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Veröffentlicht am 04.06.2020

Auszeit einer Ehe

Auszeit bei den Abendrots
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Helene und Josef sind seit über 25 Jahren ein (eigentlich) glückliches Paar, der erwachsene Sohn ist schon längst ausgezogen, Josef ist ein erfolgreicher Chirurg. Helene gibt ein paar Stunden die Woche ...

Helene und Josef sind seit über 25 Jahren ein (eigentlich) glückliches Paar, der erwachsene Sohn ist schon längst ausgezogen, Josef ist ein erfolgreicher Chirurg. Helene gibt ein paar Stunden die Woche Sprachunterricht, hat eine Kolummne in einer Hundezeitschrift, führt den Haushalt und kredenzt Josef aufwendige Mahlzeiten. Doch anscheinend ist nicht alles so wie es scheint, denn auf dem Weg in den gemeinsamen Urlaub, der nach Venedig gehen sollte, ist schon auf der Fahrt eine gehörige Disharmonie spürbar. Und in Venedig kommt dann auch nur Helene an, denn Josef zieht urplötzlich die Reißleine in ihrer Ehe und verlässt ohne ein Wort oder eine Aussprache das Auto, als sie an einer Mautstelle halten müssen, und verschwindet. Erst nach einigen Tagen meldet er sich kurzbündig per Mail bei Helene und bittet um eine Auszeit. Dass diese Auszeit Nathalie heißt und nur etwas so halb so alt wie Josef, dass weiß Helene nicht. Doch einfach nur abwarten bis diese Auszeit vorbei ist, davon bringt sie ihre treue Freundin Adrienne schnell ab. Und so macht sich Helene selbst auf die Suche nach ihren Wünschen und Vorstellungen vom Leben und entdeckt sich wieder neu. Will sie um ihre Ehe kämpfen? Und was will Josef? Eine sehr turbulente Zeit mit einigen überraschenden Wendungen beginnt.

Wieder einmal hat mich der filigrane Erzählstil, der humoriges mit Tiefsinn, realistische Figuren verbindet, kombiniert mit einer feinen Prise Tragik, Drama und Komödie, gefesselt. Alexandra Holenstein erzählt abwechselnd aus den Perspektiven der Eheleute, wenn auch Helene die wahre Heldin des Romans ist und ihre Sichtweise daher auch die Ich-Perspektive. Durch beide Sichten kann der Leser die Gefühle, die Euphorie und Trauer, die inneren Kämpfe, aber auch die Entwicklung, die die beiden nehmen, miterleben. Starke Worte, ausdrucksstarke Sätze, bildhafte Begebenheiten, gelungene Dialoge, Situationskomik, aber auch Ernsthaftigkeit - das ist das, was man alles in diesem Roman findet. Die Protagonisten wachsen einem ans Herz, sogar Josef ! Vielleicht auch , weil gerade bei Josefs oft impulsives Verhalten einige Klischees bedient und aufs Korn genommen werden, so dass man als Leser ziemlich oft auch schmunzeln muss, weil seine Aktionen mitunter sehr humorvoll und vor allem bildhaft beschrieben werden. Aber auch Helene tappt in die ein oder andere ungeplante und lustige Situation. Zudem gibt es einige sehr gut pointierte Nebencharaktere, die einem beim Lesen ebenfalls gute Laune machen. Aber es ist auch ein Roman, der einem zum Nachdenken anregt, der vieles hinterfragt, gerade rückt , der beleuchtet, dass zu einer Ehe immer zwei gehören und dass jeder wichtig ist.

Mit hat die Mischung aus guter Unterhaltung, Witz, aber vor allem auch Tiefsinn sehr gut gefallen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.05.2020

Zum mitträumen

Träume in Meeresgrün
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Die letzten Tage habe ich in Nova Scotia, genauer gesagt in Lunenburg, einer Stadt an der kanadischen Ostküste, verbracht. Der neue Roman von Miriam Covi hat mich genauso verzaubert, wie "Sommer in Atlantikblau" ...

Die letzten Tage habe ich in Nova Scotia, genauer gesagt in Lunenburg, einer Stadt an der kanadischen Ostküste, verbracht. Der neue Roman von Miriam Covi hat mich genauso verzaubert, wie "Sommer in Atlantikblau" und "Sommer unter Sternen".

Amelie, ihr Vater und ihre Schwester mit Freund reisen zu einem gemeinsamen Urlaub nach Kanada. Ein Wunsch des Vaters. Amelie versteht den Grund nicht, ihr Vater hüllt sich seltsam in Schweigen, wenn er danach gefragt wird, doch da er vor einem Jahr einen Schlaganfall hatte, will sie ihm den Wunsch erfüllen, auch wenn das bedeutet längere Zeit mit Lars, dem Freund ihrer Schwester, zusammenzusein. Denn sie hat Lars schon angehimmelt, als er noch nicht mit ihrer Schwester zusammen war. Doch Amelie hat in ihrem Leben schon öfters zurückstecken müssen, vielleicht auch, weil sie die schüchterne der Schwestern ist. Zudem ist sie nicht bereit so etwas wie Glück in ihrem Leben zuzulassen, zu sehr belastet sie der Tod der Mutter, der zwar schon so lange zurück liegt, immer noch.

Schon am ersten Urlaubstag begegnet sie in Lunenburg Callum. Schon nach der ersten Begegnung knistert es gewaltig zwischen den beiden, doch Amelie fällt es schwer, sich das einzugestehen.

Viele Verwicklungen und ein lang gehütetes Geheimnis macht aus diesem Roman ein tolles Leseerlebnis und bietet romantische und vor allem sehr knisternde Unterhaltung, so dass ich das Buch mit immerhin fast 500 Seiten, in 3 Tagen durchgelesen hatte. Die symphatischen Protagonisten, die in ihrem Leben bereits Höhen, aber vor allem auch viele Tiefen erlebt haben, berühren. Die Nebencharaktere sind interessant und man würde am liebsten selbst durch Lunenburg bummeln und mit dem ein oder anderen eine Tasse Tee oder Kaffee trinken. Vor allem auch die so liebevoll beschriebene Stadt und die Umgebung haben mich in Urlaubsstimmung versetzt.

Träume in Meeresgrün verleiten zum mitträumen, mitfiebern und miterleben einer romantischen, abwechslungsreichen und fesselnden Geschichte mit überraschenden Wendungen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.05.2020

Abwechslungsreich und romantisch

Hin und nicht weg
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Anabel, eigentlich immer auf dem Sprung, tätowiert und mit grell gefärten Haaren, braucht wieder einmal eine Auszeit. So kommt ihr die Hochzeitseinladung ihres Cousins Lasse wie gerufen. Dort begegnet ...

Anabel, eigentlich immer auf dem Sprung, tätowiert und mit grell gefärten Haaren, braucht wieder einmal eine Auszeit. So kommt ihr die Hochzeitseinladung ihres Cousins Lasse wie gerufen. Dort begegnet sie dem attraktiven Tierarzt Rob, der zufällig keine Sprechstundenhilfe hat und arbeitsmäßig total überlastet ist. Durch gewisse Umstände ergibt sich, dass sich zwischen den beiden so verschiedenen Protagonisten durch die Arbeitsstelle eine win-win-Situation ergibt, auch wenn sie eher wie abstoßede Pole eines Magnete aufeinander wirken. Anabel hat nun eine Unterkunft und eine Ausrede für ihren Vater, Rob eine Helferin......doch so banal oder seicht, wie es vielleicht klingt, ist es nicht. So dachte ich jedenfalls auch nur am Anfang des Romans, doch meine Meinung hat sich ziemlich schnell geändert und die Figuren sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Lisa Keil erzählt aus zwei Persepektiven, abwechselnd von Rob und Anabel, so dass man beide sehr gut kennenlernt und vor allem hinter ihre Fassaden schaut. Rob ist weder der Beau, Anabel keine ausgeflippte Aussteigerin. Beide haben ihr Herz am rechten Fleck und beide haben ihre eigenen Probleme, die sie aber gut vor dem anderen verheimlichen können.

Die Autorin hat mich durch fesselnde Dialoge der beiden, durch spannende Tierarzt-Einsätze, aber vor allem durch die Entwicklung, die Rob und Anabel durchleben, bestens unterhalten Dazu haben die überraschenden Wendungen, ihr übriges dazu beigetragen, dass ich das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Ich war wirklich hin und weg von dieser Lovestory.

Übrigens gibt es bereits einen ersten Band. der von Kyla und Lasse erzähtl, den ich aber vorher nicht kannte. Aber nun nachholen werde.

Fazit:

Eine romantische, lustige, aber auch tiefgehende und immer wieder abwechslungsreiche Lovestory.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.05.2020

Anders als gedacht

Marta schläft
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Ein Mord- und ein Opfer. Vergangenheit, und Gegenwart. So einfach ? Nein, hier spielt Romy Hausmann mit den Figuren und auch mit dem Leser.

Nadja will ihrer Freundin helfen, als diese in Not geraten ...

Ein Mord- und ein Opfer. Vergangenheit, und Gegenwart. So einfach ? Nein, hier spielt Romy Hausmann mit den Figuren und auch mit dem Leser.

Nadja will ihrer Freundin helfen, als diese in Not geraten ist. Der Notfall erweist sich als Leiche, die beseitigt werden muss. Doch schnell wird aus der Hilfe eine Bedrohung für Nadja.

Anfangs etwas verwirrend, weil viele Fäden, viele scheinbar nicht zusammenhängende Sequenzen erzählt werden, dennoch schon von Beginn an wurde ich dadurch auch neugierig. Was steckt hinter den Fäden, wie hängt alles zusammen? Verschiedene Rückblenden und ein aktuelles Geschehen, welches immer wieder neue Wendungen und Überraschungen bereit hält. Wem kann man trauen, wen betrauern? Es gibt nicht die Guten und die Bösen, es gibt Schuldige und Geschädigte, Misshandelte und Opfer. Die Übergänge sind fließend und wechselhaft.

Dieser Thriller war anders, er ist nicht überaus blutig, er spielt auf der psychischen Ebene, er punktet mit sich veränderten Protagonisten und mit den Gefühlen des Lesers, der eigentlich keinem der Akteure so richtig trauen kann.

Nachdem ich mich darauf eingelassen habe, diese Fäden anfangs nicht immer überblicken zu müssen, hat der Roman mir spannende Unterhaltung beschert und war nach zwei Tagen ausgelesen. Ein Buch, bei dem man über Schuld noch eine Weile nachgrübelt, auch nach dem die Buchdeckel schon lange geschlossen hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.05.2020

5. Band einer Reihe

Portugiesische Wahrheit
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ch muss gestehen, dass ich vor allem auf das Buch durch den Schauplatz Lissabon aufmerksam geworden bin. In Lissabon habe ich meinen letzten Urlaub verbracht. Nicht gewusst hatte ich, dass es sich hierbei ...

ch muss gestehen, dass ich vor allem auf das Buch durch den Schauplatz Lissabon aufmerksam geworden bin. In Lissabon habe ich meinen letzten Urlaub verbracht. Nicht gewusst hatte ich, dass es sich hierbei um eine Reihe handelt und man sollte die Vorgängerbände kennen. Ich kannte sie nicht und tat mich beim Lesen und Verstehen anfangs schwer. Aber der Reihe nach.

Henrik Falkner lebt seit einigen Jahren in Lissabon, dort hat er von seinem ermordeten Onkel Martin ein kleines, aber ganz besonderes Antiquariat mitsamt dem Haus und den Wohnungen geerbt. Das Haus ist allerdings schon sehr marode und bereitet Henrik viel Kopfzerbrechen. Das Antiquariat ist eine Schatzgrube, wenn auch nicht im materiellen Sinne, den Henrik ist eigentlich immer in Geldsorgen, Martin hat nicht nur alte Bücher, sondern auch alte Geheimnisse gesammelt und Henrik muss nach und nach herausfinden, was die geheimen Hinterlassenschaften alles bedeuten.

Ausgerechnet als seine Mutter Simone, mit der er nicht das beste Verhältnis hat und die Henrik am liebsten wieder zurück in Deutschland hätte, ihn besuchen kommt, wird in dem Hotel, in dem sie übernachtet, im Hotelpool bei Bauarbeiten eine Leiche gefunden.Da Opfer ist allerdings bereits seit ca. 25 Jahren tot und wurde im Pool einbetoniert. Henriks Bekannte bei der Polizei verrät im einige Details und er findet im Antiquariat ein notiertes Datum auf einer alten Karte. welches ihm bei der Spurensuche hilft, denn er hat mit seiner detektivischen Spürnase gleich Blut geleckt, vor allem, weil er vermutet, dass dieser Todesfall mit dem Verbrechen an den Lebensgefährten seines Onkels vor 20 Jahren zusammenhängen könnte. Dieses wurde nie aufgeklärt und Henrik hat auch hier das Erbe seines Onkels angetreten und versucht seit einiger Zeit den geheimnisvollen Täter zu überführen, etwas, was Martin nie gelungen ist.

Bei vielen Figuren habe ich anfangs nicht viel verstanden, die Hinweise auf vergangene Begebenheiten haben mich eher verwirrt als das sie mir weitergeholfen hätten. Aber dennoch, irgendwie war ich von dem Erzählstil des deutschen Autors, der unter dem Pseudonym Luis Sellano schreibt, angetan. Von den Begebenheiten, der Erzählperspektive, dem Ort natürlich sowieso. Viele genannten Kirchen und Plätze habe ich nachgegoogelt und geschaut, ob ich sie auch gesehen habe, viele Wege, die Henrik durch Lissabon gegangen ist, habe ich gedanklich vor Augen gehabt. Und nach und nach habe ich auch einige Details, die ich nicht so wichtig empfand auch einfach ausblenden können und habe mich dann schnell auf das aktuelle Geschehen konzentrieren können. Dies war abwechslungsreich und für mich auch spannend erzählt.

Am Ende dann aber wieder ein Cliffhanger, der mich, da ich nun einen guten Überblick über die Figuren gefunden habe, dazu animiert, auf alle Fälle auch den nächsten Band zu lesen. Oder vielleicht auch vorher mal mit dem Einstiegsband "Portugiesisches Erbe" zu beginnen um die noch vorhandenen Lücken zu füllen.

Fazit:

Wer die ersten Bände nicht kennt, sollte auf jeden Fall mit dem ersten Band beginnen, ansonsten gibt es bei dem einen Fall, der sich durch alle Bände, wie ein roter Faden zieht, doch zu vieles, was man nicht richtig verstehen kann. Wer unbedingt mit diesem Band anfängt, sollte nicht zu schnell aufgeben. Der Erzählstil, die Figuren und das Setting, sowie eine konstante Grundspannung haben mir gefallen.

3,5 Sterne (da ich die Vorgängerbände nicht kannte )

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere