichen und Mächtigen? In diesem Roman ist die biologische Verjüng eine "Nebenwirkung" von neuartigen Herzmedikamenten, die sich noch in der Probephase befinden. Deshalb bekommen vorerst auch nur vier Personen dieses Medikament, ein Jugendlicher mit Herzfehler, eine ehemalige Profischwimmerin, ein in die Jahre gekommener Geschäftsmann und eine junge Frau, die verzweifelt versucht ein Kind zu bekommen. Ihre Herzprobleme lösen sich und auch gegen die biologische Verjüngung spricht zuerst nichts, doch bald tauchen neue Probleme auf.
Maxim Leo hat für seinen Roman sehr viele Charaktere erschaffen, zwischen deren Perspektive von Kapitel zu Kapitel gewechselt wird. Größtenteils sind sie gut gezeichnet und ihr Verhalten verständlich und nachvollziehbar. Die ein oder andere Perspektive hätte man vermutlich weglassen können, ohne viel von der Geschichte zu verlieren, denn bei zu vielen Charakteren ist die Gefahr groß, dass man beim Lesen die Übersicht verliert. Ein weiteres Problem bei zu vielen Charakteren zeigt sich auch gegen Ende des Romans, denn hier fehlt plötzlich die Zeit, den Roman zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen. Handlungselemente folgen viel zu schnell aufeinander und es wirkt übereilt und unstimmig. Während ich es gut finde, dass die großen moralischen Fragen offen bleiben, bleibt trotzdem ein Gefühl der Unvollständigkeit nach dem Beenden des Buches.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.04.2024

Berührend

Demon Copperhead
0

Barbara Kingsolver hat mit Demon Copperhead eine moderne David Copperfield Geschichte geschrieben - da ich David Copeprfield noch nicht gelesen habe, kann ich das nur schwierig beurteilen, dafür bin ich ...

Barbara Kingsolver hat mit Demon Copperhead eine moderne David Copperfield Geschichte geschrieben - da ich David Copeprfield noch nicht gelesen habe, kann ich das nur schwierig beurteilen, dafür bin ich unvoreingenommen an den Roman gegangen. Und vielleicht war das das Beste, das passieren konnte!
Der Protagonist, Demon, ist der Sohn einer drogenabhängigen Mutter, die Demon nichts von seinem biologischem Vater erzählt und auch noch einen Stiefvater ins Haus holt, der sie ständig schlägt. Demon hat eindeutig kein Glück im Leben, denn nach dem Tod seiner Mutter wird er von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht. Doch Demon ist ein sher sympathischer Junge, ein Charakter mit dem man sich sofort wohlfühlt, mit dem man mehr Zeit verbringen möchte. Das ist auch gut so, denn das Buch ist nicht gerade kurz. Trotzdem ist es nicht langweilig und plötzlich sind da nur mehr ganz wenige Seiten.
Demon Copperhead zeigt ein Schicksal, das vermutlich viel zu viele Kinder betrifft. Der Roman zeigt, wie wichtig Chancengleichheit, die nicht(!) existiert ist und wie das Sozialsystem Kinder vernachlässigen kann. Es ist eine Botschaft, dass wir etwas ändern müssen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere