Eine Leseempfehlung
Swinging Colognes ist ein Krimi, der uns in das Jahr 1969 nach Köln führt. Es ist die Zeit der Studentenunruhen, von Mini-Rock, Hot Pants, Disco und Drogen. Die älter Generation hält von den „Gammlern“ ...
Swinging Colognes ist ein Krimi, der uns in das Jahr 1969 nach Köln führt. Es ist die Zeit der Studentenunruhen, von Mini-Rock, Hot Pants, Disco und Drogen. Die älter Generation hält von den „Gammlern“ nichts und so manche davon wünschen sich mal lauter oder leiser die frühere Ordnung herbei. Standardsatz „früher hätte es das nicht gegeben“. Ja eh! Und ja, man hat, der guten alten Zeiten wegen, wieder eine Bürgerwehr aufgestellt, die sich um diese Langhaarigen kümmern soll.
Holger Paffrath, Inspektor bei der Kölner Polizei, bittet Chrissy van Larken, eine leicht gelangweilte Studentin um Hilfe. Astrid, eine junge Frau wird vermisst. Chrissy, immer auf der Suche nach Abwechslung im Leben, beginnt mit den Recherchen in einer der zahlreichen Discos. Dabei stößt bald auf eine Gruppe Motorradfahrer mit denen nicht gut Kirschen essen ist, sowie auf einen Schwarzen mit langem weißen Haar, der sie fasziniert.
Wenig später ist Gisela, eine weitere junge Frau verschwunden. Während Astrid wieder auftaucht, findet man Giselas Leiche. Gestorben an einer Überdosis Heroin. Als sich herausstellt, dass Gisela Linkshänderin war, aber die Einstichstelle sich am linken Arm befindet, recherchiert Holger auch im Drogenmilieu. Er findet mehrere vermisste Frauen, die in ihrem Aussehen Gisela und Astrid ähneln, und glaubt ein Muster zu erkennen.
Martin, Giselas Bruder, heftet sich auf Chrissys Spuren, um herauszufinden, was geschehen ist, denn er glaubt nicht, dass seine Schwester drogensüchtig war. Als leidenschaftlicher Fotograf schleicht er in der Nacht rund um die Disco und macht Fotos von den Anwesenden. Auch die Motorradfahrer sind zu sehen und jemand, der nicht gesehen werden will, sowie ein fetter Mercedes, der noch eine Rolle spielen wird.
Dann brennt die Gartenlaube von Martins Eltern, in dem er sein Fotolabor untergebracht hat. Nun müssen die Eltern den Tod ihres zweiten Kindes verkraften. Zuvor hat Martin die Fotos und die Negative an Chrissy geschickt.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist ein wenig anders als die üblichen Kriminalromane. Er ist mehr ein Sittenbild des Wirtschaftswunderlandes. Man kann sich wieder etwas leisten, die Jugend ist aufmüpfig, revoltiert gegen die Eltern und Großeltern. Vergessen sind die Entbehrungen des Krieges und die unmittelbare Not danach. Man will das Leben genießen, Zigaretten, Alkohol und Drogen, sowie über die Stränge schlagen. Peter Alexander war gestern, heute sind die Rolling Stones tonangebend. Hier hätte ich mir eine Art Playlist gewünscht.
Die Geschichte hat mir recht gut gefallen, auch wenn ich nicht ganz glauben kann, dass eine ungeschulte Zivilistin wie Chrissy Ermittlungen für die Polizei anstellen darf. Nun ja, zu Beginn war es ja nur eine kleine Bitte, in einem Lokal nach einer jungen Frau zu fragen. Chrissy findet nun in diesem Abenteuer ihre Berufung und eröffnet zu guter Letzt eine Detektei. Das ließe ebenso Raum für eine Fortsetzung, wie die herrlich undurchsichtig angelegte Figur des großen Schwarzen mit dem weißen, langem Haar. Willie, wie er sich nennt, ist angeblich Brite, oder vielleicht auch nicht. Ebenso wenig wird deutlich, ob er einer von den Guten oder den Bösen ist.
Chrissy ermittelt wie ihr großes Vorbild Emma Peel - mit Schirm, Charme, aber ohne Kanone.
Schade nur, dass die Verbrecher nicht vor den Richter gestellt werden, sondern in guter alter Tradition Selbstmord begehen oder auf der Flucht bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen. Gerechtigkeit kann den Opfern, zu denen auch die Hinterbliebenen zählen, nicht zu teil werden.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi 4 Sterne.