Agnes im Meer
Ein Buch, das unheimlich Ruhe ausstrahlt, die auf den Leser übergeht. Hier wird die Liebe zur Natur, zur Einfachheit gefördert und man legt das Buch aus der Hand und denkt über vieles anders, man wird ...
Ein Buch, das unheimlich Ruhe ausstrahlt, die auf den Leser übergeht. Hier wird die Liebe zur Natur, zur Einfachheit gefördert und man legt das Buch aus der Hand und denkt über vieles anders, man wird demütiger. Als 1923 die junge Agnes auf die Insel Trischen im Wattenmeer kommt, soll sie als Hauswirtschafterin im Luisenhof arbeiten. Die raue Schönheit der Landschaft nimmt sie sofort gefangen, ihr wird gezeigt, wie man Strandhafer anbaut, um die Deiche zu schützen. Auch ein junger schwäbischer Vogelwart kommt auf die Insel, ein in sich gekehrter, nur für die Natur und die Vögel lebender Mann, in den sich Agnes verliebt. Später erwirbt die Stadt Altona die Insel, sie wird ein Erholungshort für Künstler und Kinder. Hier betreibt Agnes sogar eine Schenke. Dann besetzten die Nationalsozialisten die Insel. Agnes überwintert bei ihrer Mutter und den beiden Schwestern, wobei die jüngere blind ist. 1942 kommen Zwangsarbeiterinnen nach Trischen und die junge Mascha braucht unbedingt die Hilfe von Agnes, was wiederum deren Leben mit 40 voll auf den Kopf stellt. Die Autorin schreibt mit so viel Gefühl über die Schönheit dieses Landstriches, der Landgewinnung und des Deichbaus. Sie fängt die Abendstimmung ein, die Stille, das weite Meer und die Tierarten, die sich hier heimisch fühlen. Zudem hat es Agnes wirklich gegeben und sie hat lange Zeit ihres Lebens auf der Insel gelebt und diese mitgestaltet und versucht, dem Meer Land abzugewinnen. Gekonnt wird hier Fiktion mit der Realität vermischt und das Buch fliest in gleichmäßigen und ruhigen Bahnen dahin, obgleich es auch einige schwierige und traurige Episoden gibt. Meist in sehr poetischer Form lernen wir die Insel kennen. Aber auch politische und naturwissenschaftliche Themen, die Stellung der Frau, die Emanzipation von Agnes, die harte Arbeit in den Dünen, das karge Leben auf der Insel, werden hier angesprochen. Ich bin von diesem Roman total verzaubert. In unserer hektischen Welt ist Trischen zumindest im Buch unser Ruhepol geworden. Das Cover ist mehr als gut gelungen. Das blaue Meer geht in den blauen Himmel über und dort schweben etliche Vögel durch die Lüfte.