Cover-Bild Wir sind das Klima!

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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: E-Books im Verlag Kiepenheuer & Witsch
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Ersterscheinung: 12.09.2019
  • ISBN: 9783462320213
Jonathan Safran Foer

Wir sind das Klima!

Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können
Stefanie Jacobs (Übersetzer), Jan Schönherr (Übersetzer)

Jonathan Safran Foer schafft es erneut, uns ein komplexes Thema wie die Klimakrise so nahe zu bringen wie niemand sonst. Und das Beste: Einen Lösungsansatz liefert er gleich mit.
Mit seinem Bestseller »Tiere essen« hat Jonathan Safran Foer weltweit Furore gemacht: Viele seiner Leser wurden nach der Lektüre Vegetarier oder haben zumindest ihre Ernährung überdacht. Nun nimmt Foer sich des größten Themas unserer Zeit an: dem Klimawandel. Der Klimawandel ist zu abstrakt, deshalb lässt er uns kalt. Foer erinnert an die Kraft und Notwendigkeit gemeinsamen Handelns und führt dazu anschaulich viele gelungene Beispiele an, die uns als Ansporn dienen sollen. Wir können die Welt nicht retten, ohne einem der größten CO2- und Methangas-Produzenten zu Leibe zu rücken, der Massentierhaltung. Foer zeigt einen Lösungsansatz auf, der niemandem viel abverlangt, aber extrem wirkungsvoll ist: tierische Produkte nur einmal täglich zur Hauptmahlzeit.
Foer nähert sich diesem wichtigen Thema eloquent, überzeugend, sehr persönlich und mit wachem Blick und großem Herz für die menschliche Unzulänglichkeit. Und das Beste: Seinen Lösungsansatz können Sie gleich in die Tat umsetzen.

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich in 3 Regalen.
  • 1 Mitglied hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2019

Wichtiges Thema - scheitert für mich an der Umsetzung.

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Hoffnung, Erwartungen und Vorfreude waren bei diesem Buch sehr groß - und fielen mit jeden Kapitel mehr in sich zusammen.

Die grundsätzliche Idee dieses Buches ist so wichtig und muss viel mehr und deutlicher ...

Hoffnung, Erwartungen und Vorfreude waren bei diesem Buch sehr groß - und fielen mit jeden Kapitel mehr in sich zusammen.

Die grundsätzliche Idee dieses Buches ist so wichtig und muss viel mehr und deutlicher an- und ausgesprochen werden. In aller Kürze wird hier die These vorgestellt, dass es enorme gemeinschaftliche positive Auswirkungen auf das Klima hätte, wenn alle Menschen vegan leben würden (oder zumindest zu 2/3 vegan - keine Tierprodukte vor dem Abendessen). Ja klar, da sind viele andere Faktoren wie Emmissionen und Industrieverschmutzungen, ganz zu schweigen von Politikern, die zu wenig einwirken oder gar nicht erst "glauben" - aber darum geht es in diesem Buch nicht.

Dieses Buch richtet sich an Menschen, die sagen "Ja, was kann ich als einzelne Person schon ausrichten, das macht doch keinen Unterschied." Und vielleicht recycelt diese Person auch schon. Oder fährt weniger mit dem Auto. Oder nutzt nur noch die Öffis. Und auch wenn das alles sehr lobenswert ist, brungt es in der Summe nicht viel. Und: Nicht jeder Mensch kann z.B. komplett aufs Auto verzichten.

Die Änderung der Ernährung aller hingegen würde eine gewaltige Auswirkung haben. Und jeder könnte theoretisch sofort damit anfangen. Darum geht es in diesem Buch. Leider schafft es das Buch nicht, seine Botschaft klar, deutlich und mitreißend rüberzubringen - es kratzt nur hier und da an der Oberfläche.

Und ich bin ein großer Fan von Foers Argumentation. Ich habesie so freudig erwartet und wollte dieses Buch so sehr ins Herz schließen. Denn mir selbst fehlt so oft der ökologische Faktor bei so vielen Diskussionen um Veganismus. Nicht falsch verstehen: Ethische Gründe, vergan zu leben, sind richtig und wichtig, keine Frage. Trotzdem geht der ökologische Aspekt zu oft unter, und wenn man sich den Zustand unseres Planeten anschaut, darf dieser Aspekt nicht so ins Hintertreffen geraten. Ich war also willens und bereits, Foer zuzujubeln. Und das Buch fing auch ganz stark an, endete aber in... Gleichgültigkeit. Was ist passiert?

Teil 1: Foer nimmt sich viel Zeit, seine Idee zu erläutern. Er baut ganz sachte ein schönes Narrativ auf, ein sehr langes Eröffnungsplädoyer, wie ein gewaltiger Essay. Mir hat das sehr gut gefallen. Foer nutzt verschiedene Beispiele von Individuuen, die zusammen für "das große Ganze" arbeiten und bedrohliche Situationen durch diese Gemeinschaftsleistung (nicht nur, sondern auch) überwinden. Er stellt die Unterschiede in der Begrifflichkeit von glauben vs. wissen dar und dass es am Ende gar nicht (nur) zählt, ob du etwas weißt oder nicht - es ist der Glaube, der dich zur Tat schreiten lässt. Die Beispiele reichen von geschitlichen bis sehr persönlichen, von Überblick bis Introspektive, er springt hin und her und baut seine Argumentation sehr langsam auf. Erst kurz vor Ende verwebt alle Stränge zusammen und präsentiert die tiefliegende Intention des Buchs. Mir hat diese Herangehensweise sehr gefallen.

Teil 2: Ein paar Seiten mit konkreten Fakten. 3-5 Fakten pro Seite, thematisch sortiert, es geht um Klimawandel, Massentierhaltung und die gegenseitige Beeinflussung. Für mich persönlich nichts Neues, aber mir gefiel der deutliche Kontrast zwischen dem langen, eher philosophischen Teil 1 und der krassen "in your face"-Darstellung der Fakten. Ich war wach und bereit, weiter geht's!

Teil 3: Hier kam die Narrative für mich ins Schlingern. Vom Stil her Teil 1 sehr ähnlich, viele Beispiele wurden erneut aufgegriffen. Allerdings hatte dieser Teil einen anderen Blickwinkel, es war mehr ein konkreter Handlungsaufruf. Mir war dieser allerdings zu zahm. Hinzu kommt, dass die stilistische Wiederholung den Effekt von Teil 1 im Nachhinein etwas beliebiger gemacht hat - schade.

Teil 4: Ist ein langes Interview von Foer mit sich selbst/seiner Seele. Da hat er mich komplett mit verloren. Foers großes Problem ist, dass er selbst große Probleme damit hat, komplett vegan zu leben, auch wenn er das selbst als beste Lösung anerkennt. Aber er schafft es nicht, seine Gelüste nach einem Burger hier oder Milch da sind zu stark und er gibt nach. Das erwähnt er an verschiedenen Stellen im Buch, diese Zerissenheit/Heuchelei, versucht sie zu erklären, sich zu rechtfertigen. Teil 4 beinhaltet in erster Linie dieses inneren Konflikt. Und auch wenn das alles sehr offen und ehrlich ist, schwächt es seine eigene Rolle als Autor und öffnet möglichen Kritikern Tür und Tor für Fragen wie: "Warum sollte ich deinem Rat folgen, wenn du dich selbst nicht daran hälst?" Hier fehlte mir Motivation, Optimismus, Anreiz. Stattdessen fühlte ich mich, als würde mir der Autor seine Sünden und Gelüste beichten, aber wer bin ich, um ihm Absolution zu erteilen, und warum sollte ich das tun? Das hat mich sehr ratlos zurückgelassen.

Teil 5: Das Finale, aber anstatt nun endlich zum Punkt zu kommen und alles zusammenzuführen, gibt es wieder ein Kapitel wie eine Mischung aus den Teilen 1 und 3: gleicher Stil, gleiche Beispiele, mehr Familienangelegenheiten plus ein sehr persönlicher Brief von Foer an seine Kinder (fragt er sie auch nach Absolution?) und dann war das Buch einfach zu Ende. Kein Schlussstatement, kein Fazit.

Es gibt einen sehr umfangreichen Anhang mit Quellenangaben und Bibliografie, aber es ist nicht leicht, die Quellen zuzuordnen, da der Haupttext selbst keine Fußnoten beinhaltet. Lesende müssen also nach der betreffenden Textstelle suchen. Kann man machen, ist aber umständliche - hier hätte ich mir besseren Service gewünscht. Vor dem eigentlichen Anhang gibt es noch einen längeren Appendix mit Fakten zur Massentierhaltung. Sowas habe ich im Haupttext vermisst (auch wenn sich Foer in diesem Appendix zu sehr auf verschiedene Interpretationsformen der Studien versteift als mit den Ergebnissen an sich zu arbeiten).

Ein anderes aktuelle Buch zum Thema ist "Die unbewohnbare Erde" von David Wallace-Wells - geschrieben, nachdem ein gleichnamiger Essay im New York Magazine quasi durch die Decke ging. Foer zitiert diesen Essay, und ein bisschen hatte ich das Gefühl als wollte er versuchen, es Wallace-Wells gleichzutun: Einen starken Essay schreiben und ein Buch drumrum stricken. Und nun, hätte Foer nur den Essay (Teil 1) geschrieben, vielleicht noch mit den Fakten aus Teil 2 zum Unterfüttern - es hätte für mich richtig gut funktioniert als starkes, bewegendes, einnehmendes Schriftstück. Als repitives Buch das außer dem Eröffnungsteil kaum neue Einblicke bietet, hat es für mich leider nicht funktioniert. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Foer der Klimabewegung damit einen Gefallen getan hat, sei es, im Bestreben den Klimawandel zu bekämpfen oder die Themen Veganismus und/oder bewusster(e) Ernährung zu verbreiten..

Schließlich verweist Foer einige Male auf Al Gores Film "Eine unbequeme Wahrheit". Er lobt die generelle Botschaft des Film, kritisiert ihn aber in zwei Punkten: Erstens, dass er den Faktor Ernährung/Massentierhaltung überhaupt nicht mit einbezieht - diese Lücke schließt Foers Buch (naja, teilweise...). Zweitens kritisiert er das Ende des Films, die Aufforderungen seien zu weiche, zu uninspiriert, zu wenig: "Sprich mit einen Eltern" oder "Schreib deiner zuständigen politischen Vertretung" usw. - mag sich alles richtig anfühlen, wird dir ein gutes Gefühl geben, aber wird aber kaum was bringen. Und ziemlich genau so geht es mir auch mir Foers Buch. Ich bin wirklich ratlos und erstaunt wie wenig mich dieses Buch inspiriert hat.

Ich kann es leider nicht bedingunglos empfehlen, so sehr ich mir das auch gewünscht hätte.