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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2021

Zu wenig Geschichte, zu viel Familiendrama

Die Kaffeedynastie - Tage des Aufbruchs
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Leider konnte mich das Buch überhaupt nicht überzeugen und das lag nicht nur daran, dass ich etwas anderes erwartet habe. Im Klappentext wird zuerst das Schicksal von Eberhart zu Kriegsende geteasert, ...

Leider konnte mich das Buch überhaupt nicht überzeugen und das lag nicht nur daran, dass ich etwas anderes erwartet habe. Im Klappentext wird zuerst das Schicksal von Eberhart zu Kriegsende geteasert, dann das von Corinne in der Gegenwart. Von Eberhart erfahren wir aber reichlich wenig im Buch, er bekommt nicht einmal 10 Kapitel gewidmet und die Kapitel, die wir bekommen, sind historisch sehr oberflächlich gehalten und bringen kaum interessanten Inhalt. Da wunderst es eine/n, wenn die Autorin im Nachwort schreibt, wie wichtig ihr dieser Teil war und wie betroffen sie von der Recherche über diese Zeit war. Bei einer wirklich tief schürfenden Recherche, die durchaus betroffen machen kann, hätte ich mir persönlich mehr Inhalt gewünscht.
Die Geschichte in der Gegenwart war kitschig und vorhersehbar. Bis auf diese eine große Enthüllung, die einfach nicht in dem Roman gepasst hat, heutzutage nicht so ein großer Schockmoment sein sollte und dann innerhalb von zwei Seiten abgehandelt wurde...
Ein weiterer Punkt, der meine Bewertung für dieses Buch rechtfertigt, ist, dass es teilweise wirkt, als hätte es ein Kind geschrieben. Sätze, die eigentlich zwei sein sollte, werden durch Beistriche verbunden und somit fast unlesbar. Im hochemotionalen Moment, wenn sich die beiden Geschwister endlich wieder verstehen, sagt der erwachsene Alexander: "Tut mir leid, dass ich so blöd zu dir war..." Blöd? Gibt es da kein besser Wort als "blöd"? Und was hat "Oki" in einem Roman zu suchen?

Für mich leider ein totaler Fehlgriff und komplett falsches Marketing. Ein Roman, der gefühlt nicht mal zu einem Fünftel in der Vergangenheit spielt, ist für mich nicht historisch...

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2020

So viel mehr als nur Gay-Romance

The Music of What Happens
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The Music of What Happens bietet so viel mehr als das Cover und der Titel vermuten lassen. Ich bin an das Buch herangegangen mit der Vermutung eine kitschige Gay-Romance zu lesen. Die habe ich auch bekommen, ...

The Music of What Happens bietet so viel mehr als das Cover und der Titel vermuten lassen. Ich bin an das Buch herangegangen mit der Vermutung eine kitschige Gay-Romance zu lesen. Die habe ich auch bekommen, jedoch auch so viel mehr. Konigsbergs Roman ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die die Leserinnen packt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Nach dem Aussteigen fühlt man sich immer noch leicht schwindelig, das Buch hinterlässt auf jeden Fall seine Spuren.
Am Ende des Romans gibt der Verlag Triggerwarnungen, die für diesen Roman auf jeden Fall nötig sind, auch wenn ich sie nicht gelesen habe, um mich nicht zu spoilern. Konigsberg spricht wichtige Themen an, die nicht nur die LGBTQ+-Gemeinde betreffen. Dies macht er mit brutaler Ehrlichkeit und einer Heftigkeit, dass man manchmal das Buch für eine Weile zur Seite legen muss, um das Gelesene erstmal zu verdauen. Vor allem, wenn man sich selbst in diesen Situationen wiederfindet, ist es erschreckend, wie realistisch die Gefühle und Gedanken der Protagonisten geschildert sind, sodass man sich als Leser
in Gedanken macht, was der Autor vielleicht alles schon durchmachen musste.
Auf diese Szenen folgen jedoch wieder Szenen, die einem ein Pflaster auf die aufgerissenen Wunden legen und einen fest in den Arm nehmen, damit man ja nicht zerbricht, an dem eben Miterlebten. Sensibel und einfühlsam lässt der Autor die Leser*innen tief in die Gefühle der Protagonisten eindringen und uns an ihrem Heilungsprozess teilhaben.
Das alles ist verpackt in einem angenehmen und leicht verständlichen Schreibstil, der exakt auf die beiden Protagonisten passt und sie sofort nahbar und sympathisch macht. Man wünscht den beiden Jungs nur das Beste, lacht und weint mit ihnen und will sie am Ende eigentlich gar nicht verlassen. Obwohl das Ende ziemlich schnell kommt und viele Fragen offen bleiben, wirkt das Buch doch nicht unvollständig.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2020

Thriller? Reportage? Cronica?

Der erste Tote
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In Tim MacGabhanns Debütroman finden die beiden Journalisten Andrew und Carlos die Leiche eines jungen Studenten in Mexiko. Schnell wird diese von der Polizei weggebracht. Carlos geht der Sache nach und ...

In Tim MacGabhanns Debütroman finden die beiden Journalisten Andrew und Carlos die Leiche eines jungen Studenten in Mexiko. Schnell wird diese von der Polizei weggebracht. Carlos geht der Sache nach und bezahlt dies mit seinem eigenen Leben.
MacGabhann nimmt die Leser.innen mit auf eine Reise in ein Mexiko, das sich so normalerweise nicht der Öffentlichkeit zeigt. Er zeigt die dunkle Seite, von der die meisten vermutlich bescheid wissen, dies aber bewusst verdrängen. Er zeigt auf, wie wenig ein Menschenleben in Mexiko wert ist, vor allem wenn dieses Leben einem neugierigen Journalisten gehört. Der Autor berichtet von den noch immer anhaltenten Kriegen rund um die Ölvorkommen in einem der umstrittensten Länder der Welt. Hierbei hilft seine jahrelange Erfahrung als Journalist, bei der er selbst aus Mexiko berichtet hat.
Sein Roman ist somit auch eine Mischform, die am Anfang etwas fremd auf die Leser.innen wirkt, jedoch perfekt zu dem Thema und den Protagonisten passt. Sein Buch präsentiert sich als Thriller, der jedoch nicht von einem unzerstörbaren Polizisten oder Detektiv vorangetrieben wird, sondern von einem Journalisten, der selbst unsicher ist und Angst hat vor dem Wespennest, in das er sticht. Durch den journalistischen Protagonisten ist der Roman geprägt von Gesprächen, Recherchen und Interviews. Actionszenen muss man suchen, doch sie fehlen auch nicht. MacGabhann selbst bezeichnet seinen Roman als Mischung aus Thriller und Cronica, einer literarischen Form aus Mexiko, bei der Reportage und Roman vermischt werden, um über die Realität berichten zu können, ohne die Kartelle und den Tod fürchten zu müssen. Dies ist MacGabhann meisterhaft gelungen.
Sein Schreibstil erinnert an Hunter S. Thompson und passt somit perfekt in die Unterwelt von Mexiko. "Der erste Tote" liest sich als Hard-Boiled-Crime-Novel mit einen sensiblen Protagonisten und ganz viel Poesie. Diese Poesie mag dreckig und verkommen sein, doch dies macht sie nur noch viel schöner, denn sie bricht durch den ganzen Dreck und die verpestete Luft und bringt etwas Sonne und einen schönen Atemzug, zwischen dem ganzen Tod und der Gewalt.
Dazu kommt Andrew, der als Protagonist erst total fehl am Platz scheint. Andrew ist unsicher, möchte lieber nicht eingreifen um sich selbst zu schützen. Doch nach dem brutalen Mord an seinem Partner kann er nicht mehr wegschauen. Trotzdem bleibt Andrew sensibel, die Bilder an den Mord verfolgen ihn und oft versinkt er in seiner Trauer und seinen Gefühlen. Als Mann der Schwäche, Liebe und Unsicherheit zeigt, ist er etwas ganz besonderes in der Literatur, das es leider viel zu selten gibt, obwohl es doch so wichtig ist!

  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2020

Möglicherweise der neue Jugendbuchhit?

The Loop. Das Ende der Menschlichkeit (The Loop 1)
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"The Loop" ist ein High-Tech-Gefängnis in dem die minderjährigen Insassen als Stromversorgung diesen. Und wenn sie nicht gerade der täglichen, sechs Stunden andauernden Folter unterzogen werden, bei der ...

"The Loop" ist ein High-Tech-Gefängnis in dem die minderjährigen Insassen als Stromversorgung diesen. Und wenn sie nicht gerade der täglichen, sechs Stunden andauernden Folter unterzogen werden, bei der ihre gesamte Energie aus ihrem Körper gesaugt wird, müssen sie als Versuchskaninchen herhalten, um an ihnen die neuesten Gadgets zu testen, die später dann, in die Körper der Modifizierten eingebaut werden, natürlich nur wenn man es sich leisten kann.
Aber plötzlich funktioniert der perfektionierte Tagesablauf im Loop, gesteuert von der KI Happy, nicht mehr reibungslos und bei den Insassen geht das Gerücht um, dass ein neuer Krieg bevorsteht!

The Loop ist der brandneue dystopische Jugendroman von Ben Oliver, der mich von Anfang an gepackt hat und bis zur letzten Seite (und darüber hinaus) nicht losgelassen hat.
Olivers Stil ist perfekt für die Geschichte des 16-jährigen Luka und seine Gedanken. Oliver spricht durchaus schwierige und wichtige Themen an, ohne dabei zu kompliziert oder anstrengend zu werden. Gleichzeitig schreibt er über Jugendliche, Slums und Gangs ohne in der Sprache anfällig zu werden. Er hat den genauen Punkt getroffen, der für dieses Buch perfekt passt. Vielleicht ist das was Geschieht an dem einen oder anderen Punkt unrealistisch, aber hier bekommt der Roman von mir den Actionbonus, solange es nicht zu "overpowered" ist und gut aussieht, lass ich ihm da etwas Freiheit.

Der Roman spricht viele wichtige Themen an, auf die wir uns derzeit gerade zubewegen. Unter anderem (ohne zu viel zu spoilern) spricht die KI Happy die Gerichtsurteile, ein Algorithmus entscheidet über Leben und Tod (oder den Loop, der vermutlich schlimmer ist als der Tod). Zu welchen Problemen diese Art der Entscheidungsfindung, nicht nur im Justizwesen, führen kann, wurde durchaus schon erforscht.

Ich kann den zweiten Band kaum erwarten und werde mir bis dahin vermutlich weiter den Kopf zerbrechen, was da jetzt eigentlich genau passiert ist!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2020

Spannendes Rätselraten in neuem Setting

Raum der Angst
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Raum der Angst ist ein spannender Thriller einer ganz neuen Art. Er wird verkauft als "Escape-Room-Thriller" und war der erste seiner Art, den ich gelesen habe. Mit seinem Setting in und rund um einen ...

Raum der Angst ist ein spannender Thriller einer ganz neuen Art. Er wird verkauft als "Escape-Room-Thriller" und war der erste seiner Art, den ich gelesen habe. Mit seinem Setting in und rund um einen tödlichen Escape Room erinnert er an Filme wie Saw, The Cube und Escape Room, steht diesen aber in nichts nach.
Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten, etwas eigenes in diesem sehr limitierten Genre zu erschaffen, hat der Autor doch einige Alleinstellungsmerkmale für sich herausarbeiten können:
Die Räume des Escape Rooms selbst, sind gut und detailreich geschrieben. Der Leser/die Leserin kann mitraten und mitfiebern, mit den eingesperrten Versuchskaninchen. Der Großteil der Lösungen ist auch durchaus logisch und man kann selbst auf diese Lösungen kommen.
Das Escape Room-Thema durchzieht das ganze Buch, nicht nur die Versuchskaninchen im Escape Room müssen Rätsel lösen um aus dem Raum zukommen und ihr Leben zu retten, auch die ermittelnden Polizisten sehen sich vor Rätseln und Aufgaben gestellt um in den Escape Room zu kommen und die Versuchskaninchen zu reten.
Der Roman hat eine sehr gute und durchaus plausible Begründung für die Geschehnisse und die Motive des Täters. Nebenbei wirft er auf moralische Fragen auf, die dem Leser/der Leserin jedoch nicht zu stark aufgedrängt werden.
Als letzter Punkt, ist der Roman sehr gut als Einzelband angelegt, bei dem ein weiterer Band folgen kann, aber nicht muss!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere