Ein hinreißend frisches Debüt!
Annie ist hochschwanger und auf der verzweifelten Suche nach dem perfekten Babybett, als ein verheerendes Beben die komplette Westküste der USA erschüttert. Sie überlebt, wie durch ein Wunder, unter herabstürzenden ...
Annie ist hochschwanger und auf der verzweifelten Suche nach dem perfekten Babybett, als ein verheerendes Beben die komplette Westküste der USA erschüttert. Sie überlebt, wie durch ein Wunder, unter herabstürzenden Möbeln begraben, und kämpft sich anschließend durch die verwüsteten Straßen um Dom zu finden, ihren Ehemann, der irgendwo da draußen im Chaos sein muss. Fast wie ferngesteuert folgt sie dabei ihrer inneren Stimme, im ständigen Zwiegespräch mit ihrem ungeborenen Kind und begleitet von Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter und Stationen ihres eigenen, brüchigen Lebens. Diese Rückblenden zeigen eine Frau, deren Traum von der Selbstverwirklichung, vom Drehbuchschreiben, an den Anforderungen der Realität zerbrochen ist, und der sich angesichts der Katastrophe jetzt und hier die alles entscheidende Frage stellt: Will sie in ihr altes Leben zurückkehren?
Was ist das nur für ein hinreißendes, großartiges Debüt! Emma Pattee erzählt mit frischem Witz, Tiefe und emotionaler Wucht von einer Frau am Wendepunkt – zwischen Endzeitstimmung und Neubeginn, Angst und Hoffnung, Leben und Tod. „Auf der Kippe“ ist ein kraftvoller Roman über Mutterschaft, Lebensentscheidungen und die Frage, wie man neue Träume auf den Trümmern der alten errichtet. Die post-apokalyptische Kulisse Portlands bildet dabei den perfekten äußeren Spiegel für Annies innere Zerrissenheit; beides zusammen schafft eine enorm intensive Atmosphäre, die mich von Anfang an gepackt und komplett in Atem gehalten hat. Große Empfehlung!
Aus dem amerikanischen Englisch von Stefanie Jacobs.