Cover-Bild Das letzte Viertel des Mondes
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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Blessing
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 416
  • Ersterscheinung: 28.05.2025
  • ISBN: 9783896677594
Chi Zijian

Das letzte Viertel des Mondes

Karin Betz (Übersetzer)

Ein großes Epos von Liebe und Krieg, Widerstand und Überlebenswillen

Eine alte Frau blickt auf ihr Leben: Sie ist die Witwe des letzten Häuptlings der Ewenken, eines Nomadenvolkes an der russisch-chinesischen Grenze. Ihre Existenz und die ihres Stammes sind bestimmt von den klaren Regeln der Gemeinschaft, der engen Symbiose mit der Natur, den Rentieren, der Jagd, den Wäldern. Doch im China des 20. Jahrhunderts machen die politischen Umwälzungen auch vor der Welt der Nomaden nicht halt. Die japanische Besetzung der Mandschurei zwingt die Männer in den Krieg, der Sozialismus der Mao-Zeit die Familien in die Städte und in geschlossene Häuser. Nur die alte Frau und ihre Sippe halten unbeirrt an ihrer traditionellen Lebensweise fest.

Mit diesem außergewöhnlichen Roman setzt die preisgekrönte Schriftstellerin Chi Zijian dem Volk der Ewenken ein Denkmal und gibt Einblick in das China der Vergangenheit und Gegenwart.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2025

Bewegender Roman

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Stell dir vor, du sitzt an einem Lagerfeuer, tief in den Wäldern an der russisch-chinesischen Grenze, und eine 90-jährige Frau beginnt, dir die Geschichte ihres Volkes zu erzählen und du merkst, du wusstest ...

Stell dir vor, du sitzt an einem Lagerfeuer, tief in den Wäldern an der russisch-chinesischen Grenze, und eine 90-jährige Frau beginnt, dir die Geschichte ihres Volkes zu erzählen und du merkst, du wusstest nicht einmal, dass es dieses Volk gibt. Das letzte Viertel des Mondes von Chi Zijian erzählt von den Ewenken, einem Nomadenvolk, das seit Generationen in enger Verbindung mit der Natur lebt, den Jahreszeiten folgt, mit den Rentieren zieht und jeden Fluss, jeden Berg kennt.

Die Erzählerin der Geschichte ist 90 Jahre alt, die Witwe des letzten großen Häuptlings der Ewenken und sie blickt zurück auf ein Jahrhundert voller Veränderungen, Verluste und Kämpfe. Sie erzählt von einer Zeit, in der die Welt der Ewenken noch unberührt war, und davon, wie Kriege, politische Umbrüche und Umweltzerstörung diese Welt Stück für Stück zerstören. Wälder werden gerodet, Flüsse verschmutzt, Tiere finden kein Futter mehr. Das alles passiert nicht mit einem großen Knall, sondern Stück für Stück, in kleinen Beobachtungen und Veränderungen. Gerade diese leisen Szenen haben mich wirklich tief getroffen.

Chi Zijian zeigt nicht nur das harte Leben der Ewenken, sondern auch ihre Kultur, die Mythen, die Rituale, das Wissen um die Natur. Man spürt den Stolz dieses Volkes, aber auch die Zerbrechlichkeit seiner Welt. Sesshaftmachung, Eingriffe in ihre Traditionen, das Verschwinden der Wälder, all das sind nicht nur Veränderungen, sondern Angriffe auf ihre Identität.

Und doch blitzen immer wieder Momente von Zärtlichkeit und tiefer Verbundenheit auf. Alles wirkt authentisch, und es ist klar, wie viel Recherche und Herzblut in diesem Roman steckt. Ein großes Kompliment geht auch an die Übersetzerin Karin Betz, die es geschafft hat, nicht nur die Worte, sondern auch die Stimmungen und Nuancen ins Deutsche zu übertragen.

Für mich ist dieses Buch nicht nur das Porträt einer Frau, sondern auch das Porträt eines ganzen Volkes, das in wenigen Jahrzehnten an den Rand des Verschwindens gedrängt wurde. Gleichzeitig packt die Autorin Gesellschaftskritik rein -Umweltzerstörung, Raubbau und politische Entscheidungen, die ohne Rücksicht auf kulturelle Folgen getroffen werden.

Das letzte Viertel des Mondes ist für mich ein literarisches Denkmal für die Ewenken, ein kleines Meisterwerk, das betroffen macht und den eigenen Horizont erweitert. Ein Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, Geschichten zu bewahren, bevor sie für immer verloren gehen.

10/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/12/das-letzte-viertel-des-mondes-eine-ewenken-geschichte/

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Benötigt Sitzfleisch, ist aber grandios recherchiert

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Inhalt:
Innerhalb eines einzigen Tages erzählt die über neunzigjährige namenlose Erzählerin, die Witwe des letzten Häuptling der Ewenken - ihre Lebensgeschichte und die Geschichte ihres Volkes. Detailliert ...

Inhalt:
Innerhalb eines einzigen Tages erzählt die über neunzigjährige namenlose Erzählerin, die Witwe des letzten Häuptling der Ewenken - ihre Lebensgeschichte und die Geschichte ihres Volkes. Detailliert wird das Leben im Einklang mit der Natur, den Rentieren und den verschiedenen Geistwesen beschrieben. Mehr und mehr wird das Fortbestehen des Nomadenvolkes allerdings bedroht, Japanische Besatzer, die Sowjetunion sowie die Umbrüche der Moderne gefährden ihre Wälder, ihre Nahrung und ihren Frieden.

Meine Meinung:
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich vor dem Lesen dieses Buches noch nie vom Volk der Ewenken gehört hatte und dies, obwohl dieses aus zahlreichen regionalen Clans bestehende Volk Nordasiens über ein Gebiet verstreut lebt, das grösser ist, als Europa. Chi Zijian hat es aber geschafft, dass ich mich mit der Geschichte der Ewenken auseinandergesetzt habe. Die chinesische Autorin liess sich vom Schicksal der ewenkischen Malerin Liu Ba zu diesem Roman inspirieren. Sie hat einige Monate bei einer Gruppe Ewenken gelebt, jahrelang recherchiert sowie sich mit dem ewenkischen Schriftsteller Ureltu ausgetauscht. Diese grandiosen Recherchen geben dem Roman eine besondere Tiefe und aus jedem Satz ist spürbar, mit welch grossem Respekt und Feingefühl sich Zijian der ewenkischen Kultur und Lebensweise angenähert hat. Dies hat mich tief beeindruckt.

Schreibstil und Aufbau:
Durch die sehr detaillierten, manchmal verzettelt wirkenden Beschreibungen und die vielen Namen ist mir der Einstieg ins Buch - trotz Personenverzeichnis im Anhang - nicht so gut gelungen. Auch hat mir zwar gefallen, dass die Erzählerin ihre ganze Familiengeschichte erzählt, diese wirkte allerdings teilweise wie eine Aufzählung. Die vielen Geschichten, Anekdoten und Märchen der Ewenken haben ein stimmiges Bild ihrer Kultur und ihres Glaubens vermittelt, der Roman plätscherte dadurch aber auch ein wenig vor sich hin.
In vier sehr ungleich langen Teilen wird ein Bogen von der Kindheit der Erzählerin bis in ihr hohes Alter geschlagen und die Bedrohung des Volkes wird dabei immer deutlicher, die Geschichte dadurch gegen Ende immer intensiver, was das ganze Können der Autorin zeigt.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch benötigt ein wenig Zeit und Sitzfleisch. Es hat mich nicht ganz einfach in den Lesemonat Juni starten lassen, mir aber tiefe und sehr berührende Einblicke in das Leben und Schicksal eines bedrohten Volkes gewährt. Wer gerne etwas lernen und sich auf eine sehr ausufernde Geschichte einlassen will, ist mit dem Roman bestens beraten.

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