Meisterhaftes Psychospiel über Liebe, Schuld und Masken
Ein Sturm zieht auf – nicht draußen in den nebligen Hügeln der Cotswolds, sondern zwischen den Seiten dieses Thrillers. Als Detective Rebecca Dance in jener eisigen Nacht eintritt, spürt man sofort, dass ...
Ein Sturm zieht auf – nicht draußen in den nebligen Hügeln der Cotswolds, sondern zwischen den Seiten dieses Thrillers. Als Detective Rebecca Dance in jener eisigen Nacht eintritt, spürt man sofort, dass hier mehr in der Luft liegt als nur der metallische Geruch von Blut. Was wie ein klarer Fall aussieht, entwickelt sich unter Blackhursts Feder zu einem raffinierten Spiel aus Wahrheit, Täuschung und verdrängter Erinnerung.
Besonders faszinierend ist, wie die Autorin ihre Geschichte in mehreren Stimmen erklingen lässt. Durch Anna, die sich selbst im Zentrum des Albtraums wiederfindet, und Rose, Lukes erste Frau, entfaltet sich ein vielschichtiges Psychogramm weiblicher Stärke, Verletzlichkeit – und Rache. Beide öffnen dem Leser Türen in ihre Vergangenheit, in Zeiten, als Liebe noch Erlösung versprach, bevor sie zur Falle wurde. Dazwischen steht Rebecca, die unermüdliche Ermittlerin, die mit messerscharfem Verstand versucht, aus einem Chaos aus Emotionen, Lügen und Schweigen ein Muster zu erkennen.
Ich habe jede dieser Frauen auf ihre Weise ins Herz geschlossen – vielleicht, weil sie alle so erschreckend menschlich sind. Ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre kleinen Selbsttäuschungen sind so greifbar, dass man glaubt, selbst mitten in diesem emotionalen Minenfeld zu stehen. Mein Kopfkino lief unaufhörlich – jede neue Enthüllung, jeder Rückblick fügte ein weiteres, düsteres Puzzleteil hinzu.
Blackhurst schreibt mit einer Wucht, die einen atemlos zurücklässt. Ihre Bilder sind so klar, dass man die Schatten in den Ecken spürt und das Knistern von Geheimnissen hört. Schon der Prolog schlägt zu wie ein Donnerschlag – und danach wird es nur noch intensiver. Immer wieder glaubt man, die Wahrheit zu kennen, nur um auf der nächsten Seite eines Besseren belehrt zu werden. Und dann dieses Ende! Ein herber Schlag in die Magengrube, der alles bisher Gelesene in ein neues Licht taucht – gefolgt von einem Epilog, der noch einmal alles über den Haufen wirft. Wahnsinn!
Fazit: Dieser Thriller ist ein meisterhaftes Psychospiel über Liebe, Schuld und die Masken, die wir tragen. Hier ist wirklich nichts, wie es scheint – und niemand, dem man trauen sollte. Unbedingt lesen!