Freundschaft im Schatten des Augenblicks
Die Freundschaft zwischen Elk und Mab haut einen sofort um — nicht so ein weiches „wir-halten-zusammen“-Gedöns, sondern dieses rohe, klaffende Ding, das an die Knochen geht. Nach der Party-Nacht ist nichts ...
Die Freundschaft zwischen Elk und Mab haut einen sofort um — nicht so ein weiches „wir-halten-zusammen“-Gedöns, sondern dieses rohe, klaffende Ding, das an die Knochen geht. Nach der Party-Nacht ist nichts mehr selbstverständlich; Nähe wird zu einer Gratwanderung, Geheimnisse wie Messer, und plötzlich sitzt man mit einem Kloß im Hals da und fragt sich, wann das Verzeihen kommt — oder ob es überhaupt kommt. Jenny Valentine schreibt mit einer Stimme, die gleichzeitig zart und kompromisslos ist: poetische Bilder, aber keine Sentimentalität, stattdessen immer wieder dieser unangenehme, echte Kern, der hängen bleibt.
Erzähltechnisch jongliert das Buch geschickt mit Rückblenden und dem Jetzt — das schafft Spannung, ohne auf Effekthascherei zu setzen. Figuren wie Knox und France sind mehr als Staffage; sie verschieben das Gefüge der Freundinnen auf überraschende Weise. Trauer wird nicht dramatisiert, sondern als lebensstörende Realität gezeigt: leise, hart, manchmal absurd. Genau das macht die Lektüre so nachhaltig.
Kritikpunkt: Einige Passagen im mittleren Drittel ziehen sich. Die Innenarbeit der Figuren wird wiederholt durchlaufen, was das Tempo drosselt. Trotzdem: Wenn das Ende dann kommt, fühlt es sich verdient an — nicht konstruiert, sondern wie das Ergebnis eines langen, ehrlichen Denkprozesses.
Fazit: Ein Jugendroman, der älter macht — im besten Sinne. Für alle, die Freundschaft, Verlust und die schwer fassbaren Zwischenräume dazwischen lesen wollen. Kein Feel-good, aber ein echtes Buchherz. 4,5 Sterne — weil Emotion, Sprache und Figurenzeichnung überwiegen, trotz kleiner Längen.