Schlecht gealtert, passt nicht wirklich mehr in unsere Zeit
Inhalt (Klappentext):
"King Kong, der unsterbliche Riesengorilla liebt die blonde Schöne aus New York. King Kong lässt sich im Urwald fangen, um seine Schöne in der Stadt wiederzufinden. King Kong ...
Inhalt (Klappentext):
"King Kong, der unsterbliche Riesengorilla liebt die blonde Schöne aus New York. King Kong lässt sich im Urwald fangen, um seine Schöne in der Stadt wiederzufinden. King Kong sprengt Ketten und kämpft auf Wolkenkratzern. Delos W. Lovelace schrieb nach dem Drehbuch von Edgar Wallace und Merian C. Cooper den Roman "King Kong". Der Urvater aller Katastrophenfilme wurde zum berühmtesten Film von Edgar Wallace, ja zu einem der erfolgreichsten Streifen überhaupt, die in Hollywood produziert wurden. Noch heute ist King Kong einer der meistgesehenen Filme im Kino und Fernsehen. Die Verfolgung des schwarzen Gorillas King Kong und seine Sehnsucht nach der weißen Frau, der er bis in die Straßen New Yorks auf den Fersen bleibt, jagt Millionen Lesern und Filmbesuchern immer noch kalten Schauer über den Rücken. Mit seiner einzigartigen Mischung von Spannung, Abenteuer und Tragik ist King Kong, wie Tarzan, zu einer der bekanntesten Kultfiguren der Welt geworden."
Bewertung:
Jeder wird die Story von King Kong kennen und daher wissen, dass der Klappentext nicht korrekt ist. Von wegen unsterblich, von wegen "lässt sich fangen". Alle wissen, dass King Kong aus Gewinnsucht gefangen und nach New York verschleppt wurde. Im Roman zeichnet man zwar das Bild des tapferen, überlegenen Abenteurers. Gemessen an Worten und Taten erschienen mir die Figuren indes eher überheblich und unempathisch. So konnten sie bei mir wenig Sympathie gewinnen. Ann Darrow ist bei dem Unternehmen nur dabei, weil der Filmemacher Denham meint, für das Publikum sei "das Abenteuer so schal wie Spülwasser (...), wenn nicht von Zeit zu Zeit ein Schmollmündchen erscheint." Dementsprechend wurde in den unmöglichsten Momenten darauf hingewiesen, dass Anns Burst "prall" ist und Ann hier und da "wohlgerundet" und natürlich "goldhaarig" und "weiß" ist. Für Denham zählt nur sein Film und wenn er dabei z. B. einem Nashorn zu nahe kommt, wird das eben abgeknallt. Verkauft wird das als Wagemut und Selbstvertrauen eines Könners. Nur, dass der Könner mit seiner ungestümen Landung auf einer abgelegenen, unbekannten Insel mitten in eine Zeremonie hineinplatzt, ihm anschließend seine Hauptdarstellerin gestohlen wird und er ihr durch den Dschungel nachjagen muss. Ziemlich bald wird der erste Dinosaurier völlig unnötig getötet - man hatte ihn betäubt und dann wurde er kurzerhand erschossen. Man sieht sich einem lebenden Fossil gegenüber und es fällt einem nichts anderes dazu ein, als es kalt zu machen. Kurz danach gibt es die ersten beiden Toten und dann sind vom 14köpfigen Suchtrupp bald nur noch Denham und sein erster Offizier Driscoll übrig, der sich in Ann verliebt hat und sie aus Liebe und Verantwortungsgefühl retten möchte. Vorbei ist es erst einmal mit der Überlegenheit des weissen Mann, welche immer wieder in Bezug auf die schwarzen Inselbewohner geäussert wird. Diese werden als "Wilde" bezeichnet. Dann ist von einem "jungen Eingeborenenmädchen" die Rede, das "selbst für eine Südseeinsulanerin von seltener Anmut" ist. Und es heißt bezüglich des Priesters/"Hexenmeisters", "diese alten Hexenböcke haben gewöhnlich irgendwo einen ganzen Harem versteckt." Um die Überlegenheit des weissen Mannes zu stoppen, braucht es jedoch nach der Meinung von Edgar Wallace eine prähistorische Megafauna säbelzahnbewaffneter Monster. Zusammengefasst, das Buch ist an verschiedenen Stellen schlecht gealtert: Einstellung zu anderen Ethnien, zu Frauen, zur Natur. Ab und zu hatte ich den Verdacht, dass vielleicht doch etwas Anerkennung für die Inselbewohner, für Ann und die Natur, verkörpert von King Kong, zu spüren wäre. Aber der grundsätzliche Tenor war erdrückend. Was die Figuren betrifft, blieben die meisten ziemlich blass, und irgendwie fand ich sie alle zu sehr von sich selbst eingenommen. Bis auf Ann, deren Stärke darin besteht, sich durch das Abenteuer schleppen zu lassen. Als der Haudrauf Denham dann irgendwann zu philosophieren anfing und er dafür bewundert wurde, war es für mich endgültig vorbei mir der Glaubwürdigkeit der Figuren. Besonders Denham war mir zu widersprüchlich und seine positive Darstellung wirkte auf mich aufgesetzt. Was die Handlung betrifft, fand ich es nicht so gut, dass der größte Teil die Vorbreitung der Schiffsfahrt und die Fahrt selbst umfasst. Das Abenteuer im Dschungel war dann schnell erzählt. Es wurden rasch ein paar Echsen tot gemacht und ein paar Menschen gefressen. Dann hopplahopp der Riesenaffe eingefangen, und die Episode in New York ist auch sehr kurz. Der Schwerpunkt der Darstellung war für mich falsch gewählt. Die späteren Episoden hätten ausführlicher sein können. Sprachlich war die Geschichte ok. Teils schlängelte sich ein Satz etwas zu lange. Es gab auch recht viele Adjektive. Aber der Roman las sich flüssig. Insgesamt bewerte ich das Buch mit 3 Sternen