Sardische Familienfehden zwischen Liebe und Politik – ein Roman, der überfordert
Die sardische Hochzeit von Grit Landau ist ein Roman, der erneut zeigt, dass die Autorin ein Talent für lebendige, detailreiche Geschichten hat. Die Liebesgeschichte von Leo und Gioia, die schon in früheren ...
Die sardische Hochzeit von Grit Landau ist ein Roman, der erneut zeigt, dass die Autorin ein Talent für lebendige, detailreiche Geschichten hat. Die Liebesgeschichte von Leo und Gioia, die schon in früheren Bänden ihren Anfang nahm, bietet viele emotionale Momente und interessante Entwicklungen. Allerdings gestaltet sich der Einstieg für Neueinsteiger sehr schwierig. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass die Vielzahl der Figuren, italienischen Namen und komplexen Familienverhältnisse eine große Herausforderung darstellen. Obwohl die Familienverhältnisse zu Beginn erklärt werden, verliert man im Laufe des Romans oft den Überblick: Wer ist Cousin von wem, wer gehört zu welchem Handlungsstrang, wer mischt politisch mit?
Besonders störend fand ich, dass die politischen und historischen Hintergründe ständig in die Geschichte eingewoben werden. Das sorgt zwar für ein authentisches sardisches Flair, drängt aber die eigentliche Liebesgeschichte in den Hintergrund. Als Leserin wird man mit Informationen und Ereignissen konfrontiert, die ohne Vorkenntnisse aus den vorherigen Bänden schwer verständlich sind. Dadurch wirkt die Handlung teilweise überladen und chaotisch.
Dennoch bietet der Roman viele schöne Momente und die Sardische Kulisse ist lebendig und anschaulich beschrieben. Fans der Serie werden vermutlich Gefallen an den zahlreichen Verflechtungen finden, Neulinge könnten jedoch schnell überfordert sein. Insgesamt ist Die sardische Hochzeit ein lesenswerter Roman, der allerdings durch die Vielzahl an Figuren und komplexen Verhältnissen sein Potenzial nur teilweise entfaltet.