Cover-Bild Der Wurm
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Ulrike Helmer Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 152
  • Ersterscheinung: 10.04.2025
  • ISBN: 9783897414945
Barbara Imgrund

Der Wurm

Eine kleine Geschichte. Roman
Die stumme Martha kehrt als alte Frau auf den verfallenden Berghof ihrer Familie zurück. Es ist eine Flucht vor der Welt: Denn schon wieder kriecht jener braune »Wurm« ins Tal, der in ihrer Kindheit so viel Leid auf den Berg gebracht hat. Sie will nicht noch einmal erleben, wie sich dieser Parasit in den Köpfen der Menschen einnistet und sie zu unvorstellbaren Taten treibt. Und so hört sie mit dem Essen auf, wie sie im Krieg mit dem Sprechen aufgehört hat. Doch die Welt, der sie entfliehen will, stöbert Martha in ihrem Mauseloch auf. Und nie verheilte Wunden müssen wieder aufreißen, damit schmerzhafte Geheimnisse endlich ans Licht kommen können …

»Eine kleine Geschichte über die Menschlichkeit in Zeiten der Entmenschung, die unaufhaltsam ihre Wucht entfaltet.«

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2025

Ein wichtiges Buch ! Meisterstück !

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„Der Wurm“ von Barbara Imgrund
Verlag: Helmer

„Und so war sie ja viel größer als jene, die sie kleinmachten, die sie erniedrigen und auslöschen würden.“ (Seite 63)

Barbara Imgrund erzählt mit einer Kraft, ...

„Der Wurm“ von Barbara Imgrund
Verlag: Helmer

„Und so war sie ja viel größer als jene, die sie kleinmachten, die sie erniedrigen und auslöschen würden.“ (Seite 63)

Barbara Imgrund erzählt mit einer Kraft, die einen unvermutet trifft. Der Wurm passt leider perfekt in unsere heutige Zeit. Wie damals beginnt er sich zu verbreiten, kriecht tief in die Köpfe hinein und schaltet die Menschlichkeit im Hirn aus.

Martha kehrt als alte Frau zurück auf den Hof ihrer Eltern. Hoch oben auf dem Berg sucht sie Zuflucht vor dem, was unten im Tal schon wieder wächst. Schon in ihrer Kindheit hatte sie erleben müssen, wie der Wurm ihren Vater veränderte und niemand den Mut fand, sich ihm entgegenzustellen. Als eine jüdische Magd durchs Dorf gehetzt wurde, waren Hass und Niedertracht in den Gesichtern der Menschen unübersehbar. Die Entmenschung der Dorfbewohner war präsent.

Das Schweigen, das Martha seit ihrer Kindheit begleitet, ist Ausdruck einer Schuld, die sie niemals loswurde. Eine Schuld, die Luis, ihren Bruder und Beschützer, nicht verschonte und die auch in der Familie tiefe Brüche hinterließ. Franz, ihr Ehemann war der Einzige, der sie je wieder zum Sprechen brachte, doch er ist längst nicht mehr da.

Nun, allein mit den Dämonen der Vergangenheit, wird klar, wie unauslöschlich das Erlebte geblieben ist.

In Rückblenden begegnen wir Martha als jungem Mädchen und als alter Frau. Diese Zeitebenen verweben sich, decken Geheimnisse auf und zeigen, dass Schuld nicht einfach weitergereicht werden kann.
Sie bleibt, sie frisst, sie holt einen ein. Spätestens beim Tode.

Und doch passiert auf dem Berg das unmögliche. Paul, ein Verwandter, zeigt ihr einen ganz anderen Blick auf das Geschehene! Nun steht sie vor einer Möglichkeit des Neubeginns, den Martha selbst kaum für möglich hielt.

Literarisch ist das Werk ein Meisterstück. Ich habe Sätze wiederholt gelesen, bin hängen geblieben, habe diskutiert, weil nichts einfach, nichts glatt erzählt wird. Imgrund legt schonungslos offen, wie schnell die Niedertracht wachsen kann, wenn niemand Haltung zeigt. Genau das macht dieses Buch so gegenwärtig.

Ein Roman über Schuld, Schweigen, Verantwortung und die Mahnung, den Wurm nicht wieder kriechen zu lassen. Es bleibt ein Aufruf, füreinander einzustehen, Werte zu verteidigen und die Liebsten zu beschützen. Ob leise oder laut, entscheidend ist das Handeln.

„Es blieb Übelkeit, das Leiden an dem Übel Mensch und dem, wozu er fähig war.“ (Seite 64)

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Super wichtiges Thema!

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DER WURM – Eine kleine Geschichte
Barbara Imgrund
ET: 27.03.2025

„Der Wurm war im Tal angekommen, und als er sich dort unten breitgemacht hatte, nahm er sich auch die Höhen vor. Kein Ort war vor ihm ...

DER WURM – Eine kleine Geschichte
Barbara Imgrund
ET: 27.03.2025

„Der Wurm war im Tal angekommen, und als er sich dort unten breitgemacht hatte, nahm er sich auch die Höhen vor. Kein Ort war vor ihm sicher, überall gab es Leute, die unzufrieden waren oder nicht genug von dem bekamen, was sie brauchten, und deshalb hatten sie offene Ohren für die Einflüsterung des Schmarotzers“. (S. 39)

Martha ist 87 Jahre alt, als sie ohne Lebenswillen auf den alten, verfallenen Hof ihrer Eltern – direkt am Berg – zurückkehrt.
Als letzte Überlebende ihrer Familie möchte sie Frieden mit den Dämonen ihrer Vergangenheit schließen. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs beging sie als kleines Mädchen einen fatalen Fehler, der unverzeihlich war. Er zerstörte nicht nur ihre Familie, sondern belastete sie ihr Leben lang mit quälenden Gewissensbissen. Nur ihrem Mann, der vor einem Jahr verstarb, konnte sie später die Wahrheit anvertrauen.

Doch Martha lag falsch: bereits lange vor dieser Tragödie war die Familie am Zerbrechen: Der Vater kehrte versehrt aus dem Ersten Weltkrieg heim – griesgrämig und schnell reizbar. Die Mutter brachte fast jedes Jahr ein Kind zur Welt, doch nicht alle überlebten. Die Grippe hatte auch den Hof hoch oben am Berg erreicht. Schließlich aber wurde der Wurm ihr Verderben. Der Nationalsozialismus konnte sich beim Vater einnisten, denn es gab immer mehr hungrige Münder zu stopfen, und die Vorräte reichten nicht aus. Da hatte der Wurm ein leichtes Spiel …

Barbara Imgrund hat hier ein kleines literarisches Meisterwerk geschaffen:
Mit sicherer Hand wechselt sie zwischen der jungen und der alten Martha und lässt uns als Zeitzeugen die Familie im Nationalsozialismus begleiten.
Dieses schmale Büchlein mit gerade einmal 150 Seiten ist ein eindringliches Mahnmal – eine Geschichte, die man gelesen haben muss, um zu verhindern, dass der Wurm jemals wieder Wurzeln schlägt.

Fazit:
Ein spannendes, zeitgenössisches Buch, das Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll verbindet.
Große Leseempfehlung!
5/5

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