Cover-Bild Schäfchen im Trockenen

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

10,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 272
  • Ersterscheinung: 09.06.2020
  • ISBN: 9783442719716
Anke Stelling

Schäfchen im Trockenen

Roman
Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Und Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht.

Ausstattung: Pepper: Preis der Leipziger Buchmesse

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.09.2020

Mit Wut im Bauch geschrieben

0

Resi, die Hauptakteurin, ist Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihr Büro befindet sich in der kleinen, viel zu engen Wohnung; ein Zwei-Quadratmeter-Verschlag neben der Küche.
Zusammen ...

Resi, die Hauptakteurin, ist Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihr Büro befindet sich in der kleinen, viel zu engen Wohnung; ein Zwei-Quadratmeter-Verschlag neben der Küche.
Zusammen mit ihren Schulfreunden ist Resi vor vielen Jahren mit einem Koffer voller Träume nach Berlin gezogen. Resi stammt aus einfachen Verhältnissen, ihre Freunde nicht – aber das spielt scheinbar lange Zeit gar keine Rolle. Geld, Kapital oder Immobilien, nein, das lehnen die selbst ernannten Linksliberalen zunächst ab. Resi glaubt diese Lebenslüge ihrer Clique.
Aber Zeiten ändern sich: Mit den Jahren stellt sich eine Midlife-Crisis ein. Wie will man leben? Ja, jetzt zeigt sich die gesellschaftliche und soziale Herkunft. Resi hat nichts im Rücken, ihr ehemaliger Freund stammt hingegen aus reichem Elternhaus und ihre Freundin hat wohl nicht ganz zufällig einen wohlhabenden Arzt als Ehemann auserkoren.
Den Prenzlauer Berg, einst heruntergekommenes, aber kreatives Viertel vor dem Mauerfall, haben mittlerweile gutverdienende Hipster entdeckt, die die Mieten in die Höhe treiben und für Menschen wie Resi unerreichbar machen.
Von den linken Träumen und den politischen Ansprüchen bleibt nur eine Lebenslüge. Gerne nehmen sie das Erbe und das Geld ihrer Familien entgegen Resi beschreibt dieses wohlstandverwahrloste Milieu in einem Roman schonungslos, der Aufsehen erregt. Ihre Kumpel erkennen sich und fühlen sich bloßgestellt. Resi wird für diese schonungslose Darstellung bestraft. Als Nestbeschmutzerin kündigt ihr einstiger Kumpel ihrer sechsköpfigen Familie eingeschnappt den Untermietvertrag. Zum Schluss bleibt Resi konsequenterweise nur der Umzug an den Stadtrand, Prenzlauer Berg ist für nicht mehr finanzierbar. Ihre Freunde hingegen haben ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht. Sie leben in komfortablen Baugruppen-Eigenheimen ihr selbstverliebtes Hipsterleben im Szeneviertel selbstgefällig weiter und lügen sich in die Tasche mit ihrer ach so liberalen Gesinnung im gemachten Nest.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.09.2020

Weniger bissig, aber unterhaltsamer als erwartet

0

Inhalt:
Resi rechnet ab. Mit ihren vermeintlichen Freunden, welche sich stets über ihren Status, ihre Kinder und den Beruf definieren, mit dem Patriarchat, der Gesellschaft, der Wegwerfgesellschaft und ...

Inhalt:
Resi rechnet ab. Mit ihren vermeintlichen Freunden, welche sich stets über ihren Status, ihre Kinder und den Beruf definieren, mit dem Patriarchat, der Gesellschaft, der Wegwerfgesellschaft und ihren Eltern. Sie ist wütend, sie ist verbittert, aber im Grunde genommen hat sie recht und möchte ihren Kindern ein besserer Elternteil sein, als ihre Eltern es damals waren, möchte ehrlich sein, aufklären und die nächste Generation auf das Leben im Haifischbecken vorbereiten. Dies geschieht weniger "schonungslos ehrlich" und "bissig", aber deutlich unterhaltsamer und vielschichtiger als erwartet.

Meine Meinung:
Über dieses Buch habe ich bereits zahlreiche Dinge gelesen. Anscheinend trifft es so gar nicht jeden Geschmack und scheint einigen auch zu provokativ zu sein. Dies war in meinen Augen gar nicht der Fall. Vielmehr liest es sich sehr unterhaltsam und entzaubert ein wenig das stark romantisierte Bild des klassischen Familienmodells (und generell des Gründens von Familien), sowie des Anhäufens von Reichtümern und beruflichem Status. Dies erscheint mir längst überfällig, zeigt sich doch immer mehr, dass weder Geld noch ein erfüllter Kinderwunsch per se glücklich machen und schon gar nicht dann, wenn man Dinge macht, "weil man sie eben so macht". Von Resi hätte ich mir aber gewünscht, dass sie noch viel klarer benennt, was genau sie stört, dass sie ihre "Freunde" und auch ihre (schrecklich verwöhnten und unglaublich faulen) Kinder und ihren (abwesenden und sich stets aus der Affäre ziehenden) Ehemann erstens früher und zweitens konkreter mit ihren Wünschen und der berechtigten Kritik konfrontiert und zweitens generell mehr Nägel mit Köpfen macht.

Schreibstil:
Prägnant und in Tagebuchform lässt Anke Stelling ihre Protagonistin in einem kleinen Kämmerchen schreiben. Der Unmut und die Wut sind aus jedem Satz spürbar. Genau so, wie eine gewisse Ohnmacht, welche die Protagonistin anhand ihrer festgefahrenen Situation verspürt. Dies ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Was mir definitiv gefehlt hat, war das, was über eine blosse Anklage, eine Anprangerung von Missständen hinausgeht. Ein Handeln, ein Schreien, evtl. auch Taten, die sich direkt gegen einige Personen richten, respektive, die Reis dabei helfen, sich selber vermehrt ins Zentrum zu rücken und sich zu emanzipieren und sogar ein Stück weit von ihrem Umfeld zu lösen.

Meine Empfehlung:
"Schäfchen im Trockenen" ist braver, aber definitiv unterhaltsamer als erwartet und auch wenn mir ein wenig der Biss und das Überzogene gefehlt haben, empfehle ich euch das Buch sehr gerne weiter, da es zum Nachdenken anregt und auch einmal einen realistischen Blick auf die sonst oft so romantisierte Idee der Zukunftsplanung mit Haus, Hochzeit und Kindern wirft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere