Abgabetermine, Zigaretten und Auflistungen
Auf Frances Ann „Fran“ Lebowitz bin ich durch die TV-Serie "Pretend It’s a City" (2020) von Martin Scorsese aufmerksam geworden. Ich fand sie unglaublich witzig und schlagfertig. Während Scorsese fast ...
Auf Frances Ann „Fran“ Lebowitz bin ich durch die TV-Serie "Pretend It’s a City" (2020) von Martin Scorsese aufmerksam geworden. Ich fand sie unglaublich witzig und schlagfertig. Während Scorsese fast vom Stuhl fiel vor Lachen und ich dachte, er stirbt während des Gesprächs an Schnappatmung, verzog Fran Lebowitz kaum eine Miene. Daher musste ich diese Zusammenstellung ihrer Kolumnen aus den 1970er- und frühen 1980er-Jahren unbedingt lesen.
Ihre frühen Texte sind in der Zeitschrift "Interview" von Andy Warhol erschienen, später veröffentlichte sie in der "Mademoiselle". Lebowitz liebt New York, noch schöner wäre es aber wohl ohne die Menschen darin. Und so porträtiert sie mit scharfem Auge und scharfer Zunge, was ihr täglich widerfährt. Besonders unangenehm sind ihr Hunde(haufen), Kinder (obwohl sie dies nicht direkt zugibt) und L.A. Letzteres liegt natürlich am anderen Ende des Kontinents, aber das macht es nicht besser. Auch Abgabetermine sind der Kolumnisten ein Gräuel, die lieber erst am Nachmittag aufsteht, wenn es denn unbedingt sein muss.
In ihrer Einleitung schreibt sie, dass ihre Texte beileibe nicht zeitlos seien und man dies auch nicht erwarten könne. Die Beträge sollten vielmehr als das gelesen werden, als was sie gedacht waren: Kunstgeschichte. "Kunstgeschichte ein wenig anders allerdings: modern, relevant, aktuell, Kunstgeschichte auf dem neuesten Stand. Kunstgeschichte im Entstehen." (S. 12)
Mich haben nicht alle Texte umgehauen, wahrscheinlich habe ich sie auch einfach nicht verstanden, da fehlt dann wohl doch der zeitliche Kontext. Insgesamt war die TV-Serie amüsanter, aber viele der Kolumnen sind immer noch wunderbar zu lesen und zeichnen ein Bild dieser großartigen Stadt und ihrer Bewohner mit all ihren Licht- und Schattenseiten.