„Wir dürfen sichtbar sein. Und wir sind so viele.“
„Schwarz wird großgeschrieben“ ist ein Buch für mehr Sichtbarkeit und Vielfalt, geschrieben von Schwarzen Frauen für Schwarze Frauen - und ihre Verbündeten.
"Es sind nicht unsere Unterschiede, die uns ...
„Schwarz wird großgeschrieben“ ist ein Buch für mehr Sichtbarkeit und Vielfalt, geschrieben von Schwarzen Frauen für Schwarze Frauen - und ihre Verbündeten.
"Es sind nicht unsere Unterschiede, die uns trennen. Es ist unsere Unfähigkeit, diese Unterschiede zu erkennen, zu akzeptieren und zu feiern." (Audre Lorde)
In dieser Anthologie gibt es 21 Beiträge, die viel Stoff zum Nachdenken bieten. Wie ihre Lebensrealität hierzulande aussieht; welche Träume und Zukunftsvisionen sie haben, davon erzählen intim und schonungslos 20 Schwarze FLINTA. In ihren Texten brechen sie mit Stereotypen, fordern zum Umdenken auf und erschaffen einen Raum für eigene Identitäten.
Nicht nur für Schwarze Personen – jeder kann hier noch etwas lernen und verstehen, eigene Denk- und Sichtweisen hinterfragen und sich seiner eigenen Privilegien bewusst werden. Gerade als weiße Person kann (und sollte!) man sich hier mit Fragen auseinandersetzen, die gerade nicht zum eigenen Lebensalltag gehören.
"Es gibt zu wenige Räume, in denen unser Schwarzsein in seiner Unterschiedlichkeit sichtbar wird und sich entwickeln kann. Schwarze Menschen werden von der Dominanzgesellschaft zu einer homogenen Gruppe gemacht. Der Blick auf unsere Unterschiedlichkeiten ist getrübt. Klischees rund ums Schwarzsein nehmen uns den Platz zum Entfalten.
Dieses Buch macht Platz!"
Die Beiträge sind ganz unterschiedlicher Natur, jeder zeigt eine andere Sichtweise, berichtet von anderen Erlebnisse. Viele Beiträge haben mich sehr berührt und/oder zum Nachdenken angeregt.
"Aber was erwartet man auch? Wenn man Menschen zusammenpfercht, ohne Möglichkeiten, sich zu beschäftigen oder zu arbeiten. Ohne jegliche Freiheit, sich zu bewegen, ohne familiäre Unterstützung oder Bildungsaktivitäten, ohne Kontakt mit anderen Communities, gar nichts. Was glaubst du, was das mit Menschen macht? In was sie sich verwandeln? Ich kann nicht sagen: Tiere. Schließlich wird denen in Deutschland wenigstens ein bisschen Freiheit geschenkt. Auch unsere Umgebung war an alles andere als freundlich gesinnt. Auf dem Weg zum Supermarkt wurden wir von Deutschen angespuckt. Wir wurden beschimpft. Es gab sexualisierte Gewalt. Ich kam nach Deutschland, weil ich Frieden suchte. Als ich hier ankam, musste ich den Frieden erst mal wieder neu für mich definieren. Was ist Frieden? Was ist Heimat? Fragen, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an die Situation denke, die ich erlebte - nicht nur ich, sondern viele Newcomerinnen (ich bevorzuge dieses Wort gegenüber dem Begriff "Flüchtlinge"). Für mich bedeutet Frieden nicht mehr nur, dass ich keine Schüsse höre oder das nirgendwo eine Bombe explodiert, nein. Frieden definiert sich für mich durch das Zusammenleben mit Menschen. Es geht um gegenseitigen Respekt. Es geht darum, dass Menschen sich gegenseitig mit Würde behandeln und sich auf das Gegenüber einlassen." (Fatuma Musa Afrah & Celia Parbey)
"Wir sind nicht alle gleich, weil wir alle Schwarz sind. Manche von uns werden schon allein aufgrund unserer Erscheinung als mehr oder weniger Schwarz und damit auch mehr oder weniger gefährlich eingestuft. Wie hell oder dunkel ist meine Haut? Wie sehr ähneln meine Gesichtszüge und meine Haarstruktur der europäischen Norm? Welchem Geschlecht werde ich zugeordnet? Ist diese Zuordnung eindeutig oder nicht? Auf welchen sozialen Status lässt meine Kleidung und gegebenenfalls auch meine berufliche Qualifikation schließen? Gibt es sichtbare Hinweise auf meine Religionszugehörigkeit? In welchen Räumen bewege ich mich? Bin ich vereinzelt und isoliert oder mit anderen Schwarzen Menschen zusammen? Wie werden diese Anderen bewertet?"
Das Buch ist wunderschön mit Collagen der Künstlerin Sharonda Quainoo illustriert.
"Ich wünsche mir, mit euch lernen zu dürfen, unsere innere Kraft zu finden. Ich wünsche mir, dass wir uns einladen, die Anteile unseres Schwarzen großen Körpers, die wir trainiert wurden zu verstecken, sanft zu streicheln. Was auch immer wir spüren, ist unseres. Für uns da. An keine Erwartungen oder Bedingungen geknüpft. Darf sichtbar und spürbar sein. Wir dürfen sichtbar sein. Und wir sind so viele. Lasst uns einander finden." (Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum).
Ein sehr kluges, wichtiges und lesenswertes Buch zum Thema Rassismus.