Cover-Bild Ausreden
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16,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Zsolnay, Paul
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 27.01.2026
  • ISBN: 9783552076365
Florian Klenk

Ausreden

Elfriede Blauensteiner - Ein Bekenntnis
»Wir alle haben, sensationsgeil, wie wir sind, die Augen nicht von dieser Frau und ihren gleichzeitig raffinierten wie ungeheuerlichen Morden lassen können, aber die Augen sind zu schwach. Es muss jemand kommen, der uns von den Augen aufs Hirn umstellt und das in den Schraubstock dieses Buches spannt, bis wir ihm nicht mehr auskommen können.« Elfriede Jelinek

Elfriede Blauensteiner, bekannt als »schwarze Witwe«, wurde Anfang 1996 verhaftet und später wegen mehrfachen Mordes an Pflegefällen und Partnern verurteilt. Hier spricht sie in einer dokumentarischen Selbstaufzeichnung. Was man hier liest, ist kein Roman, kein Krimi, sondern ein aufgeschriebenes Leben.
Hier wird ausgesagt. Aus Protokollen, Gutachten, Auskünften entsteht ein Monolog, der uns zwingt, unsere Vorstellungen von Schuld, Gerechtigkeit und Empathie neu zu justieren. Natürlich geht es darin um Schuld, aber nicht im juristischen Sinn. Ja, diese Frau hat Menschen ermordet. Aber wer mit sieben Jahren weiß, dass die eigene Mutter den Tod des Kindes mehr ersehnt als seine Gesundung, der entwickelt keinen Sinn für Moral.
Es gibt Bücher, die lassen sich nicht weglegen. Nicht, weil sie unterhaltsam sind, sondern gerade, weil sie kaum erträglich sind. »Ausreden« ist ein solches Buch.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

beeindruckend

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Der Journalist und Publizist Florian Klenk hat mit seinem Buch "Ausreden" den Versuch gewagt das Leben der Serienmörderin Elfriede Martha Blauensteiner anhand von Protokollen zusammenzufassen.

Elfriede ...

Der Journalist und Publizist Florian Klenk hat mit seinem Buch "Ausreden" den Versuch gewagt das Leben der Serienmörderin Elfriede Martha Blauensteiner anhand von Protokollen zusammenzufassen.

Elfriede Blauensteiner, in Österreich auch als "Schwarze Witwe" bekannt, suchte sich ihre Opfer per Kontaktanzeigen, um nach ihrem Tod an ihr Vermögen zu gelangen. Sie war im höchsten Maße spielsüchtig und verspielte ihre "Beute" anschließend in den Casinos.
Florian Klenks Schreibstil war im ersten Moment für mich gewöhnungsbedürftig, aber war absolut stimmig zum Text. Die zugrundeliegenden Protokolle der Gerichtspsychiaterin lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Sätze ohne Gefühl oder gar Reue gehen tief und ließen mich öfter den Kopf schütteln.

Das Aufwachsen von Blauensteiner war ein hartes und entbehrliches Stück Kindheit, geprägt von Kälte und Gewalt. Doch dies war in der damaligen Zeit leider üblich und dennoch wurden nicht alle Kinder als Erwachsene zu Serienmördern. Ein Gedankenspiel, welches bis heute Gültigkeit hat, wann entscheidet es sich, welche Mensch durch seine Kindheit zum Mörder wird und welcher nicht.

Besonders Lesenswert fand ich die Passage, in dem Klenk aus der Sicht der Tochter Blauensteiner berichten kann, mit der er persönliche Gespräche führen konnte. Ein völlig konträres Bild zu den Einlassungen der Mutter, die sich immer als Versorgende, pflegende und liebende Person darstellte, die nie morden, sondern nur helfen wollte.

Florian Klenk hat mit "Ausreden" ein beeindruckendes Bild einer Serienmörderin geschaffen.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Warum wird ein Mensch zum Mörder?

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1996 sorgte in Österreich und auch international der Fall der Elfriede Blauensteiner für Aufsehen, die mehrere Menschen, die sie pflegte, ermordet und sich an ihrem Vermögen bereichert hat. Der Journalist ...

1996 sorgte in Österreich und auch international der Fall der Elfriede Blauensteiner für Aufsehen, die mehrere Menschen, die sie pflegte, ermordet und sich an ihrem Vermögen bereichert hat. Der Journalist Florian Klenk hat Aussagen Blauensteiners, die während eines Gesprächs mit der Gerichtspsychologin Sigrun Roßmanith in der Justizvollzugsanstalt protokolliert wurden, redigiert und gekürzt. Der dabei entstandene Monolog bildet den ersten Teil von „Ausreden“ und vermittelt einen interessanten Eindruck von Elfriede Blauensteiner und ihrem Selbstbild.

Der zweite Teil besteht aus der „Nachrede“, in welcher der Autor über die Fakten, die zu den Fällen bekannt sind, Blauensteiners Herkunft, ihre Familie und die damals sehr sensationslüsterne Berichtserstattung von Teilen der Presse schreibt.

Da das Buch mit dem Monolog beginnt und ich mit Blauensteiners Fall nicht vertraut war, sind manche Passagen schwer zu verstehen. Im Nachhinein hätte ich lieber den zweiten Teil zuerst gelesen. Zudem frage ich mich, wie stark das Protokoll redigiert und gekürzt wurde, weil der Text in seiner Form beinahe poetisch wirkt und nicht wie natürliche gesprochene Sprache.

„Ausreden“ ist kein klassisches „True Crime“-Buch, das den Fokus auf die Taten selbst legt. Vielmehr interessiert hier der soziologische Aspekt: Welchen Anteil hatte Elfriede Blauensteiners Kindheit daran, dass sie einerseits fixiert darauf war, zu füttern und zu pflegen, und sie anderseits hilfsbedürftige Menschen quälte und schließlich gezielt ermordete? Blauensteiners Aussagen im Monolog lassen auf eine lieblose, entbehrungsreiche Kindheit schließen. Wie wirkte sich das auf ihre Moral aus?

Beim Lesen wird schnell deutlich, dass Blauensteiners Angaben zu den Todesfällen „Ausreden“ sind und den gerichtsmedizinischen Gutachten widersprechen. Ich fragte mich deswegen allerdings, inwieweit ich dann ihren Angaben zu ihrer Kindheit Glauben schenken darf. Hat sie hier auch gelogen, die Tatsachen bewusst verdreht? Hier hätte ich gerne etwas darüber erfahren, ob Florian Klenk versucht hat, Blauensteiners Angaben zu ihrer Kindheit zu verifizieren, auch wenn dies nach so vielen Jahren schwierig sein dürfte. Da er seine kriminalsoziologische Argumentation jedoch auf eben diesen Angaben gründet, fände ich es wichtig zu erfahren, inwieweit diese überhaupt zutreffend sind. Daher ist der Erkenntnisgewinn des Buches für mich begrenzt und Klenks Schlüsse stehen auf wackligen Beinen. Das Buch regt jedoch in jedem Fall dazu an, sich über die Gründe Gedanken zu machen, aus denen manche Menschen zu Straftätern werden und andere, die einen ähnlichen Hintergrund haben, nicht.

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