Cover-Bild Snooker in Kairo

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 15.03.2018
  • ISBN: 9783406719028
Waguih Ghali

Snooker in Kairo

Roman
Maria Hummitzsch (Übersetzer)

In „Snooker in Kairo“ geht es um Ram, einen ägyptischen „Fänger im Roggen“ als Ich-Erzähler, und seinen Freund Font, ihre Familien und Freunde, und um seine Liebe zur Jüdin Edna. Ram und Font stammen aus der ägyptischen Oberschicht, es ist das Kairo der 1950er-Jahre, das heute sehnsüchtig verklärt wird. Sie sind eher europäisch, aber nicht arabisch geprägt und schon gar nicht religiös. Waguhi Ghalis glänzend geschriebener, einziger Roman wurde während des arabischen Frühlings zu einem Fanal für die Demonstrierenden, weil das von ihm beschriebene Ägypten unter Nasser mit seiner Repression so sehr an die Gegenwart erinnert. Die jungen Leute verachten die dekadente Schicht, aus der sie teilweise kommen, und bleiben doch gefangen in den Annehmlichkeiten, die sie gewohnt sind, sie wirken orientierungslos und verloren, zynisch, empfindsam, komisch, anarchisch und voll Lebenshunger. „Snooker in Kairo“ zeichnet ein faszinierendes Zeitbild, mit trockenem Humor und voller Melancholie, und erzählt die aufwühlende, gefährliche Liebesgeschichte zwischen Ram und Edna. Teilweise wie ein „Großer Gatsby“ in Kairo, ein erstaunlich aktuelles und doch zeitlos schönes Buch.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2018

Schwermütig, rastlos und mit einer nicht zu verachtenden politischen Nuance — ein Einblick in die reiche Oberschicht Ägyptens in den 1950er Jahren.

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Neugierig durch das ungewöhnliche Cover musste ich mir Waguih Ghalis 1964 erstmals erschienenen und Roman „Snooker in Kairo“, der jetzt zum allerersten Mal in Deutschland erschienen ist, einmal genauer ...

Neugierig durch das ungewöhnliche Cover musste ich mir Waguih Ghalis 1964 erstmals erschienenen und Roman „Snooker in Kairo“, der jetzt zum allerersten Mal in Deutschland erschienen ist, einmal genauer ansehen. Der Klappentext klang zwar etwas zu „hochgestochen“ und politisch für mich, aber ganz im Sinne meiner „Lesen außerhalb der Komfortzone“-Aktion habe ich ihn mir dann doch zur Brust genommen. Es geht um Ram und seinen Freund Font, die beide aus gutem Hause kommen, ohne selbst nur einen Cent am Leib zu tragen. Inmitten der gehobenen Gesellschaft sind sie arm und versuchen durch Glücksspiel, ihr Konto aufzubessern. Denn die Verwandtschaft nach Geld fragen, das geht nun wirklich nicht. Während die anderen Mitglieder ihres sozialen Umfelds ihren Weg gefunden zu haben scheinen, irren Ram und Font ziellos durch die ägyptische Stadt, unsicher, wie sie sich fühlen oder verhalten sollen. Obwohl beide einen Uni-Abschluss aus Großbritannien mitbringen, schlagen sie sich ohne größere Beschäftigung durch den Alltag und versuchen ihre Tage irgendwie herumzubekommen, ob nun beim Polo oder Bridge im Club. Denn die Oberschicht, der die beiden angehören, ist nicht „typisch ägyptisch“, sondern durch und durch angepasst an Europa; man spricht Französisch oder Oxford-Englisch, spricht abfällig von dem „Fellachen“, der ägyptischen Unterschicht, und irgendwie scheint ein jeder seine Natürlichkeit abgelegt zu haben, um die „europäische Kultiviertheit“ zu erreichen. Und von dieser Kultiviertheit profitieren Ram und Font schlussendlich auch, denn nur durch diesen britischen „Way of Life“ ihrer Familien ist es ihnen möglich, so zu leben, wie sie es tun.

»Wenn ich kein Ägypter bin, was bin ich dann?« — »Du bist, was du bist. Ein Mensch, der in Ägypten geboren wurde, auf eine englische Schule gegangen ist, viele Bücher gelesen hat und Phantasie besitzt. Aber zu sagen, dass du dies oder Ägypter bist, ist Unsinn.«

Auch Ram bemerkt im Laufe seines Lebens, während seinem ersten Aufenthalt in England, dass er sich merklich verändert, dass er seinen ägyptischen Humor und seine Leichtigkeit abstreift und dafür die Blasiertheit und leichte Arroganz derer annimmt, die ihn umgeben. Doch nicht nur der Tapetenwechsel mag Grund für diese Veränderung sein, sondern vermutlich auch seine Liebe zu Edna, einer reichen Jüdin, die ihm gehörig den Kopf verdreht hat und seine Liebe offensichtlich nur erwidert, wenn er seiner Arroganz freien Lauf lässt. Die Liebe und Beziehung zu Edna durchzieht das Buch wie ein roter Faden; in jeder freien Minute seines Lebens scheint Ram sehnsüchtig an sie zu denken — bis er letzten Endes „wegen des Geldes“ doch eine Andere heiratet. Er brüstet sich mit seiner Armut, während ihm Butler des Clubs schon Fünf-Pfund-Noten zustecken. In London werden Ram und Font auch erstmalig mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus konfrontiert, etwas, das ihm bisher völlig fremd war. Der Gang zur Ausländerbehörde wurde zur Qual, und dabei wollten die Beiden doch lediglich ihr Visum verlängern.

Über die politische Lage im Ägypten der 50er Jahre hatte (und habe) ich leider keinen Überblick, deshalb habe ich während der Lektüre einiges nachschlagen müssen. Dennoch hat sich mir der Einblick verwehrt, den ich gehabt hätte, hätte ich ausführliche Kenntnisse über diese Zeiten mitgebracht. Zahlreiche Kleinigkeiten habe ich nicht verstanden und so blieb mir nur noch die Essenz des Romans, die Handlung an sich und ihre Charaktere. Während die Handlung leise vor sich hin plätschert und durchaus träge ist, stechen die Charaktere umso mehr heraus. Der aufbrausende Font, die geheimnisvolle Edna, und natürlich unser Protagonist Ram sind allesamt schillernde Charaktere, die vom Autor wunderbar gezeichnet wurden. Die Erzählung, die aus der Ich-Perspektive erfolgt, ist geprägt von Rams Grübeleien und einer Schwere, die den Eindruck erweckt, der Leser befände sich in einer Wüste und müsste sich durch die Dürre zum Ende des Buches ziehen.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/waguih-ghali-snooker-in-kairo