Inspirierend, wenn …
Ja, wenn. Wenn man der Typ Mensch für solche Touren ist. Denn der Teufel liegt im Detail. Haben diejenigen, die sich hier gleich inspiriert fühlen, mal genau hingesehen und bemerkt, wie wenig Gepäck im ...
Ja, wenn. Wenn man der Typ Mensch für solche Touren ist. Denn der Teufel liegt im Detail. Haben diejenigen, die sich hier gleich inspiriert fühlen, mal genau hingesehen und bemerkt, wie wenig Gepäck im Spiel ist? Man muss also mit wenigen Sachen auskommen, die man täglich durchschwitzt. Also muss man sie auch ständig waschen. Und schlafen muss man auch irgendwo. Wo eigentlich? Im Text findet man zu diesen und anderen Einzelheiten, an denen mancher scheitern kann, nicht erwähnt. Geht man täglich essen? Oder wie ernährt man sich auf solchen Touren? Fragen über Fragen, die sich so manch Euphorisierter offenbar nicht stellt.
Und schließlich bleibt die entscheidende Frage nach den Einzelheiten der jeweiligen Wegstrecke. Man kann sie offenbar herunterladen, wenn man den QR-Code am Ende des Buches scannt. Oder man geht auf die Verlagsseite, wo mir nicht klar geworden ist, wie man dem Verlag nachweisen kann, dass man das Buch tatsächlich besitzt. Denn sonst kostet es etwas. Wenn man alle diese Fragen für sich geklärt hat, dann hat man ein tatsächlich inspirierendes Buch vor sich. Es beruhigt nämlich, wenn jemand eine Tour schon abgefahren hat und sie für machbar hält. Wenn also insbesondere der Untergrund vernünftig ist. Denn wenn man nur Kartenmaterial benutzt, selbst in Deutschland, kann man üble Überraschungen erleben. Ich habe in Brandenburg schon kilometerlang mein Rad geschoben, weil der vorgebliche Radweg aus feinem Sand bestand.
Die Touren in diesem Buch sind allein vom Bildmaterial großartig. Aber man muss dafür eben auch geschaffen sein. Die Beschreibungen geben nur das wieder, was man auf den Fotos zu sehen glaubt. Manchmal jedoch kann man erahnen, was wirklich dahinter steht. Liest man zum Beispiel den Text zur Weichsel-Tour, dann findet man dort, dass der Autor 209 Kilometer am Stück in 14 Stunden gefahren ist. Das ist erheblich, denn irgendwann wird er auch mal Rast gemacht haben. Es geht also keineswegs gemütlich zu, sondern im Challenge-Stil. Braucht man acht Stunden Schlaf, dann bleiben noch maximal zwei bis zur Nachtruhe übrig.
Kurzum: Dieses Buch bietet viele gute Ideen, zu deren Umsetzung man aber auch bereit sein muss.