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14,00
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 14.03.2024
  • ISBN: 9783423148917
Alex Capus

Susanna

Roman | »Eine augenöffnende Lektüre einer unglaublichen Emanzipation.« Denis Scheck, ARD ›druckfrisch‹

»Capus auf der Höhe seiner Fabulierkunst.« Manfred Papst, NZZ

Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, neue sind noch nicht zu haben. In New York wird die Brooklyn Bridge eröffnet, Edisons Glühbirnen erleuchten die Stadt. Mittendrin Susanna, eine Malerin aus Basel, die mit ihrer Mutter nach Amerika ausgewandert ist. Während Maschinen die Welt erobern, kämpfen im Westen die Ureinwohner ums Überleben. Falsche Propheten versprechen das Paradies, die Kavallerie steht mit entsicherten Gewehren bereit. Mit ihrem Sohn reist Susanna ins Dakota-Territorium. Sie will zu Sitting Bull, um ihn zu warnen. Ein Portrait, das sie von ihm malt, hängt heute im State Museum North Dakotas. Das ergreifende Abenteuer einer eigenwilligen und wagemutigen Frau, voller Schönheit und Mitgefühl erzählt.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2024

Interessant

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Die Lichterketten waren hübsch anzuschauen und die gotisch himmelwärts sterbenden Brückentürme ein eindrücklicher Anblick, das musste sie zugeben. Aber die Glühbirnen waren doch nur Glitterkram und Firlefanz. ...

Die Lichterketten waren hübsch anzuschauen und die gotisch himmelwärts sterbenden Brückentürme ein eindrücklicher Anblick, das musste sie zugeben. Aber die Glühbirnen waren doch nur Glitterkram und Firlefanz. Sie machten die Nacht nicht wirklich zum Tag und würden Dr Menschheit keine Erleuchtung bringen, sondern verlängerten Arbeitstage bis tief in die Nacht hinein. Und auch die Brücke war keine Straße in eine lichtere Zukunft. Ihr einziger Daseinszweck bestand darin, möglichst viele Arbeitssklaven frühmorgens in ihre Hamsterräder und abends zurück in ihre Schlafhölen zu verfrachten." S 198 f

Alex Capus hat hier einen Roman über eine Frau und gleichzeitig über eine Zeit des Umbruchs geschrieben. Die Industrialisierung, das elektrische Licht und etliche Erfindungen verändern das Leben der Menschen enorm. Es wird komfortabler, allerdings nur für jene die es sich leisten können und die Armutsschäre scheint weiter auseinanderzuklaffen als jemals zuvor.
Die einen Leben im Luxus während die Ureinwohner in den Shows von Buffalo Bill präsentiert werden wie Zirkusatraktionen.
Susanna beginnt immer mehr Szenen aus dem Leben der Arbeiter zu malen und auf bitte ihres Sohnes malt sie auch ein Bild von Sitting Bull. Im Laufe der Handlung erfährt man immer mehr über das Schicksal der First Nations und wie sie missioniert und ins Reservat vertrieben wurden was in meinen Augen eine der größten Verbrechen der amerikanischen Geschichte darstellt. Missionare verwirren die Ureinwohner, nehmen ihnen ihre Würde und ihre Rechte. Susanna beschließt Sitting Bull vor der drohenden Katastrophe zu warnen und reist mit ihrem Sohn ins Land der Dakota.

Mir hat der Roman gut gefallen und ich habe ihn fast in einem Zug durchgelesen. Der hauptkritikpunkt war für mich das Ende. Das kam für mich zu plötzlich und ich hätte mir einen runderen Abschluss gewünscht. Auch hatte ich gedacht das die Protagonistin früher in der Handlung schon auf Sitting Bull treffen wird. Die Begegnung der beiden war mir etwas zu wenig ausgeführt und zu kurz beschrieben. Ansonsten gefiel mir die Geschichte und auch der Schreibstil sehr gut.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Der Wilde Mann

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Mit fünf Jahren sticht Susanna dem Wilden Mann mit ihrem Finger ein Auge aus. Von der ersten Seite dieses Romans an wird deutlich, dass wir es mit einer ausgewöhnlichen Protagonistin zu tun haben. Capus ...

Mit fünf Jahren sticht Susanna dem Wilden Mann mit ihrem Finger ein Auge aus. Von der ersten Seite dieses Romans an wird deutlich, dass wir es mit einer ausgewöhnlichen Protagonistin zu tun haben. Capus erzählt die Lebensgeschichte von Susanna Faesch, die in (Klein-)Basel in der Schweiz ihre ersten Lebensjahre verbrachte. Für die Beschreibung dieser sehr sittenstrengen, monotonen und geradezu sterbenslangweiligen Gemeinschaft läßt sich Capus recht viel Zeit; hier lernen wir auch Maria, Susannas Mutter genau kennen, die schließlich ihre Koffer packt und mit der einzigen Tochter nach New York auswandert. Hier wird aus Susanna sehr früh eine beliebte Porträtmalerin, die sich besonders auch für Native Americans interessiert. Schließlich reist sie mit Mitte Vierzig nach Dakota, lernte Sitting Bull kennen und fertigt mehrere Porträts von ihm an. Soweit das historische Grippe, aus dem Capus einen Roman mit sehr vielen interessanten Details gemacht hat.

Er stellt die "alte" und die "neue" Welt gegenüber, flicht verschiedene Konflikte innerhalb Europas ein, beschreibt den Einzug der Moderne durch die Eisenbahn, die Glühbirne, die Elektrifizierung, die Einwandererareale in Brooklyn, die Geistertänze und schließlich die Kämpfe mit und die Massaker an den Native Americans.

Capus wählt einen distanzierten Ton für seinen Roman, der sich dadurch verstärkt, dass der Erzähler häufig aus der Geschichte hervortritt und kommentiert. Es steck unheimlich viel drin in diesem Text. Wie bei einem Kaleidoskop, das bei jeder kleinen Drehung ein neues Muster zeigt, finden wir ständig neue, interessante Elemente, die man weiterverfolgen möchte, doch schon kommt das nächste Muster.

Gewünscht hätte ich mir, dass die Begegnung mit Sitting Bull etwas mehr Raum bekommen hätte, schließlich wirbt der Klappentext genau damit. Als Susanna sich auf den Weg nach Dakota macht, hat das Buch aber plötzlich nur noch 50 Seiten, da war ich etwas enttäuscht. Am Ende, wenn man die Geschichte nochmal rekapituliert, passt es aber doch, denn Susanna steht im Mittelpunkt dieser Entwicklungsgeschichte. Sehr gut gefallen hat mir, wie sich der Kreis am Ende schließt und Bezug auf den Beginn des Romans nimmt, mit einem "Wilden Mann" und mit einem Tanz. Einem, der nur "wild" ist innerhalb der erlaubten, strengen Tradition und einem anderen Tanz, der einer Befreiung gleichkommt und zu einer Tragödie führt.

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