Kaum auszuhalten!
Schmerzhaft nah beschreibt die Autorin die Kindheit ihrer Protagonistin Clara, die ungeliebt nach dem Selbstmord ihres Vaters bei Mutter und Stiefvater auf einem Hof aufwächst. Die Mutter steht nie für ...
Schmerzhaft nah beschreibt die Autorin die Kindheit ihrer Protagonistin Clara, die ungeliebt nach dem Selbstmord ihres Vaters bei Mutter und Stiefvater auf einem Hof aufwächst. Die Mutter steht nie für das Kind vor dem Stiefvater ein, sondern fügt sich in seinen teils jähzornigen Willen, denn sie scheint sich nur zu fühlen, wenn sie einen Mann an ihrer Seite hat.
Nach und nach enthüllt der Roman die Zusammenhänge in dieser Familie immer mehr und immer tiefer - teilweise reichen sie bis in die Großeltern Generation zurück - und damit auch welches psychische Leid Carla in ihrer Kindheit erdulden musste. Dieses gipfelt sogar in physischer Gewalt.
Erst als sie schwanger wird und ein Mädchen zur Welt bringt, hat sie die Kraft sich alles vor Augen zu malen und sich aus den Abhängigkeiten zu befreien, denn sie war "so klein und zerbrechlich, so neu noch auf dieser Welt" (S. 177).
Dieser so ruhig geschriebene Roman über eine Befreiung aus Lieblosig- und emotionaler Abhängigkeit geht unter die Haut und ist teilweise kaum auszuhalten in seiner erzählerischen Intensität. Wie gut, dass am Ende diese Eigenrettung steht.