Wer suchet der findet und wer anklopft dem wird aufgetan
In diesem Roman entführt die Autorin die Leser in die 1990er Jahre. Ich hatte lebhafte Bilder von Telefonzellen, Telefonbüchern und Telefonkarten. Auch erinnerte ich mich an die Zeit als ich mit meinen ...
In diesem Roman entführt die Autorin die Leser in die 1990er Jahre. Ich hatte lebhafte Bilder von Telefonzellen, Telefonbüchern und Telefonkarten. Auch erinnerte ich mich an die Zeit als ich mit meinen Brüdern gemeinsam wöchentlich die Stadtzeitung meiner Heimatstadt verteilte.
Mia, eigentlich Milkaw, kam nach Deutschland, um mit ihrer Familie vereint zu werden. Doch statt ihre Familie zu finden - fand sie Gott. Völlig unwissend was Glauben heißt, nahm sie alles wörtlich und glaubt kindlich. Geprägt war ihre Kindheit von traumatischen Erlebnissen: Sie erlebte sowohl körperlichen als auch geistigen Missbrauch. Trotz allem war sie vertrauensvoll – fast naiv – und zugleich tief misstrauisch.
Kalle ist ein junger Theologie-Student, der für ein Praktikum in einen Teil Bayerns eingeteilt wurde, der als geistlich tot gilt. Viele seiner Vorgänger haben das Praktikum dort vorzeitig beendet. In der Rolle, für Mia ein geistlicher Lehrer zu sein, fühlt er sich überfordert. Besonders Mias kindliche Erlebnisse schockieren ihn zutiefst. Dennoch wächst in ihm der Wunsch, mehr für sie zu sein.
Die Autorin schreibt in einem verständlichen, flüssigen und leicht lesbaren Stil. Szenen und Landschaften sind so gut beschrieben, dass man sie sich mühelos vorstellen kann.
Insgesamt ist es ein sehr tolles Buch, das sich für mich anfangs jedoch schwer lesen ließ. Besonders mit Mias Wechselhaftigkeit tat ich mich zunächst schwer. Richtig fesselnd wurde das Buch für mich ab dem Moment, als Kalle und Mia sich persönlich begegnen. Mias Kindheit ist schwer zu ertragen und für mich kaum vorstellbar – im Gegensatz zu ihr habe ich Gott für mein behütetes Leben zu danken.
Christina hat es wunderbar geschafft, die Suche nach Gott zu beschreiben und zu zeigen, was der Glaube im Leben eines Menschen bewirken kann. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter.