"Ich wollte doch nur leben"
Wie kann man das Unbegreifliche verstehen? Warum gibt es immer mehr Menschen die meinen, dass wir doch nun endlich mal vergessen müssen? Die Vergangenheit ruhen lassen? Nein, das darf nie geschehen. Warum ...
Wie kann man das Unbegreifliche verstehen? Warum gibt es immer mehr Menschen die meinen, dass wir doch nun endlich mal vergessen müssen? Die Vergangenheit ruhen lassen? Nein, das darf nie geschehen. Warum nicht? Weil die Gefahr zu groß ist, dass sich diese Gräueltaten wiederholen. Aus dem Grund lese ich auch immer wieder Bücher über den Nationalsozialismus und rezensiere sie. Auch dieses von Filip Müller ist ein sehr wertvolles Buch. Er hat drei Jahre seines Lebens in einem Umfeld zugebracht, wie es teuflischer nicht sein konnte.
In dem Buch Sonderbehandlung schildert er, wie es ihm zwischen den vorm Vergasen stehenden Menschen erging. Er beschreibt, welche Freude viele der Aufseher an der Qual ihrer Häftlinge hatten. Nein, Menschen waren das in meinen Augen nicht mehr. Zu bestialisch marterten sie die Gefangenen. Ja, sie machten sich sogar einen Spaß daraus, Babys zu ermorden und
Mütter dabei zuschauen zu lassen.
Nach der ersten Auflage seines Buches wollte Herr Müller keiner weiteren Veröffentlichung zustimmen. Der Grund: Er und seine Familie wurden bedroht. Ja, sie bekamen sogar Morddrohungen. Unvorstellbar? Nein, für mich nicht. Der Geist der Täter lebt leider immer noch und ja, die Anhänger des Nationalsozialismus kennen kein Unrechtsbewusstsein. Noch schlimmer für mich, dass sie gefühlt immer mehr werden.
Wie gut, dass die Familie von Filip Müller einer Neuauflage zustimmte. Anlass war sein 100. Geburtstag. Dafür bin ich dankbar. Denn nur so können wir hautnah erfahren, was damals wirklich geschah. Leider wollten etliche Beteiligte gerne vertuschen, woran sie aktiv mitwirkten. Und leider gelang es vielen von ihnen auch. Einen „Persilschein“ bekamen viele und etliche flohen in ferne Länder. Herr Mengele war einer von ihnen. Warum wurde ihm dabei geholfen? Das verstehe wer will. Ich nicht.