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Veröffentlicht am 16.03.2026

Toller Start

Happy Head
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Josh Silvers Roman "Happy Head" ist ein gelungener Einstieg in eine interessante Welt, der durchaus begeistern kann.
Der Protagonist in "Happy Head" ist Seb, der einen Platz in einer Studie für ein Mental-Health-Programm ...

Josh Silvers Roman "Happy Head" ist ein gelungener Einstieg in eine interessante Welt, der durchaus begeistern kann.
Der Protagonist in "Happy Head" ist Seb, der einen Platz in einer Studie für ein Mental-Health-Programm erhält. Angeblich soll den Teilnehmer:innen geholfen werdern, damit sie ihre Stärken erkennen, diese nutzen können und wieder glücklicher werden. Doch bald merkt Seb, dass hier irgendetwas seltsam ist, nicht nur weil die Jugendlichen komplett von der Außenwelt abgeschnitten werden.
Mich hat der Roman mit seiner zugänglichen Sprache, die sehr nah an der Umgangssprache ist und auch hin und wieder Slangwörter enthält, schnell abgeholt und Seb wirkte dadurch sympathisch und nahbar. Die Entscheidungen, Gedanken und Zweifel Sebs sind nachvollziehbar und auch die Gefühle, die er im Laufe des Romans entwickelt wirken nicht aufgesetzt oder erzwungen. Schwierigkeiten hatte ich ein wenig mit der Auflösung, da mir hier etwas die Zusammenhänge fehlen und damit, dass der Band nicht als Einzelband funktioniert und eigentlich nur ein halbes Buch ist.
Die Bewerbung als Mischung aus "Squid Game" und "Am Ende sterben wir sowieso" kann ich leider gar nicht nachvollziehen.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Interesse lässt mit den Seiten nach

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Jacqueline Harpman schreibt in ihrem Roman "Ich, die ich Männer nicht kannte" über eine Gruppe Frauen, die in einem Untergrundgefängnis festgehalten werden. Sie wissen weder, wie sie dorthin gekommen sind, ...

Jacqueline Harpman schreibt in ihrem Roman "Ich, die ich Männer nicht kannte" über eine Gruppe Frauen, die in einem Untergrundgefängnis festgehalten werden. Sie wissen weder, wie sie dorthin gekommen sind, noch wie lange sie schon dort sind. Die Ich-Erzählerin, die als kleines Kind eingesperrt wurde, weiß nicht einmal, wie die reale Welt aussieht. Eines Tages jedoch bekommen die Frauen eine Möglichkeit, an die Oberfläche zu kommen.
Anfangs ist es noch interessant, zu beobachten, wie die Frauen sich sozialisieren, was die Protagonistin kann, weiß und auch von den älteren Frauen lernt. Doch mit der Zeit treten immer wieder Unstimmigkeiten auf und das Rätselraten mit den wenigen wirren Hinweisen tritt zu sehr in den Vordergrund, sodass das Interesse an der Geschichte sinkt. Ich erwarte mir keine klare Antwort, was passiert ist und wieso die Frauen eingesperrt waren, aber den ein oder anderen Hinweis, den man logisch mit einem anderen verknüpfen kann, wäre schon schön gewesen.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Zwei Welten treffen aufeinander

Mo & Moritz
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In "Mo & Moritz" schreibt Julya Rabinovich über die ganz besondere Liebesgeschichte der beiden Mos. Der eine Mo heißt eigentlich Mojab und ist Kurde und muslimisch, zu Beginn des Romans fliegt er von der ...

In "Mo & Moritz" schreibt Julya Rabinovich über die ganz besondere Liebesgeschichte der beiden Mos. Der eine Mo heißt eigentlich Mojab und ist Kurde und muslimisch, zu Beginn des Romans fliegt er von der Schule und beginnt eine Friseurlehre in einem Salon in der Wiener Innenstadt. Außerdem ist Mo schwul, davon dürfen seine Eltern aber nicht wissen, denn sie würden es niemals akzeptieren. Der andere Moritz ist Jude, seiner Familie hängt noch das Generationentrauma aus der Zeit des Nationalsozialismus nach. Moritz ist auch schwul, aber seine Eltern sind diesem Thema gegenüber offener eingestellt. Die beiden lernen sich am Opernball kennen, denn Moritz darf eröffnen, Mojab Frisuren machen.
Rabinovich hatte für ihren Jugendroman eine gute Idee und auch die beiden Mos sind durchaus realistisch gezeichnet. Sie greift wichtige aktuelle Themen auf und versucht zu vermitteln, dass wir am Ende mehr sind als unsere Religion - oder eben alle nur "Menschen", egal woher wir kommen. Das große Problem jedoch, weshalb ich auch so mit dem Roman gekämpft habe, ist die Sprache, denn diese ist zu abgehoben, zu realitätsfremd. Mo wirkt - und das jetzt bitte nicht falsch verstehen - streckenweise zu gebildet. Sprachlich wirkt das Buch wie von einem Gelehrten aus einem Professorenhaushalt und das ist Mo(jab) eben nicht. Dadurch fühlt sich die Erzählung oft auch einfach falsch an und wirkt kalt und distanziert.
Ein guter Ansatz, aber leider eine falsche Umsetzung.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Junge Frau, vom System vergessen

Half His Age
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In Jennette McCurdys Romandebüt "Half His Age" geht es um die 17jährgie Waldo, die mit ihrer Mutter - auch wenn sie diese nicht oft sieht - in einem Trailerpark lebt und versucht, irgendwie ihren Schulabschluss ...

In Jennette McCurdys Romandebüt "Half His Age" geht es um die 17jährgie Waldo, die mit ihrer Mutter - auch wenn sie diese nicht oft sieht - in einem Trailerpark lebt und versucht, irgendwie ihren Schulabschluss zu bekommen. Doch dann tritt Mr. Korgy in ihr Leben, der Lehrer für kreatives Schreiben, und für Waldo ist sofort klar: Diesen Mann möchte sie erobern.
Ich bin in diesen Roman gestartet mit einer leisen Befürchtung, dass ich ein neues "Lolita" lesen werde. Doch der Fokus auf Waldo, dadurch dass dieser Roman aus ihrer Perspektive erzählt wird, verändert alles. Das Verlangen geht eindeutig von Waldo aus, auch wenn es vielleicht nicht das ist, was sie wirklich will oder braucht. Mr. Korgy lehnt sie anfangs sogar noch ab. Wir bekommen viel von den Lebensumständen Waldos mit, verstehen, weshalb sie so ist, wie sie ist - verzweifelt, wütend, hoffnungslos.
Kurz: Hier schreibt kein alter, weißer Mann über seine unstillbare Gier nach jungen, unschuldigen Mädchen, sondern eine junge Frau, die von ihrer Familie und dem System vergessen wurde und Halt sucht - und diesen findet sie eben beim Sex mit älteren Männern.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Unerwartete Wendungen

Ruf der Leere
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In Daniel Alvarengas "Ruf der Leer" geht es um den jungen Erwachsenen Felix, Medizinstudent, Sohn eines wohlhabenden Professors, der eigentlich nur mit seinem Freund, der gerade wieder aus Australien zurückgekommen ...

In Daniel Alvarengas "Ruf der Leer" geht es um den jungen Erwachsenen Felix, Medizinstudent, Sohn eines wohlhabenden Professors, der eigentlich nur mit seinem Freund, der gerade wieder aus Australien zurückgekommen ist, und ein paar anderen Freunden und "Anhängsel" ein nettes Wochenende in einer Waldhütte verbringen möchte. Doch sie bleiben nicht lange unter sich - der Tod in Person kommt sie besuchen und sagt ihnen, dass nur eine:r von ihnen überleben wird. Wer das sein wird? Das dürfen sie selbst entscheiden.
Der Roman wird jedoch nicht nur aus der Felix Perspektive erzählt, sondern auch oft von Laura, seiner Ex-Freundin, und ab und zu auch anderen Charakteren. Dabei wechselt die Handlung ständig zwischen der Gegenwart in der Hütte und der Vergangenheit mit dem Fokus auf Felix und Laura und einem Seminar in Medizinethik. Eine "einfache Lösung", wie das Buch enden könnte, ist schnell gefunden und es scheint auch immer wieder Hinweise auf genau so ein Ende zu geben. Doch Alvarenga geht nicht den einfachen Weg und trotzdem wirkt auch sein Ende natürlich und nachvollziehbar - und die Hinweise auf das andere Ende sind vermutlich sogar absichtlich so gesetzt.
Sprachlich überzeugt der Autor mit einer Leichtigkeit und Schroffheit, die die Charaktere echt und nahbar wirken lässt - vielleicht nicht unbedingt sympathisch, aber auch das gut zu schreiben, muss gelernt sein! Durch den Sprachstil fliegt man nur so durch die knapp 400 Seiten und hat nie das Gefühl, dass das Ganze künstlich in die Länge gezogen würde.
Mein größter Kritikpunkt liegt tatsächlich an meiner Namensschwäche, denn die wichtigsten Charaktere Felix, Fabian, Bill, Ben, Laura und Lena zu nennen war nicht unbedingt notwendig - es gibt auch Namen, die sich nicht so ähnlich sind.

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